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Aktivkohle als Detox-Kur?

Aktivkohle wird schon seit langem als „Medizinische Kohle“ bei Durchfall und gegen Vergiftungen eingesetzt.

Seit einiger Zeit wird sie zudem intensiv propagiert als Detox-Kur zur „Entgiftung“ – zum Beispiel in Smoothies.

Funktioniert das und ist das überhaupt gesund? Und was ist überhaupt Aktivkohle?

Hier dazu eine kurze Information:

Was ist Aktivkohle?

Aktivkohle besteht überwiegend aus hochporösem, feinkörnigem Kohlenstoff mit großer innerer Oberfläche – wobei die Poren wie bei einem Schwamm untereinander verbunden sind. Laut Wikipedia beträgt die innere Oberfläche zwischen 300 und 2000 m2/g Kohle. Dadurch entspricht die innere Oberfläche von vier Gramm Aktivkohle ungefähr der Fläche eines Fußballfeldes. 

Diese Eigenschaft prädestiniert die Aktivkohle für den Einsatz als Adsorbtionsmittel in Chemie und Medizin, aber auch in vielen technischen Anwendungsbereichen wie Trinkwasseraufbereitung, Abwasserbehandlung sowie Lüftungs- und Klimatechnik.

Gefragt ist dabei die Fähigkeit der Aktivkohle, andere Stoffe wie etwa Toxine, Chemikalien oder auch Geruchsmoleküle an ihrer Oberfläche an sich zu binden.

 

Aktivkohle gegen Durchfall

Aktivkohle kann bei Durchfall Auslöser wie etwa Bakterien oder Schadstoffe an sich binden. Sie werden dadurch zunächst unschädlich gemacht und danach über den Stuhl aus dem Körper transportiert. Aktivkohle war daher über lange Zeit ein unverzichtbarer Bestandteil der Reiseapotheke.

 

Aktivkohle gegen Vergiftungen

Wurden toxische Chemikalien oder auch giftige Pflanzenstoffe eingenommen, kann die Gabe von Aktivkohle helfen, die Giftstoffe zu binden und ihre Aufnahme in den Organismus zu hemmen. Weil die Aktivkohle bis zu ihrer Ausscheidung im Verdauungstrakt bleibt, funktioniert das allerdings nur solange, wie die Giftstoffe sich noch dort befinden. Auf Giftstoffe, die bereits in den Organismus aufgenommen wurden, hat die Aktivkohle keinen Einfluss mehr. Zudem wirkt die Aktivkohle zwar gegen viele, aber nicht gegen alle Giftstoffe.

 

Aktivkohle als Detox-Kur

Dieser Empfehlung liegt die Vorstellung zugrunde, dass man durch Zusatz von Aktivkohle zum Beispiel in Smoothies Giftstoffe im Körper binden und damit ausleiten kann.

Das könnte allenfalls funktionieren für Giftstoffe im Verdauungstrakt, weil die Aktivkohle den Verdauungstrakt nicht verlässt. Die Vorstellung, das Aktivkohle Giftstoffe ausleitet, die irgendwo sonst im Körper vorhanden sind, entbehrt jeder Grundlage.

Entscheidend ist aber, dass die Aktivkohle nicht „weiss“, welche Substanzen für uns Giftstoff sind und entfernt werden sollten. Sie bindet undifferenziert alles, was sie binden kann, darunter auch wichtig und nützliche Nahrungsbestandteile wie Vitamine, aber auch zeitgleich eingenommene Arzneimittel, die dadurch an Wirksamkeit einbüssen.

Dieser Punkt allein schon macht eine Detox-Kur mit Aktivkohle fragwürdig. Solche Aktivkohle-Smoothies müssten über längere Zeit eingenommen werden. Die Aktivkohle wird dabei mit grosser Wahrscheinlichkeit auch wertvolle, andere Smoothie-Bestandteile binden genauso wie wichtige Inhaltsstoffe der übrigen Nahrung.

Der ganze Detox-Boom ist sowieso ziemlich fragwürdig, unter anderem auch, weil die Detox-Vorstellung das Vertrauen in unseren Organismus untergräbt.

Sieh dazu auch:

Detox ist Unsinn

Detox entschlankt nur den Geldbeutel

Detox: Fragwürdiger Trend mit Entgiftungskuren

Detox-Kuren: Eingebildete Lösungen für nicht existierende Probleme

Entgiftungsdiäten & Detox-Diäten – bodenlose Versprechungen

 

 

Zu den medizinischen Anwendungen der Aktivkohle siehe auch:

Aktivkohle bei Durchfall

Wirkstoffkunde: Was ist Aktivkohle?

Aktivkohle bei akuten oralen Vergiftungen

 

Wie sich Durchfall mit Heilpflanzen behandeln lässt, können Sie lernen in meinen Lehrgänge, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

Schmerzmittel: Entzündungswidrige Ernährung statt Ibuprofen und Diclofenac?

Das Magazin „Focus“ publiziert einen Artikel unter dem Titel:

„Statt Ibuprofen und Diclofenac

Alternative zu Schmerzmitteln: Wie Sie Entzündungen wegessen können

In der Einleitung schreibt die Autorin:

„Knie entzündet, Schulter schmerzt? Mediziner sehen darin noch nicht zwangsläufig einen Grund, zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac zu greifen – viel zu stark seien die Nebenwirkungen. Viele plädieren stattdessen auf eine entzündungshemmende Ernährung – FOCUS Online zeigt, wie die aussehen könnte.“

Was ist davon zu halten? Schauen wir uns den Text genauer an.

Die Autorin weist darauf hin, dass viele Patienten bei Entzündungen schnell zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen und Diclofenac greifen und zitiert dann den Spormediziner Klaus Pöttgen, der davon abrät: „Die Nebenwirkungen dieser Medikamente sind viel zu stark“. Stattdessen empfiehlt Pöttgen eine „regenerative Sporternährung“ – also Lebensmittel, die Entzündungen hemmen sollen.

Fünf dieser Lebensmittel empfiehlt Focus online:

Sauerkirschen, Zitronen, Ananas, Kurkuma, Omega-3-Fettsäuren aus Ölen.

Grundsätzlicher Kommentar:

  1. Dass Entzündungen sich über die Ernährung hemmen lassen, ist vorstellbar und es gibt einige Hinweise für eine solche Wirkung.
  2. Entzündungshemmer aus der Gruppe der NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac können tatsächlich ernsthafte Nebenwirkungen und Risiken haben, insbesondere bei höherer Dosierung und bei längerdauernder Einnahme.

 

Heikel an diesem Artikel ist die Absolutheit der Aussage.

Bei hoch entzündeten Gelenken – zum Beispiel in einem Polyarthritis-Schub – reicht die entzündungshemmende Wirkung über die Ernährung in der Regel nicht aus. In solchen Fällen kann es wichtig sein, die Entzündung mit stark wirkenden Medikamenten wie Ibuprofen oder Diclofenac herunterzuholen, weil dadurch das Gelenk vor knorpelzerstörenden Enzymen geschützt werden kann. Ersetzt man auch in solchen Phasen Entzündungshemmer durch eine entzündungshemmende Ernährung, können Schäden am Gelenk die Folge sein. Eine unterstützende Wirkung der entzündungshemmenden Ernährung ist aber auch in hoch akuten Phasen möglich.

Ist die akute Entzündung abgeklungen, kann die entzündungshemmende Ernährung dazu beitragen, die Dosierung der NSAR herunterzufahren und in Phasen zwischen den Schüben möglichst ganz darauf zu verzichten.

Der Focus-Artikel vermittelt irreführenderweise den Eindruck, dass die entzündungshemmende Ernährung NSAR wie Ibuprophen oder Diclofenac immer ersetzen kann.

Es geht aber nicht um ein entweder-oder, sondern darum, in jeder Phase das passende einzusetzen.

Auch die Empfehlungen im Einzelnen werfen ein paar Fragen auf.

Zu den Sauerkirschen schreibt „Focus“:

„Die kleinen roten Früchte sind wahre Energiebomben: Sauerkirschen enthalten Antioxidantien, Vitamin C und sogenannte Anthocyanidine, die Entzündungen lindern können.“

Zum Thema Entzündungshemmung mit Sauerkirschen gibt es tierexperimentelle Studien und eine kleine Studie mit Menschen, die aber keine eindeutigen Ergebnisse liefern. Anthocyane wirken entzündungswidrig. Sie werden aber nur schlecht in den Körper aufgenommen, so dass es wichtig wäre zu wissen, wieviel Sauerkirschen bzw. Sauerkirschensaft enzunehmen ist, um eine merkbare Wirkung auszulösen. Hier sind noch viele Fragen offen.

Zu Zitronen schreibt Focus:

„Dass Zitronen einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben, ist längst kein Geheimnis mehr. Aber auch Entzündungen kann die Frucht bekämpfen. Für den optimalen Effekt reibt man aber nicht die Frucht selbst, sondern besonders die Schale einer Bio-Zitrone in das gewünschte Gericht.“

Zitronenschalen enthalten die bitter schmeckenden Flavonoide Neohesperidin und Naringenin, sowie das nicht bittere nicht  Rutin; Hydroxycumarine, Furanocumarine, Zitronensäure und Pektine.

Dazu sind mir keine Untersuchungen bekannt. Flavonoide wirken als Radikalfänger und steigern zum Teil auch die Kapillarresistenz. Ein Effekt auf Entzündungen ist meines Erachtens vollkommen unklar, nicht zuletzt auch deshalb, weil wohl nur wenige Menschen die bitterschmeckenden Zitronenschalen in den nötigen Mengen regelmässig einnehmen werden.

Zu Ananas schreibt Focus:

„Ebenfalls nicht zu verachten ist die Kraft der Ananas: Sie enthält ein Enzym, das bei Entzündungen hilft – und nebenbei auch die Verdauung anregt.“

Das erwähnte Enzym heisst Bromelain. Es wurde in klinischen Studien bei Gelenkbeschwerden gegen Placebo und gegen NSAR untersucht, wobei nur etwa jede zweite Studie nicht negativ ausfällt. Das ist nicht gerade überzeugend. Ein sicherer Nachweis der therapeutischen Wirksamkeit von Bromelain konnte jedenfalls noch nicht erbracht werden. In diesen Studien wurde Bromelain in Form von magensaftresistenten Dragees oder Filmtabletten verabreicht, weil dieses Enzym bereits im Magen bereits zum grössten Teil verdaut wird. Warum erwähnt Focus diese bedeutende Einschränkung nicht?

Zu Kurkuma schreibt Focus:

„Kurkuma ist ein Hauptbestandteil von Currypulver. Dem aus Südasien stammenden Gewürz schreibt Sportexperte Pöttgen ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften zu. Der Körper kann es gut aus dem Currypulver, bei akuten Entzündungen aber besser in Form von Dragees aufnehmen.“

Kurkuma als Gewürz stammt von der Wurzel von Curcuma longa (Gelbwurz) und enthält als Hauptwirkstoff den gelben Farbstoff Curcumin.

Curcumin ist ein intensiv wissenschaftlich untersuchter Naturstoff. In Laborexperimenten zeigt Curcumin entzündungswidrige Effekte. Ob diese Wirkung auch im menschlichen Organismus in relevanter Intensität auftritt, ist nicht bekannt. In deutlichem Gegensatz zu den Ausführungen auf Focus online ist die Aufnahmerate aus dem Verdauungstrakt in den Organismus nämlich sehr gering. Erhitzung oder Auflösung in Öl erhöht die Bioverfügbarkeit von in Lebensmitteln enthaltenem Curcumin.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2016 zeigte, dass Curcumin in klinischen Studien bei Arthrosepatienten sowohl die Schmerzen verringern als auch die Beweglichkeit verbessern kann. Der Erfolg der klinischen Studien hängt wegen der geringen Bioverfügbarkeit von Curcumin stark von der eingesetzten Curcumin-Formulierung ab, den verwendeten Präparaten werden nämlich oft Substanzen wie Piperin (einem Bestantteil des Pfeffers) zugesetzt, um die Aufnahmefähigkeit zu verbessern.

Siehe:

https://www.liebertpub.com/doi/10.1089/jmf.2016.3705

Zu Omega-3-Fettsäuren aus Ölen schreibt Focus:

„Ebenfalls entzündungshemmend wirken Omega-3-Fettsäuren. Es steckt in Lein-, Oliven- und Rapsöl. Auch Wildlachs ist reich an Omega-3-Fettsäuren. Doch Seefisch sollten Sie allgemein mit Vorsicht genießen: Die Tiere sind heutzutage stark mit Quecksilber und anderen schädlichen Stoffen belastet.“

Omega-3-Fettsäuren wurden vor allem in Form von Fischöl-Präparaten untersucht. In der Mehrzahl der Studien konnten Präparate mit Omega-3-Fettsäuren Schmerzen und andere Symptome bei rheumatoider Arthritis nicht verbessern. Die Resultate sind teilweise jedoch widersprüchlich. Ob eine fischreiche Ernährung wirksam ist, wurde bisher nur ungenügend untersucht.

Insgesamt werden die Möglichkeiten der empfohlenen Mittel im Focus-Artikel also sehr übersteigert und unkritisch dargestellt. Aber ein solcher Text spricht natürlich die Besucherinnen und Besucher der Website an und generiert bestimmt viele Klicks, was die Werbeeinnahmen von Focus sprudeln lässt.

Quelle der Zitate:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/entzuendungshemmende-ernaehrung-so-essen-sie-entzuendungen-einfach-weg_id_9199459.html

Helfen Erdbeeren gegen Darmentzündungen?

Erdbeeren hemmen bei Mäusen die Autoimmunreaktion der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Täglich eine Portion Erdbeeren könnte die Symptome von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa lindern. Darauf deuten Versuche mit Mäusen hin, die an der University of Massachusetts durchgeführt wurden. Der Erdbeergenuss hemmte die Entzündungen im Darm und die damit verbundenen Schäden. Gleichzeitig reduzierte das Erdbeerpulver die Zahl der entzündungsfördernden Immunzellen und -Botenstoffe im Darm. Ob diese “Erdbeer-Diät” auch beim Menschen wirksam ist, wollen die Wissenschaftler nun als nächstes untersuchen.

Chronisch-entzündliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sind weltweit verbreitet und betreffen Millionen von Menschen.

In Deutschland dürften an diesen Autoimmunerkrankungen etwa 300.000 Menschen leiden. Chronische Entzündungen der Darmschleimhaut lösen bei ihnen Durchfall und Bauchschmerzen aus und können im Laufe der Zeit sogar die Darmwand schwer schädigen. Die Auslöser dieser Krankheiten sind bisher nur zum Teil geklärt. Es gibt eine genetische Komponente, doch auch Umweltfaktoren wie Nanopartikel, Triclosan sowie die Darmflora könnten eine Rolle spielen.

Eine Heilung dieser entzündlichen Darmerkrankungen ist bisher nicht möglich. Die Entzündungen lassen sich aber durch Medikamente wie Cortison oder durch gezielte Antikörpertherapien hemmen. Auch Ernährungsmassnahmen können Linderung verschaffen.

Ein Lebensmittel, das offenbar heilsam bei entzündlichen Darmerkrankungen wirkt, haben identifiziert: Erdbeeren. Für ihre Studie mit Erdbeeren haben nun Forscher um Hang Xiao von der University of Massachusetts die Wirkung dieses Obstes an Mäusen getestet, die an einer induzierten chronischen Darmentzündung litten. Ein Teil dieser Mäuse bekam mit dem Futter ein Pulver aus gefriergetrockneten ganzen Erdbeeren.

Forscher Xiao erklärt dazu:

“Wenn man nur Extrakte und einzelne Verbindungen testet, bleiben eine Menge anderer wichtiger Inhaltsstoffe der Beeren auf der Strecke, darunter Ballaststoff-Fasern oder an sie geknüpfte phenolische Verbindungen, die sich durch Lösungsmittel nicht extrahieren lassen.“

Darum verabreichten die Forscher den Mäusen Komplettpulver, und zwar in einer Dosis, die etwa einer Tasse frische Erdbeeren täglich bei einem Menschen entspricht.

Erdbeeren reduzierten Symptome und Immunreaktion

Die Resultate der Studie zeigten, dass die Erdbeeren die Krankheitssymptome linderten. Sie verringerten die Schäden an den Darmgeweben der Mäuse und verhinderten die Verkürzung des Darms. Auch die Menge der entzündungsfördernden Immunzellen in der Darmschleimhaut wurde durch die Gabe des Erdbeer-Komplettpulvers reduziert.

Die Mäuse litten dadurch nicht mehr unter blutigen Durchfällen und nahmen auch wieder an Körpergewicht zu. Die Erdbeer-Diät hatte zudem einen günstigen Effekt auf die Darmflora der Tiere. Sie begann sich im Laufe der Studie zu normalisieren. Die Zahl der Akkermansia- und Dorea-Bakterien verminderte sich, dafür stieg die Menge von Lactobacillus und Bifidobacillus. Das wiederum normalisierte den Darmstoffwechsel und förderte die Bildung von gesunden, kurzkettigen Fettsäuren im Verdauungstrakt.

 

Wirkung beim Menschen noch ungeklärt

Noch haben die Wissenschaftler die günstige Wirkung der Erdbeeren nur bei Mäusen nachgewiesen. Sie halten es aber für durchaus wahrscheinlich, dass auch menschliche Patienten mit chronischen Darmentzündungen vom Konsum von Erdbeeren profitieren könnten und wollen dies nun in ersten Tests mit Darmpatienten untersuchen.

Dass Ernährungfaktoren bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eine wichtige Rolle spielen können, ist schon länger bekannt. Der bewegungsarme Lebensstil und die Ernährungsgewohnheiten vieler Menschen hier bei uns – viel Zucker, viel tierisches Fett, aber wenig Ballaststoffe – könnten laut Xiao zu chronischen Darmentzündungen beitragen.

Sollte sich nun diese im Labor gefundenen Effekt der Erdbeeren bestätigen, dann hätten Betroffene eine zusätzliche Möglichkeit, ihr Leiden durch einfache Maßnahmen zumindest zu lindern – bereits eine Dreiviertel Tasse voller Erdbeeren täglich könnte dafür genügen. Die Forscher betonen aber, dass Darmpatienten vor einer Anwendung immer erst Rückspräche mit ihrem Arzt halten sollen, weil Erdbeeren auch Allergien auslösen können

 

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-23061-2018-08-21.html

(American Chemical Society 256th National Meeting, 2018)

 

Kommentar & Ergänzung:

Mal abgesehen von schwierigen ethischen Fragen, die solche Versuche immer auch aufwerfen, sind das natürlich interessante Ergebnisse.

Allerdings lassen sich Erkenntnisse aus Tierversuchen nicht einfach so direkt auf Menschen übertragen, worauf die Forscher richtigerweise auch hinweisen. Eine künstlich ausgelöste Entzündung bei der Maus entspricht eben nicht genau der Entzündung durch Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beim Menschen.

Günstig ist hier allerdings der Umstand, dass die verwendete Dosis umgerechnet auf den Menschen in einer realistischen Grössenordnung liegt, einfach zu verabreichen ist und kostenmässig nicht gross ins Gewicht fällt. Dazu sind Erdbeeren nach gegenwärtigem Wissen unschädlich und darüber hinaus sogar gesund.

Und wer an einer Erdbeerallergie leidet, wird das in der Regel wohl wissen und diese Erdbeer-Diät bleiben lassen.

Würde ich an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden, würde ich diese Option wohl ausprobieren und in der Erdbeersaison über 4 – 6 Wochen eine Tasse Erdbeeren über den Tag verteilt essen.

Aus sicht der Phytotherapie könnte man aber auch andere Arzneipflanzen in Betracht ziehen. So wirken zum Beispiel getrocknete Heidelbeeren durch ihren Gerbstoffgehalt gegen Durchfall und von den blauen Farbstoffen (Anthocyane) könnte eine entzündungswidrige Wirkung im Darm ausgehen. Auch der gelbe Farbstoff Curcumin aus der Gelbwurzel (Curcuma) wirkt möglicherweise gegen Entzündungen im Darm. Das sind allerdings ebenfalls nur Ableitungen aus Laborstudien. Sowohl für Heidelbeere als auch für Curcumin fehlen grössere Studien mit Patienten, die an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden.

Interessant ist an diesem Forschungsbericht im übrigen auch, dass Forscher Xiao Argumente für die Verwendung von Erdbeer-Vollpulver und gegen isolierte Substanzen und Extrakte anführt.

In der Phytotherapie finden sich ähnliche Argumentationen. Phytotherapie arbeitet in der Regel mit „Teams“ von Wirkstoffen und nicht mit isolierten Einzelsubstanzen, verwendet aber durchaus auch Extrakte.

Die Schwierigkeit für Forschung mit einem Erdbeer-Vollpulver wird sein, dass sich ein solches Produkt nicht patentieren lässt. Dadurch wird es wenig Interesse von Firmen geben, massiv Geld in teure klinische Forschung zu investieren. Die Chance, dass sich eine solche Intestition später auszahlt, ist einfach zu gering, weil jede andere Firma diese Forschungsergebnisse auch für ihre Zwecke nutzen und ein Erdbeer-Vollpulver auf den Markt werfen kann. Patentierbare Einzelsubstanzen oder Spezialextrakte sind da viel attraktiver.

Diese ökonomische Tatsache ist wesentlich dafür mitverantwortlich, dass einfache Pflanzenprodukte wie ein Kräutertee oder eben ein Pflanzenpulver wenig erforscht werden. Solche Forschung kommt oft nicht über das billigere Laborstadium hinaus. Es spricht viel dafür, dass es dem Erdbeer-Vollpulver auch so gehen wird.

Und dann ist es einfach zu sagen, dass zuwenig aussagekräftige Studienergebnisse vorliegen…..

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Inhaltsverzeichnis: Phytotherapie im Verdauungstrakt

Krankheiten und Beschwerden des Verdauungstraktes sind ein wichtiger Bereich der Phytotherapie. Hier finden Sie die wichtigsten Stichworte, die ich im Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung zu diesem Thema vermittle.

Wir befassen uns vor allem mit Heilpflanzen-Anwendungen in folgenden Bereichen:

Schleimhauterkrankungen des Mund- und Rachenraumes

Magenkrankheiten  

Magenschleimhautentzündung, Magengeschwür, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit u. a.

 ☛ Darmkrankheiten

Funktionelle Darmkrankheiten (z. B. Völlegefühl)

Reizdarmsyndrom (= Reizkolon, irritables Kolonsyndrom IKS)

Meteorismus / Flatulenz 
(Blähungen)

Durchfallkrankheiten

Obstipation (Verstopfung)

Erkrankungen des Mastdarms, des Analbereichs, Hämorrhoiden

Proktitis (Entzündung des Mastdarms)

Analfissur und -rhagade

Analekzem

Hämorrhoiden

Leber- und Gallekrankheiten                                                                            

Leberkrankheiten

Krankheiten der Gallenblase und Gallenwege

Endokrine und Stoffwechselkrankheiten                                          

Diabetes mellitus

Fettsucht (Adipositas)

Bei diesen Beschwerden und Krankheiten geht es vor allem darum, so genau wie möglich zu erfassen, welche Heilpflanze zur Behandlung am wirksamsten ist – und jeweils auch die Grenzen der Heilpflanzen-Anwendungen abzustecken.

 

Und hier eine Aufstellung der wichtigsten Heilpflanzen, mit denen wir  uns beim Thema Verdauungstakt befassen:

Malvae folium – Malvenblätter

Matricariae flos – Kamillenblüten

Arnicae flos – Arnikablüten

Salviae folium – Salbeiblätter

Tormentillae rhizoma – Tormentillwurzel (= Blutwurz)

Myrtilli fructus – Heidelbeerfrucht

Myrrha – Myrrhe

Centaurii herba – Tausendguldenkraut

Menthae piperitae folium – Pfefferminzblatt

Melissae folium – Melissenblatt

Iberidis herba – Schleifenblumenkraut

Solani tuber – Kartoffelknolle, in Form von Kartoffelsaft:

Lini semen – Leinsamen

Gentianae radix – Enzianwurzel

Calami rhizoma – Kalmuswurzelstock

Angelicae radix – Angelikawurzel (Engelwurz)

Trifolii fibrini folium – Fieberkleeblatt, Bitterkleeblatt

Absinthii herba – Wermutkraut

Cnici benedicti herba – Kardobenediktenkraut

Millefolii flos/herba – Schafgarbenblüte/kraut

Psyllii semen – Flohsamen

Althaeae radix – Eibischwurzel

Liquiritiae radix oder succus – Süssholzwurzel oder -saft

Brassicae oleraceae succus – Weisskohlsaft

Ceratoniae semen – Johannisbrotsamen

Carvi fructus – Kümmelfrucht

Foeniculi fructus – Fenchelfrucht

Harunganae cortex und folium – Harongarinde und –blatt

Theae nigrae folium – Schwarzteeblatt

Ratanhiae radix – Ratanhiawurzel

Pektin

Saccharomyces boulardii – Hefepilze

Plantaginis ovatae semen – Indische Flohsamen

Sennae folium und fructus – Sennesblatt und -frucht

Frangulae cortex – Faulbaumrinde

Ricini oleum – Ricinusoel

Rhei radix – Rhabarberwurzel

Aloe – Aloe

Quercus cortex – Eichenrinde

Hamamelidis cortex und folium – Hamamelisrinde/-blatt

Juglandis folium – Walnussblatt

Hippocastani semen – Rosskastaniensamen

Fagopyri herba – Buchweizenkraut

Cardui mariae fructus – Mariendistelfrüchte

Cynarae folium – Artischockenblatt

Curcumae xanthorrhizae rhizoma – Javanische Gelbwurz

Boldo folium – Boldoblatt

Taraxaci radix und herba – Löwenzahnwurzel /-kraut

Raphani sativi radix – Rettichwurzel

Chelidonii herba und radix – Schöllkraut-Kraut/-Wurzel

Petasitidis rhizoma – Pestwurz-Wurzelstock

Fumariae herba – Erdrauchkraut

Cinnamomi cortex – Zimtrinde

Momordicae charantiae fructus – Bittermelone

Guarmehl

Foenugraeci semen – Bockshornkleesamen

 

Bei diesen Heilpflanzen bekommen Sie das nötige Wissen über Wirkstoffe, Wirkung, Anwendungsbereiche (Indikationen), geeignete Zubereitungsformen, Dosierungen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, wichtige erhältliche Naturheilmittel.

Das Heilpflanzen-Seminar vermittelt einen kompakten Überblick über diese Themen. In der Phytotherapie-Ausbildung, die doppelt so lange geht, haben wir mehr Zeit für Vertiefung und Repetition.

Melden Sie sich jetzt für das Heilpflanzen-Seminar oder die Phytotherapie-Ausbildung an, wenn Sie fundiertes, verständliches Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten.

 

Pflanzliche Arzneiformen als Thema in Phytotherapie-Ausbildung & Heilpflanzen-Seminar

In meinen Lehrgängen – der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar – lernen Sie präzis, welche Heilpflanzen bei bestimmten Beschwerden am wirksamsten sind.

Genauso wichtig, aber oft vernachlässigt,  ist in der Phytotherapie jedoch die Frage, in welcher Arzneiform diese Heilpflanze am sinnvollsten eingesetzt werden kann.

Darum widmen wir uns in den Lehrgängen diesem Thema intensiv und immer wieder.

Es ist ein grosser Unterschied, ob Heilpflanzen als Kräutertee, Pflanzentinktur oder Pflanzenextrakt eingesetzt werden. Die zugeführten Mengen an Wirkstoffen können dabei ausserordentlich stark variieren.

Die optimale Arzneiform kann dabei von Situation zu Situation und von Pflanze zu Pflanze sehr unterschiedlich sein. Bei diesem Thema stellen sich deshalb eine ganze Reihe von interessanten Fragen.

Zum Beispiel:

☛ In welchen Fällen ist Kräutertee die optimale Zubereitungsform? Wie muss Kräutertee zubereitet werden, damit sich möglichst viele Wirkstoffe im Tee lösen? Wie muss Kräutertee zubereitet werden, damit unerwünschte Stoffe im Kraut zurückbleiben und sich nicht im Tee lösen?

☛ In welchen Fällen sind Pflanzentinkturen die optimale Zubereitungsform? Kann man Pflanzentinkturen selber herstellen und wenn ja, wie geht das? Worin bestehen die Unterschiede zwischen Frischpflanzentinkturen und Tinkturen aus getrockneten Pflanzen? Worin besteht der Unterschied zwischen den Herstellungsverfahren Mazeration und Perkolation?

☛ In welchen Fällen sind Pflanzenextrakte die optimale Zubereitungsform? Worin besteht der Unterschied zwischen Fluidextrakten, Dickextrakten und Trockenextrakten?

☛ Worin bestehen die Vorteile und Nachteile von Frischpflanzensäften? Wie können sie haltbar gemacht werden?

☛ Welche verschiedenen Typen von Salben und Cremen gibt es und in welchen Fällen weerden Sie jeweils eingesetzt? (Das ist insbesondere ein Thema im Kursteil „Hauterkrankungen und Wunden“).

☛ Wie kann man in einer bestimmten Situation ätherische Öle optimal anwenden (inhalativ, über die Haut, über den Verdauungstrakt)?

Solche Fragen stellen sich bei jeder Heilpflanzen-Anwendung. Sowohl in der Phytotherapie-Ausbildung als auch im Heilpflanzen-Seminar kann ich dazu das notwendige Wissen in verständlicher Form vermitteln.

In der Phytotherapie-Ausbildung ist das natürlich vertiefter möglich und kann auch intensiver eingeübt werden, weil sie doppelt so lange dauert als das Heilpflanzen-Seminar und mit Repetitionselementen systematisch auf einen Abschluss (freiwillige Prüfung) ausgelegt ist.

 

 

Wirkstoffkunde als Basis der Phytotherapie

In meinen Lehrgängen – der Phytotherapie-Ausbildung  und dem Heilpflanzen-Seminar – ist die Wirkstoffkunde eine wichtige Grundlage.

Wer gut über die Wirkstoffe der Heilpflanzen Bescheid weiss, kann jede Behandlung entscheidend verbessern.

Wirkstoffkunde gibt eine ganze Reihe von Antworten auf wichtige Fragen.  Zum Beispiel:

☛ Wie kann man beim Trockenen von Heilpflanzen dafür sorgen, dass die Wirkstoffe erhalten bleiben?

☛ Wie kann man bei der Zubereitung von Kräutertee oder Pflanzentinkturen dafür sorgen, dass möglichst viele Wirkstoffe auch im Endprodukt enthalten sind?

☛ Welche Wirkstoffe werden im Verdauungstrakt in den Körper aufgenommen und wirken daher auf den gesamten Organismus? Welche werden nicht aufgenommen und wirken nur lokal auf Haut und Schleimhaut?

☛ Welche Wirkstoffe gehen bei äusserlicher Anwendung durch die Haut und welche wirken ausschliesslich lokal?

☛ Welche Wirkstoffe stören sich gegenseitig, wenn verschiedene Heilpflanzen gleichzeitig angewendet werden?

Solche Fragen sind zentral für ein vertieftes Verständnis der Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen.  Auf der Basis von mehr als 30jähriger Erfahrung kann ich dieses Wissen in meinen Lehrgängen Teilnehmenden gut verständlich vermitteln, unabhängig davon, ob sie mediziniche Vorkenntnisse haben oder nicht.

Es geht vor allem um Gerbstoffe, Bitterstoffe, Alkaloide, Schleimstoffe, ätherischen Öle, Harze & Balsame, Herzglykoside, Flavonoide, Cumarine, Phenolglykoside, Senfölglykoside, Saponine, Anthranoide.

Wer sich in meinen Lehrgängen mit Wirkstoffkunde befasst, wird sich durch dieses fundierte Wissen wesentlich leichter im Bereich der Heilpflanzen-Anwendungen zurecht finden.

Sowohl im Heilpflanzen-Seminar als auch in der Phytotherapie-Ausbildung vermittle ich Wirkstoffkunde als Basis. In der Phytotherapie-Ausbildung ist das natürlich vertiefter möglich und kann auch intensiver eingeübt werden, weil sie doppelt so lange dauert als das Heilpflanzen-Seminar und mit Repetitionselementen systematisch auf einen Abschluss (freiwillige Prüfung) ausgelegt ist.

Melden Sie sich für einen Lehrgang an! Sie bekommen professionelles Wissen in kompakter, verständlicher Form.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Phytotherapie-Ausbildung: 37. Lehrgang startet am 20. / 21. Dezember 2018

Soeben wurden die Daten publiziert für die nächste Phytotherapie-Ausbildung in Winterthur, die am 20./21. Dezember 2018 startet.

Der Lehrgang umfasst 15 mal 2 Tage verteilt auf den Zeitraum bis Juni 2020.

Angesprochen werden für diese Ausbildung Berufsleute aus Pflege (Spitex, Palliative Care, Pflegeheim, Klinik), Naturheilkunde, Medizin, Physiotherapie, Massage, Ernährungsberatung und ähnlichem. Eine begrenzte Zahl an Plätzen gibt es darüber hinaus aber auch für Interessierte ohne medizinische Grundausbildung (nach Vorgespräch).

Die Phytotherapie-Ausbildung vermittelt fundierte Kenntnisse über Heilpflanzen-Anwendungen in Bereichen wie:

  • Verdauungstrakt
  • Herz-Kreislauf
  • Atemwege / Erkältungen / Immunsytem
  • Nieren & Blase
  • Rheuma
  • Psyche (Schlafstörungen, Angst, Depression)
  • Hauterkrankungen und Wundbehandlung
  • Gynäkologie

Die Detailinformationen zur Phytotherapie-Ausbildung finden Sie hier:

Phytotherapie-Ausbildung Winterthur (Schweiz)

Durchspülungstherapie bei Blasenentzündung

Ein Apotheken-Portal hat Empfehlungen veröffentlicht zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfekten / Blasenentzündung.

Hier ein Zitat daraus – verbunden mit der Frage: „Was ist da falsch?“

„Die wichtigsten Pflanzen für die Durchspülungstherapie sind Bärentraubenblätter, Goldrutenkraut, Brennnesselblätter, Schachtelhalmkraut, sowie Birkenblätter und Orthosiphonblätter.

Vor allem die Bärentraubenblätter gelten aufgrund ihres hohen Gerbstoffgehaltes als Harndesinfiziens. Aufgrund ihres Inhaltsstoffes Arbutin kommt es bei längerer Anwendung jedoch zu gastrointestinalen Beschwerden wie Magenreizungen oder Obstipation. Das Arbutin wird im Körper zu Hydrochinon umgewandelt, welches als leberschädigend und krebserregend gilt. Daher sollte es nur kurzzeitig und nicht häufiger angewendet werden.“

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pta-live/durchspuelungstherapie-bei-harnwegsinfekten-baerentraube-goldrute-co/

 

Kommentar & Ergänzung:

Hier ist einiges durcheinander geraten.

– Bärentraubenblätter gelten nicht „ aufgrund ihres hohen Gerbstoffgehaltes“ als Harndesinfiziens. Gerbstoffe werden im Verdauungstrakt nicht resorbiert. Sie gelangen gar nicht in die Harnwege und können daher dort auch nicht antimikrobiell wirken.

– Allfällige gastrointestinale Beschwerden wie Magenreizungen oder Obstipation nach längerer Anwendung entstehen nicht durch den Wirkstoff Arbutin, sondern durch den Gerbstoffgehalt im Bärentraubenblättertee. Zubereitung als Kaltauszug reduziert den Gerbstoffgehalt, verbessert die Magenverträglichkeit und den Geschmack.

– Der Hinweis, dass Hydrochinon „als leberschädigend und krebserregend gilt“, ist eine sehr verkürzte Darstellung und müsste präzisiert werden. Er basiert auf sehr abstrakten Überlegungen und Laborexperimenten, die sehr wenig aussagen darüber, ob mit der Anwendung von Bärentraubenblättertee ein Risiko verbunden ist. Die Situation in lebendigen Harnwegen sieht doch etwas anders aus als die Situation im Labor oder im Chemiebuch.

Blaschek / Frohne / Loew schreiben im Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“:

„Der Verdacht auf eine mutagene und möglicherweise karzinogene Wirkung von Hydrochinon dürfte klinisch aufgrund der raschen Entgiftung nicht zum Tragen kommen. Auch ist einer pharmakokinetischen Pilotstudie zufolge nach Gabe von Arbutin in therapeutischen Dosen eine renale Ausscheidung toxikologisch bedenklicher Konzentrationen von Hydrochinon auszuschliessen.“                                           Zu Entwarnung bezüglich mutagener Effekte siehe hier:

Bärentraubenblätter-Extrakt als Alternative bei Harnwegsinfektionen

Die Empfehlung, Arbutin „nur kurzzeitig und nicht häufiger“ anzuwenden, ist aber trotz solcher Entwarnungen sinnvoll. Sie geht schon auf die „Kommission E“ zurück, die eine Beschränkung der Einnahme von Bärentraubenblätter-Präparaten und Bärentraubenblättertee auf maximal 5 mal pro Jahr und jeweils nicht länger als 7 Tage empfohlen hat.

Bärentraubenblätter werden bei aktuten Harnwegsinfekten kurzfristig während einigen Tagen angewendet, sollten dann aber ausreichend hoch dosiert werden ( 10 g Bärentraubenblätter = 4 – 5 Teebeutel pro Tag).

Siehe auch:

Zur Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen / Blasenentzündung

Bärentraube gegen Blasenentzündung

Heilpflanzen bei Blasenentzündung

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Detox ist Unsinn

Detox ist nicht nur überflüssig. Es untergräbt auch das Vertrauen in unseren Körper.  Jeden Frühling schwappt eine Detoxwelle wieder durch’s Land. Früher sagte man zu diesen körperinternen Putzaktionen Engiftungskur oder Entschlackungskur. Aber Detox tönt überzeugender. Die Frauenzeitschrift „Annabelle“ hat Michael Ristow gefragt, was der grösste Unsinn an Detox sei:

„Detox findet im Körper prinzipiell immer statt, dafür gibt es Organe wie die Leber oder die Nieren – und die funktionieren sehr gut. Es ist ein Irrglaube zu denken, man könnte durch Wunderkuren diese Vorgänge im Körper aktivieren oder beschleunigen. Was man allerdings tun kann, ist, die Leber zu behindern, etwa mit Alkohol. Wenn die Leber damit beschäftigt ist, den Alkohol abzubauen, kann sie sich nicht um andere Dinge kümmern, die sie abbauen sollte.“

Prof. Dr. Michael Ristow ist Arzt und Wissenschafter und als Professor für Energiestoffwechsel an der ETH Zürich tätig.

Quelle:

http://www.annabelle.ch/leben/gesundheit/«-detox-trend-aergert-mich-schon-sehr»-47732

Kommentar & Ergänzung:

Detox ist nicht nur überflüssig. Es untergräbt auch das Vertrauen in unseren Körper. Es missachtet die Arbeit von Leber und Nieren und redet uns ein, dass sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind.

Es gibt ernsthafte Lebererkrankungen und Nierenerkrankungen, bei denen die Funktion dieser Organe beeinträchtig ist oder gar versagt. Dann ist medizinische Hilfe nötig.

Aber gesunden Menschen einzureden, dass sie unbedingt Entgiftung und Entschlackung brauchen, ist nur ein gutes Geschäftsmodell.

Michael Ristow lässt im Annabelle-Interview im übrigen noch interessante Informationen einfliessen.

Er rät bei Obstsäften zur Vorsicht, da diese nicht nur gesunde Stoffe, sondern auch viel Zucker enthalten.  Ich würde empfehlen, Obstsäfte halb/halb mit Wasser zu verdünnen.

Auf die Frage, welches Obst er denn mit gutem Gewissen empfehlen könne, sagt Michael Ristow:

„Je kleiner die Frucht ist, desto gesünder ist sie. Das Gesunde im Obst steckt meist in der Schale und je mehr Schale, man bezogen aufs Gesamtvolumen isst, desto gesünder. Kleine Beeren oder allgemein alle kleinen Früchte, die rot, blau oder violett sind, kann ich empfehlen. Bei diesen Früchten ist die Chance höher, dass der ungünstige Zucker sich im Verhältnis zu den günstigen Polyphenolen lohnt. Polyphenolen sind nachweislich gesundheitsfördernde Pflanzenstoffe, die in Früchten und im Gemüse enthalten sind.“

Aus phytotherapeutischer Sicht ist der Hinweis auf rote, blaue oder violette Beeren interessant. Hier handelt es sich um Inhaltsstoffe aus der Gruppe der Anthocyane, einer Untergruppe der Flavonoide, die wiederum zu den Polyphenolen gehören.

Die wichtigste Heilpflanze mit Anthocyanen ist die Heidelbeere.

Auf die Heidelbeere weist Michael Ristow sogar speziell hin.

Anstelle von

«An apple a Day, keeps the Doctor away»

empfiehlt er „…eher 50 Blaubeeren a Day.“

Wobei aber leider die Blaubeeren / Heidelbeeren, die im Supermarkt verkauft werden, innen kaum blau sind und daher weniger Anthocyane enthalten als die „richtigen“, wildwachsenden Heidelbeeren.

Siehe dazu:

Heidelbeeren aus dem Supermarkt begtreffend Wirkstoffgehalt fragwürdig

Anthocyane sind Radikalfänger und hemmen Entzündungen. Eingeschränkt wird ihre Wirksamkeit aber oft durch stark eingeschränkte Aufnahme in den Organismus aus dem Verdauungstrakt.

Neben Heidelbeeren enthalten beispielsweise auch Himbeeren, Brombeeren, Schwarze Johannisbeeren, Auberginen (Schale), Aronia und Kirsche Anthocyane in relevanten Mengen. Man sollte diese Anthocyan-Quellen zwar nicht zu Wundermitteln hochjubeln, doch sind sie wertvolle Bestandteile einer vielfältigen Ernährung, wenn sie immer wieder mal auf den Speiseplan kommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aktivkohle bei Durchfall

Aktivkohle = „medizinische Kohle“, ist poröser, feinkörniger Kohlenstoff mit einer grossen inneren Oberfläche.

„ Die Poren sind wie bei einem Schwamm untereinander verbunden (offenporig). Die innere Oberfläche beträgt zwischen 300 und 2000 m2/g Kohle, damit entspricht die innere Oberfläche von vier Gramm Aktivkohle ungefähr der Fläche eines Fußballfeldes.“ (Quelle: Wikipedia).

An diese eindrücklich grosse Oberfläche bindet Aktivkohle Toxine und führt sie über den Stuhl der Ausscheidung zu. Diese Fähigkeit wird ausgenutzt bei Vergiftungen. Aktivkohle ist dabei zwar sehr breit wirksam, aber nicht gegen alle Gifte. Unwirksam ist sie zum Beispiel gegen Cyanid, Eisen, Lithium, Elektrolyte, Lösungsmittel und verschiedene Alkohole wie Methanol und Ethanol. (Quelle: Pharmawiki)

Da Aktivkohle zum Beispiel auch Bakterien und Bakterientoxine bindet, wird sie ebenfalls als Mittel gegen Durchfall eingesetzt. Sie ist nur lokal im Verdauungstrakt wirksam und wird nicht in den Organismus aufgenommen.

Aktivkohle kann auch andere Medikamente binden und dadurch ihre Aufnahme stören. Deshalb sollen andere Medikamente nicht gleichzeitig, sondern in einem Abstand von mindestens zwei Stunden eingenommen werden, da es sonst zu einem Wirkungsverlust kommen kann.

Aktivkohle kann auch zur Entfernung von Zahnverfärbungen eingesetzt werden.

Aktivkohle ist für medizinische Zwecke im Handel in Kapselform oder als flüssige Suspension (Carbovit).

Ausgesprochen fragwürdig ist der Trend, Aktivkohle Lebensmitteln beizufügen in der Hoffnung, damit den Körper zu entgiften, zum Beispiel in Form von Aktivkohle-Drinks. Erstens ist überhaupt nicht klar, was genau für Stoffe da entgiftet werden sollen. Die Aktivkohle ist nämlich nicht so schlau, dass sie unterscheiden kann, welche Stoffe für uns schädlich sein könnten, und welche wir brauchen. So ist es denkbar, dass sie auch gesunde und notwendige Stoffe bindet wie Vitamine, Polyphenole etc.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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