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Cannabidiol wirksam bei Reizdarm?

Dem Cannabis-Wirkstoff Cannabidiol (CBD) wird seit einiger Zeit große Beachtung geschenkt, in den Medien, bei Patienten und auch bei Wissenschaftlern, da der Substanz verschiedene gesundheitsfördernde und entzündungshemmende Effekte zugesprochen werden. US-Forscher wollen nun untersuchen, ob Cannabidiol auch beim Reizdarmsyndrom wirksam ist.

Im US-Bundesstaat Pennsylvania startete vor kurzem eine klinische Pilotstudie mit CBD, die vom kanadischen Unternehmen FSD Pharma in Auftrag gegeben wurde. Die Firma forscht zu neuartigen Cannabinoidtherapien zur Behandlung unter anderem von chronischen Schmerzen, Fibromyalgie und Reizdarmsyndrom. Das entwickelte CBD-Kombinationsprodukt „Steady Stomach” soll zunächst bei Patienten mit Reizdarmsyndrom zur Anwendung kommen.

 

Nach Angaben des Herstellers ist das Präparat „eine zum Patent angemeldete Kombination von Cannabidiol (CBD) zusammen mit zusätzlichen synergistischen Faktoren, die die entzündungshemmenden Eigenschaften von CBD potenziert und aktiviert”. Dadurch soll das Präparat wirksamer in der Therapie des Reizdarmsyndroms sein. In den westlichen Ländern sind zirka 10 bis 20 Prozent der Menschen von dieser Funktionsstörung des Darms betroffen, was bei den Patienten oft zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führt. Zu den Symptomen gehören unter anderem Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung sowie Blähungen.

Die Forscher wollen im Rahmen dieser Untersuchungen Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit des Präparates sammeln. Sie führen dazu eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie im Cross-over-Design durch. Da die Zahl der Probanden relativ gering ist, dürften weitere groß angelegte Studien nötig sein, um statistisch signifikante Aussagen daraus zu ziehen und den medizinischen Nutzen belegen zu können. Die Studie basiert auf den zuvor gesammelten Daten zur Wirksamkeit aus einer präklinischen Studie im Nagetiermodell auf. Dabei zeigte sich die bei Anwendung des Kombinationsprodukts im Vergleich zu CBD allein eine dreifach höhere Wirksamkeit bei der Reduktion der abdominalen Entzündungswerte.

 

Pharmakologische Wirkungen von CBD

CBD wirkt als Antagonist am G-Protein-gekoppelten Cannabinoidrezeptor GPR55 und blockiert den zellulären Ionenkanal TRMP8, den α1-Adrenozeptor und den µ-Opioidrezeptor. Darüber hinaus verhindert CBD den Abbau des endogenen Cannabinoids Anandamid, da das Enzym Fettsäureamid-Hydrolase (FAAH) inhibiert wird. Weitere Effekte von CBD sind die Blockade von Calciumkanälen sowie die Inhibition der Wiederaufnahme von Botenstoffen.

 

Das Interesse am therapeutischen Potenzial von CBD nimmt weltweit stetig zu. Die Substanz kann in verschiedenen Anwendungsbereichen zum Einsatz kommen, denn sie besitzt neben den antiepileptischen auch angstlösende, antipsychotische und entzündungshemmende Eigenschaften.

Zudem ist ein Einsatz gegen Übelkeit und Erbrechen sowie zur Appetithemmung möglich. Die denkbaren Indikationsgebiete benötigen allerdings eine ärztliche Überwachung und individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/cannabidiol-bei-reizdarm-forscher-testen-wirksamkeit-steady-stomach/

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Die Forschungen zu Cannabinol bei Reizdarm stecken noch in den Kinderschuhen. Aus dem Bericht geht nicht hervor, um welche Substanzen es bei diesen „zusätzlichen synergistischen Faktoren“ geht, die die entzündungshemmenden Eigenschaften von CBD potenzieren und aktivieren sollen.

 

Auch der Cannabis-Wirkstoff THC wird bezüglich einer Wirksamkeit zur Linderung von Reizdarm erforscht.

Siehe:

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten.

 

Zu CBD / THC in der Medizin siehe auch:

Cannabinol (CBD): Ein Wirkstoff im Trend

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen für Sativex-Spray gegen Spastik bestätigt

Cannabis als Medizin: Unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica

Die Wirkungen und Indikationen von Cannabis als Arzneimittel und die Möglichkeiten einer legalen Anwendung sind auch Thema in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar– natürlich neben allen anderen Heilpflanzen.

 

Milchzucker gegen Verstopfung

Milchzucker (Laktose) ist ein bewährtes und mildes Hausmittel gegen Verstopfung. Darauf weißt das Portal T-online hin:

„Milchzucker wird im Dickdarm von Bakterien in Traubenzucker und Galaktose zerlegt und dann zu Milchsäure und Essigsäure abgebaut. Diese beiden Säuren wirken ähnlich abführend auf den Darm wie Bittersalze und Glaubersalz, sind jedoch milder. Bei Verstopfung können Sie 1 bis 4 Esslöffel Milchzucker über den Tag verteilt pur oder in Joghurt oder Apfelmus gerührt einnehmen. Milchzucker erhalten Sie in der Apotheke.“

Quelle:
https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_49362672/hausmittel-gegen-verstopfung-das-hilft-die-obstipation-zu-loesen.html

Kommentar & Ergänzung:

Normalerweise wird Milchzucker im Dünndarm durch das Enzym Lactase in Traubenzucker und Galaktose zerlegt. Fehlt Lactase im Dünndarm oder reich ihre Aktivität nicht aus, um die mit der Nahrung aufgenommene Menge an Lactose zu spalten. So gelangt Laktase in den Dickdarm und wird dort bakteriell abgebaut. Als Gärungsprodukte entstehen dabei die Gase Methan (Treibhausgas!😉) und Wasserstoff, die Blähungen verursachen können, und kurzkettige Fettsäuren (Milchsäure, Essigsäure), die leicht abführend wirken durch osmotische Effekte (Anziehen und Zurückhalten von Wasser im Darm) und durch Steigerung der Dickdarm-Bewegungen (Peristaltik).

Milchzucker spielt als Teil der Muttermilch bei der Ernährung von jungen Säugetieren eine wichtige Rolle. Daher bilden alle gesunden neugeborenen Säugetiere während des Säugens bzw während der Stillzeit Lactase.

Im Laufe der natürlichen Entwöhnung von der Muttermilch reduziert sich die Aktivität der Laktase bei Menschen und allen anderen Säugetieren auf etwa 5–10 % der Aktivität bei der Geburt.

Nur bei Nord- und Mitteleuropäern sowie einigen afrikanischen Völkern, die seit langer Zeit Milchwirtschaft betreiben, hat sich eine Mutation durchgesetzt, die dazu führt, dass auch noch im Erwachsenenalter ausreichend Laktase produziert wird (Laktasepersistenz). Wahrscheinlich liegt das daran, dass die höhere Laktaseaktivität einen Selektionsvorteil für diese Gruppen bot (durch bessere Ausnutzung von Mineralstoffen und Nährstoffen aus der Milch).

Gibt man nun diese 1 bis 4 Esslöffel Milchzucker pro Tag, überfordert man offenbar das durchschnittliche Abbauvermögen via Lactase, so dass über den osmotischen Effekt eine milde Abführwirkung entsteht.
Milchzucker hemmt im Darm zudem Fäulnisbakterien und fördert Bifidus-Bakterien (Bifidobacterium)

Leinsamen schroten – oder ungeschotet einnehmen?

T-online befasst sich in einem Artikel mit Leinsamen als Heilpflanze und kommt dabei auch auf die Frage zu sprechen, ob die Körner ungeschreotet oder geschrotet einzunehmen sind. Hier das Zitat:

„Umstritten ist, ob Leinsamen geschrotet oder ungeschrotet verzehrt werden sollten. Bei ungeschroteten Samen können die enthaltenen Inhaltsstoffe nur schwer vom Körper aufgenommen werden. Laut der staatlichen Lebensmittelbehörde Schwedens gelangen beim Verzehr der geschroteten Variante allerdings auch Giftstoffe in den Körper. Sprechen Sie daher am besten vor der Einnahme des Naturprodukts mit Ihrem Arzt.“

Quelle:

https://www.t-online.de/gesundheit/heilmittel-medikamente/id_68620188/mit-leinsamen-abnehmen-geht-das-.html

Kommentar & Ergänzung:

Gegen Verstopfung würde ich die Leinsamen ganz mit viel Wasser einnehmen, also ungeschrotet. Die für die mild abführende Wirkung verantwortlichen Schleimstoffe treten auch aus den ganzen Leinsamen in den Darm aus, quellen dort und verlassen mit dem Stuhl unverdaut den Organismus. Aufgenommen in den Körper wird so gar nichts.

Bei geschroteten Leinsamen gehen die Schleimstoffe ebenfalls in den Darm und wirken dort abführend. Darüber hinaus wird aber ein grosser Teil der Leinsamen verdaut und aufgenommen:

  • Das wertvolle Leinöl,
  • Lignane, die zu den Phytoöstrogenen gehören,
  • Blausäure-Glykoside, die im Zitat oben als Giftstoffe erwähnt werden, aber in den gebräuchlichen Leinsamen-Mengen für unseren Organismus ungiftig sind.

Geschroteter Leinsamen ist weniger lange haltbar, weil Sauerstoff mit dem empfindlichen Leinöl in Kontakt kommt. Das Leinöl kann dadurch ranzig werden. Ganze Leinsamen sind dagegen eine ideale Verpackung für die empfindlichen Inhaltsstoffe.

Nimmt man geschroteten Leinsamen ein, ist das mit einer Kalorienaufnahme verbunden. Ganze Leinsamen führen keine Kalorien zu, weil alles was in den Körper rein geht, auch wieder raus geht.

Nett ist ja die Empfehlung, wegen der „Giftstoffe“ vor der Leinsamen-Einnahme mit dem Arzt zu sprechen. Muss ein sehr seltenes Exemplar von Arzt sein, der darüber wirklich Bescheid weiss…..

Wenn Sie selber fundiertes Wissen über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Wo liegt der Unterschied zwischen Haferkleie und Weizenkleie?

Haferkleie und Weizenkleie unterscheiden sich im Gehalt an Inhaltstoffen ziemlich deutlich, was auch unterschiedliche Anwendungsbereiche zur Folge hat.

Rein quantitativ enthält Weizenkleie mehr Ballaststoffe, nämlich 45 – 54 %, während Haferkleie nur auf 20 – 24 % kommt.

Weizenkleie enthält mehr unlösliche Ballaststoffe als Haferkleie:

–        Zellulose 10 – 20 %, gegenüber 4 – 6 % bei Haferkleie.

–        Hemizellulose 20 – 28 % gegenüber 6 – 8 % bei Haferkleie.

–        Lignin 6 – 8 % gegenüber 1 % bei Haferkleie.

Haferkleie enthält dafür in grösseren Mengen den löslichen Ballaststoff Betaglukan:

–        8% gegenüber 2 – 3 % in Weizenkleie.

 

Die unlöslichen Ballaststoffe Zellulose und Lignin, die in der Weizenkleie dominieren, binden viel Wasser und fördern die Verdauung, da das Volumen des Stuhls erhöht und die Transitzeit reduziert wird. Zudem wird Zellulose zum Teil von Darmbakterien abgebaut, wobei kurzkettige Fettsäuren entstehen, die positiv für das Darmmillieu sind.

Betaglukan als löslicher Ballaststoff wird fast vollständig von den Darmbakterien abgebaut, mit den oben bei der Weizenkleie beschriebenen positiven Folgen. Darüber hinaus bindet Betaglukan Gallensäuren im Stuhl und kann so zu einer Verbesserung des Cholesterinspiegels beitragen.

Aus diesen Unterschieden leiten sich unterschiedliche Anwendungsbereiche ab:

Wer in erster Linie seine Verdauung verbessern und einer Verstopfung vorbeugen möchte, kann Weizenkleie verwenden. Wer jedoch in erster Linie seinen Cholesterinspiegel senken möchte, kann Haferkleie zu sich nehmen.

Die günstige Wirkung auf den Cholesterinspiegel ist zwar nicht gerade gross, aber gut messbar. Es braucht dazu allerdings 3 Gramm Betaglukan pro Tag über längere Zeit.

Siehe dazu:

Haferkleie reduziert den Cholesterinspiegel

Weizenkleie und Haferkleie sollten jedoch nur in Verbindung mit viel Flüssigkeit aufgenommen werden. Im Allgemeinen gilt es als sinnvoller, ballaststoffreiche Lebensmittel aufzunehmen als isolierte Ballaststoffe.

Weizenkleie kann zu Blähungen führen, wenn sie in grössen Mengen aufgenommen wird. Gegen Verstopfung wären dann Flohsamen eine verträglichere Option. Sie müssen gegen Verstopfung ebenfalls mit viel Flüssigkeit aufgenommen werden und können im Übrigen ebenfalls eine leichte Senkung des Cholesterinspiegels bewirken.

Quelle:

https://www.bzfe.de/forum/index.php/forum/showExpMessage/id/42921/page1/30/searchstring/+/forumId/3

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Inhaltsverzeichnis: Phytotherapie im Verdauungstrakt

Krankheiten und Beschwerden des Verdauungstraktes sind ein wichtiger Bereich der Phytotherapie. Hier finden Sie die wichtigsten Stichworte, die ich im Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung zu diesem Thema vermittle.

Wir befassen uns vor allem mit Heilpflanzen-Anwendungen in folgenden Bereichen:

Schleimhauterkrankungen des Mund- und Rachenraumes

Magenkrankheiten  

Magenschleimhautentzündung, Magengeschwür, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit u. a.

 ☛ Darmkrankheiten

Funktionelle Darmkrankheiten (z. B. Völlegefühl)

Reizdarmsyndrom (= Reizkolon, irritables Kolonsyndrom IKS)

Meteorismus / Flatulenz 
(Blähungen)

Durchfallkrankheiten

Obstipation (Verstopfung)

Erkrankungen des Mastdarms, des Analbereichs, Hämorrhoiden

Proktitis (Entzündung des Mastdarms)

Analfissur und -rhagade

Analekzem

Hämorrhoiden

Leber- und Gallekrankheiten                                                                            

Leberkrankheiten

Krankheiten der Gallenblase und Gallenwege

Endokrine und Stoffwechselkrankheiten                                          

Diabetes mellitus

Fettsucht (Adipositas)

Bei diesen Beschwerden und Krankheiten geht es vor allem darum, so genau wie möglich zu erfassen, welche Heilpflanze zur Behandlung am wirksamsten ist – und jeweils auch die Grenzen der Heilpflanzen-Anwendungen abzustecken.

 

Und hier eine Aufstellung der wichtigsten Heilpflanzen, mit denen wir  uns beim Thema Verdauungstakt befassen:

Malvae folium – Malvenblätter

Matricariae flos – Kamillenblüten

Arnicae flos – Arnikablüten

Salviae folium – Salbeiblätter

Tormentillae rhizoma – Tormentillwurzel (= Blutwurz)

Myrtilli fructus – Heidelbeerfrucht

Myrrha – Myrrhe

Centaurii herba – Tausendguldenkraut

Menthae piperitae folium – Pfefferminzblatt

Melissae folium – Melissenblatt

Iberidis herba – Schleifenblumenkraut

Solani tuber – Kartoffelknolle, in Form von Kartoffelsaft:

Lini semen – Leinsamen

Gentianae radix – Enzianwurzel

Calami rhizoma – Kalmuswurzelstock

Angelicae radix – Angelikawurzel (Engelwurz)

Trifolii fibrini folium – Fieberkleeblatt, Bitterkleeblatt

Absinthii herba – Wermutkraut

Cnici benedicti herba – Kardobenediktenkraut

Millefolii flos/herba – Schafgarbenblüte/kraut

Psyllii semen – Flohsamen

Althaeae radix – Eibischwurzel

Liquiritiae radix oder succus – Süssholzwurzel oder -saft

Brassicae oleraceae succus – Weisskohlsaft

Ceratoniae semen – Johannisbrotsamen

Carvi fructus – Kümmelfrucht

Foeniculi fructus – Fenchelfrucht

Harunganae cortex und folium – Harongarinde und –blatt

Theae nigrae folium – Schwarzteeblatt

Ratanhiae radix – Ratanhiawurzel

Pektin

Saccharomyces boulardii – Hefepilze

Plantaginis ovatae semen – Indische Flohsamen

Sennae folium und fructus – Sennesblatt und -frucht

Frangulae cortex – Faulbaumrinde

Ricini oleum – Ricinusoel

Rhei radix – Rhabarberwurzel

Aloe – Aloe

Quercus cortex – Eichenrinde

Hamamelidis cortex und folium – Hamamelisrinde/-blatt

Juglandis folium – Walnussblatt

Hippocastani semen – Rosskastaniensamen

Fagopyri herba – Buchweizenkraut

Cardui mariae fructus – Mariendistelfrüchte

Cynarae folium – Artischockenblatt

Curcumae xanthorrhizae rhizoma – Javanische Gelbwurz

Boldo folium – Boldoblatt

Taraxaci radix und herba – Löwenzahnwurzel /-kraut

Raphani sativi radix – Rettichwurzel

Chelidonii herba und radix – Schöllkraut-Kraut/-Wurzel

Petasitidis rhizoma – Pestwurz-Wurzelstock

Fumariae herba – Erdrauchkraut

Cinnamomi cortex – Zimtrinde

Momordicae charantiae fructus – Bittermelone

Guarmehl

Foenugraeci semen – Bockshornkleesamen

 

Bei diesen Heilpflanzen bekommen Sie das nötige Wissen über Wirkstoffe, Wirkung, Anwendungsbereiche (Indikationen), geeignete Zubereitungsformen, Dosierungen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, wichtige erhältliche Naturheilmittel.

Das Heilpflanzen-Seminar vermittelt einen kompakten Überblick über diese Themen. In der Phytotherapie-Ausbildung, die doppelt so lange geht, haben wir mehr Zeit für Vertiefung und Repetition.

Melden Sie sich jetzt für das Heilpflanzen-Seminar oder die Phytotherapie-Ausbildung an, wenn Sie fundiertes, verständliches Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten.

 

Flohsamen gegen Verstopfung

Das Magazin „Focus“ empfiehlt eine Reihe von Hausmitteln gegen Verstopfung. Aus phytotherapeutischer Sicht ist darunter der Tipp mit dem Flohsamen am wichtigsten:

„Flohsamen, am besten Flohsamenschalen geschrotet, in ein Glas Wasser geben und morgens sowie abends zu den Mahlzeiten trinken. Flohsamenschalen lassen sich auch in Joghurt und Müsli einrühren. Flohsamen enthalten wertvolle Ballast- und Schleimstoffe, die den Darm pflegen und den Stuhlgang fördern. Positive Nebenwirkung: Wer regelmäßig Flohsamen zu sich nimmt, senkt damit auch seinen Cholesterinspiegel und unterstützt das Abnehmen. Wenn Sie Flohsamen anwenden, sollten Sie jedoch immer viel dazu trinken, als Faustregel gilt: Ein Teelöffel Flohsamen, 250 Milliliter Wasser, sonst löst sich das natürliche Abführmittel nicht richtig auf und bewirkt das Gegenteil.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/es-klappt-auch-ohne-abfuehrmittel-verstopfung-die-9-besten-hausmittel_id_8746633.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Flohsamen enthalten Schleimstoffe und gehören daher zu den Quellmitteln. Mit ausreichend Wasser eingenommen vergrössern Flohsamen ihr Volumen, lösen damit einen Dehnungsreiz auf die Darmwand aus und wirken so nach ein paar Tagen Einnahme mild abführend. Flohsamen quellen mit Wasser etwa auf das 10 – 12-fache, Flohsamenschalen etwa auf das 40-fache. Flohsamenschalen sind daher wirksamer, sie zu schroten ist meines Erachtens aber nicht nötig. Leinsamen funktionieren übrigens nach demselben Prinzip, quellen aber nur etwa auf das 4-fache.

Flohsamen und Flohsamenschalen eignen sich auch gut als Regulans bei Reizdarm mit Verstopfung und/oder Durchfall. Bei Verstopfung nimmt man sie dann mit viel Wasser, bei Durchfall mit wenig Wasser, weil sie dann das überschüssige Wasser im Darm binden.

Wichtig bei allen Quellmitteln: Sie können die Aufnahme von gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln vermindern.

Siehe auch:

Flohsamen bei Durchfall

Ballaststoffe bei chronischer Verstopfung: Flohsamenschalen verträglicher als Leinsamen

Verstopfung: Anwendungshinweise für Leinsamen und Flohsamen

Phytotherapie: Was sind Flohsamenschalen?

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie Flop

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Bei chronischer Verstopfung erst im zweiten Schritt Abführmittel anwenden

Chronische Verstopfung sollte nicht sogleich mit Abführmitteln behandelt werden. Empfehlenswert als erster Behandlungsschritt sei eine ballaststoffreiche Ernährung, bis zu zwei Liter Flüssigkeitszufuhr pro Tag und regelmäßige Bewegung.

Wichtig bei Verstopfungen sei zunächst eine Umstellung des Speiseplans. Flohsamenschalen und Weizenkleie könnten Betroffene zur Ergänzung ausprobieren. Darauf haben die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) hingewiesen. Sie haben gemeinsam eine Leitlinie zur Behandlung der sogenannten chronischen Obstipation publiziert.

Erst wenn diese Massnahmen keine Besserung bringen, sollten Arzneimittel zum Einsatz kommen. Klassische Abführmittel sind der Leitlinie zufolge angezeigt, wenn die Beschwerden durch eine Darm-Transportstörung verursacht werden. Dabei passiert der Stuhl den Dickdarm verzögert. Die Medikamente können dann den Stuhl verflüssigen und die Darmtätigkeit anregen. Eine andere Möglichkeit sind bestimmte Zuckerstoffe. Helfen solche Präparate nicht, kommen Prokinetika infrage, die das Darmnervensystem stimulieren. Weniger empfehlenswert seien Mittel, die auf Salz oder Ölen basieren, erklären die Fachleute.

Bei Beschwerden, die auf einer sogenannten Entleerungsstörung beruhen, können Abführzäpfchen oder Einläufe als unterstützende Maßnahmen zur Anwendung kommen. Bei einer Entleerungsstörung funktioniert der Transport bis in den Enddarm, doch fällt den Patienten die Entleerung schwer.

Als chronisch gilt eine Verstopfung, wenn sie mindestens zwölf Wochen andauert und der Patient über zwei weitere Symptome wie «starkes Pressen», «klumpiger harter Stuhl» oder «subjektiv unvollständige Entleerung» klagt.

Quelle:

http://www.ksta.de/gesundheit/bei-chronische-verstopfung-erst-im-zweiten-schritt-abfuehrmittel,15938564,24000956.html

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Die hier empfohlenen Flohsamen bzw. Flohsamenschalen gehören zu den wichtigen Heilpflanzen in der Phytotherapie.

Als Quellmittel können sie als Regulans eingesetzt werden – mit viel Wasser eingenommen, gegen Verstopfung, mit wenig Wasser gegen chronische Durchfälle, zum Beispiel bei Reizdarm.

 

Siehe auch:

Flohsamen bei Durchfall

Ballaststoffe bei chronischer Verstopfung: Flohsamenschalen verträglicher als Leinsamen

Verstopfung: Anwendungshinweise für Leinsamen und Flohsamen

Phytotherapie: Was sind Flohsamenschalen?

 

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Probiotika und Ballaststoffe gegen Verstopfung

Die österreichische Zeitung „Der Standard“ veröffentlichte einen Text zum Thema Verstopfung und befragte dazu den Wiener Allgemeinmediziner Gerhard Wallner.

„Der erste Schritt, um einer chronische Verstopfung Herr zu werden, ist in jedem Fall die Änderung des Lebensstils. Das heißt: auf eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse umsteigen, ausreichend viel trinken und auf genügend Bewegung achten. Das bewirkt, dass der Stuhl weicher wird und die Darmtätigkeit wieder in Gang kommt. Künstliche Ballaststoffe wie Weizenkleie oder Flohsamen können ohne Weiteres zugeführt werden. Die Einnahme von Probiotika oder Inulin (Zichorienwurzel) könne die Darmtätigkeit ebenfalls anregen, so Wallner.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000070695670/Verstopfung-Was-den-Darm-in-Schwung-bringt

 

Kommentar & Ergänzung:

Weizenkleie und Flohsamen als „künstliche Ballaststoffe“ zu bezeichnen ist etwas seltsam, aber sonst sind die Tipps nachvollziehbar.

Flohsamen sind ein Quellmittel. Sie enthalten Schleimstoffe, die in Kontakt mit Wasser ihr Volumen stark vergrössern und durch einen Dehnungsreiz auf die Darmwand mild abführend wirken.

Weizenkleie enthält etwa 10 – 20 % unverdauliche Zellulose, die in den tieferen Darmabschnitten zum Teil von Darmbakterien abgebaut wird. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die positiv für das Darmmillieu sind. Darum kann man die Weizenkleie zu den Präbiotika zählen. Das sind nicht verdaubare Lebensmittelbestandteile, die das Wachstum und/oder die Aktivität einer oder mehrerer Bakterienarten im Dickdarm gezielt anregen und dadurch die Gesundheit verbessern.

Gegen Verstopfung würde ich Flohsamen der Weizenkleie vorziehen, weil letztere deutlich stärker Blähungen verursachen kann.

Inulin gehört auch zu den Präbiotika. Es ist in den Wurzeln vieler Asteraceen (Korbblütler) vorhanden, neben der Zichorie (Wegwarte) zum Beispiel im Löwenzahn und im Topinambur (Helianthus tuberosus), aber auch in Doldenblütlern wie zum Beispiel der Pastinake.

Inulin besteht hauptsächlich aus einer Kette von Fruchtzuckermolekülen, wird aber im Dünndarm nicht abgebaut und daher wie Weizenkleie im Dickdarm von Bakterien verstoffwechselt. Dabei kann es auch zu Blähungen kommen. Die entstehenden Proprionate wirken möglicherweise als natürlicher Appetithemmer.

Jedenfalls haben wir es hier mit ziemlich interessanten Naturstoffen zu tun.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Leinsamen gegen Verstopfung

Das Magazin „Stern“ beschreibt die Anwendung von Leinsamen gegen Verstopfung und orientiert sich dabei erfreulicherweise an den Standards der Phytotherapie-Fachliteratur:

„Leinsamen enthalten Schleimstoffe, die bei Kontakt mit Wasser aufquellen und so das Stuhlvolumen vergrößern. Ein Esslöffel Leinsamen kann in Verbindung mit Flüssigkeit auf das Vierfache seines Volumens anwachsen. Das führt zu einem Dehnungsreflex im Darm, der abführend wirkt. Auf diese Weise können Leinsamen Verstopfungen lindern oder einem trägen Darm auf die Sprünge helfen. Nach Einschätzung der Kommission E sind sie auch für Patienten geeignet, deren Darmtätigkeit durch übermäßigen Konsum von Abführmitteln bereits geschädigt ist. Das enthaltene Fett wirkt zusätzlich als Gleitmittel.“

Als Fett enthalten Leinsamen das wertvolle Leinöl, das aber nur verdaut und aufgenommen wird, wenn die Leinsamen geschrotet werden.

Was ist gemeint mit den „Einschätzungen der Kommission E“?

Siehe dazu:

Phytotherapie: Kommission E – was bedeutet das?

Zur Zubereitung von Leinsamen schreibt das Magazin „Stern“:

„Morgens und abends je ein bis zwei Esslöffel Leinsamenschrot in Apfelmus, Milch oder Quark einrühren.

Die Speisen nach Belieben mit einem Teelöffel Honig süßen.

Über mehrere Wochen und Monate anwenden, die Behandlung erfolgt langfristig. Eine Wirkung stellt sich oft erst nach einigen Tagen ein.

Leinsamen können unter Umständen die Aufnahme von Arzneistoffen beeinträchtigen. Es ist daher sinnvoll, zwei bis drei Stunden Abstand zwischen den Einnahmen zu halten.

Allgemein empfiehlt es sich, im Fall einer Verstopfung viel Wasser zu trinken.“

Milch verschlechtert allerdings die Quellwirkung der Leinsamen. Meine Empfehlung lautet deshalb: Morgens und abends je ein bis zwei Esslöffel Leinsamen mit 1 bis 2 Glas Wasser einnehmen. Man kann den Leinsamen auch ganz herunterspülen, also ungeschrotet – dann quillt nur der Schleim aus den Randschichten des Samens. Der Leinsamenschleim wird nicht verdaut, sondern wieder ausgeschieden. Der Inhalt des Leinsamens bleibt so unverdaut (auch das Leinöl).

Ungeschrotete Leinsamen sind besser haltbar, geschrotete Leinsamen können rasch ranzig werden.

Flohsamen und isbesondere Flohsamenschalen quellen im Übrigen deutlich stärker als Leinsamen und sind verträglicher. Siehe dazu:

Ballaststoffe bei chronischer Verstopfung – Flohsamenschalen verträglicher als Leinsamen

Verstopfung: Anwendungshinweise für Leinsamen und Flohsamen

Phytotherapie – was sind Flohsamenschalen

Quelle der Zitate:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/erkaeltung–ohrenschmerzen–halsschmerzen–diese-hausmittel-helfen-6565438.html#mg-1_1507550475443

 

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Zur Kombination Baldrian & Sanalepsi: Was ist Sanalepsi?

In Pflegeheimen und Kliniken wird manchmal als Einschlafhilfe eine Mischung aus Sanalepsi-Tropfen und Baldriantinktur eingesetzt.

Daher kommt in meinen Kursen immer wieder einmal die Frage auf, um was es sich bei „Sanalepsi“ genau handle.

Sanalepsi N Tropfen enthalten Doxylamin, ein Antihistaminikum der 1. Generation mit antiallergischern, beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften.

Als Monopräparat oder kombiniert mit Baldriantinktur wird Salalepsi N in erster Linie zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt und dazu eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen.

Die Halbwertszeit von Doxylamin beträgt etwa 10 Stunden. Das heisst, dass die Konzentration von Doxylamin im Organismus resp. im Blut nach 10 Stunden auf den halben Wert (50%) absinkt. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass Sanalepsi bei der Einnahme als Einschlafhilfe unerwünschterweise in den folgenden Tag hinein wirkt. Bei der Baldriantinktur besteht dieses Risiko nicht.

Doxylamin wird in Kombination mit Dextromethorphan (Hustenreizstiller), Ephedrin (Schleimhautabschweller) und Paracetamol (Schmerzmittel) in Kombinationspräparaten wie dem Erkältungspräparat Vicks MediNait® Saft verwendet. Solche Kombipräparate werden allerdings von vielen Fachleuten generell skeptisch beurteilt, weil damit oft Substanzen eingenommen werden, die im jeweiligen Erkältungsfall gar nicht nötig sind.

Als Einzelmittel ist Doxylamin in der Schweiz bei Einschlafstörungen zur Kurzzeitbehandlung zugelassen. Das passt aber eigentlich nicht zu einer Kombination mit Baldriantinktur, weil Baldrian erst nach einer Anwendung über mehrere Wochen wirksam wird.

Da Sanalepsi-Tropfen in Apotheken ohne Rezept erhältlich sind, werden sie oft als verhältnismässig harmlos eingeschätzt. Das ist aber wohl ein Trugschluss. In Deutschland hat das TV-Magazin „rbb Praxis“ sich mit diesem Thema befasst und dabei kamen verschiedene Fachleute zu Wort.

Der Schlafmediziner Dr. Holger Rein hält es für einen Trugschluss, wenn Patienten diese Medikamente unbedenklich finden, weil sie freiverkäuflich sind: „Das sind keine Lutschbonbons und keine Hustenbonbons. Es sind tatsächlich hochwirksame Substanzen.“

Der Pharmakologe Professor Dr. Markus Schwaninger von der Universität Lübeck sagt: „Es wirkt auf das Gehirn und kann dort verschiedene Funktionen beeinträchtigen. Nicht nur Schlaf auslösen, sondern auch das Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.“

Dass die Nachwirkungen der Substanzen auch noch am Folgetag auftreten können, bestätigt in der Sendung auch ein Anwender. Am nächsten Morgen denke und spreche man etwas langsamer und auch die Bewegungsabläufe seien verändert.

Die Internistin Dr. Jördis Hendricks aus Hamburg erklärt, dass durch die Einnahme dieser Präparate der Schlafrhythmus und die Schlafarchitektur gestört werde; der Schlaf sei nicht erholsam:„Man zahlt unter Umständen einen hohen Preis ohne einen langfristigen Nutzen.“ Und sie ergänzt: „Sie dürften auf gar keinen Fall frei verkauft werden. Das Mindeste wäre, dass man sie unter der die Rezeptpflicht stellt.“ Auch eine Marktrücknahme der Präparate ist für Hendricks denkbar.

Mögliche Nebenwirkungen von Doxylamin / Sanalepsi fasst das „Pharmawiki“ so zusammen:

„Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Müdigkeit, Verminderung der Reaktionsbereitschaft, paradoxe Reaktionen wie Erregung und Halluzinationen bei Kindern und älteren Personen, Kopfschmerzen und anticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Akkommodationsstörungen, Verstopfung und Harnretention. Selten können Herz-Kreislauf-Reaktionen wie ein tiefer oder hoher Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen auftreten.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/aerztin-rezeptpflicht-fuer-otc-schlafmittel-tv-tipp-rbb-praxis/

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Doxylamin

Kommentar & Ergänzung:

Ohne zu dramatisieren lässt sich der Schluss ziehen, dass Sanalepsi-Tropfen nicht harmlos sind. Will man sie trotzdem einsetzen, dann sollte das  sehr gut überlegt und zeitlich begrenzt geschehen.

Die Kombination mit Baldriantinktur halte ich eher für fragwürdig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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