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Zistrose (Cistus incanus): Extrakte der Zistrose inaktivieren HI-Viren, Ebola-Viren und Marburg-Viren

Extrakte der Zistrose (Cistus incanus) inaktivieren in Laborexperimenten HI-, Ebola- und Marburg-Viren und verhindern ihre Vermehrung.

Für virale Infektionen wie beispielsweise HIV/Aids braucht es infolge von Resistenzbildung immer wieder neue antivirale Wirkstoffe. Gegen Ebola- oder Marburg-Viren existieren gegenwärtig noch gar keine zugelassenen Präparate. Forscher vom Institut für Virologie des Helmholtz-Zentrums München konnten nun zeigen, dass Extrakte aus der Zistrose (Cistus incanus) virostatische Eigenschaften besitzen. Der Pflanzenextrakt blockiert das Andocken der Viren an Zellen, indem Inhaltsstoffe selektiv an die Viruspartikel binden und so die Infektion verhindern. Die Wissenschaftler arbeiteten mit klinischen Isolaten des HI-Virus vom Typ 1 und 2, einschließlich eines HIV-Stammes, der gegen mehrere therapeutisch eingesetzte antivirale Wirkstoffe resistent ist.

Dabei inaktivierten die Zistrose-Extrakte die HI-Viren bei allen Experimenten.

Die Wirkstoffe blockieren virale Hüllproteine, womit das Andocken der Viren an die Wirtszellen verhindert wird. Selbst nach 24-wöchigen Labortests entwickelten sich keine Resistenzen.

Prof. Dr. Ruth Brack-Werner vom Institut für Virologie sagt: “Unsere Ergebnisse zur Anti-HIV-1-Wirkung von Cistus incanus liefern erste Hinweise, dass käuflich erhältliche Extrakte aus der Zistrose für die Entwicklung von neuartigen und wissenschaftlich fundierten Phytotherapeutika gegen HIV genutzt werden könnten”. Da die antivirale Wirkungsweise der von uns untersuchten Pflanzenextrakte sich von allen bisher klinisch eingesetzten Medikamenten gegen HIV-1 unterscheidet, wären solche Präparate eine wertvolle Ergänzung der Palette an etablierten Arzneistoffen.”

Die Cistus-Extrakte waren nicht nur gegen HIV, sondern auch gegen Viruspartikel mit Hüllproteinen von Ebola- bzw. Marburg-Viren aktiv. Die Forscher fanden auch Hinweise dafür, dass Zistrose-Extrakte zahlreiche antivirale Inhaltsstoffe enthalten, die in Kombination wirken könnten. Zusammen mit der schon in der Literatur beschriebenen antiviralen Aktivität von Zistrose-Extrakten gegen Grippeviren, belegen die Resultate die breite antivirale Wirkung von Cistus-Extrakten gegen wichtige humanpathogene Viren.

Virusbedingte Infektionen gehören zu den zehn weltweit häufigsten Todesursachen bei Menschen.

Die Wissenschaftler können sich aufgrund ihrer Resultate eine Reihe neuer Anwendungen im globalen Kampf gegen virale Infektionskrankheiten vorstellen, zum Beispiel die Entwicklung von optimierten antiviralen Gemischen aus Pflanzenextrakten als Phytotherapeutika. Möglicherweise könnten Cremes oder Gels als Mikrobizide die sexuelle Verbreitung von Erregern wie HIV verhindern, da Cistus-Extrakte die Infektiosität von Viruspartikel blockieren. Ausserdem sind Cistus-Extrakte vielversprechende Quellen für die Isolierung von neuen Wirkstoffklassen bzw. -Molekülen.

Quelle:

http://derstandard.at/2000030308072/Zistrose-Heilpflanze-gegen-HIV-und-Ebolaviren

Originalpublikation:

Potent in vitro antiviral activity of Cistus incanus extract against HIV and Filoviruses targets viral envelope proteins
Stephanie Rebensburg et al.; Scientific Reports, doi: 10.1038/srep20394; 2016

http://www.nature.com/articles/srep20394

Kommentar & Ergänzung:

Das sind interessante Untersuchungen. Es muss aber unterstrichen werden, dass es sich um Laborergebnisse handelt. Die Situation im menschlichen Organismus unterscheidet sich davon stark. Im Reagenzglas lassen sich Viren und Zistrose-Extrakt isoliert von allen anderen Einflüssen zusammenbringen. Das ermöglicht ein direktes Einwirken von Inhaltsstoffen auf die Viren. Im menschlichen Organismus gibt es dagegen viele zusätzliche Einflüsse, die als Störfaktoren wirken können.

Die gegen Viren wirksamen Substanzen in der Zistrose gehören zu den Gerbstoffen.

Dazu ist zu sagen, dass viele Pflanzen Gerbstoffe mit antiviraler Wirkung enthalten, zum Beispiel Melisse und Salbei. Melissenextrakt und Salbeiextrakt werden daher in Salben gegen Herpesviren eingesetzt. Es stellt sich daher die Frage, ob die gezeigte antivirale Wirksamkeit der Zistrose-Extrakte wirklich so speziell ist, oder ob Gerbstoffe aus anderen Pflanzen vergleichbare Effekte zeigen würden.

Der Klarheit halten ist zudem festzuhalten, dass die antivirale Wirkung der Gerbstoffe sich auf lokale Anwendungen auf Haut und Schleimhaut beschränkt. Es gibt bisher keine Belege, dass Gerbstoffe über den Verdauungstrakt ins Blut gelangen und dort systemisch antiviral wirken. Daher ist es auch überzogen, wenn in Medienberichten über diese Untersuchungen bereits von einer neuen Waffe aus der Pflanzenwelt gegen HIV gesprochen wird. Damit wird eine systemische Wirkung suggeriert, mit der sich eine HIV-Infektion heilen liesse.

Beispiel:

„Pflanzenextrakt hilft gegen HIV und Ebola“

(Quelle: http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19808-2016-02-03.html)

 

Ein solcher Titel spricht natürlich mehr an und tönt attraktiver als eine realistischere, nüchterne Überschrift wie:

„Pflanzenextrakt inaktiviert Virus im Reagenzglas“.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Extrakt aus Pelargonium sidoides (Umckaloabo) wirksam gegen HIV-1

Pelargonium sidoides (Umckaloabo) ist eine Geranienart aus Südafrika, die seit einigen Jahren in Europa vermehrt zur Behandlung von Erkältungskrankheiten eingesetzt werden. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums in München haben überraschend eine Wirksamkeit gegen das HI-Virus festgestellt.

Extrakte aus Pelargonium sidoides inaktivieren das HI-Virus vom Typ 1 und verhindern seine Vermehrung in menschlichen Zellen. Sie stellen eine potentielle neue Wirkstoffklasse für die Behandlung von AIDS dar, schreiben Forscher des Helmholtz Zentrums München in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals ‚PLOS ONE‘.

Extrakte aus den Wurzeln der Heilpflanze Pelargonium sidoides (PS) enthalten Substanzen, die das Humane Immundefizienz Virus Typ 1 (HIV-1) angreifen und es daran hindern, sich zu vermehren. Die Forscher um Dr. Markus Helfer und Prof. Dr. Ruth Brack-Werner vom Institut für Virologie am Helmholtz Zentrum München (HMGU) sowie Prof. Dr. Philippe Schmitt-Kopplin von der Abteilung Analytische Biogeochemie (BGC) am HMGU haben die antivirale Wirkung der PS-Extrakte in Zellkulturen untersucht. Sie entdeckten dabei, dass diese Pflanzenextrakte Blut- und Immunzellen vor einer Infektion mit HIV-1 schützen. Die Inhaltsstoffe blockieren das Andocken der Viren an ihre Wirtszellen und verhindern so ihr Eindringen. Chemische Analysen der Forscher zeigten, dass die antivirale Wirkung der Pelargonium-Extrakte durch Polyphenole zustande kommt.

Aus den Extrakten isolierte Polyphenolmischungen erwiesen sich als hochwirksam gegen HIV-1  und waren dabei zellschonender als das grobe Extrakt. Pflanzliche Arzneimittel aus Pelargonium sidoides seien zudem bereits verfügbar und als verträglich und sicher für den Menschen zugelassen, schreibt das Helmholtz Zentrum in einer Pressemitteilung.

Die Resultate der Forscher zur anti-HIV-1-Wirkung von Pelargonium sidoides liefern nach Aussage der Arbeitsgruppenleiterin Brack-Werner die ersten Hinweise, dass Geranienextrakte genutzt werden können, um eine neuartige, wissenschaftlich fundierte Pflanzenmedizin gegen HIV-1 zu entwickeln.

Zitat Brack-Werner:

„Da PS-Extrakte das Virus auf eine Art und Weise angreifen, die sich von allen bisher klinisch eingesetzten Medikamenten gegen HIV-1 unterscheidet, wäre eine solche Phytomedizin eine wertvolle Ergänzung zu den bereits etablierten Anti-HIV-Therapien. Denkbar ist auch der Einsatz von Geranienextrakten in Ressourcen-armen Gebieten mit beschränktem Zugang zu konventionellen Anti-HIV-1 Medikamenten,  da sie einfach herzustellen und sehr haltbar sind.“

In weiteren Untersuchungen müsse nun die Wirksamkeit dieser Pelargonium-Extrakte gegen HIV im menschlichen Organismus bestätigt werden.

Quelle:

http://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/pressemitteilungen/2014/pressemitteilung/article/23412/index.html

http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0087487;jsessionid=45989588E197E4F67E74FC14365E554A

Kommentar & Ergänzung:

Das ist natürlich eine ausgesprochen spannende Entdeckung. Trotzdem muss aber festgehalten werden, dass es sich um Laborergebnisse handelt. Wenn hier schon eine neue HIV-Therapie in Aussicht gestellt wird, scheint mir das etwas gar schnell.  Solche Laborergebnisse sind meilenweit von einer erfolgreichen Anwendung beim Menschen entfernt.

Die „Welt“ schreibt, dass die Entdeckung der Anti-HIV-Wirkung der Pelargonium-Extrakte einem Zufall zu verdanken ist:

“Der Erstautor der Studie, Markus Helfer, hatte das Erkältungsmittel Umckaloabo dabei, das auf dem Extrakt basiert – und probierte die Reste seiner Arznei kurzerhand an den Testzellen im Labor aus.“

So seien sie überhaupt erst darauf gekommen, speziell diesen Wirkstoff zu testen, sagt Brack-Werner.

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article124382368/Geranienextrakt-hemmt-die-Vermehrung-von-HIV.html

Schöner Zufall – und lobenswert, dass die Forscher diesem ersten Hinweis nachgegangen sind. Dazu ist allerdings noch zu ergänzen, dass viele Pflanzenextrakte im Labor antivirale Wirkungen zeigen.  Gerade Polyphenole sind in dieser Hinsicht geradezu prädestiniert.

Es könnte gut sein, dass eine ganze Reihe von pflanzlichen Extrakten ähnliche Wirkungen zeigen. Der Zufall würde dann nicht darin liegen, dass zufällig eine ganz spezielle Wirkung des Pelargoium-Extraktes entdeckt wurde, sondern dass zufällig gerade dieser Extrakt untersucht wurde.

Zur Anwendung von Umckaloabo gegen Bronchitis siehe:

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Phytotherapie: Umckaloabo / Pelargonium sidoides bei Erkältungen

Übersichtsstudie zu Umckaloabo zieht positives Fazit

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Senfölglycoside gegen Infektionen?

Der Mikrobiologe und Immunologe Professor Dr. Andreas Diefenbach vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum in Freiburg bekommt den “Starting Grant” des Europäischen Forschungsrats (ERC) in Höhe von 1,5 Millionen Euro für sein Projekt “NutrImmune”. Der Forscher will den Einfluss von Nahrungsstoffen auf das Immunsystem des Darms untersuchen.

Zahlreiche Gemüsesorten wie beispielsweise Broccoli oder Rosenkohl enthalten Senfölglykoside (Glukosinulate). Diefenbach konnte mit seiner Forschungsgruppe zeigen, dass solche Pflanzeninhaltsstoffe die Differenzierung von speziellen Immunzellen, den so genannten Lymphoid-Tissue-Inducer-Zellen (LTi-Zellen), beeinflussen.

Darüber hat das Universitätsklinikum in Freiburg orientiert. Mäuse, deren Futter keine dieser Substanzen enthielt, bildeten nur wenige LTi-Zellen und zeigten eine hohe Anfälligkeit für Darminfektionen und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.

Das nun durch den Europäischen Forschungsrat geförderte Projekt untersucht die molekularen Mechanismen, über die gewisse Nahrungsstoffe die Differenzierung und Funktion der LTi-Zellen beeinflussen.

LTi-Zellen haben eine wichtige Funktion für den Schutz des Darmepithels, also des Deck- und Drüsengewebes. In Zukunft könnten solche Pflanzeninhaltsstoffe oder aus ihnen entwickelte Substanzen in der Klinik zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn eingesetzt werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/article/819047/foerderpreis-phytochemie-infektionen.html?sh=11&h=-2079932337

Kommentar & Ergänzung:

Von solchen Versuchen mit Mäusen lassen sich noch keine direkten Wirkungen auf Krankheiten bei Menschen ableiten.

Senfölglykoside sind aber generell eine interessante Wirkstoffgruppe in der Phytotherapie.

Wo kommen Senfölglykoside im Pflanzenreich vor?

Senfölglycoside sind charakteristische Inhaltstoffe in der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceen). Ansonsten sind sie bei den Kaperngewächsen verbreitet und kommen sporadisch bei Kapuzinerkressengewächsen, Wolfsmilchgewächsen und anderen Pflanzensippen vor.

Typische Heilpflanzen mit Senfölgykosiden sind Meerrettich, Rettich, Schwarzer Senf, Brunnenkresse, Kapuzinerkresse.

Senfölglykoside sind auch wichtige Inhaltsstoffe in Gemüsen wie Kohl, Rosenkohl, Chinakohl und Broccoli.

Zur Wirkung und Anwendung von Senfölglykosiden:

„ Senföle (z. B. Allylsenföl) werden therapeutisch als örtlich wirkende Hautreizmittel (Rubefacientia) eingesetzt. Sie wirken teilweise stark antibakteriell.

Zubereitungen aus senfölhaltigen Pflanzen werden ebenfalls heilkundlich verwendet. Kapuzinerkresse etwa wirkt aufgrund ihres Gehaltes an Benzylsenföl in-vitro bakteriostatisch (gegen grampositive und gramnegative Bakterien), virustatisch und antimykotisch.

Wissenschaftlich belegt ist auch die antimikrobielle Wirkung der Senföle im Meerrettich. Das ätherische Öl enthält Allylsenföl (ca. 90 %) und 2-Phenylethylensenföl. Je nach Dosis wirkt der Meerrettich in-vitro bakteriostatisch bzw. bakterizid. Das Allylsenföl aus der Meerrettichwurzel zeigt eine gute Wirksamkeit im gramnegativen Spektrum, während das 2-Phenylethylsenföl aus der Meerrettichwurzel ein erweitertes Wirkspektrum im grampositiven Bereich aufweist.

Senfölglycoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden kombiniert in der Praxis als Phytotherapeutikum zur Behandlung und Prophylaxe von Atemwegs- und Harnwegsinfekten eingesetzt. In-vitro-Studien belegen, dass eine Kombination der beiden Pflanzenstoffe ein breites antibakterielles Wirkspektrum gegenüber 13 klinisch relevanten Bakterienstämmen besitzt.

Untersuchungen am Institut für Medizinische Virologie der Universität Gießen haben 2010 ergeben, dass Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich die Vermehrung von Grippeviren vom Typ H1N1 hemmen können. Die Vermehrung wurde im In-vitro-Modell mit menschlichen Lungenzellen um etwa 90 Prozent gehemmt. Schon 1958 wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen am exembryonierten Hühnerei unter dem Einfluss der Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich eine starke Hemmung der Vermehrung von Influenza-Viren nachgewiesen.

Dass der Verzehr senfölhaltiger Pflanzen, wie vielfach behauptet, vor Krebserkrankungen schützen kann, ist wissenschaftlich durch Versuche an Ratten belegt, jedoch fehlt der wissenschaftliche Beweis der Wirksamkeit beim Menschen.“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben dort)

Siehe auch:

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglycoside? Welche Wirkung haben sie?

Hausmittel: Rettichsirup gegen Husten

Kapuzinerkresse –  Breitbandantibiotikum aus der Natur

Glukosinulate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Kräuter und ihre Wirkung: Kapuzinerkresse

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

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Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

Senfölglycoside ( = Glukosinolate) sind schwefel- und stickstoffhaltige chemische Verbindungen, die aus Aminosäuren gebildet werden. Sie geben Gemüse wie Rettich, Meerrettich, Senf, Kresse, Kapuzinerkresse und Kohl den etwas bitteren Geschmack.

Es gibt rund 120 verschiedene Glucosinolate. Sie kommen in Mitteleuropa ausschliesslich in Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) vor. In der Phytotherapie spielen als Senfölglykosid-Pflanzen vor allem Meerrettich, Senf, Kapuzinerkresse und Brunnenkresse eine Rolle.

In den Pflanzen wirken Senfölglycoside als Abwehrstoffe gegen Tierfraß.

Nach neueren Erkenntnissen beugen Senfölglykoside Infektionen vor und unterstützen die Krebsprävention, wie Sulforaphan oder Iberin.

Senfölglycoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden kombiniert in der Medizin als Phytotherapeutikum zur Behandlung und Vorbeugung von Atemwegsinfekten und Harnwegsinfekten eingesetzt.

Genaueres zur Verwendung in der Phytotherapie

Senföle (z. B. Allylsenföl) werden therapeutisch als lokal wirkende Hautreizmittel (Rubefacientia) angewendet. Sie wirken teilweise stark antibakteriell.

Zubereitungen aus senfölhaltigen Pflanzen werden ebenfalls heilkundlich eingesetzt. Kapuzinerkresse etwa wirkt wegen ihres Gehaltes an Benzylsenföl in-vitro bakteriostatisch (gegen grampositive und gramnegative Bakterien), virustatisch und antimykotisch.

Wissenschaftlich belegt ist auch die antimikrobielle Wirkung der Senföle aus dem Meerrettich. Das ätherische Öl enthält als wichtige Bestandteile Allylsenföl (ca. 90%) und 2-Phenylethylensenföl. Je nach Dosis kann der Meerrettich in-vitro bakteriostatisch bzw. bakterizid wirken Das Allylsenföl aus der Meerrettichwurzel besitzt eine gute Wirksamkeit im gramnegativen Spektrum, während das 2-Phenylethylsenföl aus der Meerrettichwurzel ein erweitertes Wirkspektrum im grampositiven Bereich zeigt.

Senfölglycoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden kombiniert in der Praxis als Phytotherapeutikum zur Behandlung und Vorbeugung von Atemwegsinfekten und Harnwegsinfekten eingesetzt. In-vitro-Studien belegen, dass eine Kombination der beiden Pflanzenstoffe ein breites antibakterielles Wirkspektrum gegenüber 13 klinisch relevanten Bakterienstämmen besitzt.

Untersuchungen am Institut für Medizinische Virologie der Universität Gießen haben 2010 gezeigt, dass Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich die Vermehrung von Grippeviren vom Typ H1N1 hemmen können. Die Vermehrung wurde im In-vitro-Modell mit menschlichen Lungenzellen um etwa 90 Prozent vermindert. Bereits im Jahre 1958 wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen am exembryonierten Hühnerei unter dem Einfluss der Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich eine starke Hemmung der Vermehrung von Influenza-Viren belegt

Dass der Konsum senfölhaltiger Pflanzen, wie vielfach behauptet, vor Krebserkrankungen schützen kann, ist wissenschaftlich durch Versuche an Ratten belegt. Ein wissenschaftlicher Beweis für die Wirksamkeit beim Menschen fehlt aber.

(Quelle: Wikipedia)

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Carrageen aus Rotalgen wirksam gegen H1N1-Viren

Die Wirksamkeit von Carrageen als Inhibitor (Hemmstoff) der Influenza A-Virus Infektion (H1N1) konnte in in-vitro und in-vivo Versuchen gezeigt werden. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, die als Kooperationsprojekt zwischen Forschern des Instituts für Diagnostische Virologie (Friedrich-Loeffler-Institut, Riems, Deutschland), dem St. Anna Kinderspital in Wien, der Veterinärmedizinischen Universität Wien und einem Industriepartner durchgeführt wurde.

Carrageen ist ein Polymer aus Rotalgen, das zum Aufbau einer schützenden physikalischen Barriere in der Nasenhöhle führt und bereits antivirale Wirksamkeit bei der Behandlung von Erkältungen zeigte. Die hier beschriebene Studie untersuchte die Wirksamkeit von Carrageen gegen Influenzaviren, einschließlich des Influenza-Pandemiestamms H1N1. Die Resultate zeigten, dass das Polymer direkt an Influenza-Viren bindet und damit deren Anheftung an Zellen verhindert. Eine Weiterverbreitung der Viren wird dadurch behindert. Im Tierversuch zeigte Carrageen eine vergleichbaren Effekt wie das Medikament Tamiflu.

“Influenza-Viren stellen global immer noch eine große Bedrohung der öffentlichen Gesundheit dar und mit der zunehmenden Resistenz gegen Tamiflu steigt das Bedürfnis nach wirksamen Alternativen”, sagte Dr. Andreas Grassauer, CEO und Mitbegründer von Marinomed.“Diese Studie bestätigt, dass Iota-Carrageen eine Alternative zu Neuraminidase-Inhibitoren darstellen kann und weiter in klinischen Studien im Menschen zur Prävention und Behandlung von Influenza-A getestet werden sollte.”

Der wissenschaftliche Artikel mit dem Titel “Iota-Carrageenan is a Potent Inhibitor of Influenza A Virus Infection” von Andreas Leibbrandt, Christiane Meier, Marielle König-Schuster, Regina Weinmüllner, Donata Kalthoff, Bettina Pflugfelder, Philipp Graf, Britta Frank-Gehrke, Martin Beer, Tamas Fazekas, Hermann Unger, Eva Prieschl-Grassauer und Andreas Grassauer wird online publiziert in der Open-Access-Zeitschrift PLoS ONE: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0014320

Quelle:

Veterinärmedizinische Universität Wien

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=32519

Kommentar & Ergänzung:

Was ist Carragen?

„Carrageen (auch: Carragaheen, Karrageen oder Karragheen; englisch Carrageenan) ist eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe langkettiger Kohlenhydrate (Polysaccharide), die wie die ähnlichen Substanzen Agar-Agar oder Alginat in den Zellen verschiedener Rotalgenarten vorkommen.“ (nach: Wikipedia)

Und wozu wird Carragen verwendet?

„In der Lebensmittelindustrie wird Carrageen als Geliermittel für Schlankheits- und Light-Produkte und in Fleischwaren (z. B. Wurst), sowie als Verdickungsmittel in kalt angerührten Marmeladen, Babynahrung, Milchprodukten, Milchshakes, Eiscreme und Desserts eingesetzt. Mit Hilfe von Carrageen können auch Trübungen in Weinen beseitigt werden. In der EU ist es als Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E 407 zugelassen. Carrageen wird auch in der Kosmetikindustrie (Zahnpasta) verwendet.

Das Dickungsmittel Carrageen (E 407) ist auch nach der Europäischen Öko-Verordnung für Bio-Lebensmittel zugelassen.

Neuerdings wird Carrageen auch medizinisch eingesetzt. Unter dem Produktnamen Coldamaris prophylactic hat die österreichische Marinomed die Zulassung in Österreich für ein Produkt zur Schnupfenprävention erhalten. Das auf die Entwicklung von Medikamenten mit marinen Naturstoffen spezialisierte Spin-Off der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW) hat für das Produkt die europäische Zulassung erhalten. Der Wirkstoff ist nach Herstellerangaben Carragelose®, die aus Rotalgen gewonnen wird und die Nase vor äußeren Einflüssen wie zum Beispiel Schnupfenviren schützen soll. Der Wirkstoff soll sich wie ein schützender, natürlicher Film über trockene und gereizte Nasenschleimhaut legen und dadurch die natürliche Abwehr von Viren und Bakterien durch körpereigene Prozesse unterstützen. Derzeit wird das Produkt nur in Österreich und apothekenexklusiv vertrieben; der Vertrieb in Deutschland und anderen EU-Ländern ist beantragt.“

(nach Wikipedia)

Hier wird der Zweck der Carrageen-Forschung deutlicher. Wikipedia erwähnt als Herstellerin des Schnupfenmittels dieselbe Firma wie der Artikel im Journalmed. Der Hinweis auf das Schnupfenmittel ist interessant. Er wirft die Frage auf, ob ein prophylaktischer Effekt gegen Schupfen auch durch andere schleimhaltige Heilpflanzen erreicht werden könnte (Eibischwurzel?).

„Eine Studie aus dem Jahr 2006 zeigt eine deutliche, bisher nicht vollständig erklärte antivirale Aktivität gegen humane Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können.

Des weiteren zeigen einige Arbeiten, dass Carrageen Einfluss auf die Aktivität von Makrophagen hat.“

(nach: Wikipedia)

Dieser Einfluss auf humane Papillomviren und auf Makrophagen ist tatsächlich schwer einzuordnen.

Grundsätzlich sind diese Forschungsergebnisse zu Carrageen aber sehr interessant. Von Carrageen hört man in der Phytotherapie-Forschung nämlich sonst nicht so oft, während andere schleimhaltige Heilpflanzen wie zum Beispiel Eibischwurzel in den letzten Jahren intensiv untersucht wurden. Dabei ergaben sich neue Erkenntnisse über die Wirkungsweise dieser Heilpflanzen.

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Phytotherapie: Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Senföle sind bei bakteriellen und viralen Infekten von Harn- und Atemwegen eine Behandlungsmöglicheit. Offenbar können sie auch der Vermehrung von Influenza-Viren entgegen wirken: Eine Gießener Wissenschaftlergruppe konnte in In-vitro-Untersuchungen eine Hemmung um 90 Prozent feststellen.

Die Vermehrung von Influenza-Viren (Grippe-Viren) kann auch phytotherapeutisch reduziert werden. Das legen In-vitro- Untersuchungen mit einem Heilpflanzen-Präparat nahe, das bislang bei bakteriellen und viralen Infekten der Atemwege und der Harnwege eingesetzt wird.

Als wichtige Wirkstoffe des standardisierten Extraktgemisches aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel gelten Senföle wie zum Beispiel Benzylisothiocyanat, 2-Phenylethylisocyanat und Allylisothiocyanat. Das erklärte Professor Stephan Pleschka vom Institut für Medizinische Virologie der Universität Gießen.

Die scharfschmeckenden Senföle dienen den Pflanzen als Abwehrmittel gegen Keime, Parasiten und Fressfeinde.

Senföle entstehen akut, wenn bei einer Verletzung pflanzlicher Gerüststrukturen Glucosinolate als inaktive Senfölvorstufe mit dem Enzym Myrosinase in Kontakt kommen.

Senföle beziehungsweise senfölhaltige Pflanzen und Pflanzenextrakte werden traditionell gegen bakterielle und virale Infekte von Harn- und Atemwegen eingesetzt – und zum Teil sind sie auch bereits in Studien geprüft, sagte Pleschka auf einer Veranstaltung des Komitees Forschung Naturmedizin e.V. (KFN) in München.

Eine gute bakteriostatische und dabei “resistenzresistente” Invitro-Aktivität von Senfölen aus Meerrettich und Kapuzinerkresse – auch gegen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) – wurde bereits in früheren Studien belegt.

Die Arbeitsgruppe um Pleschka hat nun untersucht, inwieweit diese Senföle in vitro auch gegen Influenza-Viren wirksam sind. Dabei stellten sie fest, dass jedes der drei genannten Senföle die Virusvermehrung in mit pandemischen H1N1-Viren infizierten Kulturen humaner Lungenepithelzellen um rund 90 Prozent vermindert.

Dabei wurden Senfölkonzentrationen eingesetzt, bei welchen in Voruntersuchungen keine toxischen Effekte auf kultivierte Lungenepithelzellen zu beobachten waren. Solche Senföl-Konzentrationen ließen sich bei oraler Verordnung entsprechender Präparate durchaus im Zielgewebe erreichen, erklärte Pleschka.

Auf welche Art die Senföle die Virusvermehrung hemmen und inwieweit sich der beim Schweinegrippe-Virus festgestellt Effekt auch bei anderen Influenza-Viren reproduzieren lässt, ist ein Thema von Nachfolgeuntersuchungen.

Pleschka und seine Mitarbeiter gehen davon aus, dass die Senföle nicht direkt das Virus angreifen, sondern störend in die Wirtszelle-Virus-Interaktion eingreifen –  zum Nachteil des Virus. Ein solches Wirkprinzip wäre auch besser als ein direkter antiviraler Angriff vor viralen Resistenzentwicklungen gefeit, erklärte Pleschka.

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/633700/influenza-viren-phytotherapie-bekaempfen.html

Komitees Forschung Naturmedizin e.V. (KFN)

Kommentar & Ergänzung:

Senföl-Glykoside (Glukosinolate) kommen vor allem in Pflanzen aus der Familie der Brassicaceae (Kreuzblütler) vor. Meerrettichwurzel wird in der Phytotherapie-Fachliteratur schon seit längerem empfohlen bei bakteriellen Infektionen der Bronchien und der Harnwege (Blasenentzündung). Rettichwurzel ist gemischt mit Honig oder Kandiszucker ein traditionelles Hausmittel bei Erkältungen.

Dass inzwischen auch nach einer Wirksamkeit von Senfölen gegen Schweinegrippe-Virus geforscht wird, ist nicht weiter erstaunlich. Beim Nachweis von antibakteriellen oder antiviralen Effekten im Labor (invitro) stellt sich allerdings immer die Frage, ob sich die Wirkungen auch bei der Anwendung im lebenden Organismus von Infekt-Patienten zeigen. Entscheidend sind dabei zwei Fragen:

Wird der Wirkstoff überhaupt aus dem Verdauungstrakt aufgenommen?

Lassen sich im Organismus die nötigen Konzentrationen erreichen, ohne dass gleichzeitig das Gewebe geschädigt wird.

Bei Senfölen ist gut belegt, dass sie in relevanten Mengen aufgenommen, allerdings auch rasch wieder ausgeschieden werden (daher in Portionen über den Tag verteilt einnehmen).

In der vorliegenden Meldung ist meines Erachtens vor allem die Aussage von Prof. Pleschka interessant, dass die im Labor verwendeten wirksamen Konzentrationen auch im Körper erreichbar sind.

Trotzdem: Entscheidend dafür, ob sich Senföle als Mittel gegen Influenza-Viren in der Phytotherapie durchsetzen, werden nicht Laborexperimente sein. Überzeugend sind letztendlich nur erfolgreiche Doppelblind-Studien mit Grippepatienten – und diese stehen meines Wissens noch aus.

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Grüntee-Wirkstoff EGCG senkt HIV-& Übertragung im Labor

Hamburger Wissenschaftler entdeckten, dass ein Wirkstoff aus Grüntee die Infektiosität von HIV-1 im Laborexperiment drastisch reduziert. Ilona Hauber und ihre Kollegen vom Heinrich-Pette-Institut in Hamburg sind der Ansicht, dass dieser Hemmstoff, wenn er in konzentrierter Form in mikrobiziden Vaginalcremes enthalten ist, vor der sexuellen Übertragung von HIV schützen könnte. Die Resultate ihrer Untersuchung publizierten die Virologen jetzt im Fachjournal PNAS (online Early Edition 18. Mai 2009).

Ulmer Forscher hatten vor 2 Jahren entdeckt, dass in menschlichen Spermien feinste Fäden, so genannte amyloide Fibrillen, enthalten sind, die mit HIV und der Zelloberfläche wechselwirken. Dies passiert, in dem sich HIV in das Proteinnetz der Fibrillen einlagert, dadurch nah an die Zelloberflächen kommt und so eine effektive Infektion von Zellen ermöglicht wird. Die Fibrillen heißen abgekürzt SEVI (Semen-derived Enhancer of Viral Infection) und sind Abbauprodukte eines Eiweisses, das in hohen Mengen in Spermien enthalten ist. Mit Hilfe von SEVI steigt die Infektiosität von HIV drastisch. Ein Hemmstoff, der SEVI in den Spermien abbaut und unschädlich macht, könnte somit auch die Ansteckung mit HIV bei der sexuellen Übertragung reduzieren, so war die Idee der Hamburger Wissenschaftler.

Ilona Hauber wurde hellhörig, als sie Untersuchungen über einen Wirkstoff im Grüntee las, der Eiweissablagerungen und feinste Fibrillen in Blutgefäßen abbauen kann. “Wir testeten diesen Wirkstoff in hochreiner und konzentrierter Form an Zellen in Anwesenheit von SEVI und stellten fest, dass die Infektion von Zellen mit HIV-1 dramatisch sank”, schildert Hauber. Das Catechin EGCG (Epigallocatechingallat), so heißt einer der Hauptwirkstoffe im Grüntee, verhindert die Bildung der Fibrillen und baut diese auch innerhalb mehrerer Stunden ab. Mit dem Elektronenmikroskop konnten die Hamburger Kollegen am Heinrich-Pette-Institut diese dynamischen Vorgänge verfolgen.

Ilona Hauber warnt aber vor falschen Vorstellungen: “Es nutzt nichts, große Mengen an Grünem Tee zu trinken und dann zu glauben, damit sei man vor HIV geschützt! Der Wirkstoff EGCG muss in höherer Konzentration mit Spermien in Berührung kommen, und das ist als Wirkstoff in Vaginalcremes vermutlich am besten zu erreichen. Wir hoffen, dass sich so vielleicht verbesserte Cremes entwickeln lassen, die auch für den afrikanischen Markt als kostengünstige Prophylaxe geeignet wären!”

Quellen:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=25848
Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie an der Universität Hamburg (HPI)

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt eine Unmenge von Laboruntersuchungen mit EGCG, in denen positive Wirkungen gefunden wurden. Weil diese Ergebnisse oft vorschnell und verkürzt in die Medien gelangen, entsteht zunehmend der Eindruck vom Grüntee als umfassendem Naturheilmittel für fast alle relevanten Krankheiten.

Dabei ist bei Resultaten aus dem Labor immer die Frage, wie weit sie auf den Menschen übertragen werden können.

Darum ist es sorgfältig, wenn Ilona Hauber vor unrealistischen Vorstellungen warnt.
Trotz dieser Warnung meldet die Zeitschrift “Focus” die Studie unter der Schlagzeile: “Grüner Tee schützt Frauen vor Aids”. Das ist ein total unseriöser, reisserischer Titel. Im Moment geht es um Laborexperimente. Falls diese Erkenntisse überhaupt einmal zur Anwendung kommen sollten, wird es noch Jahre dauern. Und dann wurde ja ein isolierter Wirkstoff EGCG untersucht, so dass auch “Grüner Tee schützt…” falsch ist.

Grüntee gehört für die Phytotherapie zweifellos zu den interessanten Heilpflanzen, doch muss man die vielen Versprechungen genau unter die Lupe nehmen und differenziert betrachten.

Epidemiologische Untersuchungen geben Hinweise auf vorbeugende Effekte gegen gewisse Tumore und gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, doch liegen diesen Resultaten durchwegs relativ hohe Grüntee-Mengen pro Tag zugrunde und sie lassen sich zum Teil auch durch andere Ursachen erkären.

Das grosse Interesse der Forschung an EGCG zeigt aber auf jeden Fall wieder einmal, dass Heilpflanzen als Quelle von Medikamenten immer noch sehr relevant sind. Soll mir also niemand pauschal erzählen, Heilpflanzen seien ohne Wirkung. Es geht vielmehr darum, sorgfältig Wirksames von Unwirksamem zu trennen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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