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Heilpflanzen-Seminar: Nächster Lehrgang startet ab 14. Juni 2019

Das Heilpflanzen-Seminar über 6 Wochenenden mit Start im Dezember 2018 ist bereits ausgebucht. Deshalb habe ich einen zusätzlichen Lehrgang ausgeschrieben mit Start am 14. Juni 2019.

Dieser Lehrgang beginnt mit dem Wochenende vom 14. – 16. Juni in Feldis (Graubünden). Wir werden dort auf Kräuterwanderungen Heilpflanzen, Wildkräuter und Alpenblumen in der Natur kennenlernen. Anschliessend mach der Lehrgang eine Sommerpause und fährt fort mit fünf Wochenenden (Sa/So) in Winterthur verteilt auf die Monate September / Oktober / November / Dezember.

Sie können in diesem Lehrgang in kompakter, verständlichen Form fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben.

Hier finden Sie die Detailausschreibung und die Anmeldemöglichkeit:

Heilpflanzen-Seminar Winterthur

 

Kräuterwanderungen im Berner Oberland 2019

Möchten Sie Heilpflanzen, Wildkräuter und Alpenblumen in faszinierenden Berglandschaften kennenlernen?

Soeben sind die Daten für die Kräuterwanderwochen im Berner Oberland für den Sommer 2019 publiziert worden:

30. Juni – 5. Juli 2019: Kräuterwanderungen an der Lenk im Simmental.

7. – 12. Juli 2019: Kräuterwanderungen in Mürren im Lauterbrunnental.

Die Lenk liegt am Fusse des Wildstrubels. Die überaus eindrückliche Landschaft mit ihren Bergwäldern, Blumenwiesen, Gletschern, Bergseen und Wasserfällen ist erlebnisreich und für botanische Bergwanderungen perfekt. Hier leite ich Kräuterwanderungen seit 1986. Wir wandern zur Simmenquelle „Siebebrünne“, zu den imposanten Simmenfällen, zu Iffigsee und Iffigfall, durch die einmalige Kraterlandschaft „Gryden“ und zu den Alpenblumen und Arven auf dem Hohberg.

Hier finden Sie eine Bildergalerie mit 178 Fotos von Landschaften, Heilpflanzen, Wildkräutern und Alpenblumen aus den Kräuterwanderungen an der Lenk.

Der autofreie Kurort Mürren (1650 m ü. M.) liegt auf einer grossen Sonnenterrasse über dem reizvollen Lauterbrunnental und gegenüber Eiger, Mönch und Jungfrau. Gletscher und Wasserfälle prägen diese eindrückliche Berglandschaft. Vorgesehen sind u. a. Kräuterwanderungen ins hintere Lauterbrunnental – ein Naturschutzgebiet nationaler Bedeutung – und in die Schilthornregion. 59 Fotos der Pflanzen und Landschaften im Lauterbrunnental finden Sie in der Bildergalerie (hier).

Wenn Sie also Lust auf Aktivferien in der Natur mit Bergwanderungen haben, dann melden Sie sich für die Kräuterwanderungen in Lenk oder Mürren an.

Hier finden Sie die Detailausschreibungen und die Anmeldemöglichkeit für die Kräuterwanderungen im Berner Oberland:

Kräuterwanderungen Lenk im Simmental

Kräuterwanderungen Mürren im Lauterbrunnental

Wildkräuter in der Küche: Wilde Möhre

Die wilde Möhre (Daucus carota) ist die Urform der bekannten Karotte. Mit ihrem würzigen Aroma kann sie für Geschmackserlebnisse sorgen.

Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) empfiehlt die Wilde Möhre deshalb zur Verwendung in der Küche:

„Die jungen Blätter und Stiele schmecken im Salat, in Gemüsepfannen und fein gehackt in Suppen und Soßen. Die dünne, weißliche Wurzel hat einen herb-süßlichen Geschmack und enthält wertvolle Inhaltsstoffe wie Provitamin A, B-Vitamine, Kalzium, Folsäure und Selen. Für eine Gemüsebeilage wird sie in Stifte geschnitten, in Brühe kurz gedünstet und mit etwas Olivenöl und einem Hauch Chili verfeinert. Probieren Sie auch die weichen Blüten – als essbare Dekoration für Salate oder in Pfannkuchenteig frittiert. Die getrockneten Samen haben ein anisartiges Aroma, das pikanten und süßen Speisen eine angenehme Würze gibt. Ätherische Öle regen die Verdauung an….
Das Kraut wird zur Blütezeit von Mai bis September geerntet, während die Wurzel im zeitigen Frühjahr oder Herbst am besten schmeckt. Nach der Blüte wird sie holzig.“

Quelle:
https://www.bzfe.de/inhalt/die-wilde-moehre-in-der-kueche-32327.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Wilde Möhre gehört zur Pflanzenfamilie der Doldenblütler. Sie ist nicht nur für die Ernährung des Menschen interessant, sondern auch eine wichtige Raupenfutterpflanze für den Schwalbenschwanz-Schmetterling.
Auf Wikipedia finden sich interessante Informationen zur Blütenökologie der Wilden Möhre:

„Die meist in der Doldenmitte auftretende, durch Anthocyane schwarzrot gefärbte weibliche Mohrenblüte (Stempel) bildet eine Kontrastfärbung zu den weißen zwittrigen Blüten, was auf potenzielle Bestäuber eine Signalwirkung ausübt. Bestäuber sind Insekten aller Art, besonders Käfer und Fliegen. Die Blüten sind eine Hauptpollenquelle für die Sandbienen Andrena pallitaris und Andrena nitidiuscula. Die Blütezeit reicht von Mai bis September.“

Die Wilde Möhre wächst in einem zweijährigen Zyklus und blüht erst im zweiten Jahr. Man sollte nur die einjährigen Wilden Möhren essen, da die Wurzeln der blühenden Pflanzen ziemlich scharf und holzig sind.

Für die Phytotherapie spielt die Wilde Möhre kaum eine Rolle, weil es zu ihren allfälligen Wirkungen wenig fundierte Erkenntnisse gibt.

Das „Handbuch der Arzneipflanzen“ schreibt dazu:

„Das Kraut wird traditionell bei Nieren- und Blasenleiden verwendet, insbesondere bei Harnsteinen und –griess sowie Blasenentzündung. Kraut und Früchte werden bei Verdauungsstörungen, Krämpfen, Blähungen und Gicht eingesetzt. Karottensaft ist wegen des hohen Carotingehalts (in der Leber in Vitamin A umgewandelt) mit antioxidativer Wirkung ein wichtiges Gesundheitsgetränk. Die Droge wurde auch als Wurmmittel verwendet.“

Für die Wirksamkeit bei Nierenerkrankungen, Blasenleiden und Gicht gibt es keine Belege und auch sonst kein plausiblen Argumente. Am ehesten ist eine Wirksamkeit gegen Verdauungsstörungen plausibel. Die Verwendung der Droge ( = getrocknete Arzneipflanze) als Wurmmittel ist nicht zielführend, für diesen Zweck gibt es wirksame Medikamente.

Die Wilde Möhre kann bei manchen Personen leichte Lichtallergien verursachen und wegen der Furanocumarine kann die Pflanze in seltenen Fällen eine Photodermatitis auslösen.

Wer die Wilde Möhre als Wildpflanze essen will, muss sie sicher erkennen.
Das ist anhand des schwarzen Punktes in der Doldenmitte und der langen, geteilten Hüllblätter eigentlich gut möglich, wenn man diese Merkmale sicher kennt.

Die Familie der Doldenblütler ist aber insgesamt botanisch nicht einfach, weil es darin viele ähnliche Pflanzenarten gibt. Wenn Sie bei den Doldenblütlern botanisch Fortschritte machen möchten, helfe ich Ihnen gerne auf den Kräuterwanderungen weiter.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Kräuterwanderung im Wallis: Jeizinen – Gampel am 26. Mai 2018

Die Südhänge zwischen Jeizinen und Gampel im Wallis sind perfekt für eine Kräuterwanderung. Während auf der Höhe von Jeizinen (etwa 1500 m ü. M.) eine vielfältige Alpenflora anzutreffen ist, finden wir in der “Walliser Felsensteppe” oberhalb von Gampel eine Pflanzenwelt, die an mediterrane Gegenden wie Korsika erinnert. Wir wandern hier durch die westliche Fortsetzung der “Lötschberg Südrampe” und treffen dabei auch Pflanzen, die auf der Alpennordseite nicht vorkommen. Ausserdem ist diese Gegend bekannt für die grosse Vielfalt an Schmetterlingen.

Wer Heilpflanzen, Wildkräuter und Alpenblumen in einer faszinierenden Landschaft kennenlernen will, wird in Jeizinen dazu reichlich Gelegenheit haben.

Die Detailausschreibung zu dieser Kräuterwanderung finden Sie hier:

Kräuterkurse / Kräuterwanderung Wallis

 

 

Wildkräuter: Löwenzahn in der Küche

Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist nicht nur schön anzuschauen, sondern auch in der Küche vielseitig einsetzbar. Seine Blätter, Knospen, Blüten und sogar die Wurzeln sind essbar.

Löwenzahn gehört zu den bekanntesten Wildkräutern und ist insbesondere auf stickstoffreichen Böden zu finden. Die Pflanze bevorzugt sonnige und helle Standorte wie Wiesen und Ackerränder. Sie enthält reichlich Vitamin C, Vitamin A, Magnesium, Kalzium sowie wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe und hat zahlreiche positive Wirkungen auf den Körper. Löwenzahn soll Entzündungen hemmen und den Appetit, den Stoffwechsel und die Verdauung anregen, schreibt das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in einer Mitteilung. Zur Verwendung des Löwenzahns in der Küche gibt das BzfE folgende Empfehlungen:

„Die zarten gezackten Blätter des Löwenzahns schmecken im Salat und auch in Kombination mit anderen Wildkräutern. Dabei lässt sich der etwas herbe Geschmack durch einen Schuss Sahne oder Schmand im Dressing abmildern. Die Blätter können auch ähnlich wie Spinat kurz blanchiert und als Gemüse verwendet werden. Der bitter-würzige Frühlingsbote ist dabei als Wildkräuterrisotto und Pesto, in der Suppe, in Eierspeisen und im Quark ein Genuss. Für ein Löwenzahnpesto beispielsweise werden ein Bund Löwenzahnblätter, Knoblauch, Olivenöl, Zitronensaft, geröstete Sonnenblumenkerne und Parmesan püriert und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.“

Wer es süss möge, könne die frischen Blüten zu einem Gelee oder einem honigartigen Sirup für einen Brotaufstrich verarbeiten. Aus den getrockneten Wurzeln des Löwenzahns lasse sich Tee und aus den jungen Knospen “Kapern” herstellen:

„Für Kapern gibt man die Löwenzahnköpfchen mit Essig, Estragon, Petersilie, Knoblauch und Zwiebelringen in ein verschließbares Glas. Nach acht bis zehn Wochen können Feinschmecker die eingelegten Blütenknospen genießen.“

Löwenzahn wird am besten im eigenen Garten oder von Wiesen an verkehrsarmen Straßen gesammelt. Die im Frühling aus der Erde spriessenden jungen, zarten Triebe enthalten weniger Bitterstoffe und sind deshalb besonders schmackhaft. Man erntet sie am besten vor der ersten Blüte. Wildkräuter sollen grundsätzlich gründlich gereinigt und möglichst noch am selben Tag verarbeitet und gegessen werden.

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/pressemeldung-6378.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Löwenzahn wirkt leicht harntreibend, fördet den Gallenfluss und regt Speichel- und Mangensaftproduktion an.

Die ESCOP empfiehlt Löwenzahnkraut mit Wurzeln unterstützend bei Behandlungen, bei denen ein verbesserter Harnfluss wünschenswert ist, z.B. bei Rheumatismus und zur Verhütung von Nierensteinen. Die Löwenzahnwurzel empfiehlt die ESCOP zur Wiederherstellung der Leber- und Gallefunktion; bei dyspeptischen Beschwerden und Appetitlosigkeit.

Löwenzahn wird gerne als Frühjahrskur verwendet. Dagegen ist nichts einzuwenden, wobei aber der Nutzen von Frühjahrskuren generell nicht so klar ist, wie es oft dargestellt wird. Empfehlungen in diese Richtung sind oft sehr vage, zum Beispiel wenn das BZfE schreibt, dass der Löwenzahn den Stoffwechsel anregt.

Stoffwechsel, das umfasst eine riesige Anzahl von Aufbau, Umbau und Abbauprozessen im Organismus.

Den Stoffwechsel anregen, das tönt zwar positiv, sagt aber konkret so gut wie nichts aus.

Auch die ESCOP bewegt sich mit ihren Empfehlungen auf dünnem Boden, etwa mit der Aussage, dass bei Rheumatismus ein verbesserter Harnfluss wünschenswert ist und der Löwenzahn dabe unterstützend wirken kann.

Rheumatismus ist schon ein ungenauer Begriff, der eine ganze Reihe von unterschiedlichen Erkrankungen umschreibt. Dass hier generell ein verbesserter Harnfluss anzustreben ist, lässt sich nicht überzeugend begründen.

Die verdauungsfördernde Wirkung durch die Bitterstoffe ist aber plausibel.

Zum Löwenzahn siehe auch:

Wildkräuter in der Küche: Löwenzahnpesto

Pflanzenkunde: Löwenzahn (Taraxacum) ist nicht gleich Löwenzahn (Leontodon)

Löwenzahn zur Entgiftung?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Wildkräuter: Giersch (Baumtropfen) in der Küche

Giersch – Mundart „Baumtropfe“ – kann im Garten zur Plage werden. Er bildet unterirdische Ausläufer und kann sich dadurch unkontrolliert ausbreiten. Auch Hacken bringt nichts, da selbst die Bruchstücke der Wurzeln neu austreiben.

Statt das „Unkraut“ zu bekämpfen – empfiehlt das Bundeszentrum für Ernährung – können Sie aus der Not eine Tugend machen und die Pflanze für die Küche nutzen.

Mit seinem fein-würzigen Aroma von Möhre und Petersilie sei der Giersch eines der schmackhaftesten Wildgemüse hierzulande, schreibt das BzfE:

„Außerdem enthalten die Blättchen außergewöhnlich viel Eiweiß und Vitamin C, Provitamin A und Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Eisen. In der Naturheilkunde wird Giersch vor allem gegen Gicht und Rheuma eingesetzt. Ein Tee aus Gierschblättern entsäuert, wirkt harntreibend und bringt die Verdauung wieder in Schwung.“

Der Giersch (Aegopodium podagraria) fällt im Frühjahr und Sommer durch seine weißen Doldenblüten auf, doch gibt es viele weissblühenden Doldenblütler, die leicht zu verwechseln sind:

„Merken Sie sich zur Bestimmung die Zahl Drei,  denn das Wildkraut hat einen dreieckigen Blattstiel und dreiteilig verzweigte Blätter.“

Wer den Giersch nicht im eigenen Garten hat, wird am lichten Waldrand, an Flussufern und in Hängen fündig. Giersch darf allerdings nicht mit giftigen Doldenblütlern wie der Hundspetersilie und dem Gefleckten Schierling verwechselt werden, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen.

An dem dreieckigen Blattstiel und dem möhrenartigen Duft isr er jedoch gut von seinen giftigen Verwandten zu unterscheiden.

Das BzfE empfiehlt vor allem die besonders zarten, jungen, hellgrünen Blätter.

„Sie schmecken roh in einem frischen Blattsalat, auch in Kombination mit anderen Wildkräutern wie Löwenzahn und Brennnessel. Fein gehackt werden sie für Bratlinge, Pesto und grüne Soßen verwendet. Sehr lecker ist eine Wildkräuterbutter mit geschnittenem Giersch, Zitronensaft, einem Hauch Knoblauch und etwas Salz. Ältere Blätter haben ein herb-würziges Aroma. Da sie etwas zäher sind, werden sie gerne als Gemüse gedünstet. Die süßen Blüten sind eine essbare Dekoration für Desserts und auch paniert und frittiert ein Genuss.“

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-17-vom-25-april-2018-32163.html#2

 

Kommentar & Ergänzung:

Giersch wird nicht nur Baumtropfen genannt, sondern auch Geissfuss und St. Gerhardkraut. Der heilige St. Gerhard war der Patron der Gichtkranken und gegen Gicht wurde die Pflanze früher auch empfohlen. Über die tatsächliche Wirkung ist aber nichts Sicheres bekannt. Der hohe Gehalt an Kaliumsalzen, durch den sich der Giersch auszeichnet,  könnte zu einer  ermehrten Wasserausscheidung führen. Der Hinweis im Text des BZfE, dass ein Tee aus Gierschblättern “entsäuert”, ist aber fragwürdig, weil die dahintersteckende Vorstellung von “Übersäuerung” grundsätzlich schon nicht fundiert ist.

Der Vorschlag, Giersch aus dem Garten zu essen, statt sich über ihn zu ärgern, ist ja nicht schlecht. Allerdings wuchert die Pflanze oft so stark im Garten, dass man mit der kulinarischen Verwertung kaum nachkommen wird. Loswerden kann man den Giersch durch intensives Ausdunkeln, das heisst durch mehrjähriges Abdecken des Bodens.

Koschtschejew empfiehlt im Buch „Wildwachsende Pflanzen in unserer Ernährung“ zur Anwendung von Giersch:

„Wenn man die Blätter durch den Fleischwolf dreht, erhält man ein Püree, das man einsalzen und im Winter für Suppen und als Zutat verwenden kann.“

Vielleicht wäre Einfrieren statt Einsalzen auch eine Möglichkeit?

Das Buch von Koschtschejew wurde in der ehemaligen DDR aus dem Russischen übersetzt und erschien 1990 in der 2. Auflage.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Wildkräuter: Gundelrebe / Gundermann in der Küche & als Heilpflanze

Der Gundermann (Glechoma hederacea), auch Gundelrebe genannt, zählt zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceen). Mit ihren blauvioletten Blüten ist die Pflanze im Frühling recht auffällig.

Nur wenige nutzen Gundermann in der Küche. Das Bundeszentrum für Ernährung weist aber darauf hin, dass sein herbes bis leicht harziges Aroma viele Alltagsgerichte wie Pellkartoffeln und Eierspeisen interessanter macht.

Auch für Salate, Kräuterquark und Pesto sei der Gundermann eine Bereicherung. Zum Osterfest werde er traditionell in der Gründonnerstagsuppe serviert, die aus neun verschiedenen Kräutern zubereitet wird.

Wie die Zubereitung von statten geht, beschreibt das BZfE so:

„Alle Wildkräuter, darunter auch Brennnessel, Gänseblümchen und Löwenzahn, werden gewaschen, trocken getupft und fein geschnitten. Anschließend Zwiebeln und Knoblauch in etwas Butter andünsten, Gemüsebrühe und das frische Grün hinzugeben. Nun lässt man die Suppe zwanzig Minuten köcheln und schmeckt mit etwas Schmand, Salz und Pfeffer ab.“

Auch Tee und Kräuterlimonade könne mit Gundermann verfeinert werden, schreibt das BzfE weiter, weist aber darauf hin, dass sparsam dosiert werden soll, damit der Geschmack nicht zu intensiv wird.

Gundermann wird 10 bis 20 cm hoch und wächst am Waldrand, unter Hecken, aber auch in feuchten Wiesen. Er zählt Im Frühjahr zu den ersten verfügbaren Wildkräutern für die Küche und zeigt in den Monaten April bis Juni seine blauvioletten Blüten. Beim Zerreiben der Gundermannblätter entsteht ein scharfer Geruch, der etwas an Minze erinnert.

Die Pflanze enthält unter anderem Vitamin C, Mineralstoffe wie Kalium, ätherische Öle, Saponine, Gerbstoffe und Bitterstoffe. Im Mittelalter wurde Gundermann in klösterlichen Gärten als Arzneipflanze angebaut und zur Wundheilung eingesetzt. So leitet sich der Name wahrscheinlich vom althochdeutschen Wort „gund“ für Eiter oder Beule ab.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-12-vom-21-maerz-2018-31994.html#3

 

Kommentar & Ergänzung:

Gundermann eignet sich auch für Rahmspeisen wie Eiscreme oder Panna Cotta. Aber auch hier sparsam dosieren, sonst kippt der Geschmack ins Unangenehme. Schliesslich verwendete man früher bei den Sachsen den Gundermann anstelle von Hopfen als Bittermittel zum Bierbrauen.

Die Griechen und Römer in der Antike kannten den Gundermann nicht. Bei den Germanen war er aber wohl eine wichtige Heilpflanze. Im Mittelalter erwähnt ihn Hildegard von Bingen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde Gundermann für eine grosse Bandbreite von Erkrankungen eingesetzt, zum Beispiel innerlich bei Durchfall, Magenbeschwerden, Darmkatarrh, Bronchialerkrankungen, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Lungenleiden.

Diese „Indikationslyrik“ ist unübersichtlich, weil nicht mehr klar ist, wofür die Pflanze wirklich wirksam ist.

Es gibt keine fundierten Belege für solche Wirkungen des Gundermanns. Vermutet werden entzündungswidrige Wirkungen durch Flavonoide, Triterpentoide und Gerbstoffe, was bei äusserlicher Anwendung eine Rolle spielen könnte.

In der Alternativmedizin tauchen immer wieder Versprechungen auf, dass Gundermann / Gundelrebe zur Ausleitung von Schwermetallen wie Blei und Quecksilber wirksam ist.

Das ist natürlich eine attraktive Vorstellung – eine Pflanze, die Gifte rausholt. Darum stossen solche Versprechungen auf grosse Ressonanz.

Diese Versprechen sind aber sehr fragwürdig. Es gibt keine glaubwürdigen Argumente oder gar Belege für eine solche Wirkung. Es gibt auch keine plausible Erklärung dazu, wie der Gundermann eine solche Wirkung zustande bringen soll.

Zu Laborforschung und klinischen Studien mit Gundermann habe ich nur im Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ einen Hinweis gefunden – und zwar zum Thema Hyperpigmentierung.

Im Labor hemmte ein Gundermann-Extrakt die Melatoninsynthese und die Tyrosinaseaktivität bei B16-Melanomzellen, woraus auf eine mögliche Wirksamkeit bei der Behandlung von Hyperpigmentierungsflecken der Haut geschlossen wurde.

Eine Lotion mit Gundermann-Extrakt bewirkte nach 8-wöchiger Behandlung von UV-induzierten Pigmentflecken der Haut eine im Vergleich zu Placebobehandlung eine signifikante Depigmentierung und Entzündungshemmung.

Wie gut die Wirksamkeit dieser Lotion nun wirklich geklärt ist,  kann ich nicht beurteilen. Im Markt scheint sie jedenfalls bisher nicht erhältlich zu sein.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Gundelrebe / Gundermann

Kräuterwanderung an Auffahrt in die wunderschöne Rheinschlucht (Graubünden)

An Auffahrt noch nichts los?

Am 10. Mai 2018 – an Auffahrt – leite ich eine Kräuterwanderung in eine der schönsten Landschaften der Schweiz, in die Rheinschlucht in Graubünden.

Wir wandern dabei von Trin Porclis durch blumenreiche Wiesen und Wälder nach Versam-Station.

Sie können auf dieser Kräuterwanderung viele Heilpflanzen und Wildkräuter kennenlernen und erfahren dabei viel Interessantes über ihre Wirkungen und ihre Erkennungsmerkmale.

104 tolle Bilder von früheren Kräuterwanderungen in die Rheinschlucht finden Sie hier:

Bildergalerie Landschaft & Pflanzenwelt Trin / Flims / Rheinschlucht

Die Detailbeschreibung und die Anmeldungsmöglichkeit finden Sie hier:

Kräuterwanderungen Graubünden

Wildkräuter: Hirtentäschel in der Küche

Das Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) mit seinen herzförmigen Früchten ist eine unscheinbares Pflänzchen. Die alte Heilpflanze hat auch kulinarische Qualitäten.

Die jungen Hirtentäschelblätter besitzen einen würzig-scharfen Geschmack, der an eine Mischung aus Kresse und Meerrettich erinnert. Sie setzen in Suppen, in Eierspeisen und im Kräuterquark interessante Akzente. Für einen Salat können die Blätter zu gleichen Teilen mit Feldsalat (= in der Schweiz: “Nüsslisalat”) gemischt werden. Dazu gibt man beispielsweise klein geschnittene hart gekochte Eier, geröstete Kürbiskerne und ein Dressing aus Olivenöl, Weinessig, Naturjoghurt, Senf, Salz und Pfeffer.

Die milde Schärfe der Hirtentäschelfrüchte bringt Pep aufs Butterbrot und dient in Gemüsepfannen als Pfefferersatz. Die herzchenförmigen Hirtentäschelfrüchte enthalten kleine Samen, die wie Senf gemahlen und als Gewürz verwendet werden können.

Das Hirtentäschelkraut wird zur Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceen) gezählt. Das ein- bis zweijährige Kraut wächst bis zu einer eine Höhe von 40 Zentimetern und bildet in Bodennähe Rosetten aus länglichen, löwenzahnähnlich gelappten Blättern. Die kleinen, weißen Blüten sind ebenfalls essbar und sitzen in Trauben am Ende des aufrechten Stängels. Die außergewöhnliche Form der Früchte haben dem Hirtentäschel seinen Namen gegeben: Sie sind platt und umgekehrt herzförmig, was an die Umhängetaschen von Hirten aus früheren Zeiten erinnern soll. Hirtentäschel ist sehr genügsam und wächst auf Wegen, selbst zwischen Pflastersteinen, am Ackerrand, auf Schutthalden und in Gärten.

Als Wildkraut für die Küche wird das Hirtentäschel am besten im Frühjahr geerntet. Dazu pflückt man am besten die jungen, zarten Blätter, denn nach der Blüte werden sie etwas bitter. Hirtentäschel enthält unter anderem reichlich Flavonoide, Saponine, Senfölglykoside, Gerbstoffe, Vitamin C, Kalium und Kalzium.

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/hirtentaeschel-32188.html

Kommentar & Ergänzung:

In der traditionellen Pflanzenheilkunde zählt Hirtentäschelkraut zu den „Frauenkräutern“. Es wird unter anderem zur Blutstillung bei zu starker Menstruation empfohlen. Eine ernsthafte Erkrankung sollte aber durch eine ärztliche Untersuchung ausgeschlossen werden.

Im Gegensatz zum Beispiel zur Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) und zum Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) gehört Hirtentäschel allerdings zu den schlecht untersuchten und nur ungenügend dokumentierten „Frauenkräutern“.

 

Eine interessante Studie zum Hirtentäschelkraut in der Gynäkologie hier:

Hirtentäschelkraut reduziert laut Studie Blutungen nach der Geburt

Bei günstigem Klima kann Hirtentäschel das ganze Jahr über blühen. Es ist nahezu weltweit verbreitet und dadurch wohl eine der erfolgreichsten Pflanzen überhaupt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wildkräuter in der Küche: Löwenzahnpesto

Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist eine der auffälligsten und häufigsten Frühlingsblumen. Er hat seit je her auch einen Platz als Wildkraut in der Küche.

Das „Bundeszentrum für Ernährung“ hat gerade auf Löwenzahnpesto aufmerksam gemacht:

„Ein Löwenzahnpesto ist ein ganz besonderer Genuss und nicht schwer zuzubereiten: Ein Bund Blätter, Knoblauch, Olivenöl, Zitronensaft, Mandeln sowie Parmesan werden püriert und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.

Manchmal kann der bittere Geschmack zu dominant sein. Dann legt man die Blätter vor der Zubereitung für ein bis zwei Stunden in kaltes Wasser. Noch einfacher ist es, die herbe Note mit anderen Zutaten abzumildern. Dafür sind Kartoffeln und Äpfel sehr gut geeignet.“

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/wildkraeuter-in-der-kueche-32019.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Der Löwenzahn ist im Frühling auch eine wichtige Nahrungsquelle für Honigbienen und Wildbienen.

Für die Anwendung von Löwenzahn als Heilpflanze in der Phytotherapie stehen von den Wirkstoffen die Bitterstoffe im Vordergrund. Daraus ergeben als wichtigste Indikation Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, vorübergehende Appetitlosigkeit, Störungen des Gallenflusses.

Und zuletzt ein Tipp zum Thema Wildkräuter: Zuerst kennenlernen – dann essen.

Selbst beim Löwenzahn gibt es ähnlich aussehende Pflanzenarten, insbesondere in den Bergregionen. Zum Kennenlernen von Heilpflanzen. Wildkräutern und Alpenblumen, aber zur Sicherheit auch von Giftpflanzen, empfehle ich meine Kräuterwanderungen. Programm hier:

Kräuterwanderungen und Kräuterkurse

 

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