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Ingwer-Wirkstoff und Zitronensäure steigern Immunabwehr im Speichel – wirksam gegen Erkältung?

Zitronensäure und der Scharfstoff 6-Gingerol aus dem Ingwer-Wurzelstock verleihen nicht nur Speisen und Getränken eine besondere Geschmacksnote. Beide Substanzen stimulieren auch die molekularen Abwehrkräfte im menschlichen Speichel. Dies ist das Resultat einer Studie von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) und des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie.

 

Der menschliche Speichel ist eine komplexe, wässrige Mischung aus unterschiedlichsten Bestandteilen. Er enthält neben Schleimhaut- und Immunzellen grössere Zahl von Molekülen, die unterschiedlichste biologische Aufgaben erledigen. Speichel ist nämlich nicht nur wichtig für die Nahrungsaufnahme, sondern ist für die Gesunderhaltung der Zähne, des Zahnfleischs und der Mundschleimhaut.

Darüber hinaus stellt er die erste Barriere gegen von außen eindringende Krankheitserreger dar. Deshalb enthält der Speichel verschiedene, antimikrobiell wirkende Moleküle, zu denen auch das antibakteriell wirkende Lysozym zählt. Sie gehören zum angeborenen, molekularen Immunsystems des Menschen.

Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, aber auch was jemand isst und trinkt, beeinflussen die Speichel-Zusammensetzung. Über den Einfluss einzelner Lebensmittelinhaltsstoffe ist jedoch noch wenig bekannt.

Um mehr über diesen Punkt zu erfahren, untersuchte die Forscher um Studienleiter Professor Thomas Hofmann, Leiter des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der TUM, den Einfluss unterschiedlicher Geschmacksstoffe auf die Speichelzusammensetzung des Menschen: Zitronensäure (sauer), der Süßstoff Aspartam (süß), Iso-alpha-Säuren (bitter), der Geschmacksverstärker Natriumglutamat (umami), Kochsalz (salzig), 6-Gingerol (scharf) sowie die im Szechuanpfeffer enthaltenen Stoffe Hydroxy-alpha-Sanshool (kribbelnd) und Hydroxy-beta-Sanshool (betäubend).

Durch die Kombination von Speichelflussmessungen, Proteomanalysen und bioinformatischen Auswertungen konnten die Forscherinnen und Forscher estmals nachweisen, dass alle untersuchten Substanzen die Proteinzusammensetzung des Speichels in mehr oder weniger großem Umfang verändern. 

Biologische Funktionsanalysen der von der Modulation betroffenen Speichelproteine ergaben zudem, dass die durch Zitronensäure und 6-Gingerol ausgelösten Veränderungen, das molekulare Abwehrsystem im Speichel aktivieren. 

6-Gingerol aus Ingwer erhöht Abwehrkraft im Speichel

6-Gingerol erhöhte die Aktivität eines Enzyms, welches das im Speichel gelöste Thiocyanat in Hypothiocyanat umwandelt, wodurch sich die Menge des antimikrobiell und fungizid wirkenden Hypothiocyanats im Speichel in etwa verdreifachte.

Durch Zitronensäure stiegen die Lysozym-Spiegel im Speichel um das bis zu Zehnfache an. 

Wie mittels Untersuchungen an Bakterienkulturen erstmals gezeigt werden konnte, reicht diese Erhöhung aus, um das Wachstum von Gram-positiven Bakterien beinahe vollständig zu stoppen. Lysozym ist gegen diese Art der Bakterien wirksam, indem es deren Zellwand zerstört.

Professor Hofmann vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekularer Sensorik der TUM sagt zu diesen Forschungen:

„Unsere neuen Erkenntnisse zeigen, dass geschmacksgebende Stoffe bereits im Mundraum biologische Wirkungen besitzen, die weit über ihre bekannten sensorischen Eigenschaften hinausgehen.“

Diese geschmacksgebenden Stoffe mit neuesten Analysemethoden weiter zu erforschen, sei eins der Ziele, die sich die Lebensmittel-Systembiologie gesetzt habe, ergänzt der Lebensmittelchemiker. Nur so könnten auf lange Sicht neue Ansätze für die Produktion von Lebensmitteln gefunden werden, deren Inhaltsstoff- und Funktionsprofile an den gesundheitlichen und sensorischen Bedürfnissen der Verbraucherinnen und Verbraucher ausgerichtet seien. 

Quelle:

https://idw-online.de/de/news697688

Originalpublikation:
Matthias Bader, Andreas Dunkel, Mareike Wenning, Bernd Kohler, Guillaume Medard, Estela del Castillo, Amin Gholami, Bernhard Kuster, Siegfried Scherer and Thomas Hofmann: Dynamic Proteome Alteration and Functional Modulation of Human Saliva Induced by Dietary Chemosensory Stimuli, Journal of Agricultural and Food Chemistry 6/2018. DOI: 10.1021/acs.jafc.8b02092

https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.jafc.8b02092

Kommentar & Ergänzung:

Diese Forschungsergebnisse sind sehr interessant, auch für die Phytotherapie. Und es taucht sofort eine ganze Reihe von Anschlussfragen auf:

Der Scharfstoff 6-Gingerol aus Ingwer erhöht die antimikrobiellen und fungiziden Eigenschaften des Speichels. Gilt das auch für andere Scharfstoffe – oder nur für 6-Gingerol?

Zitronensäure erhöht die antibakteriellen Eigenschaften des Speichels. Gilt das auch für andere saure Nahrungsbestandteile?

Aus Sicht der Phytotherapie wäre zudem interessant, ob auch Bitterstoffe eine Veränderung im Speichel bewirken, die gesundheiltlich bedeutsam ist.

Interessant ist aber auch, die diese Forschungsergebnisse in der Boulevardpresse dagestellt werden. Während der Informationsdienst Wissenschaft (IDW) sie etwa so darstellt wie ich weiter oben, schreibt „Bild“:

„BEI ERKÄLTUNG

Darum sind Ingwer und Zitrone besser als Medikamente

Eine Tasse Ingwer-Tee hilft sehr wirksam gegen Erkältung. Das wurde jetzt wissenschaftlich bewiesen

Wer sich wirksam vor Erkältung und Grippe schützen will, muss nicht in die Apotheke gehen, sondern in den Supermarkt.

Denn Ingwer und Zitrone stärken die Abwehrkräfte besser als jedes Medikament. Was schon unsere Urgroßmütter wussten, wurde jetzt auch wissenschaftlich bewiesen: mit Spucke.“

Quelle:

https://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/gesundheit/bei-erkaeltung-ingwer-und-zitrone-sind-besser-als-medikamente-58345230.bild.html

Das ist vollkommen überzogen dargestellt. Es ist mitnichten wissenschaftlich bewiesen, dass „Eine Tasse Ingwer-Tee…sehr wirksam gegen Erkältung“ hilft. Diese Frage wurde gar nicht untersucht. Es wurde nur untersucht und gefunden, dass Zitronensäure und 6-Gingerol die Konzentration gewisser Stoffe mit antimikrobieller Wirkung im Speichel erhöht. Daraus lässt sich noch kein Schluss ziehen auf die  Wirksamkeit einer Tasse Ingwertee auf eine viral bedingte Erkältung. Es müsste noch gezeigt werden, dass das antimikrobiell wirksame Hypothiocyanat – das zentrale Stoffwechselprozesse bei Bakterien blockiert – auch gegen Erkältungsviren wirkt. Und es müsste gezeigt werden, dass dadurch weniger Erkältungen ausbrechen.

Vorsichtiger wird die Studie im Magazin „Focus“ bewertet:

Die Untersuchung legt also nahe, dass eine Kombination aus Zitronen und Ingwer den Speichel im Kampf gegen Bakterien optimal unterstützt. In diesem Sinne: Lassen Sie sich öfter mal ein Zitronen-Ingwer-Wasser schmecken! Das enthält ganz nebenbei auch viel gesundes Vitamin C.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/stimuliert-das-immunsystem-zitronenwasser-mit-ingwer-was-das-getraenk-zur-geheimwaffe-macht_id_9207496.html

„Legt nahe“ (Focus) ist bezüglich Erkältungsprävention angemessener und zurückhaltender als die Aussage „wissenschaftlich bewiesen“ (Bild).

Das soll allerdings niemanden davon abhalten, Zitronen-Ingwer-Wasser oder Ingwertee zu trinken. Vielleicht hilfts ja, auch wenn wissenschaftlich gesehen zur Wirksamkeit noch viele Fragen offen sind.

 

Wenn Sie sich fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

Sind Edelkastanie und Rosskastanie verwandt?

Nein, Edelkastanie und Rosskastanie sind nicht verwandt und zeigen grosse Unterschiede. Hier dazu etwas mehr:

Edelkastanie (= Esskastanie, = Marroni; Castanea sativa)

Die Edelkastanie gehört zur Familie der Buchengewächse und gedeiht bei uns vor allem in den eher wärmeren Regionen, in der Schweiz natürlich insbesondere im Kanton Tessin. Die Früchte der Edelkastanie werden als Marroni geröstet und zu Vermicelles verarbeitet. Botanisch handelt es sich bei den Edelkastanien-Früchten um echte Nüsse.

Im Tessin war die Edelkastanie über Jahrhunderte hinweg ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Sie sind reich an Stärke und arm an Fett.

100 Gramm Edelkastanien enthalten nur 2 Gramm Fett, das einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren aufweist. Wegen dem tiefen Fettanteil liefern Edelkastanien im vergleich zu anderen Nüssen nur wenig Kalorien – etwas 200 Kilokalorien pro 100 Gramm. Edelkastanien sind sehr vielseitig in der Küche verwendbar. Da sie kein Gluten enthalten, sind sie auch für Menschen geeignet, die an einer Zöliakie leiden.

Edelkastanienblätter enthalten Gerbstoffe (hauptsächlich Ellagitannine) und Flavonoide. In der traditionellen Pflanzenheilkunde sollen sie manchenorts gegen Husten, zur Wundbehandlung und bei Durchfall eingesetzt worden sein. Fundiertere Erkenntnisse dazu gibt es meines Wissens allerdings nicht. Wegen den Gerbstoffen wäre eine Wirkung gegen Durchfall plausibel, doch gibt es vielen Heilpflanzen, die Gerbstoffe enthalten und zur Behandlung von Durchfall geeignet sind, zum Beispiel Tormentillwurzel (= Blutwurz) oder  Schwarztee. In der Phytotherapie-Fachliteratur kommt die Anwendung von Edelkastanienblättern nicht vor, weil dazu keine fundierten Erkenntnisse vorliegen.

Neue Laboruntersuchungen mit einem Extrakt aus Edelkastanienblättern belegen allerdings eine antibakterielle Wirksamkeit selbst gegen Staphylococcus aureus (MRSA-Bakterien). Der Artikel dazu wurde im Fachmagazin PLOS publiziert (Quelle: doi:10.1371/journal.pone.0136486). Es handelt sich allerdings um eine Laboruntersuchung. Die Bedeutung der Ergebnisse für die Welt ausserhalb des Reagenzglases ist umklar.

In der „Dr. Bach Blütentherapie“ wird die Edelkastanie als „Bachblüte Nr. 30  Sweet Chestnut“ eingesetzt, beispielsweise bei „tiefster Verzweiflung, Ausweglosigkeit und Seelenqual“, aber auch bei „akuter Hoffnungslosigkeit, äußerster Depression, extremen seelischen Leiden“ sowie bei „seelischem oder körperlichem Zusammenbruch“ (zusammengestellt aus der Bachblüten-Literatur).

Wie immer bei der Bach-Blütentherapie sind die Beschreibungen der Zustände, bei denen die Bachblüten eingesetzt werden hoch dramatisch, bildhaft und weitläufig, so dass viele Menschen sich an irgendeinem Punkt damit identifizieren können. Und wie immer bei der Bach-Blütentherapie gibt es für diese hochtrabenden Versprechungen keine Belege.

In der Homöopathie wird die Edelkastanie unter dem Namen Castanea vesca eingesetzt, das ist ein Synonym für Castanea sativa. Unter diesem Namen taucht die Edelkastanie im Homöopathischen Arzneibuch (HAB) auf und wird homöopathisch zum Beispiel bei Krampfhusten und Enddarmentzündungen eingesetzt. Belege für eine Wirksamkeit gibt es wie bei den anderen Homöopathika nicht.

 

Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) ist auf dem Balkan heimisch und wird in Mitteleuropa verbreitet angepflanzt – zum Beispiel in Parkanlagen und Biergärten.

Den Namen Rosskastanie bekam die Pflanze, weil die Rosskastaniensamen von den Osmanen als Pferdefutter und als Heilmittel gegen Pferdehusten mitgeführt wurden und so nach Mitteleuropa gelangten.

Rosskastaniensamen werden auch zur Winterfütterung von Rothirschen und Rehen verwendet. Die Rosskastanienblüten produzieren ausgiebig Nektar und Pollen und sind damit eine gute Bienenweide.

Rosskastaniensamen sind wie Edelkastanien reich an Stärke, eigenen sich aber nicht als Nahrungsmittel. Sie enthalten ein Gemisch aus Saponinen, das als Aescin bezeichnet wird. Diese Saponine verleihen den Rosskastaniensamen schäumende Eigenschaften. Extakte aus den Samen werden deshalb Shampoos und Waschmitteln zugesetzt.

Wegen dem Aescin-Gehalt sind Rosskastaniensamen in der Phytotherapie ein wichtiges Mittel zur Linderung von Stauungen (Ödeme) bei Venenschwäche (Veneninsuffizienz).

Zu diesem Zwecker werden Trockenextrakte aus Rosskastaniensamen oder reine Aescin-Präparate für die innerliche Einnahme hergestellt, zum Beispiel Aesculaforce / Aesculamed / Venostasin. Für diese Präparate gibt es Wirksamkeitsbelege durch klinische Studien.

Siehe dazu:

Rosskastanienextrakt als Venenmittel

Textsammlung zu Rosskastanie im Heilpflanzen-Infoportal

Venenerkrankungen: Wirksamkeit von Rosskastanienextrakt erneut bestätigt

Pharmawiki: Rosskastanienextrakt bei Venenleiden

Cochrane-Studie zu Rosskastanienextrakt bei Venenbeschwerden

In der Bach Blütentherapie wird die Rosskastanie als „Bachblüte Nr. 35 White Chestnut“ verwendet, unter anderem bei „Zwangsgedanken, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen“ sowie „Kopfschmerzen infolge geistiger Überbeanspruchung“

(Zusammenstellung aus Bach-Blüten-Literatur).

Hier gilt das gleiche wie bei der Edelkastanie:

Wie immer bei der Bach-Blütentherapie sind die Beschreibungen der Zustände, bei denen die Bachblüten eingesetzt werden, hoch dramatisch, bildhaft und weitläufig, so dass viele Menschen sich an irgendeinem Punkt damit identifizieren können.

Und wie immer bei der Bach-Blütentherapie gibt es für diese hochtrabenden Versprechungen keine Belege.

Bei der hier besprochenen Aesculus hippocastanum handelt es sich im übrigen um die Weissblühende Rosskastanie. In Parkanlagen ist auch die Fleischrote Rosskastanie anzutreffen (Aesculus × carnea). Sie ist eine Kreuzung zwischen der von der Balkanhalbinsel stammenden Gewöhnlichen Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) und der nordamerikanischen Roten Rosskastanie (Aesculus pavia).

In der Phytotherapie wird sie nicht verwendet.

In der Bach Blütentherapie wird Aesculus carnea als „Bachblüte Nr. 25 Red Chestnut“ eingesetzt, unter anderem bei  „übertriebenen Sorgen und Ängsten um andere“ sowie bei „übertriebener Fürsorglichkeit und neurotischem Mitleid“ und „selbstlose Sorgen und Kummer“.

Wie immer bei der Bach-Blütentherapie sind die Beschreibungen der Zustände, bei denen die Bachblüten eingesetzt werden, hoch dramatisch, bildhaft und weitläufig, so dass viele Menschen sich an irgendeinem Punkt damit identifizieren können.

Und wie immer bei der Bach-Blütentherapie gibt es für diese hochtrabenden Versprechungen keine Belege. Die Beschreibungen sind willkürlich und entstammen der Fantasie des Erfinders.

Wer fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Knoblauch wirksam bei Kreislauferkrankungen

In einem früheren Beitrag (hier) habe ich über die Wirksamkeit von Knoblauch als Vorbeugungsmittel gegen Erkältungen geschrieben. Dabei erwähnte ich auch, dass es zu diesem Anwendungbereich nur eine einzige qualitativ ernstzunehmende Studie gibt.

Sehr viel ausgiebiger untersucht ist die Wirkung von Knoblauch auf Herz und Gefäße.

Dazu liegen Laborexperimenten, Tierversuchen, klinischen Studien und großangelegte epidemiologische Analysen vor. Die FAZ hat gerade einen grossen Text zu Knoblauch publiziert und findet, die Resultate all dieser Knoblauch-Forschung seien „vergleichsweise dürftig“.

Die FAZ zitiert dazu aber noch Professor Edzard Ernst. Der deutsche Mediziner und (laut FAZ) „bekennende Knoblauchfan“ übernahm 1993 an der Universität Exeter den weltweit ersten Lehrstuhl für Alternativmedizin, machte sich in der Szene aber wegen seiner kritischen Herangehensweise wenig Freunde.

Ernst äussert sich meines Erachtens sehr differenziert und genau zu Knoblauch:

„Ich denke, man kann schon sagen, dass der regelmäßige Verzehr von Knoblauch oder entsprechenden Präparaten mehrere potentiell positive Effekte hat, die sich günstig auf Blutdruck, Gerinnung oder die Neigung zu Arteriosklerose auswirken. Jeder einzelne Effekt ist eher klein und nicht vergleichbar mit dem spezieller Medikamente. Statine senken den Cholesterinspiegel zum Beispiel wesentlich stärker. Aber in der Summe könnten die Effekte des Knoblauch für die Gesundheit des kardiovaskulären Systems durchaus relevant sein.“

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/warum-ein-leben-ohne-knoblauch-kaum-vorstellbar-ist-15860141.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Zitat erfasst den Charakter der Knoblauch-Wirkung gut. Es gibt in jedem einzelnen Bereich stärker wirkende Medikamente, also stärkere Blutdrucksenker, stärkere Cholesterinsenker und stärkere Mittel zur Verbesserung der Blutfliesseigenschaften.

Professor Ernst sagt aber zu Recht, dass mehrere kleine Effekte in der Summe durchaus relevant für die Gesundheit werden können. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Multi-Target-Therapie.  Der renommierte Arzneipflanzenforscher Professor Hildebert Wagner hat diesen Ansatz genauer beschrieben.

Siehe dazu hier:

Phytotherapie – auf die Mischung kommt es an

Wer fundiertes Heilpflanzen-Wissen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Knoblauch zur Vorbeugung von Erkältungen

Das Magazin „Focus“ hat einen Artikel publiziert zum Thema „Mythen im Faktencheck: Was Sie wirklich schützt vor Husten und Schnupfen.“

Dabei nimmt der Text auch den „Mythos 4“ unter die Lupe:

„Wer täglich Knoblauch isst, bekommt keine Infekte.“

Das stimme teilweise, schreibt die Autorin, und führt dazu aus:

„Knoblauch soll fast in jeder Form die Immunabwehr stärken, manche schwören sogar darauf, bei einer aufziehenden Erkältung eine geschälte Knoblauchzehe ins Ohr zu stecken. Das ist allerdings Humbug. Nachweislich wirksam ist Knoblauch zur Infektabwehr jedoch, wenn täglich zwei Knoblauchzehen verzehrt werden, das zeigt die Analyse mehrerer Studien zu diesem Thema.

Die Wirkung entfaltet sich vor allem durch rohen, zerdrückten oder gehackten Knoblauch. Erst Zerkleinern setzt das Enzym Alliinase frei, das wiederum die Bildung von Allicin anstößt, der Stoff, der die Immunabwehr auf Trab bringt. Tipp: Wer rohen Knoblauch zu scharf findet, kann ihn beispielsweise mit Honig zu sich nehmen.

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/ohne-erkaeltung-durch-den-herbst-kuessen-kaelte-und-knoblauch-mythen-zum-thema-erkaeltung-im-faktencheck_id_9858852.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Knoblauch und Erkältungen – was ist dran?

Knoblauch wurde früher vor allem gegen Infektionskrankeiten eingesetzt, gegen Pest und Cholera, bei Grippeepidemien, Maul- und Klauenseuche, Thypus und Tuberkulose.

Tatsache ist, dass Knoblauch mit seinem Hauptwirkstoff Allicin / Alliin im Labor in Bakterienkulturen Bakterien abtöten kann. Ob und wie stark diese Wirkung auch in einem erkrankten Menschen zum Tragen kommt ist aber unklar.

Heute wird Knoblauch in der Phytotherapie hauptsächlich im Bereich der Kreislauferkrankungen eingesetzt, zum Beispiel als mildes Mittel bei Bluthochdruck, zur leichten Senkung des Cholesterinspiegels und zur Verbesserung der Blutfliesseigenschaften.

Es ist aber natürlich auch sehr interesssant, wenn der alte Mythos von der Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten mit Knoblauch wissenschaftlich untersucht wird. Und es hat mich sehr gefreut, dass die renommierte Cochrane Collaboration sich mit diesem Thema befasst.

Der Artikel im Magazin „Focus“ ist aber irreführend und zum Teil auch schlicht falsch. Wenn da steht, dass die vorbeugende Wirkung von Knoblauch gegen Erkältungen „nachweislich“ durch „Analyse mehrerer Studien“ belegt ist, dann stimmt das so nicht.

Cochrane wertet in der Regel alle relevanten Studien zu einer bestimmten Fragestellung aus und zieht dann eine Schlussfolgerung. In diesem Fall beschreiben die Autoren in der von „Focus“ verlinkten Originalpublikation, dass sie 6 für das Thema potenziell relevante Studien fanden (in einem späteren Update waren es 8).

Aber: Nur eine von diesen 8 Studien hat die Qualitätsanforderungen der Forscher erfüllt und wurde deshalb ausgewertet. Es kann also nicht die Rede sein von der „Analyse mehrer Studien“, die „nachweislich“ die Wirksamkeit belegen.

Die Studie gibt zwar Hinweise auf eine vorbeugende Wirkung, doch halten die Forscher die Qualität dieser Ergebnisse offenbar für nicht für in allen Punkten hoch.

Sie halten es für möglich, dass die Verblindung der Versuchspersonen nicht genügte. Die Probanden können also gemerkt haben, ob sie der Knoblauchgruppe oder der Placebogruppe zugeteilt sind.

Ansonsten beurteilen die Wissenschaftler die Studie aber recht positiv, bleiben aber in den Schlussfolgerungen zurückhaltend:

„There is insufficient clinical trial evidence regarding the effects of garlic in preventing or treating the common cold. A single trial suggested that garlic may prevent occurrences of the common cold but more studies are needed to validate this finding. Claims of effectiveness appear to rely largely on poor-quality evidence.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/ohne-erkaeltung-durch-den-herbst-kuessen-kaelte-und-knoblauch-mythen-zum-thema-erkaeltung-im-faktencheck_id_9858852.html

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD006206.pub4/epdf/full

 

Die Studie ist trotzdem interessant. Ich habe sie in einem früheren Beitrag vorgestellt:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

Ausserdem hier:

Knoblauch gegen Schnupfen wirksam?

Dort ist auch nachzulesen, dass die verwendete Knoblauchtablette einer Tagesdosis von 14 bis 36 g frischen Knoblauch entspricht. Das ist ziemlich viel, wenn man die möglichen sozialen Nebenwirkungen berücksichtigt. Auch diesen nicht unwesentlichen Umstand lässt der Bericht im „Focus“ weg.

Ich bin nicht dagegen, wenn jemand Knoblauch vorbeugend gegen Erkältungen einnimmt. Es ist auch nicht auszuschliessen, dass dafür sogar eine Wirkung vorhanden ist, die bisher einfach nicht belegt werden konnte (wenn das auch unwahrscheinlich ist).

Der Bericht im „Focus“ stellt aber eine eher schwache Studienlage sehr überzogen dar und führt die Leserinnen und Lesern damit hinters Licht.

Falls Sie an fundiertem Wissen über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen interessiert sind, empfehle ich meine Lehrgänge, die Phytotherapie-Ausbildung und das Heilpflanzen-Seminar.

 

Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen für Sativex-Spray gegen Spastik bestätigt

In Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dem cannabinoidhaltigen Oromukosalspray Sativex® einen geringen Zusatznutzen für die mittelschwere bis schwere Multiple Sklerose (MS)-induzierte Spastik bestätigt.

Das teilte Sativex-Hersteller Almirall mit. Basis des Beschlusses sind zwei klinische Studien. 

Der Sativex-Spray wird in der Mundhöhle angewandt. Er enthält die zwei zurzeit wichtigsten Wirkstoffe aus Cannabis – Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) – die über die Schleimhäute resorbiert werden und Muskelverspannungen (Spastik) bei MS lindern. Wie alle THC-haltigen Arzneimittel unterliegt Sativex® den Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes. 

Positive Studien zu Sativex für MS-Patienten bei Spastik

Nun liegen zwei klinische Studien zur Wirksamkeit von Sativex vor: GWSP 0604 und SAVANT.

Auf der Grundlage von Auswertungen der klinischen Studien hat der G-BA dem Sativex® -Spray nun einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen bescheinigt.

Der Ausschuss sieht den Zusatznutzen bestätigt für erwachsene Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik aufgrund von MS, die nicht angemessen auf eine andere anti-spastische Arzneimitteltherapie mit mindestens zwei verschiedenen oralen, optimiert eingesetzten Spasmolytika angesprochen haben – davon mindestens ein Arzneimittel mit Baclofen oder Tizanidin als Wirkstoff. 

Die zweite Voraussetzung für den Zusatznutzen ist laut G-BA eine klinisch erhebliche Verbesserung der Symptome während eines Anfangstherapieversuchs mit Sativex®. Als zweckmäßige Vergleichstherapie hatte der G-BA eine optimierte  Standardbehandlung mit Baclofen (oral), Tizanidin oder Dantrolen unter Berücksichtigung der zugelassenen Dosierungen festgelegt.  

 Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/02/nach-dreimaliger-fristverlaengerung-g-ba-bescheinigt-sativex-zusatznutzen

Kommentar & Ergänzung:

Es ist sehr zu begrüssen, wenn Cannabis-Präparate nach und nach zu normalen Bestandteilen des Medikamenten-Sortiments werden, denn sie haben in einigen Situationen deutliche Vorteile. Begleitend dazu braucht es aber weitere Forschung und Überwachung, damit die Wirksamkeit, die genauen Anwendungsbereiche und auch die Risiken besser verstanden werden.

Zum Sativex-Spray siehe auch:

Sativex-Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

 

Cannabis als Heilmittel: Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Wenn Sie sich für Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis und anderen Heilpflanzen interessieren und dazu fundiertes Wissen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

[Buchtipp] „Pflanzliche Arzneimittel – was wirklich hilft“ von Robert Fürst

Verlagsbeschreibung:

Efeuextrakt, Ingwerwurzelpulver oder Melissenblätter – sicher haben Sie auch schon einmal ein pflanzliches Arzneimittel verwendet. Viele Menschen schätzen die meist milde Wirksamkeit und gute Verträglichkeit. Doch es gibt große Unterschiede zwischen den Mitteln, selbst wenn sie aus derselben Arzneipflanze hergestellt wurden. In diesem Buch erklärt Robert Fürst, welche Pflanzen bei welchen Erkrankungen eingesetzt werden können und nachweislich wirksam sind. Er nennt die Kriterien, die wichtig sind, um pflanzliche Arzneimittel beurteilen zu können, und bietet einen Überblick über zahlreiche Präparate gegen die häufigsten Gesundheitsbeschwerden. Dazu gehören beispielsweise: Erkältungskrankheiten, Magen-Darm-Beschwerden oder nervös bedingte Einschlafstörungen. Robert Fürst ist Professor für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort erforscht er die Wirkungen von Naturstoffen und bringt angehenden Apothekern bei, worauf es bei der Pflanzenheilkunde ankommt. Für seine Arbeiten zu pflanzlichen Extrakten wurde Fürst von der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung ausgezeichnet. Zum Shop

Zum Autor Robert Fürst

Robert Fürst ist seit 2012 Professor für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und erforscht dort mit seinem Team die zellulären und molekularen Wirkungen von entzündungshemmenden Naturstoffen. Seine Arbeiten zu pflanzlichen Extrakten sind mit dem renommierten bionorica-Phytoneering-Pris der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung ausgezeichnet worden.

In den Bereichen der universitären Lehre und der berufliche Fortbildung von Apothekerinnen und Apothekern engagiert sich Prof. Fürst stark für die evidenzbasierte Phytotherapie. Er ist Mitglied im Beirat der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung, Vorsitzender der Landesgruppe Hessen der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft und darüber hinaus einer der Herausgeber der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Planta Medica.

Kommentar von Martin Koradi

Professor Robert Fürst – das ist aus der obigen Beschreibung ersichtlich – ist sehr engagiert in der Arzneipflanzenforschung. Dementsprechend handelt diese Publikation auch hauptsächlich von Phytopharmaka (= pflanzliche Arzneimittel), zu denen wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Es geht also nicht um traditionelle Pflanzenheilkunde, sondern um denjenigen Teil der Phytotherapie, der wissenschaftliche Belege für Wirksamkeit vorlegen kann. Hier bietet dieses kleine, gut lesbare Büchlein eine sehr gute Übersicht. Heilpflanzen-Bücher, die ohne kritische Überprüfung Überlieferungen und Heilungsgeschichten wiedergeben, gibt es schon mehr als genug.

Robert Fürst geht auch auf einen Punkt ein, der im Umgang mit Heilpflanzen oft vernachlässigt wird: Entscheidend ist nicht nur, welche Heilpflanze für eine bestimmte Krankheit wirksam ist, sondern auch, in welcher Arzneiform die Anwendung geschieht. Man kann also eigentlich nicht einfach nur sagen: “Johanniskraut hilft gegen Depressionen”. Genauso wichtig ist die Frage, ob Johanniskrauttee, Johanniskrauttinktur oder Johanniskrautextrakt am besten wirkt. Und bei Johanniskrauttee, Johanniskrauttinktur und Johanniskraut gibt es jeweils unterschiedliche Arten der Herstellung, die sich in der Wirksamkeit nochmals unterscheiden.

“Pflanzliche Arzneimittel – was wirklich hilft” geht darum in einem speziellen Kapitel darauf ein, wie ein pflanzliches Arzneimittel hergestellt wird und wie seine Qualität geprüft wird.

Wenn Sie Wissen sowohl über traditionelle Pflanzenheilkunde als auch über wissenschaftliche Phytotherapie in verständlicher und fundierter Formerwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen – dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterkursen und Kräuterwanderungen.

Kräuterpfarrer Künzle: Habichtskraut ist…vorzüglich gegen Wassersucht”

Ich lese gerade wieder einmal in “Chrut und Uchrut” von Kräuterpfarrer Johann Künzle (1857 – 1945). Künzle ist neben Sebastian Kneipp im deutschsprachigen Raum wohl der bekannteste Kräuterpfarrer und in der Schweiz ein Pionier der Kräuterheilkunde.

Die kleine Broschüre “Chrut und Uchrut” erschien erstmals 1912 und ist interessant zu lesen. Aber es hat sich auch viel verändert in der Pflanzenheilkunde und deshalb sollte mal alte Texte nicht unbesehen übernehmen.

Da steht zu Beispiel:

“Habichtskraut ist auch ganz vorzüglich gegen Wassersucht und alle Urinansammlungen.”

Wie lässt sich eine solche Angabe überprüfen?

In den wissenschaftlichen Phytotherapie-Fachbüchern taucht Habichtskraut in der Regel nicht auf, und wenn doch, dann nur als Randnotiz.

Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) der EU hat Habichtskraut mit Wurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Habichtskraut mit Wurzel deshalb zur Erhöhung der Harnmenge und damit zur Durchspülung der Harnwege unterstützend bei leichten Harnwegsbeschwerden eingesetzt werden.

Voraus­setzung für diese “traditional use”-Zulassung ist, dass die Pflanze oder pflanzliche Zubereitung mindestens 30 Jahre, davon mindestens 15 Jahre in der Europä­ischen Union, medizinisch in Verwendung ist und von ihr unter den angegebenen Anwen­dungs­bedingungen keine Gesundheits­gefahren ausgehen. Das heisst aber auch, dass keine wissenschaftlichen Wirksamkeitsbelege vorhanden sind. Im Fall des Habichtskrautes ist es sehr wahrscheinlich, dass entsprechende Untersuchungen einfach nie durchgeführt wurden. Letztlich kann man deshalb eine Wirksamkeit nicht versprechen, aber auch nicht mit Gewissheit ausschliessen.

An der Aussage von Künzle ist aber ein anderer Punkt problematisch. Sie ist sehr ungenau.

Wenn da steht, dass Habichtskraut ganz vorzüglich gegen Wassersucht wirkt, dann müsste zuerst geklärt werden, welche Art von Wassersucht gemeint ist. Unter Wassersucht versteht man Ödeme, also Wasseransammlungen im Gewebe. Dafür gibt es aber ganz unterschiedliche Ursachen. Sie können zum Beispiel ausgelöst werden durch die Nieren, die Leber, das Herz, oder durch Venenschwäche.

Es ist nun nicht wirklich vorstellbar, dass das Habichtskraut in allen diesen Fällen hilft, also unabhängig von der Ursache. Solche Ungenauigkeiten sollten eher skeptisch stimmen.

Nebenbemerkung: Mir persönlich ist bei diesem “traditional use” der Zeitraum von 30 Jahren, über den eine Pflanzen für einen bestimmten Zweck angewendet werden muss, um als traditionell zugelassen zu werden, etwas gar kurz. Unter “Tradition” stelle ich mir deutlich längere Zeiträume von.

Von den Habichtskräuter gibt es im übrigen viele verschiedene Arten, die zum Teil nicht gerade einfach zu bestimmen sind. Bei Künzle und auch in der HMPC-Monografie wird Hierarchium pilosella aufgeführt, das Kleine Habichtskraut, auch Mausohr-Habichtskraut oder Langhaariges Habichtskraut genannt. Es ist wegen den sehr langen Haaren auf den Blättern nicht so schwierig zu erkennen.

Die meisten Habichtskräuter sind gelb. Hier abgebildet ist das sehr farbenprächtige Orangerote Habichtskraut, aufgenommen auf einer Kräuterwanderung in der Lenk im Simmental.

Zur Bildergalerie der Kräuterwanderungen an der Lenk gehts hier.

Zur Kursausschreibung der Kräuterwanderungen an der lenk gehts hier.

Kräuterwanderungen in anderen Teilen der Schweiz finden Sie im Kurskalender.

Dort werden auch die Kursausschreibungen veröffentlicht für meine Lehrgänge, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung. In diesen Lehrgängen können sie unter anderm lernen, wie man Angeben aus der traditionellen Pflanzenheilkunde auf ihre Stimmigkeit überprüft.

 

 

Sinupret® / Sinupret® forte / Sinupret® extract – was sind die Unterschiede?

Sinupret ist ein häufig eingesetztes pflanzliches Arzneimittel bei akuten Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis). Das Phytopharmakon hat eine sehr eigenwillige Zusammensetzung und kommt in verschiedenen Varianten auf den Markt.

Der Ursprung von Sinupret geht auf das Jahr 1933 zurück. Sinupret und Sinupret forte enthalten eine Mischung aus fünf getrockneten und pulverisierten Heilpflanzen. Getrocknete Pflanzenteile, die als Arznei eingesetzt werden, nennt man in der Phytotherapie „Droge“. Das ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Droge“ und hat nicht mit Betäubungsmitteln zu tun.

Hier die Zusammensetzung von Sinupret und Sinupret forte:

1 Sinupret Dragée enthält in gepulverter Form:

Enzianwurzel 6 mg; Schlüsselblumenblüten 18 mg; Krause Ampfer Kraut 18 mg; Holunderblüten 18 mg; Eisenkraut 18 mg.

 

1 Sinupret forte Dragée enthält in gepulverter Form:

Enzianwurzel 12 mg; Schlüsselblumenblüten 36 mg; Krause Ampfer Kraut 36 mg; Holunderblüten 36 mg; Eisenkraut 36 mg.

Bei Sinupret forte wird die Drogenmenge pro Dragée also verdoppelt. Allerdings lautet die Dosierung bei Sinupret forte:

Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren: 3 mal täglich 1 Dragée.

Beim normalen Sinupret dagegen:

Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren: 3 mal täglich 2 Dragées

Hält man sich also an die empfohlene Dosierung, kommt es nicht darauf an, ob Sinupret oder Sinupret forte eingenommen wird.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass wir es hier mit sehr minimen Drogenmengen, zu tun haben.  Ein Teebeutel eines Kräutertees enthält etwas 1,5 – 2,0 Gramm pulverisierte Droge, wobei von den Wirkstoffen dann allerdings nicht alle ins Teewasser übergehen.

Es gibt aber noch ein weiteres Problem, wenn pulverisierte Droge in ein Dragée abgefüllt wird: Die Droge besteht zum allergrössten Teil aus Gerüststoffen, die das Pflanzenmaterial aufbauen – bei einer Wurzel beispielsweise aus Zellulose. Nur der allerkleinste Teil des Dragée-Inhalts werden Wirkstoffe sein.

Dieses Problem scheint auch der Sinupret-Hersteller Bionorica erkannt zu haben.

Im Jahr 2012 kam Sinupret extract auf den Markt. Es enthält einen Trockenextrakt aus einer Mischung von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Krause Ampfer Kraut, Holunderblüten und Eisenkraut.

Zusammensetzung laut Arzneimittel-Compendium:

Wirkstoff: 160 mg Trockenextrakt (DEV 3-6:1, Auszugsmittel Ethanol 59% (V/V)) aus einer Mischung von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Kraut des Krausen Ampfers, Holunderblüten und Eisenkraut (1:3:3:3:3).“

Für die Herstellung des Trockenextrakts werden die Wirkstoffe mit Alkohol ausgezogen und anschliessend der Alkohol im Vakuum schonend bei tiefer Temperatur abgedampft.

Ein Dragée Sinupret extract enthält daher keine überflüssigen Gerüststoffe und stattdessen die Wirkstoffe in konzentrierter Form.

Nach Angaben von Bionorica enthält Sinupret extract die Wirkstoffe in 4-facher Konzentration:

„Eine 4-fache Konzentration ist nicht gleichzusetzen mit der 4-fachen Wirksamkeit. Die 4-fache Konzentration bezieht sich auf Ø 720 mg eingesetzte Pflanzenmischung in Sinupret extract (entspricht 160 mg Trockenextrakt) im Vergleich zu 156 mg Pflanzenmischung in Sinupret forte, bzw. auf die die schleimlösende bzw. entzündungshemmende Eigenschaft mitbestimmenden Bioflavonoide.“

Quelle: http://www.bionorica.de/atemwege/sinupret®.html

Wer Sinupret anwenden will, sollte daher meines Erachtens Sinupret extract wählen, weil es die effizientere und modernere Arzneiform ist.

Wer Pflanzliche Arzneimitttel fundiert kennenlernen möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung. Es lohnt sich, weil Phytotherapie-Wissen vielfältig, interessant und nützlich ist.

 

Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides): Gute Evidenz bei Atemwegsinfekten

Umfangreiche wissenschaftliche Daten belegen die symptomlindernden und krankheitsverkürzenden Wirkungen des Pelargonium-sidoides-Extrakts EPs® 7630 (Umckaloabo®) bei Atemwegsinfekten.

Bei grippalen Infekten könne der Pelargonium-sidoides-Extrakt die Symptome lindern und die Krankheitsdauer verkürzen, erklärte Professor Dr. Michael Tamm vom Universitätsspital Basel auf einer Veranstaltung des Herstellers Schwabe in Hamburg. Der Pneumologe sagte: »Zahlreiche klinische Studien mit mehr als 10.000 Probanden, darunter circa 4000 Kinder und Jugendliche, dokumentieren die Wirksamkeit von Umckaloabo bei viralen Infekten«.

Das Spektrum reiche von akuter (Rhino-) Pharyngitis (Rachenentzündung), Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Laryngitis (Kehlkopfentzündung), Tracheitis (Luftröhrenentzündung) und Otitis media (Mittelohrentzündung) bis hin zur akuten Bronchitis und Lungenentzündung.

Der Pelargonium-sidoides-Extrakt wirke symptommindernd und krankheitsverkürzend unter anderem durch Hemmung der Vermehrungszyklen wichtiger Atemwegsviren.

Ebenfalls nachgewiesen seien bakterizide Effekte durch Minderung der Anheftung dieser Krankheitserreger an Schleimhautzellen bei gleichzeitiger Chemotaxis und Phagozytose. Darüber hinaus werde durch Modulation der Synthese von Interferonen, Entzündungsstoffen und Defensinen das körpereigene Abwehrsystem gestärkt. Professor Tamm zufolge vermindert der Extrakt zudem sowohl die Zahl als auch das Ausmaß von Exazerbationen (akute Verschlechterung) der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Professor Dr. Martin Korte von der Technischen Universität Braunschweig sagte ergänzend:

»Die in Studien nachgewiesene Supprimierung der Replikation spezifischer Grippeviren durch Umckaloabo kann sich auch mit Blick auf die Verringerung bislang kaum berücksichtigter Spätfolgen als wichtig erweisen«.

Bei Erkältungen werden laut Korte im peripheren Gewebe entzündungsfördernde Mediatoren wie TNF-α, IL-6 beziehungsweise Il-1β und Il-2 freigesetzt, die direkt oder indirekt auch auf das Gehirn wirken können. Langfristig könne die zentrale Neuoinflammation zu Symptomen wie Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Depressionen führen, sowie gegebenenfalls auch zu Gedächtnisstörungen bis hin zu Morbus Alzheimer.

Weiter führt der Neurobiologe Korte aus: »Die eventuellen Nachwirkungen können weit über die akute Phase der Erkrankung reichen, wobei die Intensität und Dauer des grippalen Infekts eine große Rolle spielen. Besonders ältere Menschen erholen sich oft nur schwer und sind häufig über längere Zeit desorientiert«. Auch vor diesem Hintergrund könne sich die frühzeitige Behandlung von Erkältungskrankheiten mit evidenzbasierten Phytopharmaka als bedeutsam erweisen, so der Neurobiologe.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/gute-evidenz-bei-erwachsenen-und-kindern/

 

Kommentar & Ergänzung:

Der Text in der Pharmazeutischen Zeitung enthält ziemlich viel Fachjargon, aber darüber hinaus auch ziemlich viel Spekulation. Nicht so untypisch für eine Pressekonferenz, die auch Werbecharakter hat. Was die Wirkungen des Pelargonium-sidoides-Extrakt angeht, werden hier viele Ergebnisse aus dem Labor in den Raum gestellt, bei denen ungeklärt ist, ob diese Wirkungen auch im Organismus eines lebenden Menschen so verlaufen und ob sie im Erkältungsfall für die Genesung relevant sind.

Wichtiger ist, ob und in welchen Fällen sich ein Arzneimittel in klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten bewährt hat.

Beim erwähnten Extrakt aus Kapland-Pelargonie ist klinisch vor allen der auswurffördernde Effekt bei Bronchitis gut belegt. Bei dieser Indikation kann der Umckaloabo®-Extrakt als Schleimlöser mit den synthetischen Auswurfförderern gut mithalten oder ist ihnen gar überlegen. An diesem Punkt – als auswurfförderndes (=expektorierendes) Hustenmittel  – ist der Pelargonium-sidoides-Extrakt ein wichtiges Phytopharmakon (pflanzliches Arzneimittel).

Dagegen scheint es mir unangebracht, den Pelargonium-sidoides-Extrakt auch noch in einen Zusammenhang zu stellen mit Depressionen, Gedächtnisstörungen und Alzheimer.

In Apotheken und Drogerien werden unterschiedliche Tinkturen oder Extrakte aus der Kapland-Pelargonie verkauft, oft auch als Hausspezialität.

Die Forschung auf diesem Gebiet wurde aber von Schwabe in Karlsruhe mit dem Umckaloabo®-Extrakt gemacht. Dieses Präparat ist zwar in der Regel etwas teuerer als die Hausspezialitäten, aber dafür ist Umckaloabo® besser in seiner Wirksamkeit dokumentiert. Ich selber berücksichtige zudem bevorzugt diejenigen Phytofirmen, die mit Forschung zur Weiterentwiclung der Phytotherapie beitragen – und weniger die Trittbrettfahrer, die auf den Erkenntnissen anderer aufbauend eine Kopie auf den Markt werfen.

Umckaloabo® ist in der Schweiz auch als Kaloabo® im Handel und unter diesem Namen kassenzulässig aus der Grundversicherung, wenn ein Arzt oder eine Ärztin das Präparat verschreibt.

Wer sich fundiert mit den Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen vertraut machen möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

Rosskastanienextrakt als Venenmittel

Rosskastanienextrakt aus der Gewöhnlichen Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) gilt in der Phytotherapie als bestuntersuchtes und  bestbelegtes Mittel gegen Ödeme bei Venenschwäche. Er enthält ein Saponin-Gemisch, das Aescin genannt wird.

Wie wirkt Aescin genau gegen Ödeme?

Kompakt erklärt ist das auf der Website von Venostasin, einem Venenpräparat auf Basis von Rosskastanienextrakt:

„Extrakt aus den Samen der Rosskastanie hemmt lysosomale Enzyme. 

Bei lysosomalen Enzymen handelt es sich um körpereigene Stoffe, die für den zellulären Abbau verantwortlich sind. Zum Schutz des umliegenden Gewebes werden sie in Transportbläschen (Lysosome) gespeichert. In Stresssituationen, d. h. Entzündungen oder einem erhöhten Druck auf die Veneninnenwände werden die Enzyme freigesetzt und schädigen die Kapillarwände und Fasern des Bindegewebes. Die Gefäßwände werden durchlässiger für Flüssigkeit und die Entstehung von Ödemen wird verstärkt.“

Quelle:

https://www.venostasin.de/rosskastanienextrakt/

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Wirkungsmechanismus wurde allerdings zur Hauptsache im Labor erforscht und belegt. Ob er auch im lebenden Organismus in klinisch relevanter Grösse vorkommt, ist nicht so klar.

Allerdings haben Rosskastanienextrakte wie Venostasin ihre Wirksamkeit auch mit Studien an Patientinnen und Patienten  zeigen können. Sie bauen durch Venenschwäche bedingte Stauungen ab und lindern das Schweregefühl in den Beinen. Es braucht zur Linderung von Venenleiden aber eine längerdauernde Rosskastanien-Behandlung.

Bemerkenswert ist auf der Venostasin-Website die Passage über Venensalbe & Venengel:

„Während die Creme und das Gel in ihrer lindernden und massierenden Wirkung der oberen Hautschichten die systemische Behandlung unterstützen, reduziert die langfristig angesetzte medikamentöse Behandlung mit Venostasin® retard nachweislich Ödeme, Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen und hemmt zudem venenwand-schädigende Enzyme.“

Hier fällt angenehm die Zurückhaltung auf, mit der die Wirksamkeit der Venensalbe bzw. des Venengels umschrieben wird:

„…lindernden und massierenden Wirkung….“

Venensalben und Venengele sind bei Patientinnen und Patienten sehr beliebt. Vor allem die Gelform bringt noch etwas Erfrischendes mit und massieren zum Herzen hin kann entstauend wirken. Ob aber die Wirkstoffe im Rosskastanienextrakt durch die Haut und bis in die Vene vorstossen, ist sehr offen und meines Erachtens eher unplausibel. Der Websitetext macht hier keine überzogenen Versprechungen.

Während der innerlich verabreichte Rosskastanienextrakt also ziemlich gut in seiner Wirksamkeit belegt ist, fehlen bezüglich Venensalbe/Venengel verlässliche Erkenntnisse aus Studien.

Neben Venostasin gibt es in der Schweiz noch den Rosskastanienextrakt in Aesculaforce / Aesculamed von Bioforce.

Fragwürdig bezüglich Wirksamkeit sind Rosskastanientinktur, Rosskastanien Urtinktur und Rosskastanie Gemmospray – sie sind mit grösster Wahrscheinlichkeit den Extrakten im Wirkstoffgehalt deutlich unterlegen.

Unsinnig sind spagyrische Rosskastanientinkturen, weil bei ihrer Herstellung  durch die grosse Hitze der Wirkstoff Aescin zerstört wird.

Wenn Sie fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Rosskastanie und von anderen Arzneipflanzen erwerben möchten, könen Sie das in meinen Lehrgängen – dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.