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Warum Lavendelöl beruhigend wirkt

Lavendel wird seit Hunderten Jahren als Heilmittel gegen Einschlafstörungen und Unruhe verwendet. Mittlerweile wurden Wirkungen von Lavendelöl auch in medizinischen Studien bestätigt, das z.B. bei Angststörungen.

Doch wie die Wirkung von Lavendelöl zustande kommt, ist noch weitgehend unerforscht. Experimente an Mäusen zeigen nun überraschende Ähnlichkeiten zu Medikamenten auf.

Wissenschaftler um Hideki Kashiwadani von der Kagoshima Universität in Japan schreiben in einer Studie, dass Lavendel bzw. seine wirksamen Bestandteile vielleicht eine ungefährliche oder zumindest harmlosere Alternative zu angstlösenden Medikamenten werden könnten, zum Beispiel aus der Gruppe der Benzodiazepine, die zwar hochwirksam sind, jedoch auch sehr leicht abhängig machen. 

Ihre Wirksamkeit verdankt die Pflanze wahrscheinlich hauptsächlich dem ätherischen Lavendelöl mit seinem Hauptbestandteil Linalool. Wie genau diese Stoffe wirken bzw. an welche Rezeptoren sie andocken, ist gemäss den Studienautoren bis jetzt noch nicht untersucht worden.

Die Wirkstoffe könnten aus der Luft ins Blut gelangen und von dort ins Gehirn, wo sie dann an dieselben Rezeptoren binden wie Benzodiazepine. Die Mäuseversuche des Teams zeigten nun, dass wohl der Geruch von Linalool entscheidend ist. Der Dampf stimulierte in den Untersuchungen geruchssensible Nervenzellen in der Nase der Tiere und führte so zur Entspannung. Bei geruchsblinden Mäusen – denen die entsprechenden Nervenzellen fehlten – trat die Wirkung nämlich nicht ein.

Die Wirkstoffe könnten jedoch auch wirken, indem sie geschluckt oder injiziert werden, und danach der Geruch beim Ausatmen in die Nase steigt.

Wie der Wirkstoff am besten eingesetzt wird, muss noch untersucht werden, bevor er systematisch an Menschen getestet wird. Die Wissenschaftler sehen jedenfalls zahlreiche praktische Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel vor Narkosen, um den präoperativen Stress zu lindern. Die Inhalations-Variante wäre zudem praktisch für Menschen, die Schwierigkeiten beim Schlucken haben, beispielsweise Kinder und ältere Menschen.

Linalool aus Lavendelöl macht Mäuse mutiger

Was wurde genau untersucht?

Die Forscher der Kagoshima Universität untersuchten die Wirkung von Linalool, dem wahrscheinlichen Auslöser der beruhigenden Wirkung, in zwei verschiedenen Standard-Tests an Mäusen. Beim Hell-Dunkel-Box-Test ist ein Teil des Käfigs hell erleuchtet. Die nachtaktiven Tiere meiden die Helligkeit, sind jedoch gleichzeitig auch neugierig. Unter Anxiolytika (angstlösenden Medikamenten) überwinden sie ihre Lichtscheu und die Zeit, die sie dann im hellen Teil des Käfigs verbringen, ist ein Maß für den angstlösenden Effekts des jeweiligen Wirkstoffs.

Bevor die Mäuse getestet wurden, bedampften die Wissenschaftler sie eine halbe Stunde lang in einer Geruchskammer mit Linalool. Je mehr Linalool die Tiere geschnuppert hatten, umso größer war anschliessend ihre Bereitschaft, sich im Hellen zu bewegen. Ähnliche Wirkungen zeigten sich auch in dem anderen Standard-Test, dem Elevated-Plus-Maze-Test. Dabeiwird beobachtet, wie stark die Tiere ihre Höhenangst überwinden können. Auch in diesem Test wurden die Mäuse durch den Linalool-Duft mutiger.

In einem dritten Test zeigte sich, dass die Aromatherapie mit Linalool die Koordination und der Gleichgewichtssinn der Tiere nicht störte, ein Anzeichen dafür, dass die Behandlung möglicherweise keine sedierenden Nebenwirkungen hat – im Unterschied zu einer Behandlung mit Benzodiazepinen.

Ohne Geruchssinn geht mit Linalool nichts

Die entspannende Wirkung von Linalool konnte schon in zahlreichen Studien belegt werden, schreibt Co-Autor Hideki Kashiwadani von der Universität Kagoshima. In diesen Untersuchungen sei es aber in der Regel nicht um die Wirkorte von Linalool gegangen. Die japanischen Forscher konnten nun mit ihren Experimenten belegen, dass die Wirkung an den Geruchssinn gebunden ist. Bei Mäusen mit fehlendem Geruchssinn zeigte die Aromatherapie keinen Effekt.

Die Forscher kamen auch dem möglichen Wirkmechanismus auf die Spur. Die angstlösende Wirkung von Linalool konnte durch Gabe von Flumazenil aufgehoben werden. Der Benzodiazepin-Antagonist wird in der Anästhesie als Gegenmittel bei Überdosierungen oder zur schnellen Beendigung einer Narkose eingesetzt. Hieraus schlossen die Wissenschaftler, dass Linalool seine Wirkung über den gleichen GABA-ergen Rezeptor erzielt wie Diazepam und andere Benzodiazepine.

Bislang hätten viele angenommen, dass die Absorption von Linalool über die Atemwege ins Blut zu direkten Effekten an Hirnzell-Rezeptoren, wie dem GABA-A-Rezeptor führt, erläutert Kashiwadani und fährt fort: „Unsere Ergebnisse zeigen jedoch insgesamt, dass Linalool nicht direkt an den Rezeptoren angreift, sondern dass es diese über olfaktorische Neuronen in der Nase aktivieren muss, um die spannungslösende Wirkung zu erzielen.“

Für die japanischen Forscher ist diese Entdeckung ein Schlüsselschritt hin zur Erprobung der klinischen Anwendung am Menschen. Sie könnten sich vorstellen, dass verdampftes Linalool in einigen Einsatzgebieten eine sicherere Alternative zu anderen Anxiolytika sein könnte, beispielsweise in der Chirurgie zur Linderung von präoperativem Stress oder auch bei Patienten, die mit der oralen oder rektalen Anwendung von angstlösenden Mitteln Probleme hätten, wie etwa Kleinkinder oder verwirrte ältere Personen.

Quelle:

https://science.orf.at/stories/2943219/

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/01/entspannt-und-mutig-durch-lavendel

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnbeh.2018.00241/full

Die Studie

„Linalool odor-induced anxiolytic effectsin mice“, Frontiers in Behavioral Neuroscience (23.10.2018).

 

Kommentar & Ergänzung:

Natürlich ist bei Untersuchungen mit Tieren immer der Vorbehalt zu machen, dass die Ergebnisse nicht so ohne weiteres auf Menschen übertragen werden können.

Resultate aus klinischen Studien an Patienten sind daher abzuwarten, bis die Wirksamkeit bei Menschen beurteilt werden kann. Solche Studien werden aber wohl mit mindestens zwei Schwierigkeiten zu kämpfen haben:

  1. Da Linalool als Naturstoff nicht patentierbar ist, wird sich nicht so leicht eine Firma finden, die den hohen finanziellen Aufwand für klinische Forschung investiert. Und dass die Universität selber dafür die Mittel aufbringen kann, ist eher unwahrscheinlich.
  2. Bei klinischen Studien mit ätherischen Ölen ist es grundsätzlich schwierig, eine verblindete Placebo-Kontrollgruppe zu machen. Wie soll ein Placebo hergestellt werden, dass genauso riecht wie Linalool, aber kein Linalool ist? Bei irgendwelchen Tabletten ist es einfach, eine wirkstoffreie Kopie herzustellen. Bei einem ätherischen Öl ist es praktisch nicht möglich. Diese fehlende oder unvollständige Verblindung wird einer solchen Studie als Schwachpunkt ausgelegt werden.

 

Darum lohnt es sich  für Aromatherapie und Phytotherapie, gut über diese Ergebnisse aus Japan nachzudenken, obwohl es sich nur um Untersuchungen an Mäusen handelt.

Lavendelblüten und Lavendelöl wurden über lange Zeit vor allem als beruhigendes Mittel bei Schlafstörungen eingesetzt. Erst in den letzten paar Jahren wurde verstärkt zum Einsatzbereich als Anxiolytikum (angstlösendes Mittel) geforscht und entsprechende Präparate entwickelt (Lasea-Kapseln). Die dank Linalool-Duft mutiger werdenden Mäuse stützen nun diese Indikation. Interessant ist aber auch, dass die japanischen Forscher die Wirksamkeit ausdrücklich über die Inhalation vermittelt sehen, während Lasea als Kapsel eingenommen wird, und ebenfalls Wirksamkeit in Studien gezeigt hat.

Siehe dazu:

Broschüre zu Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl

 Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl / Lasea®-Kapseln bei Angststörungen

Lavendel bei Unruhe und Einschlafstörungen

Wer fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminarund der Phytotherapie-Ausbildung

Europäischer Bericht zu Cannabis in der Medizin veröffentlicht

Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) hat erstmals einen Report über die medizinische Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden publiziert, der Überblick bietet über bisher verfügbare Belege zur Wirksamkeit.

Der Bericht Medical use of cannabis and cannabinoids: Questions and answers for policymaking“trage der Tatsache Rechnung, dass immer mehr europäische Länder in diesem Bereich politische Strategien und Verfahren entwickeln, liess die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) dazu verlauten.

Zahlreiche EU-Länder erlauben inzwischen die medizinische Verwendung von Cannabis oder Cannabinoiden in bestimmter Form oder ziehen eine solche Zulassung in Erwägung. In Bezug auf die verfolgten Ansätze bestehen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern, und zwar sowohl hinsichtlich der zugelassenen Produkte als auch der rechtlichen Rahmenbedingungen für ihre Bereitstellung.

Das Verständnis der vielfältigen nationalen Ansätze sei wichtig, um „in der EU eine fundierte politische Debatte über dieses Thema führen zu können“, schreibt die EMCDDA.

Diese unterschiedlichen Ansätze wurden mit Hilfe einer Auswahl von Fallstudien aus Drittländern, etwa den USA, Kanada, Australien und Israel beschrieben.

Der medizinische Einsatz von Cannabis beziehe sich auf eine Vielzahl von Produkten und Präparaten, die verschiedene Wirkstoffe enthalten und in unterschiedlicher Qualität auf unterschiedlichem Weg verabreicht werden können.

Die EMCDDA zieht den Schluss, dass weitere Forschungsarbeiten und klinische Studien nötig sind, um in Zukunft „erhebliche Lücken in den verfügbaren Evidenzdaten“ zu schließen. So sei zwar beispielsweise die Wirkung von Cannabinoiden in der Palliativversorgung teilweise untersucht worden, für die ausreichende Evidenz des therapeutischen Nutzens seien jedoch größere sowie längerfristig angelegte Studien nötig. Vergleichbares gilt für die Anwendung von Cannabis und Cannabinoiden bei Schlafstörungen, Angststörungen, Depression, oder neurodegenerativen Erkrankungen.

In den meisten Ländern habe sich im Hinblick auf die Bereitstellung von Cannabis oder Cannabinoide enthaltenden Produkten und Präparaten für medizinische Zwecke im Laufe der Zeit ein Wandel vollzogen – und das oftmals als Reaktion auf die Nachfrage von Patienten oder Produktentwicklungen, sagt EMCDDA-Direktor Alexis Goosdeel. Bei diesem Thema sei es wichtig, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, um eine Basis für Evaluierungen und Bewertungen zu schaffen.

Quelle:

https://science.orf.at/stories/2951314/

Der EMCDDA ist hier einsehbar:

http://www.emcdda.europa.eu/publications/rapid-communications/medical-use-of-cannabis-and-cannabinoids-questions-and-answers-for-policymaking_en

 

Kommentar & Ergänzung:

In den letzten Jahren hat sich bezüglich der Anwendung von Cannabis als Heilpflanze viel getan – in rechtlicher Hinsicht, durch neu zugelassene Cannabis-Präparate und im Bereich der Forschung.

Und natürlich gibt es forschungsmässig noch Lücken, die geschlossen werden müssen, damit ein klares Bild zu den sinnvollen Anwendungsbereichen von Cannabispräparaten entsteht, aber auch zu den Risiken und Grenzen.

In der Forschung steht neben Tetrahydrocannabinol (TCH) zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus.

In meinem Buchshop gibt’s eine aktuelle Broschüre zum Thema Cannabis als Arzneimittel:

Cannabis, von Klaus Häussermann, Franjo Grotenhermen und Eva Milz.

 

Siehe auch:

Cannabidiol (CBD) – ein Wirkstoff im Trend

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen von Sativex bei Spastik bestätigt

Cannabis als Medizin: Unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica

Und wenn Sie fundiertes Wissen über Cannabis als Arzneimittel und über andere Heilpflanzen erwerben möchten, dann empfehle ich meine Lehrgänge, die Phytotherapie-Ausbildung und das Heilpflanzen-Seminar.

 

 

Ab 2019: Iberogast und Sinupret auch in Drogerien erhältlich

In der Schweiz gibt es 2019 Änderungen in den Abgabebestimmungen von Arzneimitteln.

Hunderte bisher rezeptfreier, jedoch apothekenpflichtiger Medikamente werden auch in Drogerien erhältlich sein. Das betrifft auch eine ganze Reihe von Phytopharmaka.

Zugleich sollen Apotheken etwa 100 bisher freiverkäufliche Medikamente nur noch mit einer ärztlichen Verordnung oder nach Prüfung der Personalien abgeben dürfen.

Eine entsprechende Übersicht wurde nun von der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic in Bern publiziert.

Mehr Heilmittel in die Drogerie

Um die Selbstmedikation zu vereinfachen, beschloss der Bundesrat die Neueinteilung die Arzneimittel in der Schweiz. Dazu soll die bisherige Abgabekategorie C (Verkauf nur in Apotheken, aber ohne Rezept) abgeschafft werden. Im Rahmen der Revision des Heilmittelgesetzes beurteilte Swissmedic unter Einbezug externer Fachleute total zirka 650 Arzneimittel, wovon 22 Tierarzneimittel. Dabei standen auch Aspekte des Medikamentenmissbrauchs sowie mögliche Interaktionen im Vordergrund.

Rund 85 Prozent und 550 Medikamente aus dieser Kategorie werden nun in die Kategorie D herabgestuft (Verkauf in Apotheken und Drogerien ohne Rezept). Darzu zählen etwa Iberogast, Sinupret, Buscopan, Talcid, Loperamid oder Voltaren Dolo forte und pflanzliche Arzneimittel mit Johanniskraut-Extrakt. Für diese Medikamente wird in Zukunft nur eine Fachberatung vorausgesetzt, egal ob durch Drogerie oder Apotheke. Die Patienten sollen zudem mit einem Warnhinweis auf der Verpackung für die nötige Fachberatung sensibilisiert werden.

Etwa 15 Prozent der überprüften Medikamente wurden dagegen heraufgestuft in die Kategorie B Verkauf in Apotheken mit Rezeptpflicht). Zwei Drittel der total etwa 100 Arzneimittel enthalten Opiatderivate als Wirkstoffe (Codein oder Dextromethorphan) und wurden von Swissmedic als Stoffe mit einem erheblichen Missbrauchspotential eingestuft. Codeinhaltige Arzneimittel dürfen zukünftig nur durch Personen mit einer Betäubungsmittelbewilligung abgegeben werden. Ergänzend zum Missbrauchspotential gebe es bei zahlreichen dieser Medikamente zusätzlich ein erhebliches Risiko von schwerwiegenden Wechselwirkungen, begründete Swissmedic diese Entscheidung. Bei den anderen für die Abgabekategorie B vorgesehenen Medikamente seien es vorwiegend schwerwiegende Interaktionen mit anderen verschreibungspflichtigen Arzneimitteln oder eine zwingend notwendige Dokumentation der Abgabe, welche eine Fachberatung durch Ärzte oder Apotheker erfordern.

Betroffen durch diese Neuerungen sind zum Beispiel Medikamente wie etwa Hustensirup mit dem Wirkstoff Codein. Der codeinhaltige Hustensaft Makatussin beispielsweise wird ab dem 1. Januar 2019 nur noch auf Rezept erhältlich sein. Wird das Arzneimittel nicht von einem Arzt verschrieben, muss der Apotheker ein Beratungsgespräch durchführen und die Abgabe entsprechend dokumentieren.

Der Berner Kantonsapotheker Samuel Steiner sagte dem Nachrichtenportal 20min.ch:„Wir gehen davon aus, dass mittlerweile 80 Prozent des Makatussin-Konsums missbräuchlich sind.“

Auf der Plattform Saferparty.ch, die unter anderem von der Stadt Zürich betrieben wird, ist zu lesen, dass ein Codein-Entzug bei längerer Einnahme genau so lang und schmerzhaft sein kann wie bei Heroin. Laut Fachleuten kann der Wirkstoff schnell zu einer Abhängigkeit führen, die Entzugserscheinungen wie Krämpfe und Übelkeit mit sich bringt. Diese sind zudem deutlich stärker als bei anderen Drogen. Deutschland hat Codein im Betäubungsmittelgesetz als verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft, wobei niedrige Dosen beziehungsweise Mengen von betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften ausgenommen sind, solange sie nicht an Betäubungsmittel- oder alkoholabhängige Personen verschrieben werden. Anfang 2017 führte Frankreich bereits eine Rezeptpflicht für codeinhaltige Arzneimittel ein.

Mehr Heilmittel in Supermärkte wie Migros und COOP

Im Rahmen der Revision des Heilmittelgesetztes überprüft Swissmedic gegenwärtig auch 400 Medikamente der Kategorie D, die aktuell nur in Apotheken und Drogerien erhältlich sind. Welche dieser Arzneimittel in Zukunft auch im Supermarkt verkäuflich sein werden, will Swissmedic in den nächsten Wochen bekanntgeben.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/internationales/ab-2019-iberogast-und-sinupret-in-drogerien-rezeptpflicht-fuer-codein-schweiz/

Kommentar & Ergänzung:

Diese Neuerungen werden den Arzneimittelmarkt in der Schweiz gehörig aufmischen, insbesondere den  Bereich der Selbstmedikation.

Die Drogerien werden davon profitieren, dass sie neu viele umsatzstarke Medikamente verkaufen dürfen, die bisher den Apotheken vorbehalten waren. Bei den pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) betrifft dies vor allem Sinupret, Iberogast und Johanniskrautextrakt-Präparate. Ich bin gespannt, ob auch Gelomyrtol / Gelodurat in die Drogerie wandert.

Drogerien und Apotheken werden aber beide möglicherweise starke Einbussen erleiden, wenn ab 2019 tatsächlich eine grössere Zahl von Arzneimitteln auch bei Migros und COOP im Regal stehen.

Dem stehe ich eher skeptisch gegenüber. Obwohl mich Drogerien und Apotheken bezüglich Beratung zu Phytopharmaka nur selten überzeugen, ist keine Beratung im Supermarkt noch schlechter.

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Venenschwäche: Pycnogenol® reduziert das Ödemrisiko effektiver als Kompressionsstrümpfe

Eine aktuelle Studie von Belcaro et al. (1) bestätigt erneut, dass der Pflanzenextrakt Pycnogenol® aus der Rinde der französischen Meer-Kiefer das Auftreten von Unterschenkelödemen nach langem Sitzen wie auf Langstreckenflügen signifikant vermindern kann – und das sogar effektiver als das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Die Passagiere bekamen drei Tage vor und drei Tage nach dem Flug Pycnogenol®. Es traten in der Pycnogenol®-Gruppe keine Thrombosen auf. Zudem verbesserten sich charakteristische Jetlag-Symptome: Schlafqualität, Sehleistung, Kognition sowie die Anpassung an die Zeitzonen wurden als deutlich verbessert beschreiben und die Ermüdung als weniger stark bewertet.

Vorangegangene Studien zeigen bereits deutlich, dass der Extrakt aus der Rinde der französischen Meer-Kiefer (Pinus pinaster) effektiv und sicher vorbeugend einer Ödembildung (2,3) sowie einem Jetlag (4) entgegenwirkt.

Der patentierte Extrakt der französischen Meereskiefer hat sich in der Behandlung der chronischen venösen Insuffizienz (CVI) bewährt. Jahrzehntelange Forschungen mit mehr als 400 publizierten Studien zeigen nachweislich, dass die enthaltenen oligomeren Procyanidine im Verbund mit weiteren natürlichen Wirkstoffen wegen ihrer starken antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkung die Kapillarwände stärken. Die gesteigerte Widerstandskraft gegen den Venendruck reduziert Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme). Der Pflanzenextrakt regt zudem die Blutzirkulation an und vermindert die Thrombozytenaktivität und damit das Thromboserisiko.

Die enthaltenen Wirkstoffe sind in hohem Maße bioverfügbar. Durch ihre Synergie verstärkt sich die therapeutische Wirksamkeit im Vergleich zu den Einzelwirkstoffen (5).

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/ifemedi-der-unverzichtbare-reisebegleiter-9/

 

Wissenschaftliche Literatur:

1 Belcaro G, Cornelli U, Dugall M, Hosoi M, Cotellese R, Feragalli B: Long-haul flights, edema, and thrombotic events: prevention with stockings and Pycnogenol® supplementation (LONFLIT Registry Study).Minerva Cardioangiol. 2018 Apr;66(2):152-159. doi: 10.23736/S0026-4725.17.04577-7.

https://www.minervamedica.it/en/journals/minerva-cardioangiologica/article.php?cod=R05Y2018N02A0152

 

2 Cesarone MR, Belcaro G, Nicolaides AN et al: Prevention of venous thrombosis in longhaul flights with Flite Tabs: the LONFLITFLITE randomized, controlled trial. Angiology 2003; 54: 531–539.

 

3 Belcaro G, Dugall M, Luzzi R, et al: Postpartum varicose veins: supplementation with 
Pycnogenol or elastic compression – a 12-month follow-up. Int J Angiol 2017; doi:10.1055/s-0033-1363784.

 

4 Belcaro G, Cesarone MR, Steigerwalt RJ et al.: Jet lag: prevention with Pycnogenol. Preliminary report: evaluation in healthy individuals and in hypertensive patients. Minerva Cardioangiol 2008; 56 (suppl 1):1–7.

 

5 D’Andrea G: Pycnogenol: a blend of procyanidins with multifaceted therapeutic applications?  Fitoterapia. 2010 Oct;81(7):724-36. doi: 10.1016/j.fitote.2010.06.011. Epub 2010 Jun 20.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Meer-Kiefer (Pinus pinaster) heisst auch See-Kiefer, Bordeaux-Kiefer, Igel-Kiefer, Stern-Kiefer, Seestrand-Kiefer oder Strand-Kiefer. Sie gehört zur Gattung der Kiefern (Pinus) und damit zur Pflanzenfamilie der Kieferngewächse (Pinaceae). Pinus pinaster stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum und wird bis zu 300 Jahre alt. Aus der Pflanze wird auch Terpentinöl gewonnen.

Sie zählt in Form von Pinienrindenextrakt im Bereich der Venenerkrankungen zu den interessantesten Heilpflanzen, auch wenn sie in der Phytotherapie-Fachliteratur nur selten beschrieben wird. 

Der Text auf Apotheke-Adhoc stammt von einer Werbeagentur, was zur Folge hat, dass die Aussagen immer mit einer gewissen Zurückhaltung aufgenommen werden sollten. Eine kritische Darstellung darf man hier jedenfalls nicht erwarten.

Immerhin scheint aber der Hersteller des Produkts stark in Forschung zu investieren, was lobend zu erwähnen ist. Die Qualität dieser Studien kann ich allerdings nicht ausreichend beurteilen. Die oben beschriebene Studie aus dem Jahr 2018 läuft auf einen Vergleich zwischen Pycnogenol® und Kompressionsstrümpfen hinaus, wobei es natürlich interessant ist, wenn das Heilpflanzen-Präparat die Kompressionsstrümpfe wirklich übertrifft. Eine Placebo-Gruppe gabs in dieser Studie nicht (placebokontrolliert war offenbar die Studie von 2003).

Roman Huber schreibt im „Mind-Maps Phytotherapie“ (zur Zeit vergriffen):

„Die Rinde der Französichen Seekiefer enthält Polyphenole mit antioxidativen, analgetischen und antientzündlichen Eigenschaften. Der wässrige Extrakt Pycnogenol war in der Dosierung von 360 mg/Tag über 4 Wochen bei Symptomen der chronisch-venösen Insuffizienz (Schwellung, Schweregefühl) besser als 600 mg Rosskastanienextrakt (B). Er führte ausserdem zu einer Senkung der Cholesterinwerte.“

Da Rosskastanienextrakt bei Venenschwäche der Topfavorit in der Phytotherapie ist, wäre es zumindestens beeindruckend, wenn Pycnogenol Überlegenheit zeigt.

Der Hinweis „(B)“ bedeutet im „Mindmaps Phytotherapie“ allerdings, dass die Wirksamkeit „in mindestens  einer unkontrollierten Studie oder Anwendungsbeobachtung gefunden wurde“. Damit handelt es sich um kein wirklich gesichertes Ergebnis. Möglicherweise ist die Studienqualität für diesen Pinienrindenextrakt generell nicht sehr stark. Das würde erklären, weshalb die Phytotherapie-Fachliteratur hier so zurückhaltend ist. Aber trotzdem: Das Pinenextraktpräparat ist meinem Eindruck nach interessant.

Wer sich fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

Kaffee trocknet den Körper nicht aus

Immer noch zu hören ist die Ansicht, dass Kaffee, Grüntee und Schwarztee für die Flüssigkeitsbilanz nicht angerechnet werden dürfen, weil sie dem Organismus Wasser entziehen würden.

Dieser Gesundheitstipp ist jedoch schon seit einiger Zeit widerlegt. Zwar insbesondere Kaffee wegen seinem Gehalt an Koffein kurzfristig den Harndrang, über den Tag verteilt scheiden Kaffeetrinker jedoch ähnlich viel Flüssigkeit aus wie Nicht-Kaffeetrinker.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schreibt:

“Kaffee sowie schwarzer und grüner Tee können in der Flüssigkeitsbilanz wie jedes andere Getränk behandelt werden.”

Etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich gelten als ideal.

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/krank-wegen-nasser-haare–zwoelf-gesundheitsmythen–die-sie-vergessen-koennen-7275258.html#ktg-0_slide-7

 

Kommentar & Ergänzung:

Kaffee bewirkt also keine „Austrocknung“.

Nach gegenwärtigem Stand des Wissens ist bei koffeinabstinenten Menschen nach Koffeinzufuhr zwar eine gewisse Reduktion des Gesamtkörperwassers festzustellen, doch tritt erhöhter Flüssigkeitsverlust nur einmalig auf, weil bei fortgesetzter, dauerhafter Koffeinzufuhr Ausgleichsmechanismen greifen.

Auf Wikipedia sind diese physiologischen Vorgänge so beschrieben:

“Eine Studie, in der man zwölf Probanden, die seit fünf Tagen koffeinabstinent gelebt hatten, über mehrere Tage jeweils zweimal drei Tassen Kaffee pro Tag (insgesamt 642 mg Koffein/Tag) zuführte, ergab nach 24 Stunden eine mittlere Abnahme des Körpergewichtes von 0,7 kg und eine Reduktion des Gesamtkörperwassers um 1,1 kg (gemessen mit Bio-Impedanz-Messung). Es kann jedoch nicht allein anhand der Gesamtkörperwassermenge eine Aussage über den Flüssigkeitsversorgungsstatus einer Person getroffen werden, da das Wasser wie in diesem Fall aus dem Extrazellularraum stammen kann. Bei fortgesetztem dauerhaftem Kaffeekonsum werden Kompensationsmechanismen, wie die Erhöhung des Plasmavasopressinspiegels und der Osmolalität des Urins, aktiv. Ein erhöhter Flüssigkeitsverlust infolge von Kaffee tritt demnach nur einmalig in Erscheinung.

Das im Kaffee enthaltene Coffein wirkt diuretisch. Wird Kaffee allerdings regelmäßig und in ähnlichen Mengen konsumiert, so besteht keine erhöhte Diurese oder Natriurese aufgrund des erhöhten Niveaus verschiedener Kompensationsmechanismen (Escape-Phänomen). Kaffee wird deshalb nach aktuellem Forschungsstand als Teil der Wasserzufuhr des Körpers betrachtet und kann in der Flüssigkeitsbilanz wie jedes andere Getränk behandelt werden.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee#Entwässerung)

Diese Ausführungen lassen sich wohl weitgehend auch auf Grünteee und Schwarztee übertragen, die beide dem Organismus in der Regel weniger Koffein zuführen und das zudem auch langsamer tun.

Kaffee hat in der Phytotherapie keine Bedeutung, Schwarztee und Grüntee aber schon, allerdings vor allem wegen dem hohen Gehalt an Gerbstoffen und Antioxidantien (EGCG in Grüntee, Theaflavine im Schwarztee).

Wenn Sie fundiertes Wissen über Wirkstoffe in Heilpflanzen erwerben möchten, dann nhemen Sie am besten an einem meiner Lehrgänge Teil. Das Heilpflanzen-Seminar und vertiefter noch die Phytotherapie-Ausbildung geben einen guten Einblick in dieses faszinierende Thema.

Zuviele ungeeignete Medikamente bei Pflegeheimbewohnern

Senioren in Pflegeeinrichtungen bekommen oft für sie ungeeignete Arzneimittel oder Arzneimittel-Kombinationen. Das haben Rechtsmediziner entdeckt, die verstorbene Bewohner dieser Einrichtungen für eine Studie obduziert haben.

Betagte Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen leiden häufig gleich an mehreren Krankheiten und müssen darum verschiedene Arzneimittel einnehmen. Eine solche Medikation braucht aufmerksame Planung, denn es kann rasch zu Wechselwirkungen der verschiedenen Wirkstoffe kommen. Darüber hinaus sind einige Medikamente generell nicht für sehr alte Menschen geeignet: Sie stehen deshalb auf der sogenannten Priscus-Liste.

Nicht alle Pflegeinstitutionen prüfen aber die Medikation ihrer Bewohner sorgfältig genug. Das konnte eine Wissenschaftlergruppe am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigen. Die Mediziner obduzierten 100 Bewohner von Altenheimen, die auch dort verstorben waren. Urin, Blut und Haare der Toten wurden in einem forensisch-toxikologischen Labor auf Medikamentenrückstände untersucht.

Sie wollten herausfinden, ob und wie oft die Verstorbenen für sie ungeeignete Medikamente eingenommen hatten, ob Medikamente überdosiert oder als freiheitsentziehende Maßnahme genutzt, also Patienten damit »ruhiggestellt« wurden.

Die Wissenschaftler untersuchten aber auch, ob die Gabe von Medikamenten gar für Todesfälle verantwortlich war.

Die Studie wird erst im Jahr 2019 abgeschlossen, doch die Forscher um Sabine Gleich haben nun schon erste Resultate publiziert. Demnach nahmen die untersuchten 100 Toten durchschnittlich 5 Medikamente ein. Der höchste Wert bei einem Bewohner waren 12 unterschiedliche Präparate.

Beinahe jeder zweite Bewohner (47 Prozent) nahm Antipsychotika, jeder dritte (30 Prozent) Antidepressiva.

Ein Viertel der verstorbenen Bewohnerinnen und Bewohner  (22 Prozent) hatte Hypnotika oder Sedativa eingenommen – eine Arzneimittelgruppe, die genäss Priscus-Liste für dieses Lebensalter kontraindiziert ist.

Die Studienautoren schreiben, dass die Medikamentenkombinationen in mehreren Fällen nicht den Leitlinien der Fachgesellschaften zu entsprechen scheinen. Sie fanden Hinweise auf eine gleichzeitige Verordnung mehrerer Opioidanalgetika sowie mehrerer oder langwirksamer Hypnotika. Auch hatten zahlreiche Bewohner verschiedene zentralnervös wirksame Substanzen eingenommen, was immer mit einem hohen Risiko für Nebenwirkungen und Interaktionen verbunden ist.

Bei den Antipsychotika waren die beiden am häufigsten gefundenen Substanzen Pipamperon und Risperidon, bei den Antidepressiva Mirtazapin und Citalopram, bei den Opioidanalgetika Tilidin und Fentanyl. Hatten die Verstorbenen Hypnotika eingenommen, dann besonders häufig Lorazepam oder Oxazepam. Bei den Antikonvulsiva lagen Pregabalin und Gabapentin an der Spitze.

Die Wissenschaftler werten zurzeit noch zusätzliche Details anhand von weiteren Blut- und Haarproben aus und analysieren die Medikationspläne der obduzierten Patienten. Für das kommende Jahr planen sie eine ausführliche Fachpublikation.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/zu-viele-ungeeignete-medikamente/

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Medikation bei älteren Menschen ist oft anspruchsvoll, insbesondere wenn mehrere Erkrankungen gleichzeitig vorliegen. Je höher dann die Zahl der verordneten Medikamente, desto schwieriger wird es, die potentiellen Wechselwirkungen zu überblicken.

Die Mitteilung der Forscher aus München bestätigt den Eindruck, dass hier nicht immer alles otimal läuft und oft zuviel verordnet wird. Wir können also gespannt sein auf den vollständigen Forschungsbericht.

Zur erwähnten Priscus-Liste:

Die im Herbst 2010 eingeführte Priscus-Liste kann Ärzten und Apothekern bei einer seniorengerechten Auswahl von Medikamenten helfen. Die Priscus-Liste umfasst 83 Wirkstoffe, die als potenziell ungeeignet für geriatrische Patienten gelten.

Alternativ verweist die Priscus-Liste auch auf Phytopahrmaka.

Bei Schlafstörungen schlägt sie alternativ hoch dosierte Baldrianpräparate oder nichtmedikamentöse Therapie (Schlafhygiene) vor.

Siehe dazu:

Schlafstörungen: Senioren profitieren von pflanzlichen Schlafhilfen

Baldrian als verträgliche Schlafhilfe für Senioren bestätigt

Eine Erläuterung zum Sinn und Zweck der Priscus-Liste finden sie hier:

Priscus Erläuterung

Zur Priscus-Liste direkt geht’s hier:

Priscus-Liste

P.S.:

Phytopharmaka bzw. Heilpflanzen-Anwendungen sind im Pflegeheim in gewissen Situationen eine prüfenswerte Option – für Pflegefachleute, aber auch für Personen aus Medizin und Naturheilkunde biete ich mit der Phytotherapie-Ausbildung einen fundierten Lehrgang an, um professionelles Wissen in diesem Bereich zu erwerben.

 

Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen für Sativex-Spray gegen Spastik bestätigt

In Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dem cannabinoidhaltigen Oromukosalspray Sativex® einen geringen Zusatznutzen für die mittelschwere bis schwere Multiple Sklerose (MS)-induzierte Spastik bestätigt.

Das teilte Sativex-Hersteller Almirall mit. Basis des Beschlusses sind zwei klinische Studien. 

Der Sativex-Spray wird in der Mundhöhle angewandt. Er enthält die zwei zurzeit wichtigsten Wirkstoffe aus Cannabis – Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) – die über die Schleimhäute resorbiert werden und Muskelverspannungen (Spastik) bei MS lindern. Wie alle THC-haltigen Arzneimittel unterliegt Sativex® den Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes. 

Positive Studien zu Sativex für MS-Patienten bei Spastik

Nun liegen zwei klinische Studien zur Wirksamkeit von Sativex vor: GWSP 0604 und SAVANT.

Auf der Grundlage von Auswertungen der klinischen Studien hat der G-BA dem Sativex® -Spray nun einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen bescheinigt.

Der Ausschuss sieht den Zusatznutzen bestätigt für erwachsene Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik aufgrund von MS, die nicht angemessen auf eine andere anti-spastische Arzneimitteltherapie mit mindestens zwei verschiedenen oralen, optimiert eingesetzten Spasmolytika angesprochen haben – davon mindestens ein Arzneimittel mit Baclofen oder Tizanidin als Wirkstoff. 

Die zweite Voraussetzung für den Zusatznutzen ist laut G-BA eine klinisch erhebliche Verbesserung der Symptome während eines Anfangstherapieversuchs mit Sativex®. Als zweckmäßige Vergleichstherapie hatte der G-BA eine optimierte  Standardbehandlung mit Baclofen (oral), Tizanidin oder Dantrolen unter Berücksichtigung der zugelassenen Dosierungen festgelegt.  

 Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/02/nach-dreimaliger-fristverlaengerung-g-ba-bescheinigt-sativex-zusatznutzen

Kommentar & Ergänzung:

Es ist sehr zu begrüssen, wenn Cannabis-Präparate nach und nach zu normalen Bestandteilen des Medikamenten-Sortiments werden, denn sie haben in einigen Situationen deutliche Vorteile. Begleitend dazu braucht es aber weitere Forschung und Überwachung, damit die Wirksamkeit, die genauen Anwendungsbereiche und auch die Risiken besser verstanden werden.

Zum Sativex-Spray siehe auch:

Sativex-Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

 

Cannabis als Heilmittel: Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Wenn Sie sich für Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis und anderen Heilpflanzen interessieren und dazu fundiertes Wissen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Opiumtinktur als Fertigarzneimittel gegen Durchfall

Opiumtinktur ist ein altes Arzneimittel, das insbesondere bei schwerem Durchfall zur Anwendung kommt, dabei aber dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt.

In Deutschland wurde vor kurzem das Fertigarzneimittel Dropizol eingeführt, das den Apotheken Erleichterung bringt, weil bei der Abgabe Prüfung, Abfüllung und Kennzeichnug entfallen.

Opiumtinktur wirkt über eine Hemmung der Darmperistaltik. Die Dauer der Wirkung wird auf drei bis vier Stunden beziffert.

 

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/dropizol-opiumtinktur-als-fertigarzneimittel-antidiarrhoika/

Kommentar & Ergänzung:

In der Schweiz ist Opiumtinktur erhältlich, die nach der Vorschrift des Arzneibuchs (Pharmakopöe) hergestellt ist, und natürlich auch dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt ist. Sie besteht aus Opium, Ethanol 70% ( = Alkohol) und gereinigtem Wasser.

Woraus besteht Opiumtinktur?

Opium wird gewonnen aus getrocknetem Milchsaft des Schlafmohns (Papaver somniferum), der aus den eingeschnittenen, unreifen Kapseln der Pflanze ausläuft.

Opium und damit auch Opiumtinktur enthält ein Gemisch von Opium-Alkaloiden, insbesondere Morphin, Codein, Thebain, Papaverin, Noscapin.

Zwar wird Opiumtinktur  heute nur noch selten eingesetzt.  Isoliert haben Opium-Alkaloide zum Teil aber immer noch grosse Bedeutung:

– Morphin als Schmerzmittel.

– Codein und Noscapin als Hustenstiller (Antitussiva) zur Linderung von trockenem Reizhusten.

– Papaverin zur Behandlung von Krämpfen der glatten Muskulatur (in der Schweiz kein Fertigarzneimittel mehr im Handel).

Diese Beispiel zeigen, dass die Natur durchaus potente Wirkstoffe zur Verfügung stellt, auch wenn Opiumtinktur und Opium-Alkaloide heute nicht mehr zur Phytotherapie gezählt werden.

Wenn Sie sich solide Kenntnisse der pflanzlicher Wirkstoffe und der Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben möchten, dann empfehle ich Ihnen meine Lehrgänge, das Heilpflanzen-Seminar und die Phytotherapie-Ausbildung.

Flavonoide zur Vorbeugung gegen Diabetes?

Bestimmte Nahrungsmittel können das Diabetesrisiko reduzieren. Dazu zählen Tee, Schokolade und Beerenobst – alles Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Flavonoiden. Die gesunden Pflanzenstoffe sollen demnach den Blutzuckerspiegel und das Maß der Insulinresistenz senken.

Lebensmittel mit einer hohen Konzentration an Flavonoiden können das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, deutlich reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommen englische Wissenschaftler um die Ernährungswissenschaftlerin Aedin Cassidy. Die Studie konzentrierte sich auf die positive Wirkung bestimmter Flavonoide. Dazu zählen die blau-rot gefärbten Anthocyane in Beeren und Wein, aber auch Flavone, wie sie beispielsweise in Sellerie, Petersilie und Thymian vorkommen.

Die Studie sei eine der ersten großen zum Thema, wie diese bioaktiven Substanzen das Diabetesrisiko senken können, sagt Cassidy. Die Forscher untersuchten Blutproben von knapp 2.000 britischen Frauen auf Entzündungsmarker und prüften, wie gut die Regulierung des Blutzuckerspiegels bei den Testpersonen funktionierte. Die Insulinresistenz berechneten die Wissenschaftler aus Nüchternblutzucker und Nüchterninsulin. Ihre Ernährungsgewohnheiten dokumentierten die Frauen in einem umfangreichen Fragebogen.

Wie sich in der Studie zeigte, entwickelten Probandinnen, die mit der täglichen Ernährung viele Flavonoide aufnahmen, seltener eine Insulinresistenzwie sie für Diabetes charakteristisch ist.

Speziell Anthocyane zeigten darüber hinaus noch einen weiteren Vorteil: Sie verringerten das Risiko für chronische Entzündungsprozesse, die an der Entstehung von Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten beteiligt sind.

Professor Tim Spector, der ebenfalls an der Studie beteiligt war, äusserte sich angesichts der “aufregenden Ergebnisse” zuversichtlich: “Sie zeigen, dass auch Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, die wir für ungesund halten – zum Beispiel Wein oder Schokolade – einen gesundheitlichen Nutzen haben könnten.“

Allerdings müssten die Resultate noch gründlich überprüft werden, bevor die Wissenschaftler eine generelle Empfehlung aussprechen wollen.

Ein Freibrief für Diabetiker, häufiger zur Zuckerbombe Schokolade zu greifen, ist die Studie daher nicht – zumal die gesunden Pflanzenstoffe hauptsächlich in Bitterschokolade mit hohem Kakao-Gehalt in grösseren Mengen vorkommen. Zudem wissen die Forsscher noch nicht, ab welcher Menge die Flavonoide ihren Diabetesschutz entfalten.

Flavonoide schützen das Erbgut vor Schäden

Flavonoide zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und umfassen neben den Anthocyanen und Flavonen Viele weitere Untergruppen wie Isoflavone und Chalkone. Im Laborversuch zeigen Flavonoide antioxidative Effekte, das bedeutet: sie haben die Fähigkeit, Schäden vom Erbgut und anderen Molekülen abzuwehren und möglicherweise die Entstehung von Krebs zu verhindern. Tiere können keine Flavonoide produzieren. Im Pflanzenreich findet man sie dagegen vom Apfel bis zur Zwiebel fast überall.

 

Quelle:

https://www.morgenpost.de/web-wissen/gesundheit/article215583715/Flavonoide-im-Essen-So-gut-schmeckt-Diabetesschutz.html

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide sind sowohl in der Ernährung interessante Inhaltsstoffe als auch in der Phytotherapie wichtige Wirkstoffe.

Allerdings kann man es nicht genug sagen: diese Art von Studie kann nie einen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang belegen, sondern nur Hinweise auf mögliche Zusammenhänge liefern.

Hier wird das Ernährungsverhalten von Bevölkerungsgruppen erfasst und mit Krankheiten und Störungen in Beziehung gesetzt. So sollen Zusammenhänge gefunden werden wie in dieser Studie: Wer viele Lebensmittel mit hohem Gehalt an Flavonoiden isst, bekommt weniger Diabetes. Der Knackpunkt: Es könnte sein, dass Menschen, die viele Lebensmittel mit hohem Flavonoidgehalt essen – Zum Beispiel Früchte, Beeren – auch sonst einen gesünderen Lebensstil pflegen als der Durchschnitt. So könnte es sein, dass der günstige Effekt auf Diabetes durch einen anderen Faktor ausgelöst wird, der noch nicht bekannt ist.

Solche epidemiologischen Studien, so nennt man die, werden oft durchgeführt in der Ernährungswissenschaft und oft wird ihre begrenzte Aussagekraft nicht erwähnt, wie auch in diesem Artikel in der Berliner Morgenpost.

Siehe dazu:

Ernährungswissenschaft: Fragwürdige Studien stiften mehr Verwirrung als Nutzen

So ist also nicht einwandfrei geklärt, ob Flavonoide das Diabetesrisiko senken. Dass sie antioxidativ wirken ist geklärt, allerdings im Labor. Damit ist auch hier nicht geklärt, ob ein positiver Effekt auch ausserhalb des Reagenzglases auftritt, im lebendigen Menschen.

Es spricht aber sehr viel dafür, dass Flavonoide als Bestandteil einer vielfältigen Ernährung  sinnvoll sind. Äpfel sind reich an Flavonoiden, blaue Beeren mit hohemn Gehalt an Anthocyanen wie Heidelbeeren, Holunderbeeren, Schwarze Johannisbeeren, Brombeeren, Kirschen..

In der Phytotherapie gibt es eine ganze Reihe von Heilpflanzen, deren Wirkung insbesondere auf Flavonoide zurückgeführt wird. Zum Beispiel Weissdorn, Ginkgo, Mariendistel, Buchweizenkraut.

Flavonoid-Pflanzen sind im allgemeinen sehr gut verträglich. Das hat auch damit zu tun, dass Flavonoide rasch wieder ausgeschieden werden. Darum müssen die Dosierungen hoch genug sein.

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Blick ins Pflanzenlexikon: Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Das Drüsige Springkraut (Foto auf Wikipedia) ist ein Neophyt, der ursprünglich aus dem Himalaya stammt und ursprünglich als Zierpflanze verwendet wurde. Seit etwa 50 Jahren ist die schöne Pflanze in weiten Teilen der Welt vollkommen eingebürgert, vor allem in Weiden-Auenwäldern, im Auengebüsch und an Ufern. Sie liebt nasse, nährstoffreiche Böden.

Auf Wikipedia ist die Ausbreitungsgeschicht von Impatiens glandulifera beschrieben:

„Die ursprünglich aus dem Himalaya stammende Art wurde 1839 aus Kaschmir erstmals nach England importiert und gelangte von dort als Zierpflanze auf den europäischen Kontinent………….Elf Jahre nach der Einführung als Gartenzierpflanze waren bereits erste wild vorkommende Pflanzen zu beobachten, in den achtziger und neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts konnten bereits Verwilderungen in Frankreich, an der deutschen sowie der niederländischen Nordseeküste festgestellt werden, bald auch am Oberrhein abwärts von Basel. Heute ist sie nahezu auf dem gesamten europäischen Kontinent verbreitet.“

Das Drüsige Springkraut wird nach seinere asiatischen Herkunft auch Indisches Springkraut genannt. Es verdrängt die einheimische Vegetation an manchen Stellen, insbesondere in Feuchtgebieten und an Flussläufen, und wird daher aus Naturschutzgründen manchmal bekämpft.

 Allerdings ist sie spät im Jahr noch eine gute Nahrungsquelle für Bienen (Bienenweide), was für die Natur positiv vermerkt werden kann. Das Drüsige Springkraut liefert etwa vierzigmal so viel Nektar wie eine vergleichbare einheimische Pflanze und bietet drüber hinaus hochwertigen Pollen an.

Der lateinische Name Impatiens bedeutet übrigens „Ungeduld“. Er kommt wahrscheinlich vom Schleudermechanismus der reifen Früchte, der schon bei geringer Berührung ausgelöst wird.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde hat das Drüsige Springkraut keine Bedeutung. Das hängt wohl damit zusammen, dass es sich erst verhältnismässig spät bei uns ausgebreitet hat.

Im System von Edward Bach (1886-1936) hat das Drüsige Springkraut als Bachblüte Nr. 18 Impatiens eine Bedeutung und wird unter anderem bei Schlafstörungen, Unruhe und Nervosität empfohlen. Dieser Einsatz basiert ausschliesslich auf der Idee von Edward Bach und hat keinen Anschluss an Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde oder an die wissenschftliche Phytotherapie. Aufgrund der Herstellungsweise der Bachblüten-Präparate sind darin auch keine Wirkstoffe vorhanden. Es gibt keine überzeugenden Hinweise darauf, dass die Wirkung von Impatiens und anderen Bachblüten-Präparaten über Placebo hinaus geht. Studien gibt es dazu aber meines Wissens nur zu Prüfungsangst und zu ADHS. Siehe dazu:

Studie untersucht Bachblüten-Wirkung bei Prüfungsangst und ADHS

Wenn Sie die Pflanzenwelt „out-door“ kennenlernen möchten, dann biete ich dazu von Mai bis Juli ein vielfältiges Programm mit Kräuterwanderungen an.

Und falls Sie interessiert sind an fundiertem Wissen über Pflanzenheilkunde / Phytotherapie, dann empfehle ich Ihnen meine Lehrgänge Heilpflanzen-Seminar und Phytotherapie-Ausbildung.