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Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen für Sativex-Spray gegen Spastik bestätigt

In Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dem cannabinoidhaltigen Oromukosalspray Sativex® einen geringen Zusatznutzen für die mittelschwere bis schwere Multiple Sklerose (MS)-induzierte Spastik bestätigt.

Das teilte Sativex-Hersteller Almirall mit. Basis des Beschlusses sind zwei klinische Studien. 

Der Sativex-Spray wird in der Mundhöhle angewandt. Er enthält die zwei zurzeit wichtigsten Wirkstoffe aus Cannabis – Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) – die über die Schleimhäute resorbiert werden und Muskelverspannungen (Spastik) bei MS lindern. Wie alle THC-haltigen Arzneimittel unterliegt Sativex® den Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes. 

Positive Studien zu Sativex für MS-Patienten bei Spastik

Nun liegen zwei klinische Studien zur Wirksamkeit von Sativex vor: GWSP 0604 und SAVANT.

Auf der Grundlage von Auswertungen der klinischen Studien hat der G-BA dem Sativex® -Spray nun einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen bescheinigt.

Der Ausschuss sieht den Zusatznutzen bestätigt für erwachsene Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik aufgrund von MS, die nicht angemessen auf eine andere anti-spastische Arzneimitteltherapie mit mindestens zwei verschiedenen oralen, optimiert eingesetzten Spasmolytika angesprochen haben – davon mindestens ein Arzneimittel mit Baclofen oder Tizanidin als Wirkstoff. 

Die zweite Voraussetzung für den Zusatznutzen ist laut G-BA eine klinisch erhebliche Verbesserung der Symptome während eines Anfangstherapieversuchs mit Sativex®. Als zweckmäßige Vergleichstherapie hatte der G-BA eine optimierte  Standardbehandlung mit Baclofen (oral), Tizanidin oder Dantrolen unter Berücksichtigung der zugelassenen Dosierungen festgelegt.  

 Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/02/nach-dreimaliger-fristverlaengerung-g-ba-bescheinigt-sativex-zusatznutzen

Kommentar & Ergänzung:

Es ist sehr zu begrüssen, wenn Cannabis-Präparate nach und nach zu normalen Bestandteilen des Medikamenten-Sortiments werden, denn sie haben in einigen Situationen deutliche Vorteile. Begleitend dazu braucht es aber weitere Forschung und Überwachung, damit die Wirksamkeit, die genauen Anwendungsbereiche und auch die Risiken besser verstanden werden.

Zum Sativex-Spray siehe auch:

Sativex-Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

 

Cannabis als Heilmittel: Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Wenn Sie sich für Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis und anderen Heilpflanzen interessieren und dazu fundiertes Wissen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Rosenwurz-Wirkstoff verbessert Gedächtnisleistung im Alter

Forscher haben einen potenziellen neuen Ansatz für die Behandlung von altersbedingtem Verlust der Merkfähigkeit entdeckt

In einer immer älter werdenden Gesellschaft nehmen Gedächtnisstörungen in der Bevölkerung zu. Bisher ist es nicht gelungen Medikamente zu entwickeln, die dem altersbedingten kognitiven Abbau vorbeugen oder dem dauerhaften Gedächtnisverlust wirksam entgegenzusteuern können. Eine von Forschern der Leibniz-Institute für Neurobiologie (LIN) und für Pflanzenbiochemie (IPB) geleitete Studie, die in der Fachzeitschrift Science Advances publiziert wurde, belegt nun erstmalig in Tierexperimenten eine Gedächtnis-fördernde Wirkung eines pflanzlichen Esters als aktiver Wirkstoff aus der Medizinalpflanze Rhodiola rosea (Rosenwurz).

Um altersbedingtem Gedächtnisverlust vorzubeugen gibt es bisher keine wirksamen Strategien – abgesehen von körperlicher Bewegung. In der traditionellen Naturheilkunde sind Pflanzenpräparate zur Förderung der Gedächtnisleistung zwar weit verbreitet. Wegen schwankender Wirkstoffkonzentrationen können diese jedoch inaktiv sein oder zu Fehldosierungen führen – und zwar vor allem dann, wenn der Wirkstoff unbekannt ist. Dadurch sind weder die Wirkungen noch die Nebenwirkungen für Patienten und Mediziner berechenbar.

So ist zwar auch die förderliche Wirkung von Rhodiola rosea, der Rosenwurzpflanze, für die geistige Leistungsfähigkeit des Menschen schon seit längerem bekannt. Doch die Erstautorin der Studie, Dr. Birgit Michels vom LIN, erklärt dazu „Um dieses Wissen für die Medizin nutzbar zu machen, wollten wir herausfinden, welche konkreten Wirkstoffe aus Rhodiola das Gedächtnis verbessern.“

Ohne identifizierten Wirkstoff ist nämlich keine gezielte Dosierung, keine Pflanzenzucht, keine Qualitätskontrolle und somit auch keine Medikamentenentwicklung möglich. 

Für die Studie wurden aufwändige Biotests am LIN in Magdeburg, zunächst an Fliegenlarven, kombiniert mit der phytochemischen Analyse durch Wissenschaftler am IPB in Halle. Dadurch gelang es schlussendlich, die Substanz Ferulasäure-Eicosyl-Ester (FAE-20) aus Rosenwurz zu isolieren und chemisch eindeutig zu bestimmen. Diese Substanz kann die Gedächtnisleistung fördern. Chemisch handelt es sich dabei um ein strukturell einfaches Molekül. Trotzdem war die Identifizierung von FAE-20 als wirksame Komponente im Pflanzenextrakt sehr langwierig. Es sei komplizierter, eine kognitive Leistung wie Lernfähigkeit mit den Hunderten von Naturstoffen aus der Pflanze in Beziehung zu setzen, als es zum Beispiel bei der Suche nach neuen Antibiotika der Fall ist, sagt Prof. Dr. Ludger Wessjohann vom IPB. Mit der reinen Substanz, die in seinem Labor gewonnen wurde, konnte der Effekt von FAE-20 dann jedoch eindeutig belegt werden.

Als Nächstes interessierte die Wissenschaftler, ob sich auch bei alternden Fliegen das Gedächtnis verbessern lässt. Das Team konnte zeigen, dass nach Zugabe von FAE-20 in das Fliegenfutter die Gedächtnisleistung von gealterten Fruchtfliegen um ein Drittel besser war als bei ihren nicht behandelten Artgenossen. Die durchgeführten Lernexperimente basieren auf der sogenannten klassischen Konditionierung. Das bedeutet, dass die Tiere lernen, einen Duft mit einer Belohnung zu verknüpfen – beispielsweise durch Zucker. In Tests kann man dann prüfen, ob sie sich diese Verknüpfung gemerkt haben und den Duft nun attraktiver finden als zuvor.

Grundlagenforschung mit Rosenwurz

Außerdem konnten die Forscher belegen, dass FAE-20 die altersbedingte übermäßige Ansammlung von Proteinen an den Verbindungen der Nervenzellen im Gehirn der Fliege verhindert. „Alt“ bedeutet bei Fliegen allerdings nur ungefähr 14 Tage. Deshalb war es für die Wissenschaftler besonders ermutigend, zusammen mit den Kollegen der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen die positiven Effekte auf die Gedächtnisleistungen auch bei über 2 Jahre alten Mäusen bestätigen zu können.

Ausgehend von der positiven Wirkung der Rhodiola-Pflanze beim Menschen konnten die Wissenschaftler mit FAE-20 also einen konkreten natürlichen Wirkstoff identifizieren, der die Gedächtnisleistung im Alter verbessert – zumindest im Tiermodell.

Sie hoffen nun, dass ihre Entdeckung für die medizinische Demenzforschung nutzbar gemacht werden kann. Sie halten es für wahrscheinlich, dass ihre Resultate mit FAE-20 bei Tieren auch auf Menschen übertragen werden können. Bereits liegt auch eine Patentanmeldung zur neu gefundenen Anwendung von FAE-20 vor.

Quelle:

Pressemitteilung Leibniz-Institut für Neurobiologie

https://idw-online.de/de/news704706

Originalpublikation:

DOI: 10.1126/sciadv.aat6994

Kommentar & Ergänzung:

Solche Grundlagenforschung ist wichtig für die Weiterentwicklung der Phytotherapie. Natürlich wird aber die Bedeutung einer Entdeckung in solchen Pressemitteilungen gerne ins günstigste Licht gestellt. Oft geht es dabei darum, Investoren für weitergehende Forschungen zu finden. Und wenn man eine möglich Beeinflussung von Demenz in den Raum stellt,  dann erweckt das selbstverständlich Hoffnung und Aufmerksamkeit.

Von solcher Laborforschung ist es aber noch ein sehr weiter Weg bis zur Entwicklung eines wirksamen Medikaments, und das Vorhaben kann an vielen Stellen noch scheitern.

Bisher wird Rosenwurz in der Phytotherapie als Adagtogen eingesetzt. Er soll en Organismus bei der Bewältigung belastender Einflüsse unterstützen (z. B. Stress, Lärm, Schichtarbeit,in der Rekonvaleszenz).

Siehe auch:

Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?

Rosenwurz (Rhodiola rosea / Orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

 

Rosenwurz (Rhodiola rosea) gehört zur Pflanzenfamilie der Dickblattgewächse (Crassulaceae).

Die Sukkulente wächst in Felsspalten in Hochebenen und an Meeresklippen in Europa (bspw. in Schweden und Finnland), Sibirien, Nordamerika, Grossbritannien und im Himalaya.

Die im Handel erhältlichen Wurzeln des Rosenwurz stammen zum grössten Teil aus dem Altai-Hochgebirge.

Rosenwurz ist unter dem Präparatenamen Vitango als Arzneimittel zugelassen.

Eine Filmtablette Vitango® enthält 200 mg Trockenextrakt aus Rhodiola-rosea-Wurzel und Rhodiola-rosea-Wurzelstock [DEV 1,5–5:1, Auszugsmittel: Ethanol 60 %).

Wer sich fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen – dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Heilpflanzen-Seminar: Nächster Lehrgang startet ab 14. Juni 2019

Das Heilpflanzen-Seminar über 6 Wochenenden mit Start im Dezember 2018 ist bereits ausgebucht. Deshalb habe ich einen zusätzlichen Lehrgang ausgeschrieben mit Start am 14. Juni 2019.

Dieser Lehrgang beginnt mit dem Wochenende vom 14. – 16. Juni in Feldis (Graubünden). Wir werden dort auf Kräuterwanderungen Heilpflanzen, Wildkräuter und Alpenblumen in der Natur kennenlernen. Anschliessend mach der Lehrgang eine Sommerpause und fährt fort mit fünf Wochenenden (Sa/So) in Winterthur verteilt auf die Monate September / Oktober / November / Dezember.

Sie können in diesem Lehrgang in kompakter, verständlichen Form fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben.

Hier finden Sie die Detailausschreibung und die Anmeldemöglichkeit:

Heilpflanzen-Seminar Winterthur

 

[Buchtipp] „Pflanzliche Arzneimittel – was wirklich hilft“ von Robert Fürst

Verlagsbeschreibung:

Efeuextrakt, Ingwerwurzelpulver oder Melissenblätter – sicher haben Sie auch schon einmal ein pflanzliches Arzneimittel verwendet. Viele Menschen schätzen die meist milde Wirksamkeit und gute Verträglichkeit. Doch es gibt große Unterschiede zwischen den Mitteln, selbst wenn sie aus derselben Arzneipflanze hergestellt wurden. In diesem Buch erklärt Robert Fürst, welche Pflanzen bei welchen Erkrankungen eingesetzt werden können und nachweislich wirksam sind. Er nennt die Kriterien, die wichtig sind, um pflanzliche Arzneimittel beurteilen zu können, und bietet einen Überblick über zahlreiche Präparate gegen die häufigsten Gesundheitsbeschwerden. Dazu gehören beispielsweise: Erkältungskrankheiten, Magen-Darm-Beschwerden oder nervös bedingte Einschlafstörungen. Robert Fürst ist Professor für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort erforscht er die Wirkungen von Naturstoffen und bringt angehenden Apothekern bei, worauf es bei der Pflanzenheilkunde ankommt. Für seine Arbeiten zu pflanzlichen Extrakten wurde Fürst von der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung ausgezeichnet. Zum Shop

Zum Autor Robert Fürst

Robert Fürst ist seit 2012 Professor für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und erforscht dort mit seinem Team die zellulären und molekularen Wirkungen von entzündungshemmenden Naturstoffen. Seine Arbeiten zu pflanzlichen Extrakten sind mit dem renommierten bionorica-Phytoneering-Pris der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung ausgezeichnet worden.

In den Bereichen der universitären Lehre und der berufliche Fortbildung von Apothekerinnen und Apothekern engagiert sich Prof. Fürst stark für die evidenzbasierte Phytotherapie. Er ist Mitglied im Beirat der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung, Vorsitzender der Landesgruppe Hessen der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft und darüber hinaus einer der Herausgeber der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Planta Medica.

Kommentar von Martin Koradi

Professor Robert Fürst – das ist aus der obigen Beschreibung ersichtlich – ist sehr engagiert in der Arzneipflanzenforschung. Dementsprechend handelt diese Publikation auch hauptsächlich von Phytopharmaka (= pflanzliche Arzneimittel), zu denen wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Es geht also nicht um traditionelle Pflanzenheilkunde, sondern um denjenigen Teil der Phytotherapie, der wissenschaftliche Belege für Wirksamkeit vorlegen kann. Hier bietet dieses kleine, gut lesbare Büchlein eine sehr gute Übersicht. Heilpflanzen-Bücher, die ohne kritische Überprüfung Überlieferungen und Heilungsgeschichten wiedergeben, gibt es schon mehr als genug.

Robert Fürst geht auch auf einen Punkt ein, der im Umgang mit Heilpflanzen oft vernachlässigt wird: Entscheidend ist nicht nur, welche Heilpflanze für eine bestimmte Krankheit wirksam ist, sondern auch, in welcher Arzneiform die Anwendung geschieht. Man kann also eigentlich nicht einfach nur sagen: “Johanniskraut hilft gegen Depressionen”. Genauso wichtig ist die Frage, ob Johanniskrauttee, Johanniskrauttinktur oder Johanniskrautextrakt am besten wirkt. Und bei Johanniskrauttee, Johanniskrauttinktur und Johanniskraut gibt es jeweils unterschiedliche Arten der Herstellung, die sich in der Wirksamkeit nochmals unterscheiden.

“Pflanzliche Arzneimittel – was wirklich hilft” geht darum in einem speziellen Kapitel darauf ein, wie ein pflanzliches Arzneimittel hergestellt wird und wie seine Qualität geprüft wird.

Wenn Sie Wissen sowohl über traditionelle Pflanzenheilkunde als auch über wissenschaftliche Phytotherapie in verständlicher und fundierter Formerwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen – dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterkursen und Kräuterwanderungen.

„Freundin“ behauptet: „Johanniskrauttee macht glücklich“

Gemeint ist hier die Zeitschrift „Freundin“. Und die muss ihren Leserinnen wohl immer ein paar Sensationen anbieten, damit sie gekauft wird. Diät und Abnehmen sind nun mal Themen, die sehr gut ankommen.

Was genau sagt die „Freundin“?

„Johanniskrauttee kann während der Diät fast die Schokolade ersetzen. Das Kraut, dem antidepressive Wirkungen nachgesagt werden, regt die körpereigenen Glückshormone an und hilft durch das Motivationstief. Ein idealer Tee zum Abnehmen!“

Quelle:

https://www.freundin.de/lifestyle-gesundheit-tee-zum-abnehmen-diese-sorten-sollen-helfen-266071.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Gewagte Aussage. Ja, für Johanniskrautextrakte konnte eine stimmungsaufhellende Wirkung bei leichten und mittleren Depressionen gezeigt werden. Mit Johanniskrauttee wurde das nicht untersucht, doch ist eine solche Wirkung denkbar bei etwa drei Tassen täglich, wobei die Wirkung erst nach frühestens 14 Tagen zu erwarten ist.

Es ist immer fragwürdig, wenn solche Dosierungsfragen ausser Acht gelassen werden, wie im Zitat der „Freundin“. Das erweckt den Eindruck, dass man während der Diät gelegentlich ein Tässchen Johanniskrauttee trinken kann, um die Stimmung zu heben. Heilpflanzen-Anwendungen brauchen aber in der Regel ein gewissen Mass an Disziplin bezüglich Dosierung, Anwendungsdauer, Anwendungsform.

Und ja, Johanniskraut zeigt Einflüsse auf Neurotransmitter wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin, indem es an der Synapse die Wiederaufnahme dieser „Glückshormone“ hemmt. Es ist aber keineswegs geklärt, ob gesunde, also nicht-depressive Menschen mit „normalen“ Transmitter-Spiegeln von Johanniskraut profitieren.

Die Vorstellung, sich mit ein bisschen Johanniskrauttee aus dem „Motivationstief“ zu holen, ist sehr fragwürdig und wird auch dem Johanniskraut als Heilpflanze nicht gerecht.

Aber darum geht’s der „Freundin“ ja auch nicht.

 

Wenn Sie fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Johanniskraut und anderen Heilpflanzen erwerben möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen – dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Deutschland plant Verbot für gesüsste Baby-Tees

Damit kleine Kinder nicht an Zucker gewöhnt werden, will die deutsche Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) bis Ende 2019 süßende Zutaten in Baby-Tees gesetzlich verbieten. 

Warnung von gesüssten Babytees

Babys dürften nicht auf Zucker und Süße konditioniert werden, warnte Klöckner. Wer bereits als Baby an den Zuckergeschmack gewöhnt sei, werde auch später im Leben nicht darauf verzichten wollen. Die Ministerin beabsichtigt nun, bis Ende 2019 die Diätverordnung so ändern, dass Zucker und andere süßende Zutaten in Säuglingstees und Kindertees sowie in Kindermilch verboten sind. 

Unter süßenden Zutaten sind nach Auskunft von Klöckners Ministerium etwa Dextrose oder Süßstoff aus der Stevia-Pflanze zu verstehen.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ernaehrungsministerin-plant-gesetzliches-verbot/

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist überfällig. Ich weiss nicht genau, wie die gesetzliche Lage momantan in der Schweiz ist. Ich kann mich aber sehr gut an meine Lehrzeit als Drogist gegen Ende der 70er-Jahre erinnern. Wir haben tonnenweise Milupa Kindertee verkauft und der hohe Zuckergehalt war damals schon ein Thema, insbesondere weil dadurch Karies bei Säuglingen und Kleinkindern stark gefördert wurde.

Bekannt geworden ist dieses Phänomen unter der Bezeichnung Nursing-Bottle-Syndrom. Damit bezeichnet man Karies an den Milchzähnen von Babys und Kleinkindern, vor allem an den oberen Schneidezähnen und Backenzähnen, ausgelöst durch mittels Trinkflaschen verabreichten Getränken wie zum Beispiel Milch, mit Zucker oder Honig gesüßten Tees und Fruchtsäften.

Anfang der 1980er Jahre stellte sich heraus, dass der Milupa-Kindertee in Verbindung mit Produktbeigaben dieses Nursing-Bottle-Syndrom extrem förderte. Dutzende Betroffene zogen damals vor Gericht, Milupa versuchte auf zahnärztliche Gutachter einzuwirken, schlussendlich wurde jedoch 1991 vom Bundesgerichtshof letztinstanzlich entschieden, dass aufgrund der aggressiven Vermarktung und nicht ausreichender Warnhinweise ein Schmerzensgeld an die Betroffenen zu leisten ist. (Quelle: Wikipedia)

Aber die Gewöhnung an einen hohen Süsslevel in der Nahrung, die Klöckner beanstandet, ist genauso problematisch.

Dabei ist es nur konsequent, wenn auch andere Süssmittel wie Stevia in Kindertees verboten werden. Stevia verursacht zwar keine Karies und führt auch keine Kalorien zu, aber die Gewöhnung an süsse Getränke oder Nahrungsmittel kann damit genauso stattfinden wie bei Zucker.

Falls in der Schweiz noch kein derartiges Verbot wirksam ist, bin ich dafür, ein solches einzuführen. Betroffen sind natürlich vor allem diese gesüssten Instant-Kindertees. Ein Babytee oder Kindertee lässt sich selbstverständlich auch direkt mit getrockneten Kräutern mischen, zum Beispiel mit Fencheltee, Kamillenblütentee und Lindenblütentee. Allerdings würde ich empfehlen, Fencheltee nicht zur täglichen Flüssigkeitszufuhr zu geben,  sondern nur, wenn das Kleinkind Verdauungsstörungen wie Blähungen oder Bauchkrämpfe hat.

Wer sich für Heilkräuter und ihre Wirkungen interessiert, kann dazu mehr erfahren in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

 

 

 

Leinsamen schroten – oder ungeschotet einnehmen?

T-online befasst sich in einem Artikel mit Leinsamen als Heilpflanze und kommt dabei auch auf die Frage zu sprechen, ob die Körner ungeschreotet oder geschrotet einzunehmen sind. Hier das Zitat:

„Umstritten ist, ob Leinsamen geschrotet oder ungeschrotet verzehrt werden sollten. Bei ungeschroteten Samen können die enthaltenen Inhaltsstoffe nur schwer vom Körper aufgenommen werden. Laut der staatlichen Lebensmittelbehörde Schwedens gelangen beim Verzehr der geschroteten Variante allerdings auch Giftstoffe in den Körper. Sprechen Sie daher am besten vor der Einnahme des Naturprodukts mit Ihrem Arzt.“

Quelle:

https://www.t-online.de/gesundheit/heilmittel-medikamente/id_68620188/mit-leinsamen-abnehmen-geht-das-.html

Kommentar & Ergänzung:

Gegen Verstopfung würde ich die Leinsamen ganz mit viel Wasser einnehmen, also ungeschrotet. Die für die mild abführende Wirkung verantwortlichen Schleimstoffe treten auch aus den ganzen Leinsamen in den Darm aus, quellen dort und verlassen mit dem Stuhl unverdaut den Organismus. Aufgenommen in den Körper wird so gar nichts.

Bei geschroteten Leinsamen gehen die Schleimstoffe ebenfalls in den Darm und wirken dort abführend. Darüber hinaus wird aber ein grosser Teil der Leinsamen verdaut und aufgenommen:

  • Das wertvolle Leinöl,
  • Lignane, die zu den Phytoöstrogenen gehören,
  • Blausäure-Glykoside, die im Zitat oben als Giftstoffe erwähnt werden, aber in den gebräuchlichen Leinsamen-Mengen für unseren Organismus ungiftig sind.

Geschroteter Leinsamen ist weniger lange haltbar, weil Sauerstoff mit dem empfindlichen Leinöl in Kontakt kommt. Das Leinöl kann dadurch ranzig werden. Ganze Leinsamen sind dagegen eine ideale Verpackung für die empfindlichen Inhaltsstoffe.

Nimmt man geschroteten Leinsamen ein, ist das mit einer Kalorienaufnahme verbunden. Ganze Leinsamen führen keine Kalorien zu, weil alles was in den Körper rein geht, auch wieder raus geht.

Nett ist ja die Empfehlung, wegen der „Giftstoffe“ vor der Leinsamen-Einnahme mit dem Arzt zu sprechen. Muss ein sehr seltenes Exemplar von Arzt sein, der darüber wirklich Bescheid weiss…..

Wenn Sie selber fundiertes Wissen über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Was ist Chai?

Chai Tee ist ein Gewürztee aus Indien, der sich in Europa seit einiger Zeit zum Trendgetränk entwickelt hat. Die Chai-Teemischung besteht aus Schwarztee sowie Gewürzen wie Zimt, Ingwer, Pfeffer, Nelken und Kardamom. Doch auch Anis, Fenchel, Schokolade oder Muskat können einem Chai-Tee spezielle Geschmacksnoten verleihen. Den Chai-Tee trinkt man mit (aufgeschäumter) Milch. Der Begriff „Chai“ in zahlreiche Sprachen nur die Übersetzung des Wortes „Tee“. 

Quelle:

https://www.teeverband.de/alles-ueber-tee/tee-abc/

Kommentar & Ergänzung:

Wahrscheinlich kommt die Idee der charakteristischen Chai-Gewürzmischung mit Zimt, Ingwer, Pfeffer, Nelken und Kardamom aus der ayurvedischen Gesundheitslehre.

Spätestens jedoch seit im 19. Jahrhundert im indischen Assam eine heimische Teepflanze entdeckt wurde, kam auch der Schwarztee zu den Hauptzutaten dazu. Nun konnte Tee auch in den britischen Kronkolonien kultiviert werden und wurde auch für Inder einigermaßen erschwinglich. Dies war die Geburtstunde des indischen Chai.

(Quelle: https://www.teepod.de/chai-tee/#Der_Ursprung_des_Chai_Tee)

 

Die Gewürze im Chai-Tee enthalten ätherische Öle und wirken verdauungsfördernd und blähungswidrig. Interessant an der Chai-Mischung ist nun die Kombination mit Milch und Schwarztee. Werden die Gewürzkräuter mit Milch angesetzt bzw. aufgekocht, wird der Fettanteil in der Milch die Löslichkeit der ätherischen Öle verbessern, so dass sie leichter ins Teewasser übergehen.

Kommt Schwarztee mit Milch zusammen, kann es zu Verbindungen zwischen dem Milcheiweiss und den Polyphenolen aus dem Schwarztee kommt. Dies könnte die Aufnahme der Polyphenole in den Organismus hemmen, doch sind die Studienergebnisse zu dieser Frage widersprüchlich. Siehe dazu:

Pflanzenheilkunde: Schwarztee bei 7 minütigem ziehen lassen am gesündesten

Wer mehr über die Wirkungen von Schwarztee, Gewürzen und weiteren Heilpflanzen lernen mächte, kann das vertieft in meinen Lehrgängen, in der Phytotherapie-Ausbildung und im Heilpflanzen-Seminar.

Zitat von Friedrich Nietzsche zur Neutralität der Natur

Dazu ein Zitat von Friedrich Nietzsche:

«Die Neutralität der grossen Natur (in Berg, Meer, Wald und Wüste) gefällt, aber nur eine kurze Zeit: Nachher werden wir ungeduldig. „Wollen denn diese Dinge gar nichts zu uns sagen? Sind wir für sie nicht da?“ Es entsteht das Gefühl eines crimen laesae majestatis humanae.»

Friedrich Nietzsche, Philosoph, 1844 – 1900,

aus: Menschliches, Allzumenschliches, zweiter Nachtrag: Der Wanderer und sein Schatten (1880)

 

Kommentar & Ergänzung:

Es entsteht also nach Nietzsche ein Gefühl der Beleidigung seiner Majestät, des Menschen, wenn klar wird, dass die Natur uns nichts zu sagen hat, sich nicht an uns richtet. So könnte man den Schluss dieses Zitates frei übersetzen. Nietzsche trifft hier wohl tatsächlich eine empfindliche Stelle des modernen Menschen. Im Mittelalter galt die Erde als Mittelpunkt des Kosmos und der Mensch als Krone der Schöpfung. Die ganze Welt war sinndurchtränkt. und – auch in der Renaissance – erfüllt mit Zeichen und Botschaften für den Menschen. In der Neuzeit verlor die Erde ihre zentrale Stellung im Kosmos und der Mensch seine herausgehobene Position in der kosmischen Veranstaltung. Dieser Vorgang wird immer wieder als eine Art Kränkung beschrieben. Man könnte Nietzsches Philosophie als Aufforderung deuten, diesem Verlust ins Auge zu sehen und die Welt auch dann zu lieben, wenn sie keinen vorgegebenen Sinn und keine Botschaft für uns bereit hält, sich nicht um uns kümmert.

Auf die Pflanzenheilkunde bezogen könnte man sagen: Das Festhalten an der Vorstellung, dass Pflanzen eine Signatur für uns bereithalten, ist eine Weigerung, die Entthronung des Menschen zu akzeptieren. Die damit verbundene Kränkung wird abgewehrt. Der emotionale Gewinn, die Vorstellung, von den Pflanzen gemeint zu sein, vernebelt dabei, dass es keine auch nur einigermassen plausiblen Gründe gibt für die Annahmen, dass Formen und Farben der Pflanzen mit ihren Wirkungen zusammenhängen.

Die Signaturenlehre ist historisch sehr interessant. Wenn man sich aber kritiklos an ihr orientiert entstehen krasse Fehlbehandlungen. 

 

Öko-Test findet sehr gute Kräutertees beim Discounter

Kräutertees gelten als gesund und schmackhaft. Entsprechend häufig werden hierzulande insbesondere in der kalten Jahreszeit damit die Tassen gefüllt. Für die gesunde Wirkung sind wohl vor allem Polyphenole verantwortlich. Die Pflanzenstoffe stecken hauptsächlich in echten Tees wie Grüntee, weiße Tee oder Schwarztee, aber auch in Kräutertees. Diese stammen nicht vom Teestrauch (Camellia sinensis), sondern von getrockneten Teilen anderer Pflanzen und enthalten in den meisten Fällen kein Koffein, jedoch Vitamine, Mineralstoffe und ätherische Öle.

Öko-Test hat 24 Kräutermischungen aus dem konventionellen und ökologischen Anbau auf problematische Inhaltsstoffe prüfen lassen.

Giftige Pflanzenstoffe waren in den untersuchten Kräutertees kein Thema. Das sind natürliche Gifte, die von einigen Pflanzen selbst produziert werden und manchmal wohl auch bei der Ernte über mitgepflückte Kräuter in den Tee gelangen können. In bisherigen Untersuchungen waren sie häufig ein Problem, insbesondere die Pyrrolizidinalkaloide (PA), die leberschädigend wirken können und zudem als erbgutschädigend und krebsauslösend gelten.

13 der untersuchen Kräutermischungen wiesen überhaupt keine dieser Stoffe auf und die anderen waren nur sehr gering belastet.

Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide gibt es nicht, aber eine sogenannte maximale Aufnahmemenge, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kürzlich überarbeitet wurde. Bezogen auf diese Menge liegen alle PA-Gehalte, die das Labor im Auftrag von Öko-Test gefunden hat, im Spurenbereich. 

Anders sieht die Situation allerdings bei Pestiziden aus. Hier können auch Bio-Produkte mit Spritzmitteln belastet sein, wobei es sich dann oft nur um Spuren handelt. Da swar in der Öko-Test-Untersuchung allerdings nicht der Fall bei den Produkten von Alnatura (“Kräuter Tee, Beutel) und Sonnentor (“Gute Laune Bio Kräutertee, lose). Ihre Kräutertees schnitten sogar schlechter ab als viele konventionelle Produkte. Öko-Test fragt denn auch, ob das noch Bio sein kann. Die Antwort lautet aber „Ja“, weil beide Produkte die Regeln des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren einhalten.

Quelle:

https://www.n-tv.de/ratgeber/Sehr-gute-Kraeutertees-gibt-s-beim-Discounter-article20649680.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist natürlich gar nicht gut, wenn Bioprodukte von Alnatura und Sonnentor übermässig mit Pestiziden belastet sind. Allerdings lässt sich das nie ganz ausschliessen, weil Pestizide über weite Räume verteilt werden. Wichtig ist bei Bioprodukten, dass bei ihrer Produktion keine Pestizide zusätzlich in die Umwelt eingeführt werden.

Und mit sehr genauen Labormethoden kann man heute auch schon sehr geringe Pestizidmengen feststellen.

Ein anderer Punkt ist mir aber noch wichtig: Das Urteil „sehr gut“ für die Kräutertees bezieht sich in der Öko-Test-Untersuchung nur auf das Kriterium des Pestizidgehalts.

Aus Sicht der Phytotherapie gibt es noch andere Kriterien wie Wirkstoffgehalt und verwendete Pflanzenteile.

So schreibt zum Beispiel das Arzneibuch für Kamille, die als Arzneimittel in Apotheken und Drogerien verkauft wird vor, dass nur die Kamillenblüte verwendet werden darf. Im Kamillentee der Discounter und Grossverteiler COOP und Migros dürfen grundsätzlich auch Stängelanteile enthalten sein. Das ist geschmacklich manchmal sogar ein Vorteil, aber vom Wirkstoffgehalt her in derr Regel nachteilig.

Vergleichbar bei Pfefferminze, wo das Arzneibuch nur Pfefferminzblätter zulässt, im Lebensmittelhandel aber auch Stängelanteile möglich sind.

Kräutertees können nicht nur als angenehme Flüssigkeitszufuhr verwendet werden. Mit dem entsprechenden Fachwissen lassen sie sich auch als Arzneimittel einsetzen.

Fundiertes Fachwissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Kräutertees können Sie in meinen Lehrgängen erwerben – in der Phytotherapie-Ausbildung und im Heilpflanzen-Seminar.