Im Internet wird er in den höchsten Tönen gelobt. Dem Noni-Saft werden sagenhafte Heilwirkungen zugeschrieben. Gehört Noni in die Kategorie “Scharlatanerie” oder zu den ernstzunehmenden Heilpflanzen?

Noni hat sich in kurzer Zeit von einem ethnomedizinischen “Mauerblümchen” zu einem weltweit vermarkteten Nahrungsergänzungsmittel gemausert. Seit der ersten Publikation 1985 über eine potenzielle therapeutische Wirkung der Noni-Frucht (Morinda citrifolia) stieg die Zahl der verkauften Produkte markant an und es erschienen inzwischen auch viele Veröffentlichungen über die Pflanze und ihre Inhaltsstoffe.
Was aber lässt sich denn über Noni Verlässliches aussagen?

Morinda citrifolia ist ein 3 – 6 m hoher immergrüner Baum oder Strauch, der im gesamten indopazifischen Raum heimisch ist. Die Noni-Früchte werden bis zu 12 cm gross, sind im reifen Zustand weisslich gelb, sehr weich und von einem unangenehmen käsig-buttersäureartigen Geruch und seifigen Geschmack. Wahrscheinlich ist dieser schlechte Geruch dafür verantwortlich, dass die Frucht von der einheimischen Bevölkerung in Polynesien nur in Hungerzeiten gegessen wurde.
Unter den Heilpflanzen im Indopazifik hat Noni hingegen eine lange Tradition. Alle Teile der Pflanze werden eingesetzt, um Verbrennungen, Abszesse, Entzündungen, Verstopfung, Durchfall und Pilzinfektionen zu behandeln. Für die gegenwärtige Verwendung als Nahrungsergänzungsmittel wird der gepresste Saft der reifen Früchte verwendet.
Der Noni-Saft wurde im Labor untersucht, wobei aber viele Berichte darüber nur als Kongressbeiträge vorliegen. Sie wurden also nicht in Fachzeitschriften publiziert. Damit fehlt auch die Kontrolle, die mit der Veröffentlichung in einer renommierten Fachzeitschrift verbunden ist. Oft handelte es sich bei diesen Laboruntersuchungen um Experimente am Tier, die für einen Vergleich mit der Situation beim Menschen nicht mehr aussagekräftig sind.
Untersucht wurden hauptsächlich Wirkungen in drei Gebieten:
– Krebserkrankungen: Noni-Saft zeigte bei Mäusen und in menschlichen Zellkulturen Effekte, die als krebswidrig gedeutet werden können.
– Entzündungen: An Rattenpfoten reduzierte der Saftextrakt künstlich ausgelöste Entzündungen.
– Stoffwechselstörungen: Im Reagenzglas zeigten Inhaltsstoffe des Noni-Saftes Effekte auf die Blutfette, bei Rauchern senkte der Noni-Saft die Serumwerte für Cholesterin und Triglyceride. Bei Ratten wirkte Noni antithrombotisch auf Thrombosen, die künstlich ausgelöst worden waren.

Das sind alles in allem kaum überzeugende Belege für Wirkungen am Menschen. Und klinische Studien mit Patienten sind äusserst rar. Vorläufige Ergebnisse einer Phase-1-Studie des US-amerikanischen National Center for Complementary and Alternative Medicine an Krebspatienten zeigen eine Schmerzabnahme bei Bewegung und einen dosisabhängigen Effekt auf den Gesamtgesundheitsstatus. Allerdings bildeten sich die Tumore nicht zurück. Die Studie ist zudem noch nicht abgeschlossen, was ihre Aussagekraft sehr reduziert.
Immerhin sprechen Laboruntersuchungen für eine gute Sicherheit und Verträglichkeit des Noni-Saftes.

Die hohe Popularität des Noni-Saftes als Nahrungsergänzung steht aber in krassem Gegensatz zur schwachen Faktenlage bezüglich seiner allfälligen Heilwirkungen.
Hier müsste sich noch sehr viel ändern, bis Noni in der Pflanzenheilkunde zu den anerkannten Heilpflanzen gezählt würde.

Quelle:
Zeitschrift für Phytotherapie 4 / 2008:
Ulrike Andres, Was ist dran an der Noni-Frucht?

Originalarbeit:
Planta Med 2007; 73: 191 – 199:
Potterat O, Hamburger M; Morinda citrifolia (Noni) fruit – phytochemistry, pharmacology, safety

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch