Die Resultate der ersten umfassenden Bestandsaufnahme zu Verbrauch und Wirkung von Antibiotika in Deutschland sind beunruhigend: Krankmachende Bakterien werden immer unempfindlicher gegen entsprechende Medikamente – eine gefährliche Entwicklung, weil die Einführung neuer Medikamente stagniert. Meiner Ansicht nach liegt darin eine Chance für die Pflanzenheilkunde / Phytotherapie. Damit diese Chance genutzt werden kann, ist allerdings differenziertes Denken nötig. Das würde bedeuten: Keine pauschale Feindbild-Haltung gegenüber Antibiotika. Sie sollen immer dann zum Zuge kommen, wenn es sie braucht, um Gesundheitsschäden oder gar den Tod abzuwenden. Wo Antibiotika aber nicht zwingend nötig sind, kann die Phytotherapie mit ihren Heilpflanzen-Präparaten oft sinnvolle Ersatzmöglichkeiten anbieten. Dass wir mit der Anwendung von Antibiotika ein ernsthaftes Problem haben, zeigte kürzlich der Antibiotika-Resistenzatlas “Germap 2008”.

Das “Super-Bakterium” Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, kurz MRSA genannt, ist eine der häufigsten Gründe für im Krankenhaus erworbene Infektionen. Pro Jahr sind davon etwa 50 000 Menschen betroffen, rund 1 500 sterben an den Folgen.
In Deutschland werden täglich über 700 Kilogramm Antibiotika eingesetzt. Das ist mit Risiken für die Gesundheit verbunden: Bei einzelnen Krankheitserregern wie Staphylokokken, Kolibakterien und Enterokokken ist ein deutlicher Anstieg der Resistenzen zu beobachten. Dadurch wird die Wirkung von Antibiotika eingeschränkt und die Therapiemöglichkeiten verschlechtert. Zu diesem Resultat kommt eine erste umfassende wissenschaftliche Bestandsaufnahme über Verbrauch und Wirkung von Antibiotika in Deutschland, die in Bonn präsentiert wurde.
Diese Entwicklung ist nach Darstellung der Studienautoren umso gefährlicher, als gleichzeitig die Einführung neuer Antibiotika stagniere. Deren Entwicklung sei für Pharmafirmen weniger profitabel als andere Mittel. Deshalb sei es besonders wichtig, die Wirksamkeit der verfügbaren Mittel zu erhalten. Der Resistenzbildung müsse stärker entgegen gesteuert werden, verlangten die Fachleute und Mitverfasser bei der Vorstellung des ersten Antibiotika-Resistenzatlas “Germap 2008”.??Dazu sei eine bessere Hygiene in Krankenhäusern nötig sowie auch genauere Diagnosen von Ärzten, die nicht vorschnell Antibiotika verschreiben sollten. “Jedes überflüssige Antibiotikum begünstigt die Entwicklung von Resistenzen”, erklärte der Vizepräsident der Paul- Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG), Prof. Eberhard Straube. Patienten sollten die Dosierungsvorgaben einhalten.

Bei ambulant – also außerhalb eines Krankenhausaufenthalts – erworbenen Infektionen veränderte sich die Resistenzlage nach den Daten in den vergangenen 10 bis 15 Jahren wenig. Auffälligster Befund sei der kontinuierliche Anstieg der Resistenz gegen sogenannte Makrolide bei den Pneumokokken gewesen, der inzwischen jedoch gestoppt sei. Weitere Resistenzbildungen zeigten sich bei der Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten wie der Gonorrhö (”Tripper”) und Salmonellen. Bei Patienten in Krankenhäusern kam es seit den 90er Jahren vor allem zu einer starke Zunahme von Multiresistenzen bei Staphylokokken (MRSA).

In der Humanmedizin werden nach der Datensammlung in Deutschland gegenwärtig jährlich rund 250 bis 300 Tonnen Antibiotika verbraucht. Dabei betreffen etwa 85 Prozent der Verordnungen den ambulanten Bereich. Der Atlas ist eine gemeinsame Publikation des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) und der Infektiologie am Universitätsklinikum Freiburg.
Ein zusätzliches großes Problem sind auch Resistenzen beim Antibotika-Einsatz in der Nutztierhaltung. Solche Resistenzen können möglicherweise auch Antibiotika-Therapien beim Menschen beeinträchtigen . Auch wenn hier in den vergangenen Jahren kein gravierender Anstieg der Resistenzen zu beobachten sei, müsse unbedingt ein verantwortungsvoller und sachgerechter Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung beachtet werden, sagte BVL-Fachmann Jürgen Wallmann. “Antibiotika sind kein Mittel, um schlechte Haltungsbedingungen, Managementfehler oder mangelhafte Hygiene zu kompensieren.”
Quelle: Die Welt online, 9. Okt. 2008
Mehr Informationen im Netz: www.bvl.bund.de/germap2008

Kommentar: Die Situation in der Schweiz dürfte vergleichbar sein. Es steht für mich ausser Frage, dass es Situationen gibt, in denen Antibiotika notwendig sind. Jede unnötige Antibiotika-Gabe ist aber eine zuviel. Sorgfältig und professionell eingesetzte Heilpflanzen-Präparate könnten in manchen Fällen zur Reduktion des Antibiotika-Verbrauchs beitragen. Ein Beispiel dafür ist der Preiselbeersaft. Er kann nach einer Blasenentzündung die Rückfallquote senken, wodurch sich Antibiotika sparen lassen. Phytotherapie und Medizin können dabei gut Hand in Hand arbeiten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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