Grossmutter‘s Heilkräuter sind schon seit längerer Zeit wieder im Trend. Und auch die Wissenschaft befasst sich intensiv mit der Erforschung ihrer Möglichkeiten und Grenzen. Kein Wunder, dass Heilkräuter auch in den Medien ein beliebtes Thema sind. Dabei werden allerdings häufig sehr weitreichende Versprechungen gemacht, die eigentlich gründlich hinterfragt werden müssten. Doch wie macht man das, vor allem wenn das dazu nötige Fachwissen fehlt??

Es gibt durchaus Kriterien, mit denen man solche Versprechungen beurteilen kann, auch ohne genauere Kenntnisse im Bereich der Heilkräuter.
Dazu einige Hinweise:

– Problematisch sind in der Regel absolute Versprechungen. Wenn ein Heilmittel gegen alles und immer wirken soll, ist grösste Skepsis angebracht. Heilkräuter haben bestimmte Anwendungsbereiche, in denen sie sich bewähren, aber auch Krankheiten oder Situationen, in denen sie nicht (genug) wirksam sind.

– Heilkräuter werden oft ganz grundsätzlich als unschädliches Geschenk der Natur dargestellt. Das stimmt nicht, weil manche von ihnen in gewissen Fällen auch unerwünschte Nebenwirkungen haben können.

– Fragwürdige Versprechungen preisen Heilkräuter oft in Verbindung mit ausserordentlich vagen Begriffen an. Dazu gibt es zahlreiche Beispiele. Da verspricht ein Kräutertee “Entschlackung”, doch wenn Sie genauer nachfragen würden, um welche Schlacken es sich genau handelt, bekommen Sie keine Antworten. Oder es wird nebulös, aber offenbar beeindruckend von einem “Wesen” der Pflanzen schwadroniert, ohne dass auch nur im Ansatz geklärt wäre, was denn der Autor unter “Wesen” versteht. Werden solch vage Begriffe verwendet, müsste konsequent nachgefragt werden, wie genau sie gemeint sind. Sonst handelt es sich um vielleicht zwar wohl tönende, aber leere Worthülsen.

– Skeptisch stimmen sollten auch allzu grossartige Versprechungen. Eindrücklich zum Beispiel ein Hersteller von Naturheilmitteln der behauptet, dass seine Pflanzentinkturen auf Grund einer von ihm verwendeten ganz besonderen Steinmühle zehnmal wirksamer seien als diejenigen aller Konkurrenten. Hier muss nur schon das “zehnmal” stutzig machen, weil alle anderen Hersteller damit zu Dilettanten abqualifiziert werden. Bei “zweimal” könnte man eine solche Angabe noch ernst nehmen, entsprechende Belege und Argumente verlangen und darüber diskutieren. Aber “zehnmal”? Das scheint mir eher Ausdruck einer Grössenphantasie zu sein. Als Grundsatz kann gelten: Je grösser die Versprechung, desto mehr Skepsis ist nötig.

Heilkräuter sind in vielen Fällen wirksame Arzneimittel. Allerdings ist es wichtig, überzogene Versprechungen von reellen Angaben unterscheiden zu können.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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