Die Ergebnisse einer Metaanalyse der Cochrane Collaboration zur Wirksamkeit von Weissdorn-Extrakten stellt Univ.-Prof. Dr. Heinz F. Hammer von der
Medizinischen Universität Graz in der Medical Tribune Österreich vor (Nr. 8/2009).

Wissenschaftler aus Deutschland untersuchten die Wirksamkeit von Extrakten aus getrockneten Blättern, Blüten und Früchten des Weißdorns (Crataegus) bei Patienten mit chronischer Herzschwäche (Herzinsuffizienz Stadien I bis III nach NYHA).

Sie analysierten dazu 14 Studien, in denen Weißdorn-Extrakt zumeist zusätzlich zur Basisbehandlung eingesetzt wurde. Zehn Studien mit 855 Patienten eigneten sich für eine Metaanalyse. Die mit Hilfe eines Ergometers überprüfte maximale Leistungsfähigkeit und die Belastungstoleranz nahmen unter der Behandlung mit Weißdorn-Extrakt im Vergleich zu Placebo signifikant zu.
Das Produkt aus Blutdruck und Herzfrequenz, Parameter für den kardialen Sauerstoffverbrauch, sank signifikant. Außerdem waren Kurzatmigkeit und Müdigkeit signifikant vermindert. Nebenwirkungen traten selten auf, waren geringfügig und von vorübergehendem Charakter.
Prof. Hammer empfiehlt für die Praxis: “Weißdorn-Extrakt kann bei Patienten mit leichteren Formen der chronischen Herzinsuffizienz eine zusätzliche orale Therapieoption sein”.

Originalpublikation:
MH. Pittler al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 1. Art. No.: CD005312. DOI: 10.1002/14651858. CD005312.pub2

Kommentar:

Weissdorn ist im Bereich von Phytotherapie / Pflanzenheilkunde das wichtigste Herzmittel. Bei leichten Formen von Herzschwäche (Herzinsuffizienz), leichten Formen von Angina pectoris, zur Nachbehandlung nach Herzinfarkt, immer als Begleitmedikation neben der nötigen medizinischen Therapie.

Von allen Heilpflanzen ist Weissdorn diejenige mit den besten Belegen für eine herzstärkende Wirkung, wenn man von Pflanzen mit Digitalisglykosiden absieht, die aber nur als isolierte Einzelstoffe (z. B. als Digoxin, Digitoxin) angewendet werden und rezeptpflichtig sind (bspw. Digitalis purpurea, Roter Fingerhut).
Weissdorn zeichnet sich durch eine grosse Verträglichkeit aus und eignet sich auch gut für Langzeitanwendung.

Wichtig ist aber eine genügend hohe Dosis und ein Präparat mit ausreichendem Wirkstoffgehalt. Lange nicht jedes Heilpflanzen-Präparat, das unter der Bezeichnung “Weissdorn” im Handel ist, enthält die wichtigen Flavonoide und Proanthocyanidine in ausreichender Dosierung. Fraglich ist dies zum Beispiel bei Tinkturen aus dem Bereich der Spagyrik. Von Herstellern solcher Spagyrik-Tinkturen hört man zum Teil die Argumentation, dass ihre Produkte besonders unproblematisch seien, weil allenfalls giftige Glykoside und Alkaloide bei der Veraschung durch die hohen Temperaturen zerstört würden. Weggelassen wird dabei allerdings, dass vor allem Glykoside für viele Heilpflanzen auch wichtige Wirkstoffe sind (so auch beim Weissdorn) und dann wohl auch zerstört werden. Die Hitze von mehreren hundert Grad wird ja wohl kaum unterscheiden zwischen giftigen Stoffen, die zu zerstören sind, und Wirkstoffen, die es zu schonen gilt.

Dazu kommt, dass die Wirksamkeit von Spagyrik-Tinkturen aus Weissdorn, wie sie in Apotheken und Drogerien oft verkauft werden, in keiner Weise dokumentiert ist. Es werden hier blind Ergebnisse aus klinischen Forschungen mit Extrakt-Präparaten auf die Spagyrik-Tinkturen übertragen. Das ist meiner Ansicht nach eine Form von parasitärem Trittbrett-Fahren und eine Irreführung der Konsumentinnen und Konsumenten.

Wenn Sie Weissdorn-Präparate für‘s Herz einnehmen wollen, dann achten Sie gut darauf, was genau ihnen angeboten wird.

Wer sich eigene Kompetenz erwerben möchte dazu, welche Heilpflanzen in welcher Form bei welcher Krankheit am besten geeignet sind, findet passende Lehrgänge und Kurse auf www.phytotherapie-seminare.ch.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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