Hormonexpertin Dr. Dana Seidlová-Wuttke von der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Göttingen hat für ihre Forschungen den mit 10.000 Euro dotierten Phytoneering-Preis der Internationalen Gesellschaft für Phytotherapie bekommen.
Für ihre wissenschaftlichen Forschungsarbeiten zur Wirksamkeit von Extrakten aus der Wurzel der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) ist die Hormonexpertin, Frauenärztin und Forscherin Dr. Dana Seidlová-Wuttke jetzt mit einem internationalen Preis für Pflanzenheilkunde ausgezeichnet worden. Sie erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Bionorica Phytoneering-Preis 2009 von der Internationalen Gesellschaft für Phytotherapie. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und würdigt hervorragende Forschung zur Entwicklung und Anwendung von Phytopharmaka. Der Preis wurde verliehen auf dem diesjährigen 57th International Congress and Annual Meeting of the Society for the Medicinal Plant Research in Genf/Schweiz.

Die Forschungsresultate der Göttinger Wissenschaftlerin bestätigen, dass ein Extrakt aus der Wurzel der Traubensilberkerze charakteristische Wechseljahrsbeschwerden von Frauen wie aufsteigende Hitzewallungen, Herzjagen und Stimmungsschwankungen wirksam lindern kann. Außerdem konnte sie (tierexperimentell und in klinischen Studien) belegen, dass der Heilpflanzen-Extrakt günstige Wirkungen am Knochen hat und so wechseljahrsbedingten Knochenschwund (Osteoporose) verhindern hilft.

Ebensolchen heilsamen Effekten des Wurzelextrakts für die Männer ist die Forscherin noch auf der Spur. Erste Untersuchungen von Dr. Seidlová-Wuttke deuten darauf hin, dass Extrakte der Traubensilberkerze auch zur Prophylaxe und Therapie von altersbedingten Veränderungen der Prostata wirksam sein könnten. Dies soll in weiteren Untersuchungen geklärt werden.

Dr. Dana Seidlová-Wuttke ist gebürtige Tschechin und studierte Medizin an der Karls-Universität in Prag. Ihre Ausbildung zur Frauenärztin machte sie in Prag und Göttingen. Seit 1997 befasst sie sich an der Universitätsmedizin Göttingen klinisch und wissenschaftlich mit Hormonforschung. Wissenschaftlerin ist Mitglied der Arbeitsgruppe Endokrinologie unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Wuttke. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Problemen altersbedingter Erkrankungen, deren Ursachen oft in einer Unterproduktion von Hormonen zu suchen ist.

Quelle:
http://idw-online.de

Kommentar & Ergänzung:

Die Wirksamkeit verschiedener Extrakte aus Traubensilberkerze zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden – insbesondere Hitzewallungen – konnte in klinischen Studien durch mehrere Forschungsgruppen aufgezeigt werden. Es handelt sich hier um das am besten belegte Anwendungsgebiet der Traubensilberkerze.

Besonders zu beachten bei der Anwendung von Traubensilberkerzen-Extrakten ist der langsamere Wirkungseintritt im Vergleich zur Hormonersatztherapie. Mit ersten Effekten kann frühestens nach etwa 2- bis 4wöchiger regelmäßiger Einnahme gerechnet werden. Darauf müssen die Patientinnen unbedingt aufmerksam gemacht werden, und eine Einnahme über mindestens drei Monate sollte empfohlen werden.

Die Hinweise auf eine günstige Wirkung am Knochen zur Vorbeugung von Osteoporose sind zwar interessant. Es müsste sich hier aber wohl um eine jahrelange oder gar jahrzehntelange Behandlung handeln. Ob dies sinnvoll wäre, müsste meines Erachtens sehr kritisch geprüft werden. Auch wenn es sich um ein Heilpflanzen-Präparat handelt, scheint mir die Vorstellung einer solchen Langzeitbehandlung nicht gerade als erstrebenswert. Jedenfalls nicht, wenn diese Anwendung pauschal allen älter werdenden Frauen empfohlen würde. Das würde dann einer Medikalisierung dieser Lebensphase nahe kommen.

Interessant und für die Phytotherapie neu ist die mögliche Wirkung von Cimicifuga-Extrakten auf den Mann, zum Beispiel bei der gutartigen Prostatavergrösserung (BPH). Allerdings scheint dieser Aspekt der Cimicifuga-Forschung noch sehr in den Anfängen zu stecken, so dass es für konkrete Empfehlungen noch viel zu früh ist. Es gibt aber mit Sabal (Zwergpalme), Kürbissamen und Brennesselwurzel andere Heilpflanzen, die bei gutartiger Prostatavergrösserung (Benigne Prostatahyperplasie) bereits günstige Wirkungen gezeigt haben.

Traubensilberkerze scheint im übrigen ein gutes Bespiel zu sein für eine Multi-Target-Therapie, die an mehreren Zielstrukturen im Organismus gleichzeitig wirkt. In pharmakologischen Untersuchungen zeigt die Heilpflanze nämlich sowohl verschiedene Wirkungen an Östrogenrezeptoren, also hormonähnliche Effekte, als auch Wirkungen auf der Ebene des Zentralnervensystems, in die Dopamin-, GABA-, Serotonin- und Acetylcholinrezeptoren involviert sind.
Zum Multi-Target-Ansatz in der Phytotherapie siehe auch:

Phytotherapie: Auf die Mischung kommt es an

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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