Unter diesem Titel verbreitet das Yahoo-Nachrichtenportal eine scheinbar hoch erfreuliche Neuigkeit. Bei genauerem Hinsehen ist die Meldung aber auch ein Beispiel für fragwürdige Gesundheitsinformationen im Internet. Dass die Krebsforschung sich mit antitumoralen Inhaltsstoffen von Heilpflanzen befasst, ist eine unterstützungswürdige Entwicklung. Leider gehen in den Medien bei solchen News aber oft die nötigen Differenzierungen verloren

Hier eine bearbeitete Zusammenfassung der Meldung mit anschliessendem Kommentar:

Der Medizin sind zahlreiche von Gewürzen ausgehende Heilwirkungen bekannt. Eine weitere haben jetzt US-Wissenschaftler entdeckt: Substanzen aus Kurkuma und Pfeffer können offenbar im Kampf gegen Brustkrebs unterstützend wirken.
Aus dem leuchtend gelb gefärbten Gewürz Kurkuma, auch Gelbwurz genannt, lässt sich eine Substanz namens Curcumin gewinnen. Schwarzer Pfeffer enthält den Stoff Piperin. Diese beiden Substanzen haben Wissenschaftler der University of Michigan in Zellkulturen eingebracht. Dabei zeigte sich, dass Curcumin und Piperin gezielt die Krebsstammzellen schädigen, welche für das Tumorwachstum entscheidend sind, gesunde Zellen jedoch nicht angreifen. Indem die Anzahl der Stammzellen vermindert wird, könnte sich die Entstehung von Brustkrebs in Zukunft beeinflussen lassen, glauben die Forscher.
Bereits jetzt stehen Risikopatientinnen Medikamente zur Verfügung, mit welchen sich die Entstehung des Tumors verhindern lassen soll. Sie sind jedoch mit Nebenwirkungen behaftet, weil sie giftig sind. Darum halten die Wissenschaftler den neuen, ungiftigen Behandlungsansatz für vielversprechend. In weiteren Studien soll nun das Potenzial der Substanzen untersucht werden. Obwohl die bisherigen Forschungsresultate vielversprechend klingen, reicht es als Krebsvorsorge nicht aus, die Mahlzeiten kräftig mit Pfeffer und Kurkuma zu würzen. Die wirksamen Stoffe müssen dem Organismus in konzentrierter und isolierter Form mit Hilfe von Medikamenten zugefügt werden.

Quelle: http://de.news.yahoo.com/12/20091209/thl-gewuerze-bekaempfen-brustkrebs-d343981.html

Kommentar & Ergänzung:

Es stellen sich einige Fragen:

1. Die Meldung kommt wie eine Neuentdeckung daher. Zumindestens Curcumin ist aber schon seit vielen Jahren ein Thema in der Krebsforschung. Aber Neuentdeckungen verkaufen sich offenbar besser auf dem Nachrichtenmarkt. Korrekt wäre eine Aussage wie: “ein weiteres Puzzlestück in der Curcumaforschung”.

2. Die Schlagzeile “Gewürze bekämpfen Brustkrebs” ist reisserisch und falsch. Der Artikel sagt ja am Schluss selber, dass es nicht reicht, Kurkuma oder Schwarzer Pfeffer als Gewürze zu essen.

3. Es wird wieder einmal vorschnell von Experimenten mit isolierten Zellen auf eine Wirkung am lebenden Menschen geschlossen. Das ist nicht zulässig. Es ist unklar, ob die im Zellversuch meist zur Anwendung kommenden hohen Konzentrationen in lebendem Krebsgewebe erreicht werden können. Nur schon bei Curcumin ist schon lange bekannt, dass es ausgesprochen schlecht aus dem Verdauungstrakt resorbiert wird. Solche Einschränkungen fallen gerne unter den Tisch bei diesen vorschnellen Erfolgsmeldungen

4. Irgendwie sind wir halt wohl immer froh um beruhigende News bezüglich des beunruhigenden Themas der Krebserkrankungen. Daher gibt es eine grosse Nachfrage nach solchen Meldungen. Aber die Genauigkeit und eine differenzierte Darstellung sollten dabei nicht auf der Strecke bleiben.

5. Zur Beurteilung einer solchen Meldung wäre es wichtig zu erfahren, ob diese Studie aus Michigan in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurde (und in welcher). Dies gäbe eine gewisse Qualitätskontrolle. Auch die Autoren oder Autorinnen bzw. die Namen der Forschenden sollten genannt werden. “Wissenschaftler der University of Michigan” reicht nicht als Angabe.

6. Es ist fraglos positiv, wenn Curcumin und Piperin bezüglich Antitumorwirkungen weiter erforscht werden.

7. Es spricht viel dafür, dass Kurkuma (Gelbwurz, Curcuma) und Schwarzer Pfeffer gesunde Gewürze sind. Zwischen Heilpflanzen und Gewürzen gibt es an zahlreichen Punkten fliessende Übergänge.

8. Ich zähle diese Punkte hier auf, weil es mir wichtig erscheint, dass auch Laien etwas über die Fragen wissen, mit denen man solche Texte unter die Lupe nehmen kann. Wir werden überflutet mit solchen Meldungen und es wird immer anspruchsvoller, sich in diesem “Dschungel” zu orientieren.

Lernen können Sie dies im übrigen in meinen Heilpflanzenkursen und in meiner Phytotherapie-Ausbildung. Dabei geht es nämlich nicht nur um die Vermittlung von Wissen, sondern auch darum, wie man mit Wissen, mit Informationen, mit Behauptungen und Versprechungen umgehen kann: Sorgfältig Prüfen und sich eine fundierte Meinung bilden, das ist in unserer gegenwärtigen Informationsflut wohl notwendiger denn je.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch