Wenn Patienten mit chronischer Hepatitis C nicht auf die Standardtherapie ansprechen, könnte ein Versuch mit Silibinin aus den Früchten der Mariendistel doch noch Erfolg bringen.
Patienteninnen und Patienten mit chronischer Hepatitis C, die auf eine Standardtherapie mit pegyliertem Interferon alfa plus Ribavirin nicht oder nur ungenügend ansprechen, kann womöglich mit einem Inhaltsstoff der Mariendistel (Silybum marianum) zum Durchbruch verholfen werden.

Angeregt durch hoffnungsvolle Behandlungsversuche einer Arbeitsgruppe um Professor Peter Ferenci aus Wien hat inzwischen auch eine Arbeitsgruppe um Dr. Michael Biermer von der medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie und Hepatologie der Charité Berlin diese neue Strategie mit dem alten Naturheilmittel unter die Lupe genommen.

Die Berliner Arbeitsgruppe verabreichte elf Patienten mit chronischer Hepatitis C, bei denen eine Standardbehandlung mit pegyliertem Interferon alfa und Ribavirin innerhalb von 24 Wochen zu keiner befriedigenden Verminderung der Viruslast geführt hatte, an zwei aufeinander folgenden Tagen Infusionen mit täglich 1400 mg Silibinin (Legalon® SIL). Im Verlauf der nächsten Woche fiel unter fortgesetzter Standardbehandlung die Virusmenge bei acht Patienten unter die Nachweisgrenze. Das erklärte Dr. Michael Biermer auf einer Pressekonferenz des Komitees Forschende Naturmedizin (KFN) in München.

Bei zwei weiteren Patienten kam es immerhin zu einer deutlichen Reduktion der Viruskonzentration im Serum. Möglicherweise wären diese beiden Patienten bei einer drei- oder viertägigen adjuvanten Silibinin-Infusion ebenfalls negativ geworden, meinte Biermer. Damit verwies der Hepatologe darauf, dass die optimale Dosierung und Anwendungsdauer des Mariendistelinhaltsstoffes für das neue Einsatzgebiet noch zu finden ist.

Von den acht Patienten, bei denen im Anschluss an die Silibinintherapie keine Hepatitis-C-Viren (HCV) im Serum nachweisbar waren, blieben mit der fortgesetzten Standardtherapie sechs Patienten im bisherigen Beobachtungszeitraum von acht bis 40 Wochen weiterhin negativ. Ob bei ihnen wirklich eine Ausheilung der chronischen Hepatitis C stattgefunden hat, wird erst ein HCV-RNA-Test sechs Monate nach Abschluss der Standardbehandlung zeigen können.

Weitere auf größeren Patientenzahlen basierende Studienresultate zur Anwendung von Silibinin bei Hepatitis C seien dringend erforderlich, so Biermer. Silibinin ist bisher bei Lebervergiftungen durch Knollenblätterpilze sowie als Adjuvans (Mittel zur Unterstützung einer Standardtherapie) bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose zugelassen.

Wirkungsweise von Silibinin

Silibinin ist ein Hauptbestandteil des in Früchten der Mariendistel (Silybum marianum) vorkommenden Flavonoidgemischs Silymarin. Silibinin soll sich in experimentellen Untersuchungen als signifikanter Hemmer der Hepatitis-C-Virus-spezifischen Polymerase erwiesen haben. Das erklärte der Hepatologe Dr. Michael Biermer zum Wirkmechanismus des Mariendistel-Inhaltsstoffes. Ob sich die viel versprechenden vorläufigen klinischen Resultate allein damit erklären lassen, ist noch unklar.

Die Arbeitsgruppe von Dr. Biermer hat Silibinin auch schon gegen andere Viren wie etwa das Hepatitis-B-Virus oder HIV untersucht und dabei keine Hinweise auf einen potenziellen Nutzen gefunden.

Quelle:
http://www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Von allen Heilpflanzen, die bei Lebererkrankungen eingesetzt werden, ist keine so gut wissenschaftlich untersucht wie die Mariendistel. Der Arbeitsgruppe von Dr. Biermer scheint nun ein weiterer Schritt zur Klärung der Mariendistel-Wirkung geglückt zu sein.

Für die praktische Anwendung der Mariendistel in der Phytotherapie ist allerdings zu beachten, dass es zahlreiche Mariendistel-Präparate im Handel gibt, die stark unterdosiert sind und deren Wirksamkeit daher sehr fraglich bleibt.
Auch ist Mariendisteltee keine gute Option. Silymarin löst sich nämlich nur schlecht im Wasser.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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