Unter dem Titel “Teebaumöl – eines der wirksamsten Mittel der Natur” empfiehlt die “Medical Tribune” in ihrem Gesundheits-Tipp die Anwendung von Teebaumöl.
Medical Tribune schreibt:

“Von den weltweit über 200 existierenden Teebaum-Arten sind 30 in Australien beheimatet – aber nur eine verfügt über die besonders gesunden Eigenschaften.”

Dieser Baum sei sehr widerstandsfähig gegen Krankheiten und werde selbst bei extremen Bedingungen nicht von Pilzen befallen.
Dann folgen praktische Tipps zur Anwendung von Teebaumöl:
“- Bei kleinen Wunden unverdünnt auftragen.

-Gegen Halsschmerzen, Raucherhusten und Mundgeruch in ein Glas warmes Wasser fünf bis zehn Tropfen Teebaumöl geben und gurgeln.

– Bei Schuppen fünf Tropfen des Öls einem milden Shampoo beifügen, in die Kopfhaut einmassieren und gut ausspülen.

– Bei Erkältung fünf Tropfen ins Badewasser geben.

– Bei Fußgeruch für ein Fußbad zehn Tropfen ins warme Wasser geben.”

Quelle: www.medical-tribune.de

Kommentar & Ergänzung:

Teebaumöl wird aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Australischen Teebaums (Melaleuca alternifolia) durch Wasserdampfdestillation gewonnen.

Teebaumöl wird wegen seiner antiseptischen, bakteriziden und fungiziden Wirkung angewendet in der Dermatologie (zum Beispiel in der Behandlung von Akne, Schuppen und Schuppenflechte, Pilzerkrankungen, Dellwarzen) sowie bei Muskelschmerzen, offenen Wunden, Rheuma, Raucherhusten und Krampfadern.

Teebaumöl wird auch in zahlreichen dermatologischen Präparaten verwendet: in Shampoos, Hand- und Körpercremes (speziell bei unreiner Haut, wie Akne), in Deodorants, Badezusätzen, Seifen, Zahnpasta, Mundwässern. Bei Pilz- und Bakterienbefall der Haut (z.B. bei Akne, Fußpilz) werden zumeist Präparate mit 5 bis 10% Teebaumöl verwendet. Für den Einsatz im Mundraum muss Teebaumöl sehr stark verdünnt werden.

Auch im Bereich der Tierpflege sind äußere Anwendungen von Teebaumöl bekannt, wobei wie beim Menschen Überdosierungen oder sehr häufige Behandlungen vermieden werden sollten. Will man Teebaumöl an Tieren anwenden, ist unbedingt der Tierarzt oder eine Tierärztin zu Rate zu ziehen. Durch den Gehalt an Terpenen und Phenolen ist das Teebaumöl genau wie andere ätherischen Öle beispielsweise für Katzen toxisch. Die Anwendung kann tödlich enden für das Tier. Charakteristische Symptome der “Teebaumöl-Vergiftungen” sind Zittern, Taumeln, Unruhe und allgemeine Schwäche.
(Quelle: Wikipedia)

Teebaumöl ist ein sehr interessantes und wirksames ätherisches Öl, doch wird es etwas gar zu stark als Mittel gegen fast alles propagiert. Die Aufgabe in der Phytotherapie besteht hier darin, die zentralen Wirkungen und Anwendungsbereiche herauszuschälen.

Kein Zweifel besteht zum Beispiel an der bakterienhemmenden und pilzhemmenden Wirkung von Teebaumöl. Allerdings zeigen zahlreiche ätherische Öle solche Wirkungen, und sie sind zugleich oft sogar besser verträglich (wie bspw. Lavendelöl). Darum sollte man sich meiner Ansicht nach nicht so auf Teebaumöl fixieren, wie das seit einiger Zeit immer wieder zu beobachten ist. Teebaumöl hat diese Stellung wohl vor allem einem geschickten Marketing zu verdanken.

Wenn die Medical Tribune schreibt, dass von den 200 Arten aus der Gattung Teebaum (Melaleuca) nur eine, nämlich Melaleuca alternifolia über die besonders gesunden Eigenschaften verfügt, dann ist das zum Beispiel ziemlich falsch. Es gibt eine ganze Anzahl von ätherischen Ölen aus verwandten Pflanzen mit ähnlichen Wirkungen. Ebenso scheint es mir recht reisserisch zu schreiben, Teebaumöl sei eines der wirksamsten Mittel der Natur. Das sind undifferenzierte Übertreibungen, die der Medical Tribune meines Erachtens nicht unterlaufen sollten, auch wenn es natürlich erfreulich ist, dass in dieser Publikation immer wieder mal Erkenntnisse über die Wirkungen von Heilpflanzen einfliessen.

Zum Tipp der Medical Tribune, bei Erkältungen fünf Tropfen Teebaumöl ins Badewasser zu geben, wäre noch aus praktischer Sicht zu ergänzen:
Ätherische Öle lösen sich schlecht in Wasser und schwimmen in der Badewanne obenauf. Emulgiert man die ätherischen Öle vor dem Beifügen mit Kaffeerahm oder Vollmilch, so verteilt sich das ätherische Öl besser im Badewasser. Das verbessert die Verträglichkeit auf der Haut.
Ich selber würde im übrigen bei Erkältungen (Husten, Schnupfen) eher Thymianöl oder Eukalyptusöl vorziehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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