Der Problemkeim MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) verursacht immer größer werdende Probleme. Dass hier zu den chemischen Antibiotika wirksame pflanzliche Alternativen existieren, belegte das Team um Dr. Andreas Conrad vom Universitätsklinikum Freiburg schon im Jahr 2006. Mithilfe eines speziellen Gastests konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass Senfölglykoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel gegen 13 Bakterienstämme eine ausgeprägte, keimhemmende Wirkung, sogar gegen MRSA, besitzen (Arzneimittelforschung 56, 2006, 842). Die neueste Untersuchung der Freiburger Forscher belegt nun, dass sich hier keine wesentlichen Wirkungsunterschiede zwischen den multiresistenten und den korrespondierenden nicht-resistenten Phänotypen zeigen (Conrad et. al 2009, Veröffentlichung in Planta Medica in Vorbereitung). Sie ziehen daraus den Schluss, dass die Senfölglykoside auch beim Nachweis von resistenten beziehungsweise multiresistenten Erregern eine wirksame Behandlungsoption darstellen. Zumindest bei unkomplizierten viralen und bakteriellen Infektionen sollten die untersuchten Senfölglykoside den Studienautoren zufolge als Alternative zu den chemischen Antibiotika in Betracht gezogen werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=33795

Beitrag erschien in Ausgabe 19/2010

Kommentar & Ergänzung:

Senfölglykoside (Glukosinolate) aus Meerrettich und Kapuzinerkresse (und aus anderen Kreuzblütlern) zeigen tatsächlich interessante Wirkungen gegen diverse Bakterienarten. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass es sich bei den erwähnten Untersuchungen an MRSA-Keimen ganz offensichtlich um Laborexperimente handelt.  Und im Labor sind antibakterielle Effekte einfacher zu erzielen als im lebendigen Organismus eines Infekt-Patienten. Senfölglykoside zeigen auch ausgeprägte Reizwirkungen auf Haut und Schleimhäute. Da fragt sich zum Beispiel, ob es möglich ist, in einem lebenden Organismus eine ausreichend hohe Konzentration zu erzielen. In einem Laborexperiment ist das jedenfalls sehr viel einfacher.

Trotzdem ist aber natürlich diese Forschung im Bereich MRSA interessant und wichtig und Meerrettichwurzel zum Beispiel wird schon seit längerer Zeit empfohlen zur unterstützenden Behandlung bei bakterieller Bronchitis  und bei Blasenentzündung (Zystitis).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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