Vor psychischen Erkrankungen durch die Anwendung von Cannabis-Medikamenten hat der Psychiater Ekkehard Englert gewarnt. «Zwar kann Cannabis entspannend wirken, Übelkeit reduzieren und den Appetit anregen», erklärte der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Erfurter Helios-Klinikum im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Es bestehe jedoch das Risiko, dabei an Schizophrenie zu erkranken. Mehrere Untersuchungen belegten, dass Cannabiskonsumenten ein zwei- bis dreifach grösseres Risiko haben, eine Psychose zu erleiden.

Gefährdet seien hauptsächlich junge Menschen, weil sich das zentrale Nervensystem bis ins Erwachsenenalter entwickle und deshalb besonders anfällig für die chemische Wirkung berauschender Substanzen sei. Cannabis allein sei allerdings nicht die Ursache für eine Psychose: «Die genetische Veranlagung muss gegeben sein, der Drogenkonsum kann da nur ein Auslöser sein.» Welche Effekte einzelne Substanzen haben, sei bei den meisten Suchtkranken schwer zu messen, weil sie neben Cannabis oft auch andere Stoffe zu sich nähmen.

Schizophrenie ist allerdings keine seltene psychische Erkrankung: Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet daran. Das Alter, in dem die Menschen erstmals an Schizophrenie erkranken, in den vergangenen Jahren gesunken. «Die meisten Menschen erkranken erstmals mit Mitte 20», erklärte Englert. In Deutschland waren im Jahr 2008 137 000 Patienten wegen einer schizophrenen Psychose in Therapie.

Der Experte sieht noch ein weiteres Problem, wenn Cannabis für medizinische Zwecke eingesetzt werden sollte: «Wenn man den Stoff legalisiert, setzt man damit das staatliche Siegel der Ungefährlichkeit drauf – und daran kann kein ernsthaftes Interesse bestehen.» Denn Cannabis sei die Einstiegsdroge Nummer eins, warnte der Experte. Und wer damit positive Erfahrungen mache, werde auch andere Stoffe ausprobieren.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=35207&Nachricht_Title=Nachrichten_Cannabis%3A+Psychose-Risiko+nicht+untersch%E4tzen&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Das Thema Cannabis polarisiert. Wenn es um Cannabis als Heilmittel geht, sollte meines Erachtens weder dramatisiert noch verharmlost werden.

In bestimmten Bereichen ist Cannabis eine gut dokumentierte, wirksame Heilpflanze, zum Beispiel zur Linderung von Muskelspastik bei Multipler Sklerose. In solchen Fällen steht für mirch ausser Frage, dass Patienten die Möglichkeit haben müssten, Cannabis legal zur Verbesserung ihrer Lebensqualität anzuwenden. Andererseits sollten aber auch die Warnungen bezüglich erhöhtem Psychose-Risiko ernst genommen werden. Und zwar – der Bericht in der Pharmazeutischen Zeitung weißt darauf hin – speziell auch bei Konsumenten im Jugendalter, die offenbar stärker gefährdet sind.

Ich glaube allerdings nicht, dass die Legalisierung von Cannabis als Medikament, diesem ein “Siegel der Ungefährlichkeit” geben würde. Wir leben schon lange mit zahlreichen zugelassenen Medikamenten, bei denen die Bevölkerung sich durchaus darüber im klaren ist, dass sie mit Risiken verbunden sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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