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Nicht sofort die Antibiotika-Keule

Gesundheitliches

Avatar-FotoMartin Koradi04.10.2010

Husten, Schnupfen, Fieber: Fast jedes Kind erleidet im Winter die Symptome eines grippalen Infekts.

Bei Husten, Schnupfen und Fieber braucht es jedoch nicht immer gleich Antibiotika. Virale Infekte heilen meistens innert einer Woche von selbst ab.

Wenn ein Kind einmal hustet, matt und sogar fiebrig ist, stehen Eltern und Kinderärzte häufig unter dem Druck, die Symptome möglichst schnell und sicher beseitigen zu wollen. Viele denken dabei hauptsächlich an Antibiotika. „Die reflexartige Verschreibung von Antibiotika sollte der Vergangenheit angehören. Das gibt eine falsche Sicherheit“, erklärt Kinderarzt Univ.-Prof. Karl Zwiauer vom Landesklinikum St. Pölten.

Etwa 70 % aller Diagnosen bei Kindern betreffen Atemwegsinfektionen, meist ausgelöst von einem Virus. Nicht nur, dass Antibiotika in so einem Fall gar nicht wirksam sind, „bei diesen banalen grippalen Infekten heilen die Symptome meist innerhalb einer Woche ab“, erklärt Zwiauer. Auch für Mittelohrentzündungen gelte inzwischen der Grundsatz: abwarten und beobachten. Bei Säuglingen seien 3 bis 8, bei Schulkindern bis zu 5 Infektionen jährlich durchaus normal.

Neben Routine und rationalem Vorgehen würde die Therapie darum konsequente Nachuntersuchungen erfordern. Antibiotika seien erst bei einem schweren Verlauf oder Hinweisen auf eine bakterielle Infektion zu verschreiben.
„2008 wurden 45 Tonnen Antibiotika im niedergelassenen Bereich verbraucht – das sind bei 8,3 Mio. Einwohnern 10 Mio. Packungen im Jahr“, sagt Infektionsspezialistin Univ.-Doz. Petra Apfalter vom Krankenhaus der Elisabethinen in Linz.

Österreich ist zwar im unteren EU-Drittel, das Problem sei jedoch, dass die Antibiotika häufig unkritisch eingesetzt werden. „50 Prozent davon werden für Infektionen der Atemwege verschrieben.“ Folglich würden die Resistenzen gegen gewisse Bakterienstämme ansteigen – und die Behandlung von Krankheiten behindern. Extrembeispiele seien Länder wie Griechenland oder Spanien, in denen Antibiotika rezeptfrei käuflich sind.

Körpereigene Abwehr

„Wir haben früher deshalb Antibiotika verschrieben, weil wir geglaubt haben, damit bakterielle Superinfektionen (Zweitinfektionen, Anm.) und Komplikationen verhindern zu können“, erklärt Kinderarzt Univ.-Prof. Peter Guggenbichler. „Heute wollen wir nicht mit der Keule zuschlagen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe bieten.“ Während Antibiotika die Bakterienflora im Nasen- und Rachenraum aus dem Gleichgewicht bringen und sie damit empfindlicher für Keime machen, würden pflanzliche Arzneimittel die körpereigene Abwehr gut stimulieren.

Die Natur könne eine Reihe von Drogen ( = Heilpflanzen, Anm. M.K.) zur Verfügung stellen, die das „Leben der Kindern viel einfacher machen kann“, meinte Eckhard Beubler, vom Institut für Pharmakologie in Graz. Mittel wie Eibisch, Isländisches Moos, Pfefferminze, Eukalyptus oder Efeu könnten bei den verschiedensten Formen von Husten schonende und schnell Besserung versprechen – ohne dass dabei Nebenwirkungen bekannt seien. Vorsicht sei aber bei chronisch Kranken und Allergikern geboten. Ätherische Öle sollten nicht bei Säuglingen angewendet werden.

Quellen:

https://kurier.at/nachrichten/gesundheit/2034710.php

https://derstandard.at/1285042445974/Arzneimittel-Zu-hoher-Antibiotika-Verbrauch-in-Oesterreich

Kommentar & Ergänzung: Nicht sofort die Antibiotika-Keule

Diese Artikel aus „Kurier“ und „Standard“ geben meines Erachtens eine gute Linie vor: Es gibt Situationen, in denen Antibiotika sinnvoll oder gar unumgänglich sind. Und es gibt auch viele Situationen, in denen sie unnötig, unsinnig oder gar riskant sind. Die Stellungnahmen zeigen auch gut auf, dass in vielen Fällen, in denen Antibiotika unnötig sind, Heilpflanzen-Präparate als Alternative in Frage kommen. Das gilt für Erkältungskrankheiten – Husten, Schnupfen, Fieber & Co. –  aber auch für manche anderen Bereiche.

Einen guten Überblick über die Behandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen bietet das Tagesseminar:

Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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