Zellkultur-Versuche mit Ginkgo-biloba-Extrakt zeigen eine vermehrte Bereitstellung von ATP (1).

Ein standardisierter Ginkgo-biloba-Extrakt schützt die Mitochondrien (2) vor schädlichen Sauerstoffverbindungen.

Darauf weisen präklinische Studien hin. Bedeutsam ist dies, weil auch beim physiologischen Alterungsprozesses der oxidative Stress in den Mitochondrien steigt. So sammeln sich zunehmend reaktive Sauerstoffverbindungen in den Zellen an. Nach aktuellen Studiendaten zeigt sich bei Alzheimer-Patienten ein Enzymmangel in den Mitochondrien, der den Überschuss an reaktiven Sauerstoffverbindungen weiter ansteigen lässt. Die Folgen sind eine reduzierte Produktion des Energieträgers ATP – ein Funktionsverlust, der die Bildung toxischer Beta-Amyloid-Proteine und schließlich die Apoptose (3) der Neuronen fördert.

In Zellkultur-Versuchen mit dem Ginkgo-biloba-Extakt ließ sich nun die mitochondriale ATP-Ausbeute unter oxidativem Stress optimieren. Dabei war eine gesteigerte Bereitstellung von ATP nachzuweisen, unabhängig davon, ob das Ginkgo-biloba-Präparat vor oder nach der Exposition mit reaktiven Sauerstoffverbindungen beigegeben wurde.

In weiteren Versuchen mit Hippocampuszellen aus Alzheimer-Maus-Modellen zeigte sich mit Ginkgo-Extrakt-Behandlung keine schwere Beta-Amyloid-Überladung. Die Neurone blieben weiterhin intensiv vernetzt und mit hoher Synapsendichte ausgestattet. Der Ginkgo-Extrakt wirkte allen entscheidenden Hippocampus-Schädigungen entgegen.

Außerdem blieben Indikatoren für neuronale Plastizität wie BDNF (Brain derived neurotropic factor) im Normbereich, während bei den Zellen unbehandelter Tiere massive Funktionseinbußen auftraten.

Dass der Ginkgo-Extrakt möglicherweise auch den Übergang zu einer Demenz verzögert – dafür liefert jetzt die GuidAge Studie Hinweise . In der Studie mit 2850 älteren Menschen war die Demenzrate bei Teilnehmern, die vier Jahre mit dem Ginkgo-Extrakt behandelt worden waren, signifikant tiefer als mit Placebo.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/demenz/article/627515/ginkgo-biloba-schuetzt-mitochondrien-oxidativem-stress.html?sh=14&h=461294622

Kommentar & Ergänzung:

Fachwort-Erläuterungen:

(1) Adenosintriphosphat (ATP) ist ein Nukleotid, bestehend aus dem Triphosphat des Nucleosids Adenosin (und als solches ein energiereicher Baustein der Nukleinsäure RNA).

ATP ist jedoch hauptsächlich die universelle Form unmittelbar verfügbarer Energie in jeder Zelle und gleichzeitig ein wichtiger Regulator energieliefernder Prozesse. ATP wird bei Bedarf aus anderen Energiespeichern (Kreatinphosphat, Glykogen, Fettsäuren) resynthetisiert. Das ATP-Molekül besteht aus einem Adeninrest, dem Zucker Ribose und drei Phosphaten (α bis γ) in Ester- (α) bzw. Anhydridbindung (β und γ).

(Quelle: Wikipedia)

(2) Ein Mitochondrium (auch Mitochondrion, Plural Mitochondrien; von altgriechisch μίτος mítos ‚Faden‘ sowie χόνδρος chóndros ‚Korn‘)[1] ist ein von einer Doppelmembran umschlossenes Organell mit eigener Erbsubstanz. Mitochondrien kommen in den Zellen fast aller Eukaryoten (Organismen, deren Zellen Zellkerne haben) vor. Bei wenigen einzelligen Eukaryoten sowie bei Prokaryoten kommen sie nicht vor. Mitochondrien fungieren als „Energiekraftwerke“, indem sie der Zelle das energiereiche Molekül Adenosintriphosphat zur Verfügung stellen.

(Quelle: Wikipedia)

(3) Die Apoptose (griechisch απόπτωσις von apo „weg“ und ptosis „Fall“, wie das Fallen der Blätter im Herbst[1]) ist eine Form des programmierten Zelltods. Es ist ein „Selbstmordprogramm“ einzelner biologischer Zellen. Dieses kann von außen angeregt werden (etwa durch Immunzellen) oder aufgrund von zellinternen Prozessen ausgelöst werden (etwa nach starker Schädigung der Erbinformation). Im Gegensatz zum anderen bedeutenden Mechanismus des Zelltodes, der Nekrose, wird die Apoptose von der betreffenden Zelle selbst aktiv durchgeführt, ist Teil des Stoffwechsels der Zelle. Dadurch unterliegt diese Form des Zelltods strenger Kontrolle und es wird gewährleistet, dass die betreffende Zelle ohne Schädigung des Nachbargewebes zugrunde geht.

(Quelle: Wikipedia)

Anmerkungen:

Das sind interessante Erkenntnisse über Ginkgo biloba.

Festzuhalten bleibt allerdings:

– Der Artikel basiert auf der Pressekonferenz eines Herstellers von Ginkgo-Extrakt-Präparaten. Die dazu gehörenden Forschungen sind offenbar noch nicht in Fachzeitschriften publiziert, sonst wären die Quellen angegeben worden. Wer, Wie und Wo der Forschungsarbeiten bleiben daher im Dunkeln, was die Beurteilung sehr erschwert.

– Es handelt sich um Laborergebnisse. Ob sich die beobachteten günstigen Effekte des Ginkgo-Extraktes auch auf den Menschen übertragen lassen, ist, völlig ungeklärt.

Ginkgo-Extrakte gehören zu den wichtigsten Heilpflanzen-Anwendungen in der Phytotherapie. Entscheidend für die Beurteilung der Wirksamkeit sind aber Patientenstudien und nicht Laborexperimente.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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