Echinacea-Präparate werden als Immunstimulans bei Erkältungskrankheiten eingesetzt.

US-Wissenschaftler konnten in einer Studie nun allerdings keinen zusätzlichen Effekt der Heilpflanze Roter Sonnenhut (Echinacea purpurea) bei Erkältungen feststellen.

Für die Studie wurden über 700 Probanden in vier Gruppen aufgeteilt: Sie bekamen entweder Echinacea mit oder ohne entsprechenden Hinweis, Placebo oder keine Tabletten. Bei der durchschnittlichen Krankheitsdauer gab es laut dieser Untersuchung zwar leichte Differenzen, die jedoch nicht statistisch signifikant waren: 6,34 beziehungsweise 6,76 Tage für die verblindete und unverblindete Echinacea-Einnahme, 6,87 Tage in der Placebo-Gruppe und 7,03 Tage bei den Probanden, die keine Mittel eingenommen hatten.
Laut Studienleiter Bruce Barrett verkürzte sich also für Patienten, die ein Echinacea-Mittel einnahmen, der Infekt um sieben bis zehn Stunden – rein wissenschaftlich gilt das aber nicht als großer Unterschied.

Auch bei Entzündungsmarkern wie Interleukin-8 und den Neutrophilen Granulozyten habe es keine Differenzen gegeben, so die Forscher von der Universität Wisconsin. Sie könnten deshalb die beliebten Erkältungspräparate nicht empfehlen.
„Die Tendenz der Studie ging leicht in Richtung Nutzen – im Schnitt ist die Dauer der Erkältung um einen halben Tag verkürzt, bzw. verläuft um etwa zehn Prozent milder“, erklärt der Wissenschaftler. Eine weitere Untersuchung könnte klären, wie es Menschen ergeht, die die Einnahme der Medikamente als hilfreich empfinden. Ihnen will Bruce Barrett keinesfalls von der Einnahme abraten: „Erwachsene, denen Echinacea gefühlt hilft, sollten wegen der Ergebnisse dieses Tests die Einnahme nicht unterbrechen – es gibt ja auch sonst keine belegten effektiven Behandlungswege und es zeigten sich keine Nebenwirkungen.“

Hinweise auf Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Magenprobleme oder Durchfall hat es in der Studie nicht gegeben. Die Arbeit wurde im Fachmagazin „Annals of Internal Medicine“ publiziert.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/Nachrichten/Wissenschaft+und+Forschung/13277.html

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/news/echinacea-kaum-effekt-gegen-erkaeltung_aid_584004.html

http://www.annals.org/content/153/12/769.abstract?sid=3c7f8d24-4235-4087-9d3a-f7085e904b2c

http://www.annals.org/content/153/12/769.full.pdf+html

Kommentar & Ergänzung:

Falls Sie sich jetzt fragen sollten, warum ich Ihnen als „Heilpflanzen-Mensch“ hier eine Echinacea-Studie mit negativem Ausgang präsentiere, dann müssten Sie sich eigentlich auch fragen, weshalb Sie unbedingt einseitig informiert werden wollen.

Wer nur günstige Ergebnisse weiterverbreitet und zur Kenntnis nimmt, macht Propaganda oder missioniert. So sehe ich meine Rolle keineswegs.

Mir scheint es jedenfalls wichtig, negative und positive Studien zu beachten und sorgfältig über Schlüsse daraus nachzudenken. Gerade bei Echinacea gibt es sowohl positive als auch negative Ergebnisse und es ist nicht einfach, daraus fundierte Schlüsse zu ziehen.

Hier Auszüge aus der Studie:

„ Echinacea groups received the equivalent of 10.2 g of dried echinacea root during the first 24 hours and 5.1 g during each of the next 4 days.“

http://www.annals.org/content/153/12/769.abstract?sid=3c7f8d24-4235-4087-9d3a-f7085e904b2c

„The echinacea and identical placebo tablets were manufactured by MediHerb (Warwick, Queensland, Australia). Echinacea tablets contained the equivalent of 675 mg of E. purpurea root and 600 mg of E. angustifolia root, each standardized to 2.1 mg of alkamides.“

http://www.annals.org/content/153/12/769.full.pdf+html

Was sich hier zeigt: Verwendet wurde für diese Studie Echinacea-Wurzel, und zwar von Echinacea purpurea und Echinacea angustifolia. Das ist insofern relevant, als es eine bei uns unübliche Zubereitungsform ist. Bei uns werden hauptsächliche Echinaceapräparate verkauft auf der Basis von Echinacea purpurea (Roter Sonnenhut), und zwar

– alkoholische Auszüge aus blühendem Kraut und frischen Wurzeln, oder

– Presssaft aus dem frischen Echinaceakraut.

Das entwertet die Studie nicht, aber streng genommen gelten solche Ergebnisse nur für die untersuchte Zubereitung.

Barrnett legte schon 2002 eine Studie zu Echinacea vor:

„Das Team um Bruce Barrett suchte über Zeitungsannoncen und Plakate Studenten, bei denen eine Erkältung gerade einsetzte. Diesen verabreichte er Kapseln mit Echinacea oder einem Scheinpräparat, das ebenso heuartig schmeckt. In beiden Gruppen waren die 148 Studenten durchschnittlich sechs Tage erkältet. Auch die Stärke der Erkältung hätten die Echinacea-Kapseln nicht gelindert, schreiben die Forscher.

Dennoch möchte Barrett nicht ausschliessen, dass andere Echinacea-Mittel wirken. Schliesslich sei die Art der Präparation für die Wirkung von Pflanzenheilmitteln sehr wichtig, sagt der Forscher. Er fordert deshalb weitere Studien zu Echinacea mit verschiedenen Präparaten und auch an älteren Menschen.“

Quelle: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/174129.html

Abstrakt der Originalstudie:

http://www.annals.org/content/137/12/939.abstract?sid=0c4aeac6-3b25-4d56-b497-327440204982

Es gibt bei den Echinacea-Präparaten grosse Unterschiede in der Herstellungsweise und in der Qualität. Einige dieser Präparate können Studien vorweisen, die eine Wirksamkeit möglich erscheinen lassen. Einen unkritischen Umgang mit Echinacea-Produkten fände ich aber nicht angemessen. Die Dauereinnahme über den ganzen Winter hin scheint mir zum Beispiel nicht empfehlenswert.

Es ist generell ein schwieriger Punkt in der Phytotherapie-Forschung, dass Heilpflanzen und Heilpflanzen-Präparate nicht einfach aus einem klar definierten Wirkstoff bestehen und dass je nach Herstellungsart die Zusammensetzung des Endproduktes unterschiedlich ist, auch bei identischer Heilpflanze.

Das hat zur Folge, dass sowohl positive wie negative Studienresultate nicht einfach 1 : 1 auf andere Heilpflanzen-Zubereitungen aus der selben Heilpflanze übertragen werden können.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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