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Was können pflanzliche Immunmodulatoren?

Phytotherapie

Avatar-FotoMartin Koradi14.01.2011

Die Österreichische Apothekerzeitung (22 / 2010) veröffentlichte eine Beschreibung der Möglichkeiten zur „Stärkung des Immunsystems mit Phytopharmaka“. Zu Beginn des Artikels wird dargelegt, was Heilpflanzen zur Immunmodulation bzw. Immunstimulation im Organismus bewirken:

„Pflanzliche Immunmodulatoren können insbesondere temporär geschwächte Abwehrsysteme wieder hochregulieren. In erster Linie erfolgt eine Stimulation der unspezifischen körpereigenen Abwehr. Sie beeinflussen daher vor allem die zelluläre Immunität, nämlich Makrophagen, natürliche Killerzellen und Granulozyten, aber auch die humorale Immunität, das Komplementsystem, Cytokine und Interferone. Da Makrophagen die wichtigsten Abwehrzellen darstellen, sind sie das primäre Ziel der Immunmodulation. Ihre Phagozytoserate kann auf das 200-Fache gesteigert werden.

Es wird angenommen, dass circa 90 Prozent aller Infektionen durch die angeborene, unspezifische Immunabwehr erkannt und erfolgreich bekämpft werden können. Die unspezifische Abwehr ist nicht antigen-orientiert und besitzt daher keine Gedächtnisreaktion. Sie ist bei einer Infektion sofort aktiv und bekämpft die eingedrungenen Krankheitserreger, während zur Produktion der spezifischen Antikörper etwa 5 Tage notwendig sind. Somit kommt dem unspezifischen Immunsystem gerade im Anfangsstadium einer Infektion eine besondere Bedeutung zu. Immunmodulatoren bzw. auch so genannte Adaptogene sollten daher möglichst frühzeitig bei den ersten Anzeichen einer Infektion eingenommen werden.

………Es gibt eine Vielzahl von Arzneipflanzen, die als Immunmodulatoren bzw. als Adaptogene verwendet und häufig in der Selbstmedikation eingesetzt werden. Zu den bedeutendsten zählen Echinacea-, Eleutherococcus-, Rhodiola-, Pelargonium- und Uncaria-haltige Präparate. Zu Thuja occidentalis L. (Lebensbaumtriebspitzen) und Baptisia tinctoria (L.) R. BR. (Wurzel des Wilden Indigo), die im Folgenden nicht näher besprochen werden, gibt es keine Positiv-Monographien, beide sind aber in klinisch geprüften Kombinationspräparaten enthalten. Für die Kombination von Echinacea, Baptisia und Thuja konnte in Doppelblindstudien eine Wirksamkeit nachgewiesen werden.“

Quelle:

Österreichische Apothekerzeitung 22 / 2010 https://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2010/OAZ-2010-22.pdf

Autoren: Univ. Prof. Dr. Rudolf Bauer und Dr. Karin Ardjomand-Wölkart

Institut für Pharmazeutische Wissenschaften, Bereich Pharmakognosie, Karl-Franzens-Universität Graz

Kommentar & Ergänzung: Was können pflanzliche Immunmodulatoren?

Der Abschnitt geht auf drei Charakteristika pflanzlicher Immunstimulation ein:

1. Die Wirkung immunstimulierender Heilpflanzen setzt am unspezifischen Immunsystem an.

2. Es handelt sich um eine „Schnellabwehrmassnahme“, die nur im Anfangsstadium der Infektion nützlich zu sein scheint.

3. Da die Bildung spezifischer Antikörper nicht beeinflusst wird, besteht auch kein längerfristiger Einfluss im Sinne einer Steigerung  der immunologischen Gedächtnisreaktion.

Zum Einfluss von immunstimulierenden Heilpflanzen auf Zellen oder Substanzen des Immunsystems gibt es viele spannende Resultate aus der Laborforschung. Der Text fasst dies mit folgenden Sätzen zusammen:

„ Sie beeinflussen daher vor allem die zelluläre Immunität, nämlich Makrophagen, natürliche Killerzellen und Granulozyten, aber auch die humorale Immunität, das Komplementsystem, Cytokine und Interferone. Da Makrophagen die wichtigsten Abwehrzellen darstellen, sind sie das primäre Ziel der Immunmodulation.“

Offen ist bei Resultaten solcher Laborexperimenten allerdings, ob sie auch im Krankheitsfall bedeutsam und nützlich sind.

Der Text in der Österreichischen Apothekerzeitung vermischt meines Erachtens etwas zu stark die Begriffe „Immunmodulatoren“ und „Adaptogene“. Das sind meines Erachtens zwei ganz unterschiedliche Stiefel, obwohl es natürlich auch Heilpflanzen gibt, die beide Wirkungen entfalten (Ginsengwurzel, Taigawurzel). Adaptogene sind Heilpflanzen, welche dem Organismus helfen sollen, sich an Stresssituationen anzupassen und einen positiven Effekt bei Stress-induzierten Krankheiten ausüben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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