Dr. Enne Pemp, Pharmazeutin in der Humanitas-Apotheke in Wien, schreibt in der Pharmaceutical Tribune über die Gewürznelke und das daraus gewonnene Nelkenöl.

Syzygium aromaticum (Gewürznelkenbaum) ist auf den indonesischen Inseln, den Molukken, beheimatet. Die Gewürznelke hat ihren Siegeszug bereits früh im europäischen Raum angetreten. Als Bestandteil des Currypulvers jedoch hauptsächlich als geschmacksverfeinernde Zutat feiner Süßspeisen ist die Blütenknospe des Gewürznelkenbaums fest in der europäischen Küche verankert. Die weite Verbreitung gründet auf dem regen Handel der holländischen Gewürzhändler früherer Zeiten. Kaum ein weihnachtlicher Genuss, ob Glühwein oder Bäckereien, kommt ohne Gewürznelken aus.

Als Arzneimittel ist vor allem das ätherische Öl von Interesse. Mit der Verankerung als Monographie des Europäischen Arzneibuchs und dem geforderten Mindestgehalt von 15 % Ätherischem Öl (Nelkenöl) ist die Qualität der Arzneipflanze Caryophylli flos gewährleistet.

Zitat:

„Der Hauptbestandteil des ätherischen Öls aus der Gewürznelke ist die wirksamkeitsbestimmende Komponente Eugenol mit einem Anteil von rund 85 %. Eugenol wirkt stark antibakteriell, schmerzstillend und entzündungshemmend. Das im Öl natürlich vorkommende Derivat Eugenolacetat hat nachgewiesene antioxidativ wirkende Eigenschaften, vergleichbar mit jenen von α-Tocopherol. Neue Studien auf dem Gebiet der Dermatologie haben interessante Effekte von Eugenol und Eugenolacetat in Bezug auf die Hemmung der Melaninproduktion in B16-Melanomzellen gezeigt.

Die Heilkraft des durch Wasserdampfdestillation gewonnenen Öls wurde bereits im Mittelalter erkannt und findet bis heute als Karminativum in verdauungsfördernden Zubereitungen seine Verwendung. In der Kinderheilkunde ist es ein wirkungsvoller Bestandteil beruhigender Teezubereitungen gegen Koliken des Verdauungstraktes. Besonders wenn es sich um starke Koliken bei Kleinkindern handelt, die krampfbedingt nach dem Füttern nicht stillbares Schreien, rot-blaues Gesicht und die typische Hohlkreuzhaltung zeigen, bringt ein Tee mit Nelke, Ingwer, Fenchel und Kümmel deutliche Erleichterung.“

Das zweite große Einsatzgebiet des Nelkenöls liege in der Zahnheilkunde und sei bis heute nicht ersetzbar, schreibt die Autorin:

„Deshalb werden Eugenol und seine Zubereitungen von Zahnärzten in der Form von Spezialitäten zur Prophylaxe und Behandlung der akuten Pulpitis oder einer akuten Parodontitis eingesetzt…….Auch provisorische Zahnfüllmaterialien aus Zinkoxid, Eugenol und Zahnzement werden in der zahnärztlichen Praxis als Standardfüllmaterial bei infektiösen Befunden eingesetzt.“

Quellen:

Food Chemistry 2001; Vol. 74, Issue 4, Pages 443–448

Fitoterapia 2010, Enos Tangke Arung, In Press, Corrected Proof, available 19 September 2010

Pharmaceutical Tribune, 2. Jahrgang, Nr. 22/2010

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=107372&dspaid=912897

Kommentar & Ergänzung:

Nelkenöl besitzt ausgeprägte antimikrobielle Eigenschaften. Bei der Untersuchung zahlreicher ätherischer Öle auf Wirksamkeit gegen Entzündungen (Prostaglandinhemmung) gehörte Nelkenöl zu den am besten wirkenden.

Allerdings ist im Umgang mit Nelkenöl auch Vorsicht und Sorgfalt geboten. Es kann Allergien und Hautreizungen auslösen. Äusserlich nicht konzentriert auftragen und vor der erstmaligen Verwendung vorsichtig im Ellenbogen mit einer kleinen Menge die Verträglichkeit testen.

Manche Heilpflanzen und vor allem auch ätherische Öle können prägnante Wirkungen auslösen. Das geht bei manchen Menschen etwas vergessen, weil sie irrtümlicherweise den „sanften“ Naturheilmitteln keine unerwünschten Nebenwirkungen zutrauen.

Es spricht aber viel dafür, dass ein Mittel, das gar keine potenziellen unerwünschten Nebenwirkungen hat, auch keine erwünschte Wirkung besitzt.

Heilpflanzen, ätherische Öle und auch andere Naturheilmittel brauchen daher sorgfältigen Umgang und fundiertes Wissen für eine kompetente und sichere Anwendung. Wer sich diese Kompetenz aneignen möchte, findet dazu Gelegenheiten im Kurskalender.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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