Ich werde an Kursen oder Vorträgen immer wieder mal gefragt, was genau Zitronenthymian ist und ob er die gleiche Wirkung hat wie der Arzneithymian.

Zu Zitronenthymian schreibt Wikipedia:

„Der Zitronen-Thymian (Thymus × citriodorus) ist eine Hybride aus der Gattung der Thymiane (Thymus) in der Familie der Lippenblütler.“

Und zu den Merkmalen des Zitronenthymians:

„ Der Zitronen-Thymian ist ein immergrüner Halbstrauch, mit mehr oder weniger niederliegenden Zweigen, der Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimeter erreicht. Dieser Chamaephyt ist in Mitteleuropa winterhart. Der Duft ist würzig oder zitronenartig. Die Zweige sind vierkantig und ringsum unregelmäßig behaart. Die Behaarung ist an den Kanten stärker als an den Seitenflächen. Die ganzrandigen Blätter sind lanzettlich, elliptisch bis verkehrt rhombisch-eiförmig geformt. Ihre durchschnittliche Länge beträgt etwa 15 mm, die Blattbreite variiert zwischen 2 und 8 mm. Der Blattrand ist nur zum Teil eingerollt und weist am Grund oft einzelne Wimpern auf. Die Unterseite ist kurz samtig bis kahl.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig. Die oberen Kelchzähne sind meist bewimpert. Die Krone ist hell bis purpur-rosa gefärbt. Die Blütezeit reicht von Juni bis September.“

(aus Wikipedia)

Und zur Nutzung von Zitronenthymian:

„Der Zitronen-Thymian ist eine Natur- und Kulturhybride. Er wird verbreitet als Zierpflanze für Steingärten, Einfassungen, Balkons und Pflanzschalen sowie als Gewürz- und Heilpflanze genutzt und ist seit spätestens 1596 in Kultur. Es gibt zahlreiche Sorten, die zum Beispiel gelbe, weiße oder gefleckte Blätter besitzen oder verschiedene Wuchsformen.“

(aus Wikipedia)

Für die Wirkung des Zitronenthymians dürfte das ätherische Öl entscheidend sein. Hier Angaben zu seiner Zusammensetzung:

„Der Zitronenthymian, Thymus citriodorus, enthält ein ätherisches Ö mit dem Hauptbestandteil Geraniol (bis zu 60%); weiters wurden Geranylester, Nerol und Citronellol identifiziert. Der Zitronengeruch geht auf Citral zurück (14%), und es wurden auch kleine aber nicht unbedeutende Mengen (0.5%) an Thymol gefunden. (Flavour Fragrance Journal, 10, 225, 1995)“

Quelle: http://www.uni-graz.at/~katzer/germ/Thym_vul.html

Zitronenthymian zählt nicht zu den offiziell anerkannten Heilpflanzen. Schaut man sich die Zusammensetzung des ätherischen Öls an, dann fällt der tiefe Gehalt an Thymol und der hohe Gehalt an Geraniol auf. Thymianöl aus Arzneithymian (Thymus vulgare) wird dagegen dominiert von Thymol. Ein prägnanter Unterschied also. In der Aromatherapie-Literatur (zum Beispiel hier) wird ein Thymianöl Chemotyp Geraniol beschrieben, dem eine stark antimikrobielle Wirkung  zugeschrieben wird. Thymol wirkt aber ebenfalls sehr gut antimikrobiell.

Interessanter als diese Thymol / Geraniol – Differenz scheint mir, dass die Zusammensetzung des ätherischen Öls aus Zitronenthymian gewisse Ähnlichkeiten zeigt zu den ätherischen Ölen aus Melissenöl (z. B. Citral) und Orangenblütenöl (Nerol, Geraniol). Vielleicht – aber das ist nur eine Vermutung – ergibt sich daraus für Zitronenthymian eine gewisse beruhigende Wirkung.

Jedenfalls würde ich Zitronenthymian und Arzneithymian niemals gleichsetzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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