Blutreinigungstees sind ein Ärgernis, weil damit eine Wirkung vorgetäuscht wird, die sie gar nicht haben können.

Darauf hat Univ.-Prof. Dr. Theo Dingermann, Institut für Pharmazeutische Biologie, Goethe-Universität Frankfurt, auf einer Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden hingewiesen. “Die Presse“ fasst seine Äusserungen folgendermassen zusammen:

„Ein Ärgernis stellt für den Experten die angepriesene Wirkung der sogenannten Blutreinigungstees dar. Die darin enthaltene Droge Anthranoid ist besonders wirksam. Aber sie leert den Darm, das Blut hingegen reinigt sie nicht.“

Quelle:

http://diepresse.com/home/gesundheit/666480/Viele-Irrtuemer-rund-um-Heilkraeuter?_vl_backlink=/home/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

Das bringt die Kritik an den Blutreinigungstees auf den Punkt. Allerdings hat sich hier eine Formulierung eingeschlichen, die wohl auf einem journalistischen Missverständnis beruht:

Unter „Droge“ versteht man in der Phytotherapie die getrocknete Heilpflanze. Das sind bei Blutreinigungstees oft Sennesblätter oder Sennesfrüchte. Diese „Drogen“ enthalten als Wirkstoff Anthranoide. Man kann aber nicht von einer „Droge Anthranoid“ sprechen.

Anthranoide und damit auch viele Blutreinigungstees können akut zu Bauchkrämpfen führen und bei Langzeitanwendung zur Gewöhnung. Das ist ein Risiko bei Blutreinigungstees. Und weil diesem Risiko von Nebenwirkungen keinerlei Nutzen entgegensteht, sind Blutreinigungstees tatsächlich eine Ärgernis.

Deutlich auch der Kommentar im „Pharmawiki“ zum Thema Blutreinigung:

„Eine unspezifische Blutreinigung oder Entschlackung, wie sie die Alternativmedizin zur Behandlung ganzer Listen von Indikationen empfiehlt (Indikationslyrik), ist aus unserer Sicht abzulehnen. Sie knüpft an veraltete und überholte Therapiekonzepte, wie das Austreiben von Dämonen und die Säftelehre an. Insbesondere die stark wirksamen Laxantien wie Schwedenbitter, Aloe oder Senna können zu Mangelzuständen und zahlreichen unerwünschten Wirkungen führen (!)Selbstverständlich gibt es diagnostizierbare Zustände, welche eine spezifische Entgiftung oder eine “Reinigung des Bluts” erfordern, z.B. akute oder chronische Vergiftungen oder erhöhte Blutkonzentrationen bestimmter Substanzen, z.B. eine Hyperkaliämie oder Gicht. Diese werden jedoch mit spezifischen Arzneimitteln behandelt.“

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Blutreinigung

Und Wikipedia schreibt zum Thema Blutreinigung:

„Blutreinigungstee, auch als Entschlackungstee bezeichnet, wird in der Alternativmedizin unter der Annahme eingesetzt, dass er das Blut von hypothetischen Schadstoffen entschlacken könne.

Abhängig vom Hersteller werden völlig verschiedene Pflanzenteile zur Herstellung von Blutreinigungstees eingesetzt. Unter anderem gebräuchlich sind Schlehdorn, Löffelkraut, Nachtschatten, Stiefmütterchen, Hauhechel, Brennessel, Ackerschachtelhalm und Birke.

In der wissenschaftlichen medizinischen Literatur wird der Begriff „Blutreinigungstee“ nicht verwendet. Es ist nicht möglich, das Blut mit Hilfe von Tee von Schlacken zu reinigen. Der menschliche Körper entsorgt Giftstoffe auf natürliche Weise durch Leber und Niere. Die Anwendung von Blutreinigungstees soll allerdings diese Entgiftungs- und Ausscheidungsfunktionen anregen. Im menschlichen Körper fällt keine Schlacke an (Begriff aus der Metallverarbeitung). Hier wäre der Begriff der Metaboliten als Produkte des Stoffwechsels treffender. Weil die meisten Blutreinigungstees harntreibend oder abführend wirken, besteht bei längerem Gebrauch die Gefahr der Gewöhnung.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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