Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) gilt in der traditionellen Pflanzenheilkunde als universales Frauenheilmittel bei Menstruationsbeschwerden, Wechseljahrsbeschwerden, Ausfluss und Unterleibsentzündungen. Frauenmantel soll die weiblichen Organe stärken, den Aufbau der Vaginalflora unterstützen und zahlreichen Frauenkrankheiten vorbeugen. Sogar der Neigung zu Fehlgeburten soll Frauenmanteltee entgegenwirken, nach Schwangerschaft und Geburt der Erholung dienen und die Milchbildung fördern.

Eine solch umfassende Heilwirkung bei allen Frauenkrankheiten ist allerdings schwer nachvollziehbar und die gynäkologischen Anwendungsbereiche des Frauenmantels sind auch nicht dokumentiert. Ein sorgfältiger Umgang mit dieser Heilpflanze muss deshalb genau klären, in welchen Situationen eine Anwendung wirklich Sinn macht, und wann andere Frauenpflanzen wie beispielsweise Mönchspfeffer oder Traubensilberkerze passender sind.

In manchen Texten wird Frauenmantel als “Progesteron-Pflanze” bezeichnet. Plausible Gründe für diese Zuschreibung habe ich aber noch keine zu Gesicht bekommen.

Die Geschichte des Frauenmantels ist sehr faszinierend. Von allen Frauenpflanzen hat der Frauenmantel wohl die interessantesten historischen Wurzeln.

Das PTA-Forum schreibt dazu:

„Der Name Alchemilla ist dem arabischen Wort »al-kemelih« entlehnt und bedeutet Alchemie. Im Mittelalter erregten vor allem die silbrig glänzenden Tautropfen der Blätter, die sich über Nacht am Blattrand bilden und dann am Grund des Blattkelches zu einem großen Tropfen sammeln, das Interesse der Alchimisten. Diese Tropfen sind keine »gewöhnlichen« Tautropfen, sondern von der Pflanze »ausgeschwitzte« Wassertröpfchen. Kleine Drüsen an den Zähnchen des Blattrandes, so genannte Hydathoden, wirken wie winzige Überdruckventile und geben in Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit überschüssiges Wasser ab. Botaniker nennen diesen Vorgang »Guttation«. Fasziniert von diesem Phänomen sammelten die Alchimisten morgens bei Sonnenaufgang dieses »Himmelswasser«, um daraus magische Essenzen und den »Stein der Weisen« zu bereiten. Das kristallklare Guttationswasser entsprach ihren Vorstellungen eines besonders reinen Wassers. Auf diese einzigartige Tropfenbildung beziehen sich auch die volkstümlichen Namen Tränenschön, Taublatt oder Tauschüsselchen.“

Quelle:

http://www.pta-forum.de/index.php?id=383

Kommentar & Ergänzung:

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