Bockshornklee ist eine spannende Pflanze mit einer interessanten Geschichte. Verwendung findet der Bockshornklee als Gewürz in der indischen Küche (z. B. in Curry-Mischungen) und als Heilpflanze.

Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) zählt zur Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Der Bockshornklee ist ein naher Verwandter des Schabzigerklees (Trigonella caerulea).

Bockshornklee bevorzugt Standorte mit viel Sonnenlicht und eher lehmigem Boden.

Woher kommt der Name Bockshornklee?

Die Übersetzung von „foenum-graecum“ lautet  „griechisches Heu“. Als weitere deutsche Trivialnamen sind bekannt: Kuhhornklee, Ziegenhorn, Hirschwundkraut, Rehkörner, feine Grete, Filigrazie, Schöne Margreth, Siebenzeiten, Stundenkraut, Methika und Philosophenklee. In der Bodybuilding-Szene ist Bockshornklee unter seinem englischen Trivialnamen Fenugreek bekannt.

Der arabische Name hulbah / ‏حلبه‎ und sein hebräisches Pendent hilbeh [חילבה] sind vermutlich nativ semitisch und leiten sich wohl von der Wurzel ḤLB „Milch“ ab, die auch dem Namen der Mahaleb-Kirsche zu Grunde liegt. Das Benennungsmotiv wäre dann die in der Volksmedizin vielfach genutzte Milch treibende (galaktogoge) Wirkung. Spanisch alholva ist, wie zahlreiche Pflanzennamen der iberischen Halbinsel (siehe auch Kaper), eine Entlehnung aus dem Arabischen: al-hulbah / ‏الحلبه‎ /‚der Bockshornklee‘. Sein Name auf Persisch ist Shanbalile ‏ شَنبَلیله ‎, auf Hindi heißt er Methi und auf Amharisch (Äthiopien) heißt er Abisch.

Geschichte des Bockshornklees

Der Bockshornklee wurde schon im Chalkolithikum domestiziert, verkohlte Samen stammen etwa aus Tell Halaf. Ein Nachweis aus der Eisenzeit gelang im Tell von Deir Alla im Jordantal. Bockshornklee wurde auch im alten Ägypten verwendet, wo er sowohl in Pflanzenheilkunde und Geburtshilfe als auch in religiösen Handlungen eine Rolle spielte. Arabische Ärzte lehrten, dass sich nach einer Anwendung von abgekochten Bockshornkleesamen Schuppen und Haarausfall vermindern und die Haare gelockter werden.

In Indien wird der Bockshornkleesamen als Aromatikum, Carminativum, Tonikum und Aphrodisiakum und ein Aufguss bei Pocken zur Kühlung angewendet. Der Bockshornklee fand jedoch auch frühzeitig in der Gartenkunst im Kaiserreich China Verwendung.

Nördlich der Alpen bemühten sich Benediktinermönche, Bockshornklee in den Klostergärten zu akklimatisieren und er wird im „Capitulare de villis“ (verfasst zirka 795) von Karl dem Großen zum Anbau angeordnet. Hildegard von Bingen nennt Bockshornklee als Heilmittel gegen Hautkrankheiten. Durch Pfarrer Sebastian Kneipp wurde die Verwendung des Bockshornklees in der Volksheilkunde wieder neu belebt. Die grosse Nachfrage führte dazu, dass der Bockshornklee wieder angebaut wurde. Sebastian Kneipp lobte diese Heilpflanze bei jeder Gelegenheit und setzte sich für ihren Anbau ein. Foenum graecum sei das beste von allen ihm bekannten Heilmitteln zum Auflösen von Geschwülsten und Geschwüren, schrieb Kneipp.

Vom Propheten Mohammad soll die Aussage stammen: „Wenn meine Leute wüssten, wieviel Heilkraft im Bockshornklee enthalten ist, dann würden sie ihn kaufen und sein Gewicht in Gold aufwiegen“.  In einer anderen Überlieferung des Propheten erklärt er sinngemäß „mische Bockshornklee in deine Arzneien“. Im muslimischen Kulturkreis finden sich demnach außer den oben genannten medizinischen Anwendungen zahlreiche weitere, unter anderem als Bockshornkleesprossen gegen Haarausfall bei Männern, den Samen zur Behandlung von Diabetes mellitus oder bei Menstruationsbeschwerden.

Zum Vorkommen des Bockhornklees

Bockshornklee ist über das südliche Europa, Afrika, den Nahen Osten, Indien, China und Australien verbreitet. Hauptanbauländer sind Marokko und Indien. Kleinere Mengen werden auch für Stilltees und andere Zwecke noch in Deutschland (100ha) und Frankreich (500ha) kultiviert.

Verwendung des Bockshornklees

In trockenen Ländern im Nahen Osten, in Nordafrika und in Spanien wird Bockshornklee als Nahrungsmittel oder Futterpflanze kultiviert und geröstet, gekocht oder frisch verzehrt. Er verträgt auch einen hohen Bodenversalzungsgrad. Darüber hinaus wird Bockshornklee als Gewürz verwendet und ist zum Beispiel ein wesentlicher Bestandteil von Currypulver. Ebenso werden die Bockshornsamen – wie auch Schabzigerklee – beispielsweise in Südtirol als Brot- oder Käsegewürz verwendet. Bockshornklee ist Bestandteil einer Gewürzmischung zur Produktion der türkischen Trockenfleischspezialität Pastırma.

Bockshornkleesamen, der von Ägypten nach Europa importiert und dort zu Sprossengemüse verarbeitet wurde, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit die HUS-Epidemie 2011 verursacht.

Aus den Samen des Bockshornklees lässt sich ein fettes Öl mit Triglyceriden der Linolensäure, Palmitinsäure, Linolsäure und Ölsäure gewinnen. Sie enthalten Lecithin und Phytosterin, Schleimstoffe, Saponine und Sapogenine, die Vitamine A und D, Phosphor und Cholin, das angeblich einer Verfettung der Leber entgegenwirkt, den Stoffwechsel günstig beeinflussen und einer Arteriosklerose vorbeugen soll.

Darüber hinaus enthält Bockshornklee die Aminosäure Histidin, die angeblich Leberschädigungen entgegenwirken soll. Als Tee ist er hauptsächlich in China, Indien und Tibet bekannt. Er wird dort als Hustenmittel und zur Reinigung der Atemwege verwendet. Weiterhin enthält Bockshornklee Diosgenin (ein Wirkstoff der möglicherweise gegen Dickdarmkrebs eingesetzt werden kann und vor allem aus Dioscorea villosa  (Yams) bekannt ist.

Bockshornkleesamen werden in der Pflanzenheilkunde bei leichterem oder als Begleitmedikation auch bei schwererem Diabetes mellitus angewendet (ähnlich einem oralen Antidiabetikum). Sie führen nachweislich zur Senkung des Blutzuckers und des LDL-Cholesterins. Eine übliche Dosis sind etwa 25 Gramm Samenpulver pro Tag. Die äußerliche Anwendung als Auflage oder Wickel hemmt Entzündungen und lindert Nasennebenhöhlenentzündungen, Atemwegsbeschwerden oder Rheuma, ausserdem auch Hauteiterungen oder Ekzeme. Zu diesem Zweck werden 50 Gramm Samen gemahlen und mit 250 Milliliter Wasser zu einem Brei verkocht. Von stillenden Frauen wird Bockshornklee als milchbildendes Mittel (Galaktagogum) genutzt.

Bockshornkleesamen sind als Tee, als Pulver oder als fertige Auflagen im Handel. Des Weiteren sind Nahrungsergänzungsmittel mit Bockshornsamenpulver oder Bockshornsamenkonzentrat erhältlich.

Quelle: Wikipedia

Kommentar und Ergänzung:

Aus meiner früheren Zeit als Drogist kenne ich Bockshornkleesamenpulver als Fresslustpulver in der Veterinärmedizin und als Kataplasma (Breiumschlag) bei Furunkel und Stirnhöhlenentzündung.

Auf neueren Erkenntnissen beruht die Anwendung bei Diabetes mellitus zur Senkung des Blutzuckers sowie zur Senkung des LDL-Cholesterins. In diesen Bereichen wirkt der Bockshornklee in der gleichen Art wie Haferkleie, Guarmehl, Flohsamen, Pektin, Johannisbrotkernmehl.

Interessant ist auch der mit dem Bockshornklee verwandte Schabzigerklee. Er dient ausschließlich getrocknet zum Würzen. In der Schweiz wird Schabzigerklee, der etwas milder als der Bockshornklee ist und stark würzig nach frischem Heu riecht und eigenartig bitter schmeckt, zur Produktion des Schabzigers  verwendet. Das ist ein sehr aromatischer, nahezu fettfreier Käse (“Glarner Schabziger”).

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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