Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 2 / 2012) berichtete über die Anwendung des Kohlwickels:

„Haben Sie Kohl schon einmal äußerlich probiert? Der berühmte Chirurg Ferdinand Sauerbruch empfahl Sauerkraut nach Operationen zum schnellen Schließen und Heilen von Narben. Äußerlich kurierte Sebastian Kneipp Geschwüre, offene Wunden und auch schmerzende Gelenke mit Kohlblättern. Kenner schwören dabei auf Kohl. Die einzelnen Blätter werden mit dem Stiel vom Blatt gelöst und dann mit einem Nudelholz solange gewalkt, bis die Blattzellen aufbrechen. Das gewalkte Blatt wird dann auf die schmerzende Stelle gelegt und mit einem Verband fixiert. Am besten legen Sie diesen Wickel über Nacht an – eine Wohltat.“

Kommentar & Ergänzung:

Der Kohlwickel bzw. die Kohlauflage ist ein altes Hausmittel aus der Naturheilkunde. Zwar wird der Kohlwickel manchmal etwas allzu überschwänglich als Wundermittel gegen alles und jedes „besungen“, was dann etwas überzogen daher kommt. Eine Wirksamkeit zum Beispiel bei Gelenkschmerzen und in der Wundheilung ist ihm aber durchaus zuzutrauen.

Kohl enthält Senfölglykoside mit antimikrobieller und durchblutungsfördernder Wirkung. Senfölglycoside kommen in Mitteleuropa in der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) vor. Es handelt sich um schwefelhaltige Verbindungen, die Gemüsen wie Rettich, Meerrettich, Senf, Kresse, Kapuzinerkresse und Kohl den etwas bitteren Geschmack geben.

Unsinnig sind meines Erachtens die Geschichten, wonach der Kohlwickel „Giftstoffe“ aus dem Körper zieht. Es ist nämlich völlig unklar,

– um welche Art von „Giftstoffen“ es sich da handeln soll,

– wie der Kohl „weiss“, welche Stoffe er als „Giftstoffe“ herausziehen soll und welche drin bleiben müssen, und

– mit welcher Art von Kraft der Kohl dieses Herausziehen bei intakter Haut bewerkstelligt.

Wenn der Kohl sich während der Wickelanwendung dunkel verfärbt, kommt dies von den schwefelhaltigen Substanzen, die mit dem Sauerstoff zusammen schwärzliche Sulfide bilden.

Aber die Vorstellung, dass nach der Wickelanwendung alle Giftstoffe draussen sind, ist natürlich sehr erleichternd.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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