Die Medizin-Zeitschrift „Ars Medici“ (Nr. 2 / 2012) publizierte ein längeres Interview mit dem Urologen Dr. med. Joël Patrick Gregorin zur medikamentösen Therapie der gutartigen Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie, BPH). In einem Abschnitt des Gesprächs geht es um die Studienlage bezüglich der Phytopharmaka in diesem Bereich:

„ARS MEDICI: Wie sieht die Studienlage bei BPH-Medikamenten auf pflanzlicher Basis aus? Gibt es aussagekräftige Studien, bei denen Phytotherapeutika mit Alphablockern und 5-alpha-Reduktasehemmern verglichen wurden? Was für Erfahrungen machen Sie in der Praxis mit Phytotherapeutika?

Gregorin: Nicht falsch liegt man bei Sägepalmen- und Brennnesselextrakten oder einer Kombination aus beidem. Zu beiden Präparaten liegen Studien vor, die einen positiven Effekt auch über mehrere Jahre belegen. Die Studie von U. Engelmann beispielsweise, erschienen in «Arzneimittel-Forschung/Drug Research», weist in einer randomisierten Doppelblindstudie bei Patienten mit LUTS infolge einer benignen Prostatahyperplasie nach, dass ein Kombinationspräparat aus Sabalfrüchten und Brennnesselwurzeln einer Therapie mit Tamsulosid ebenbürtig ist. Soekeland und Albrecht kamen in einer einjährigen Studie im Vergleich mit Finasterid zum gleichen Resultat. In beiden Fällen nahm der IPSS ab und der Uroflow zu. Was unter Phytotherapeutika nicht sicher nachgewiesen werden konnte, ist ein Stopp der Progression der BPH.“

„ARS MEDICI: Was für eine Rolle spielen Ihrer Erfahrung nach Phytotherapeutika in der Allgemeinpraxis (z.B. Sägepalmenextrakte)?

Gregorin: Gerade in der Hausarztpraxis, bei leichten Symptomen, jüngeren, kritischen Patienten, die ausdrücklich auf «Chemie» verzichten wollen und keine medikamentösen  Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen bereit sind, leisten  Phytotherapeutika gute  Dienste. Da der Wirkungseintritt verzögert eintritt, lohnt es sich, die Patienten von einer vorübergehenden Medikation mit Alphablockern zu überzeugen. Unter einem Alphablocker plus einem hoch dosierten Phytotherapeutikum erlebt man innert weniger Tage eine deutliche Wirkung. Nach einigen Tagen kann man den Alphablocker  wieder absetzen und mit dem Phytotherapeutikum allein weiterfahren.“

Kommentar & Ergänzung:

Sägepalmenfrüchte-Extrakt und Brennnesselwurzel-Extrakt sind diejenigen Präparate, die in der Phytotherapie bei BPH am besten untersucht und dokumentiert sind. Wobei allerdings nicht für alle Zubereitungsformen positive Hinweise vorliegen.

Kürbissamen sind zur Vorbeugung von BPH beliebt, wobei dieser Effekt nicht belegt ist. Immerhin sind sie aber ein gesunder Nahrungsbestandteil, der sich gut in die tägliche Ernährung einbauen lässt.

Am schlechtesten untersucht und dokumentiert geben Prostatabeschwerden durch BPH ist das Weidenröschen, das in Form von Weidenröschentee angewendet wird.

Wenn durch Phytopharmaka eine Wirkung gegen die Beschwerden bei BPH zustande kommen soll, braucht es eine Langzeitanwendung über mehrere Monate, am besten mindestens über ein halbes Jahr.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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