Koffeinkonsum während der Pubertät kann zu reduziertem Tiefschlaf und einer verlangsamten Hirnentwicklung führen. Zu diesem Resultat kamen Wissenschaftler um Reto Huber vom Kinderspital Zürich anhand einer Studie an pubertierenden Ratten. Den Ratten wurde Koffein in einer Menge zugeführt, die auf den Menschen umgerechnet drei bis vier Tassen Kaffee pro Tag entsprechen würde.

Beim Menschen wie bei Ratten steigen die Dauer und Intensität des Tiefschlafs sowie die Anzahl der Synapsen im Gehirn bis zur Pubertät an und nehmen im Erwachsenenalter wieder ab, schreibt Huber in einer Pressemitteilung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (SNF).

Ein großer Teil dieser Verknüpfungen gehe wieder verloren, sobald das Gehirn in der Pubertät zu reifen beginne. Das sei eine Optimierung, die vermutlich im Tiefschlaf passiere. Das Netzwerk werde dadurch effizienter und das Gehirn leistungsfähiger, weil wichtige Synapsen ausgebaut und andere abgebaut werden.

Im Verlauf ihrer Studie fanden die Wissenschaftler im Gehirn von koffeintrinkenden Ratten weit mehr Nervenverbindungen als bei Tieren, die im gleichen Zeitraum reines Trinkwasser aufgenommen hatten. Die Forscher schliessen daraus, dass das Gehirn der Koffein konsumierenden Ratten langsamer gereift ist. Laut SNF zeigte sich das auch im Verhalten der Tiere: Während Ratten mit steigendem Alter normalerweise neugieriger würden, seien die Ratten, die Koffein bekommen hatten, scheu und vorsichtig geblieben.

Das Gehirn von Ratten unterscheide sich zwar klar vom menschlichen, doch gebe es auch viele Parallelen in der Hirnentwicklung. Laut Huber stellt sich dadurch die Frage, ob der Koffeinkonsum von Kindern und Jugendlichen tatsächlich bedenkenlos ist.

Laut SNF hat sich der Koffeinkonsum in dieser Altersgruppe in den letzten 30 Jahren um über 70 Prozent erhöht. Am stärksten steige der Umsatz der Getränkeindustrie im Segment der koffeinhaltigen «energy drinks».

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=48894&Nachricht_Title=Nachrichten_Tierversuch%3A+Koffein+verz%F6gert+Hirnentwicklung&type=0

http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0072539

Kommentar & Ergänzung:

Es stellt sich immer die Frage, ob und wie weit solche Rattenversuche auf den Menschen übertragen werden können.

Im „Tages-Anzeiger“ wurde Reto Huber direkt nach der Übertragbarkeit der Rattenversuche auf pubertierende Jugendliche gefragt:

„Das ist schwierig zu sagen. Dennoch sind Mensch und Ratten bei dem Thema in den wichtigsten Punkten absolut vergleichbar. So wirkt Koffein bei beiden ähnlich auf den Schlaf und die Müdigkeit. Auch die wichtigsten Parameter bei der Entwicklung lassen sich übertragen.“

Die Studie scheint jedenfalls zu zeigen, dass Koffein eingreifende Wirkungen im Gehirn entfalten kann. Das reicht allein schon aus, um Respekt vor dieser Substanz nahezulegen.

Allerdings stellt Huber im Interview ein allfälliges Risiko nicht als dramatisch dar.

Zur Vergleichbarkeit der Dosis, die den Tieren verabreicht wurde, mit den heute von Jugendlichen konsumierten Koffeinmengen, sagt er:

„Sie war eher am oberen Limit. Etwa so viel wie drei bis vier Tassen Kaffee pro Tag bei einem Menschen.“

Und auf die Frage, ob er nicht beunruhigt wäre, wenn ein Jugendlicher jeden Tag eine Coca-Cola trinkt:

„Nein, problematisch wird es aber, wenn der Konsum so hoch ist, dass direkte Auswirkungen wie Einschlafschwierigkeiten auftreten.“

Auf die Frage, ob der Koffeinkonsum während der Pubertät ein gravierendes Problem sei, bei dem beispielsweise die Eltern oder die Politik intervenieren müssten:

„Nein, ich würde das Koffein eher zu den vielen kleinen Risiken zählen, die das Leben so mit sich bringen. Natürlich kommt es auf die Dosis an. Aber es dürften nur wenige Kinder sehr viel Koffein konsumieren.“

Quelle:

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Bei-Einschlafschwierigkeiten-wird-es-problematisch/story/16012019

Fazit?

Für den „normalen Durchschnittsjugendlichen“ scheint ein Risiko aus diesen Resultaten nicht greifbar, was aber nicht ausschliesst, dass es empfindlichere Individuen gibt.

Spätestens wenn ein Jugendlicher viel „Energy Drinks“ konsumiert und Schlafstörungen zeigt, dürfte aber eine Reaktion angemessen sein.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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