Die Zeitschrift „Phytotherapie“ publizierte vor kurzem einen informativen Beitrag zu Wirkung und Anwendungsmöglichkeiten von Dill, einer alten Heilpflanze, die heute vor allem als Gewürz verwendet wird. Nachfolgend eine Zusammenfassung.

Die historischen Angaben zur medizinische Nutzung des Dills bei Albertus Magnus (1200 – 1280) und Paracelsus (1493 – 1541) gleichen sich weitgehend. Dill wird empfohlen als Karminativum (gegen Blähungen), Stomachikum (magenstärkendes Mittel), Galaktagogum (milchbildungsförderndes Mittel), Schmerzmittel, gegen Übelkeit, Mundgeruch, Hämorrhoiden, Kondylome und Schlaflosigkeit. Auf die weitverbreitete Nutzung des Dills verweist die Bemerkung, dass er »allen luten sy wolbekant« in einem der ersten gedruckten Kräuterbücher, dem Gart der Gesundheit (1485). Dem aromatischen Geruch verdankt der Dill seinen Ruf als Pestpflanze. So wurden die Früchte in Peststuben geräuchert und innerlich als Bestandteil des Tugendpulvers, als Roborans (Kräftigungsmittel) und Pesttherapeutikum verwendet.

Gegenwärtig wird Dill nur noch selten in der westlichen Phytotherapie genutzt, meist in Form von Dillwasser oder Sirup als Karminativum für Kinder, hauptsächlich in Großbritannien. In der Volksmedizin wurde Dill gegen eine Vielzahl von Beschwerden eingesetzt: Hämorrhoiden (als Presssaft), Skorbut (Vitamin-C-Gehalt des Krautes!), die Früchte gegen Zyklusstörungen und Erbrechen, das Kraut gegen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Niere, Harnwege, bei Schlafstörungen und Krämpfen, außerdem bei Tumoren, Kondylomen, Indurationen, Husten, Schluckauf, Bauchschmerzen, Brustgeschwüren, Prellungen, Wassersucht, Gelbsucht und als Diuretikum. Als Galaktagogum wird Dilltee auch heute noch angewendet.

Inhaltsstoffe

Ein großer Teil der Dill-Produktion wird für die industrielle Herstellung von eingelegtem Gemüse genutzt, vor allem von Gurken. Dillkraut enthält getrocknet 0,12 – 1,9% ätherisches Öl mit 6- 44% (+)-Carvon, Limonen, Dillether und Myristicin. Neben anderen Komponenten sind hauptsächlich Dillether, α-Phellandren, Limonen und Myristicin für das charakteristische Dillaroma verantwortlich. Die Zusammensetzung des ätherischen Öls, vor allem dessen Gehalt an (+)-Carvon schwankt stark. Außerdem enthält das Kraut Flavonolglykoside mit Quercetin und Isorhamnetin als Aglyka und es wurde Scopoletin nachgewiesen.

Dillfrüchte enthalten 2,5 – 4% ätherisches Öl. Es besteht im Wesentlichen aus (+)-Carvon, (+)-Limonen und α- Phellandren.

Ausserdem enthalten Dillfrüchte Furano- und Hydroxycumarine wie Bergapten und Umbelliferon, Flavonolglykoside, die sich vom Kämpferol, Isorhamnetin und Quercetin ableiten, sowie 10–20% fettes Öl.

Durch Wasserdampfdestillation der getrockneten Samen gewinnt man das schwach gelbe, kümmelähnlich riechende Dillöl (Anethi aetheroleum).

Wirkungen

Aus der Dillpflanze hergestellte Arzneimittel werden heute in der westlichen Medizin nur noch selten angewendet. Wissenschaftlich anerkannt ist der Einsatz von Dillfrüchten (Anethi fructus) Verdauungsbeschwerden (dyspeptische Bescherden). Sie wirken krampflösend auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts und schützen die Magenschleimhaut Auch in der vietnamesischen Medizin wird der Dill bei Darmkrankheiten eingesetzt. Die Kommission E bewertete den Einsatz bei dyspeptischen Beschwerden als positiv, jedoch kommt den Kümmelfrüchten durch ihre stärkere Wirkung auch eine größere Bedeutung zu. Dillfrüchte sind aber bei Blähungen, Völlegefühl und ähnlichen Verdauungsbeschwerden eine Alternative für Menschen mit einer Abneigung gegen den Kümmelgeschmack.

Die im ätherischen Öl von Dillkraut (Anethi herba) vorkommenden (+)-Carvon, Dillether und Limonen führen im Tierversuch zu einem Anstieg der Glutathion-S-Transferase in der Leber und der Dünndarmschleimhaut Dieses Enzym spielt bei der Entgiftung von organischen Substanzen im Körper eine bedeutende Rolle.

Durch viele Studien sind die antibakteriellen und fungistatischen Effekte des ätherischen Öls der Früchte und des Krautes belegt. Die antimikrobielle Aktivität einiger Inhaltsstoffe des Dills könnte ein Grund für dessen vielseitige Verwendung als Gewürz sein, da dadurch die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängert wird.

Das fruchtreife oberirdische Dillkraut entfaltet insektizide ( = insektentötende) und repellierende ( = insektenvertreibende) Wirkungen, u.a. durch die im ätherischen Öl enthaltenen Myristicin und Dillapiol.

Quelle:

Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 5/2013

Online

http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1349763

Kommentar & Ergänzung:

Von der Wirkung her gehört Dill in die Nähe von Fenchel, Kümmel und Anis. Er gilt in der Wirkung gegen Verdauungsbeschwerden aber als schwächer. Eine Wirksamkeit als Galaktagogum ist nicht belegt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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