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Heilpflanzen: Sammeln oder kultivieren? Was ist besser?

Natur

Avatar-FotoMartin Koradi06.12.2013

Über 90 Prozent der weltweit kommerziell genutzten Heilpflanzen werden direkt aus der Natur entnommen und nicht angebaut. Von den in Deutschland rund 1500 gehandelten Medizinalpflanzen stammen nur etwa 50 bis 100 Arten ausschließlich aus Kulturen, sagte Professor Dr. Maximilian Weigend von der Universität Bonn an einer Presseveranstaltung des Komitee Forschung Naturmedizin (KFN) in München.

Weltweit seien etwa 15 000 Heilpflanzenarten vom Aussterben bedroht, meist durch unkontrollierte Wildsammlung, erklärte Weigend.

Als Folge unkontrollierter Wildsammlung drohe zahlreichen Arten das «kommerzielle Aussterben», stellte der Referent fest. Gemeint sei damit ein so starken Rückgang der Bestände, dass diese keine Nutzung mehr vertragen. Die Ernte werde dadurch unwirtschaftlich oder illegal.

In Deutschland „kommerziell ausgestorben“ ist beispielsweise der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia).

Nach Ansicht von Fachleuten sind rund 14 Prozent der seit 1600 ausgestorbenen Pflanzen durch Übernutzung verschwunden.

Neben der Artenschutzproblematik stellen sich bei der Wildernte als weitere Schwierigkeiten die erschwerte Qualitätskontrolle (Nachernte, Verunreinigungen) sowie die Gefahr von Verfälschungen und die geringe Planbarkeit (Black-Box-System).

Vorteile wildgesammelter Heilpflanzen seien dagegen die echte oder angenommene höhere Wirksamkeit, die fehlende Notwendigkeit für Investitionen, die oft noch geringen Preise sowie gewisse öko-soziale Aspekte (z.B. Nutzung durch ärmste Bevölkerungsschichten) – sagte der Experte.

Weigend sprach sich an der Pressekonferenz für den kontrollierten Anbau von Heilpflanzen aus. Der Anbau sei (werbewirksam) biozertifizierbar und liefere hochwertiges Ausgangsmaterial mit vorhersagbarem Wirkstoffgehalt. Die Qualitätskontrolle sei bei den angebauten Heilpflanzen gut durchführbar. Die Kultur verursache allerdings hohe Kosten.

Sei ein Anbau nicht möglich, beispielsweise weil die Pflanze sehr langsam wächst oder zu geringen Ertrag liefert, biete die nachhaltige Wildsammlung eine Option. Dabei wird zum Beispiel nur ein definierter Anteil der erntereifen Pflanzen entnommen, es werden Ruheperioden für die Bestände eingehalten und es wird eventuell nachgesät. In sehr vielen Ländern sei die nachhaltige Wildsammlung heute die einzig legale Form der Sammlung, sagte Weigend.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=46922&Nachricht_ID=49922&Nachricht_Title=Nachrichten_Heilpflanzen:%20Vorsicht%20Ausrottung&type=0

https://kfn-ev.de/#Wiki::Media_Asset/show/media_asset_id=4903

Kommentar & Ergänzung:

Das braucht keinen grossen Kommentar. Die Nachhaltigkeit muss bei der Gewinnung von Heilpflanzen immer ein zentraler Punkt sein. An der Pressekonferenz ging es um kommerzielle Heilpflanzen-Nutzung.

Die aufgeworfenen Fragen stellen sich zum Teil auch beim Sammeln für den privaten Gebrauch. Selbstverständlich muss auch dabei der Artenschutz beachtet werden.

Das Selbersammeln von Heilpflanzen für den Eigengebrauch ist aus verschiedenen gründen wertvoll. Es vermittelt eine ganz andere Beziehung zu der betreffenden Heilpflanze, als wenn ich sie einfach in der Apotheke oder Drogerie kaufe. Und die Bewegung in der Natur hat schon für sich einen gesundheitlichen Wert.

Andererseits ist es tatsächlich beim Selbersammeln kaum möglich, die Qualität der Heilpflanzen zu beurteilen. Klar ist zudem, dass man als Kräutersammler fundierte Kenntnisse der Pflanzenwelt haben sollte, damit Verwechslungen ausgeschlossen werden können. Dieses Pflanzenwissen können Sie gut auf meinen Kräuterexkursionen erwerben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie/ Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

 

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