Die Österreichische Apothekerzeitung befasst sich in der Ausgabe Nr. 16 / 2014 unter anderem mit Psychopharmaka. Herausheben und kurz kommentieren möchte ich daraus die folgende Passage:

„Univ.-Prof. Dr. Michael Bach, Chiemseeblick Fachklinik für Psychosomatik, beleuchtete das Thema Psychopharmaka und Schmerz und räumte mit so manchen falschen Annahmen vor allem in Bezug auf Antidepressiva als Analgetika auf. So impliziert eine klinisch signifikante Schmerzreduktion durch ein Antidepressivum keineswegs eine „Psychogenese“ des Schmerzsyndroms; vielmehr sind die antinozizeptiven Eigenschaften unabhängig von der Ätiologie des Schmerzes.“

Quelle:

ÖAZ 16 / 2014-08-15

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2014/OAZ-2014-16.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Schon niedrige Dosierungen von Antidepressiva können bei chronischen Schmerzen analgetisch (schmerzstillend) wirken. Offenbar verändern diese Substanzen über komplexe chemische Vorgänge die Schmerzempfindlichkeit der Nervenfasern oder hemmen Übertragungsvorgänge an den Umschaltstationen des Rückenmarks. Die analgetischen Wirkungen der Antidepressiva treten in der Regel schon bei Dosierungen auf, die weit unterhalb derjenigen liegen, die man für eine antidepressive Wirkung braucht.

In diesem Zusammenhang werden bei chronischen Schmerzen manchmal auch Johanniskraut-Extrakte empfohlen, die man als phytotherapeutische Antidepressiva bezeichnen kann. Allerdings sind mir keine Studien bekannt, die speziell eine analgetische Wirkung von Johanniskrautpräparaten untersucht hätten. Die antidepressive Wirkung von Johanniskraut-Extrakt wurde dagegen in zahlreichen Studien dokumentiert.

Nun zu obigem Zitat:

Verschreibt oder empfiehlt man Antidepressiva bzw. auch Johanniskraut bei chronischen Schmerzen mit einer analgetischen Absicht, braucht es dazu eine klare Kommunikation.

Allzu leicht kommt bei den Betroffenen nämlich die Botschaft an, ihr Leiden sei „nur psychisch“. Chronische Schmerzpatienten haben oft einen langen Leidensweg hinter sich, auf dem sie in verschiedenen Formen immer wieder zu hören bekommen, dass bei ihnen keine klare körperliche Ursache fassbar sei. Statt „wir finden nichts“ kommt dann mit der Zeit nicht selten an: „Sie haben nichts“ – und die Betroffenen fühlen sich in die „Psycho-Ecke“ geschoben (wobei aber natürlich auch psychische Leiden real sind).

Verordnet oder empfiehlt man in solchen Schmerzsituationen ohne genauere Erläuterungen ein Antidepressivum, schlägt das in die gleiche Kerbe. Es kommt als „Psychologisierung“ an.

Darum muss in diesen Fällen die Absicht präzis erklärt werden: Dass es um eine Modulation der Schmerzverarbeitung geht – und nicht um einen antidepressiven Effekt.

Genau diesen Unterschied drückt das Zitat aus der „Österreichischen Apothekerzeitung“ aus.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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