Baldrianwurzelextrakte sind schon seit vielen Jahren Bestandteil der Phytotherapie bei Schlafstörungen und Unruhe.

In letzter Zeit sind allerdings Meldungen aufgetaucht, wonach Baldrian während einer Chemotherapie eingenommen die Wirkung der Chemotherapie beeinträchtigen könnte.

Ein Team aus Medizinern und Pharmakologen der Universitäten Leipzig und Rostock entschloss sich darum zu prüfen, ob es eine wissenschaftliche Grundlage für derartige warnende Hinweise gibt. Dazu untersuchten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die gesamte für dieses Thema relevante Fachliteratur. Die Recherche umfasste sowohl Untersuchungen unter Laborbedingungen als auch klinische Studien am Menschen. Ausgewertet wurden bei dieser systematischen Literaturrecherche die wichtigsten medizinischen Datensammlungen inklusive einer Datenbank für Medikamenten-Interventionen.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass in der Fachliteratur keine nennenswerten Hinweise auf Wechselwirkungen von Baldrianextrakten mit anderen Medikamenten zu finden sind. Krebspatienten, die guten Schlaf dringend brauchen, vor dem Einsatz von Baldrian zu warnen, schade daher mehr als es nütze. Beim Kauf von Baldrianpräparaten sollten Betroffene jedoch auf Qualität achten und sich gegebenenfalls vom Arzt oder Apotheker beraten lassen.

 

Quelle:

http://phytotherapie-komitee.de/#Publish_PIR::Press_Release/show/press_release_id=112

(Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, Vol. 2014 (2014), Article ID 879396, http://dx.doi.org/10.1155/2014/879396).

 

Kommentar & Ergänzung:

Phytopharmaka wie zum Beispiel die Baldrianextrakte enthalten Wirkstoffe und können daher potenziell mit anderen Medikamenten Wechselwirkungen (Interaktionen) auslösen.

Das ist ein grundsätzlicher Unterschied zu Homöopathika, Bachblüten und Schüssler Salzen, die keine Wirkstoffe enthalten und daher auch nicht mit Medikamenten interagieren können.

Daher ist das Thema „Wechselwirkungen“ bei Heilpflanzen-Präparaten ernst zu nehmen.

Allerdings gibt es in diesem Bereich auch immer wieder Warnungen, die sehr theoretisch und unrealistisch sind. Heilpflanzen enthalten in der Regel eine grössere Zahl an verschiedenen Inhaltsstoffen, wovon aber die meisten in tiefen Konzentrationen vorliegen.

Mit empfindlichen Testsystemen findet sich da leicht eine Substanz, die reagiert und als potentielle Interaktion in Frage kommt. Ob diese Substanz auch in „freier Wildbahn“, also in Patienten, eine Rolle spielt, ist daraus aber noch nicht ersichtlich.

 

Darum braucht es Sorgfalt in beide Richtungen, indem einerseits allfällige Wechselwirkungen aufmerksam im Auge behalten, aber andererseits auch nicht Warnungen ohne reale Grundlage verbreitet werden. Denn in den allermeisten Fällen sind Phytopharmaka gut verträglich.

 

Wichtig ist aber, dass Patientinnen und Patienten den behandelnden Medizinerinnen oder Medizinern mitteilen, wenn sie pflanzliche Präparate einnehmen. So können allfällige Wechselwirkungen erkannt werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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