Gemeint ist hier die Zeitschrift „Freundin“. Und die muss ihren Leserinnen wohl immer ein paar Sensationen anbieten, damit sie gekauft wird. Diät und Abnehmen sind nun mal Themen, die sehr gut ankommen.

Was genau sagt die „Freundin“?

„Johanniskrauttee kann während der Diät fast die Schokolade ersetzen. Das Kraut, dem antidepressive Wirkungen nachgesagt werden, regt die körpereigenen Glückshormone an und hilft durch das Motivationstief. Ein idealer Tee zum Abnehmen!“

Quelle:

https://www.freundin.de/lifestyle-gesundheit-tee-zum-abnehmen-diese-sorten-sollen-helfen-266071.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Gewagte Aussage. Ja, für Johanniskrautextrakte konnte eine stimmungsaufhellende Wirkung bei leichten und mittleren Depressionen gezeigt werden. Mit Johanniskrauttee wurde das nicht untersucht, doch ist eine solche Wirkung denkbar bei etwa drei Tassen täglich, wobei die Wirkung erst nach frühestens 14 Tagen zu erwarten ist.

Es ist immer fragwürdig, wenn solche Dosierungsfragen ausser Acht gelassen werden, wie im Zitat der „Freundin“. Das erweckt den Eindruck, dass man während der Diät gelegentlich ein Tässchen Johanniskrauttee trinken kann, um die Stimmung zu heben. Heilpflanzen-Anwendungen brauchen aber in der Regel ein gewissen Mass an Disziplin bezüglich Dosierung, Anwendungsdauer, Anwendungsform.

Und ja, Johanniskraut zeigt Einflüsse auf Neurotransmitter wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin, indem es an der Synapse die Wiederaufnahme dieser „Glückshormone“ hemmt. Es ist aber keineswegs geklärt, ob gesunde, also nicht-depressive Menschen mit „normalen“ Transmitter-Spiegeln von Johanniskraut profitieren.

Die Vorstellung, sich mit ein bisschen Johanniskrauttee aus dem „Motivationstief“ zu holen, ist sehr fragwürdig und wird auch dem Johanniskraut als Heilpflanze nicht gerecht.

Aber darum geht’s der „Freundin“ ja auch nicht.

 

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