Auf diese Frage antwortet die Ernährungsexpertin Marlies Gruber in einem Interview für die österreichische Zeitung „Kurier“:

„Besonders bei Medizinaltees sollte genau auf die Dosierung und den Anwendungszeitraum geachtet werden. Aufgrund seines hohen Wirkstoffgehaltes, sollte er ausschließlich bei Bedarf getrunken werden. Bei übertriebenem Konsum von beispielsweise Kamillentee kann es zu allergischen Hautreaktionen oder Übelkeit mit Erbrechen kommen. Aber auch herkömmlicher Melissen- oder Pfefferminztee sind keine Alltagsgetränke zum Durstlöschen. Denn alle Kräuter können pharmakokinetisch wirken. Alles was wirkt, kann auch unerwünschte Neben- oder Wechselwirkungen haben, wobei es bei häufigem Teegenuss auch zu Gewöhnungseffekten kommen kann. Daher ist es ratsam, nicht Unmengen derselben Sorte pro Tag zu trinken und nach zwei bis drei Wochen zwischen den Teesorten zu wechseln. Inklusive Grün- und Schwarztee sollte man sich pro Tag auf fünf Tassen Tee beschränken.“

Quelle:

https://kurier.at/gesund/kraeutertee-am-besten-frisch-aufgiessen-und-lange-ziehen-lassen/400346065

 

Kommentar & Ergänzung:

Mit dieser Aussage bin ich grundsätzlich einverstanden. Medizinaltees sollten regelmässig und in grösseren Mengen nur mit einer klaren Indikation getrunken werden, also dann, wenn konkrete Beschwerden oder Krankheiten die Anwendung dieser bestimmten Heilpflanze sinnvoll erscheinen lassen.

Als Alltagstee oder Durstlöscher würde ich die Teesorte abwechseln oder eine geeignete Teemischung zubereiten.

Kräuter wie Lindenblüten, Pfefferminze, Eisenkraut (Verveine), Karkade, Hagebutte (und andere) lassen sich gut dem eigenen Geschmack entsprechend mischen. Dadurch sinkt die zugeführte Wirkstoffmenge aus den einzelnen Kräutern, was die Möglichkeit unbeabsichtigter Wirkungen reduziert.

Im oben aufgeführten Zitat hat es allerdings einen Fehler:

„Denn alle Kräuter können pharmakokinetisch wirken.“

Hier müsste es heissen:

Denn alle Kräuter können pharmakodynamisch wirken.

Pharmakokinetik hat mit der Wirkung der Arzneimittel eben gerade nicht zutun, sondern mit den Aufnahme-, Umbau- und Ausscheidungsprozessen, denen das Arzneimittel im Organismus unterliegt.

Wikipedia dazu:

„Die Pharmakokinetik beschreibt die Gesamtheit aller Prozesse, denen ein Arzneistoff im Körper unterliegt. Dazu gehören die Aufnahme des Arzneistoffes (Resorption), die Verteilung im Körper (Distribution), der biochemische Um- und Abbau (Metabolisierung) sowie die Ausscheidung (Exkretion). Ist zusätzlich vor der Resorption die Freisetzung (Liberation) des Arzneistoffes aus der Arzneiform von Bedeutung, wird auch die Abkürzung LADME für die Gesamtheit dieser Prozesse verwendet.“

Die Pharmkodynamik dagegen beschreibt die Wirkung des Arzneimittels im Organismus.

Wikipedia dazu:

„Die Pharmakodynamik ist die Lehre über die Wirkung von Arzneistoffen im Organismus und ein Teilgebiet der Pharmakologie. Während die Pharmakodynamik die Wirkung auf den Körper beschreibt, behandelt die Pharmakokinetik die Verteilung und Verstoffwechselung im Körper.

Bei der Pharmakodynamik geht es um die Frage: Was macht der Wirkstoff mit dem Organismus? Bei der Pharmakokinetik geht es weitgehend um die Frage: Was macht der Organismus mit dem Wirkstoff?“

In der Phytotherapie – in der Fachliteratur und in Ausbildungen – steht die Pharmakodynamik der Heilpflanzen im Vordergrund. Es geht hauptsächlich um Wirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen.

Über die Pharmakokinetik der Heilpflanzen ist sehr viel weniger Wissen vorhanden. Es gibt aber einige Punkte, an denen Kenntnisse der Pharmakokinetik entscheidend sind und zu Fehlbehandlungen führen, wenn sie nicht berücksichtigt werden.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Wirkungen von Inhaltsstoffen, die im Reagenzglas entdeckt wurden, einfach auf den menschlichen Organismus übertragen werden, obwohl die betreffenden Inhaltsstoffe aus dem Verdauungstrakt gar nicht aufgenommen werden. So werden beispielsweise immer wieder systemische Wirkungen von Gerbstoffen oder Schleimstoffen beschrieben, obwohl Gerbstoffe und Schleimstoffe als solche nicht aus dem Verdauungstrakt in den Organismus gelangen. Daher können diese Wirkstoffe nur lokale Wirkungen auf Haut und Schleimhäuten entfalten.

Wenn Sie sich fundiert mit den Wirkungen der Heilpflanzen auseinandersetzen und dazu lernen möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.