Wissenschaftler haben fünf Studien ausgewertet und sind zum Schluss gekommen, dass ein Ginkgo-Extrakt bei Tinnitus und Schwindel von Demenzpatienten wirksamer ist als ein Scheinmedikament (Placebo).

Tinnitus und Schwindel treten in fortgeschrittenem Alter häufiger auf und werden häufig als Begleitsymptome bei Patienten mit einer Demenzerkrankung beobachtet.

Frühere klinische Studien erbrachten schon Hinweise darauf, dass eine pflanzliche Zubereitung aus Ginkgo biloba effektiv zur Linderung von Tinnitus und Schwindel bei älteren Patienten sein könnte. Allerdings waren diese Hinweise nicht gut gesichert. Mediziner aus der Schweiz und aus Deutschland haben nun in einer Meta-Analyse randomisiert-kontrollierte Studien zu Ginkgo für die Behandlung von Tinnitus und Schwindel im Rahmen einer Demenzerkrankung analysiert.

In die Meta-Analyse wurden Studien eingeschlossen, die folgende Kriterien erfüllten:

Demenzdiagnose nach allgemein akzeptierten Kriterien, Behandlungsphase von mindestens 20 Wochen, Tests zu wenigstens zwei der drei konventionellen Demenzmaße (Kognition, globale Einschätzung, Alltagskompetenz) und Vorhandensein und Schweregrad von Schwindel und Tinnitus. Die Forscher fanden so fünf Studien, die schließlich für die Untersuchung herangezogen wurden. Das Risiko für systematische Fehler (Bias) stuften sie als niedrig ein. In allen Studien kamen 11-Punkte-Skalen zur Einschätzung des Schweregrads von Tinnitus und Schwindel zur Anwendung. Insgesamt zeigte die Meta-Analyse, dass die Ginkgo-Therapie wirksamer war als das Placebo.

Quellen:

https://derstandard.at/2000097004351/Ginkgo-verbessert-Tinnitus-und-Schwindel-bei-Demenzpatienten

Originalpublikation: Ginkgo biloba extract EGb 761® alleviates neurosensory symptoms in patients with dementia: A meta-analysis of treatment effects on tinnitus and dizziness in randomized, placebo-controlled trials. –

https://www.dovepress.com/ginkgo-biloba-extract-egb-761reg-alleviates-neurosensory-symptoms-in-p-peer-reviewed-article-CIA

Kommentar & Ergänzung:

Tinnitus ist ein interessantes Thema für Ginkgo-Präparate und es ist sehr begüssenswert, wenn dazu mehr geforscht und die Wirkung besser belegt wird.

Die Qualität dieser Meta-Analyse kann ich nicht beurteilen.

Dove Medical Press, die Plattform, auf der die Studie publiziert wurde, ist aber peer-reviewed, das heisst: Studien werden vor der Veröffentlichung von Fachleuten, die mit der Materia vertraut sind, begutachtet. Das ist eine Qualitätssicherungsmassnahme, die zwar nicht fehlerfrei funktioniert, aber doch als Qualitätsmerkmal gilt.

Zur Meta-Analyse ist noch zu sagen, dass die Resultate nur für den unteruchten Ginkgo-Extrakt EGb 761® gilt und nicht auf andere Ginkgo-Extrakte übertragen werden kann.

Das ist geneerell ein wichitger Punkt in der Phytotherapie: Verschiedene Zubereitungsarten lassen sich in der Wirksamkeit nicht ohne weiteres gleichsetzen. Es kommt also sehr darauf an, ob ein Kräutertee, eine Pflanzentinktur oder ein Pflanzenextrakt zum Einsatz kommt, und wie beispielsweise der Extrakt hergestellt wurde.

Der Ginkgo-Extrakt EGb 761® ist in der Schweiz im Präparat Tebofortin® enthalten und in Tebokan®. Tebokan wird nach ärztlicher Verschreibung von der Grundversicherung bezahlt. Ich schreibe das nicht als Werbung. Dieser Ginkgo-Extrakt ist einfach der mit Abstand am besten belegte und es ist auch sehr zu schätzen, dass der Hersteller konsequent in die Erforschung von EGb 761® investiert.

Wem die Phytotherapie wichtig ist, der sollte meines Erachtens vorzugsweise forschende Phytopharmaka-Firmen unterstützen, und nicht Trittbrettfahrer, die sich ohne eigene Anstrengung eigene Produkte zusammenbasteln, unter Nutzung der Forschungsanstregungen anderer Hersteller.

Wenn Sie Heilpflanzen-Wissen in fundierter und verständlicher Form erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar  und der Phytotherapie-Ausbildung.