Johanniskraut wird in der Phytotherapie als stimmungsaufhellendes Mittel bei leichten und mittelschweren Depressionen eingesetzt. Dabei wird immer wieder auf die Gefahr einer erhöhten Lichtempfindlichkeit hingewiesen, die bei der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten eintreten könnte.

Thomas Benkert, Vizepräsident der Bundesapothekerkammer, sagt dazu im Portal Apotheke-adhoc:

«Bei dem antidepressiven Johanniskraut wird die Nebenwirkung der Lichtempfindlichkeit hingegen oft überschätzt. Eine ausgeprägte Phototoxizität wurde bislang nur bei Weidetieren mit hellem Fell beschrieben, die große Mengen der Pflanze fraßen. Wenn ein Patient die therapeutischen Dosierungen nicht überschreitet und extreme Strahlung meidet, sind keine ernsten Symptome der Fototoxizität zu erwarten.»

Bei therapeutischer Dosierung der Johanniskraut-Präparate seien keine ausreichend hohen Konzentrationen zu erreichen, die zu Hautschäden führen könnten.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/phototoxische-reaktionen-der-haut-diuretika-antibiotika-und-johanniskraut/

Kommentar & Ergänzung:

Es spricht sehr viel dafür, dass die Erhöhung der Lichtempfindlichkeit als Nebenwirkung bei der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten überschätzt wird.

Ausgelöst wird dieser vor allem bei Weidetieren beobachtete Effekt durch den Inhaltsstoff Hypericin.

Johanniskrautextrakte enthalten pro Tagesdosis maximal 1 mg Hypericin. Es müssten für eine gesteigerte Lichtempfindlichkeit aber Dosen von 30 bis 50 mg am Tag eingenommen werden.

Siehe dazu:

Zum Thema “Johanniskraut & erhöhte Lichtempfindlichkeit”

Trotzdem sollten insbesondere hellhäutige Personen bei Einnahme von Johanniskraut starke UV-Strahlung meiden.

Eine Studie mit 20 Testpersonen spricht ebenfalls dafür, dass das  Risiko einer Erhöhung der Lichtempfindlichkeit überschätzt wird.

Siehe dazu:

Risiko der Photosensibilisierung durch Johanniskraut wird überschätzt

Johanniskraut & Sonnenlicht

Immer wieder kommt auch die Frage auf, ob bei äusserlicher Anwendung von Johanniskraut zum Beispiel in Form von Johannisöl eine erhöhte Lichtempfindlichkeit zu erwarten ist.

Es spricht jedoch alles dafür, dass vom Hypericin auf dem Weg über die Haut kein Risiko einer Photosensensibilisierung ausgeht. Allenfalls bewirkt der „Brennglaseffekt“ des fetten Johannisöls ein erhöhtes Sonnenbrandrisiko.

Details zu dieser Frage siehe hier:

Photosensibilisierung durch Johannisöl?

Johannisöl ist ein altes Hausmittel in der Wundbehandlung, gegen Sonnenbrand, zur Narbenpflege usw..

Wann genau eine Anwendung von Johannisöl sinnvoll ist, müsste noch genauer unter die Lupe genommen werden. Vor allem für die Wundbehandlung gilt die Anwendung von Fetten und Ölen für überholt.

Fundierte Informationen zur Anwendung von Johanniskraut gibt es in meinen Lehrgängen.