Gegenwärtig werden vor allem im Internet alle möglichen Heilpflanzen gegen Coronaviren empfohlen. Die Empfehlungen sind aber oft Schnellschüsse, weil man über eine Wirksamkeit von Heilpflanzen bei einer derart neuen Krankheit naturgemäss nichts Fundiertes aussagen kann. Unter anderem kommt in diesem Zusammenhang auch Süssholz zur Sprache.

Dass Süssholz bei Covid-19 propagiert wird, hängt mit Untersuchungen zusammen, die vor mehr als 15 Jahren im Kontext der damals aktuellen SARS-Epidemie durchgeführt wurden.

In der Zeitschrift Phytotherapie.at (3/2020) der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie bringt Reinhard Länger den Erkenntnisstand zur antiviralen Wirkung von Süssholz auf den Punkt:

«Die Süßholzwurzel schaffte es dank COVID-19 wieder in die Medien. Bereits vor mehr als 15 Jahren veranlasste die Bedrohung durch SARS-Viren die Wissenschaft, antivirale Wirkstoffe zu suchen – auch in der Natur. Glycyrrhizinsäure erwies sich in Zellkulturen als vielversprechende Substanz, welche die Virusreplikation, Adsorption an und Penetration in die Wirtszelle beeinflussen kann. Nachdem es nach SARS wieder still wurde, werden neuerdings Hoffnungen geschürt. Was fehlt, sind klinische Daten, da von Effekten an einer Zellkultur nicht auf eine Wirksamkeit am Menschen geschlossen werden darf. Dennoch findet sich auch in aktuell empfohlenen Rezepturen, beispielsweise aus der TCM, die Süßholzwurzel.»

In diesem Abschnitt wird ein wichtiges Problem kompakt erklärt: Empfehlungen von Heilpflanzen im Internet basieren oft auf Laborergebnissen. Laboruntersuchungen kosten im Vergleich zu Studien mit Patienten sehr viel weniger Zeit und Geld. Deshalb werden sehr viel mehr Laborstudien mit Heilpflanzen durchgeführt als Patientenstudien.

Im Reagenzglas zeigen sich auch oft sehr eindrückliche Wirkungen. Der Effekt von Glycrrhizinsäure auf SARS-Viren ist dafür ein Beispiel.

Süssholz-Effekte im Labor sagen nichts aus über Wirkungen am Menschen

Es ist aber für Fachleute und Laien enorm wichtig, sich immer wieder klar zu machen, dass von Laborergebnissen noch nicht auf eine Wirksamkeit beim Menschen geschlossen werden kann.

Wenn Heilpflanzen-Präparate auf der Basis von wissenschaftlichen Laboruntersuchungen propagiert werden, dann sind diese Empfehlungen Propaganda und sind eben nicht wissenschaftlich fundiert. Wer ein Heilpflanzen-Präparat kauft, das seine Wirkung nur im Reagenzglas gezeigt hat, fällt ziemlich sicher auf Propaganda herein.

Am Beispiel Süssholz lässt sich das gut zeigen. In welchen Mengen Glycyrrhizinsäure eingenommen werden müsste, damit sie auch im menschlichen Organismus antiviral wirkt, ist nicht bekannt. Es spricht aber alles dafür, dass es Mengen wären, die im Organismus unerwünschte Nebenwirkungen auslösen würden.

Süssholzsaft und damit Glycyrrhizinsäure sind Bestandteil der Lakritze. Nimmt man übergrosse Mengen Lakritze ein, kann die Glycyrrhizinsäure den Cortisolspiegel im menschlichen Organismus beeinflussen und zum Beispiel Bluthochdruck auslösen.

Wenn also auf obskuren Internetseiten Süssholz bei Corona empfohlen wird, dann tönt das zwar super. Es steht aber nicht auf einer seriösen Grundlage.

Das Internet bietet eine unfassbar grosse Menge an Informationen – auch über Heilpflanzen. Gratis zu haben innert Sekunden, aber ohne Qualitätssicherung. Weil jede und jeder etwas ins Internet stellen kann, stösst man dort neben wertvoller Information auch auf sehr viel Fehlinformationen und Propaganda.

Wenn Sie lernen wollen, wie man diese Informationen sortieren und die Spreu vom Weizen trennen kann, dann schauen Sie sich mal die Ausschreibungen für meine Lehrgänge an.

Im Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung ist es mir ein Anliegen, diese Fähigkeiten zu vermitteln. Fundiertes Wissen schützt vor Fehlinformationen und Propaganda.