Die Brennnessel soll einen hohen Eisengehalt haben. Die Frage, ob das stimmt, wird mir oft in Kursen gestellt. Sie ist gar nicht so einfach zu beantworten. Unter anderem deshalb, weil die Angaben zum Eisengehalt der Brennnessel in der entsprechenden Literatur sehr unterschiedlich ausfallen. Das könnte damit zusammenhängen, dass der Gehalt abhängig ist von Eisengehalt im Boden.

Aber man kann zu mindestens versuchen, einer Antwort auf diese Frage näher zu kommen.

Der Eisenbedarf ergibt sich aus den täglichen Eisenverlusten über Stuhl, Urin und Schweiß und liegt bei etwa 1 mg pro Tag. Bei Frauen kommen dazu noch Verluste durch die Regelblutung. Während des Wachstums und in der Schwangerschaft ist der Eisenbedarf grösser.

Es reicht allerdings nicht aus, Eisen in Höhe des Bedarfs von etwa 1 mg täglich mit der Nahrung aufzunehmen. Denn nur rund 10-15% des Eisens in der Nahrung ist für den menschlichen Organismus tatsächlich verfügbar. Diese eingeschränkte Aufnahme hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in den Empfehlungen für die Eisenzufuhr berücksichtigt. Sie empfiehlt zur Deckung des täglichen Eisenbedarfs von etwa 1 mg, dass Jugendliche und Erwachsene zwischen 10 mg (Männer) und 15 mg (Frauen) und Kinder zwischen 8 und 10 mg Eisen pro Tag aufnehmen. Schwangeren und Stillenden werden deutlich höhere Aufnahmemengen von 30 bzw. 20 mg pro Tag empfohlen.

Und jetzt zum Eisengehalt der Brennnessel

Ein Ernährungsberater des Bundeszentrum für Ernährung schreibt zum Eisengehalt:

«100 g Brennnessel enthalten 4100 µg Eisen….durch den geringeren Wassergehalt enthalten 100 g getrocknete Brennnessel noch mehr Eisen.“

Das deutet darauf hin, dass sich die 4100 µg Eisen auf frische Brennnessel beziehen. 4100 µg Eisen = 4,1mg. Diese Angabe basiert offenbar auf einer Nährwerttabelle der DGE.

Das würde dann heissen, es braucht eine Verzehrmenge von 375g frische Brennnessel um 15mg Eisen zuzuführen. Das ist eine ziemlich unrealistische Menge.

Es gibt noch eine weitere Tabelle zum Eisengehalt in Gewürzen und Kräutern:

„Gemessen an ihrem Eisenanteil je 100 Gramm schlagen einige Kräuter und Gewürze die genannten Lebensmittel um Längen. Da man sie jedoch meist nur in kleinen Mengen verzehrt, fallen sie als Eisenlieferant letztlich kaum ins Gewicht. Unter anderem besitzen folgende Vertreter dieser Kategorie einen hohen Eisenwert:

  • Kardamom: 100 Milligramm
  • Petersilie (getrocknet): 97,8 Milligramm
  • Grüne Minze (getrocknet): 87,5 Milligramm
  • Zimt: 38,1 Milligramm
  • Brennnesseln (getrocknet): 32,3 Milligramm“

Quelle: https://www.gesundheit.de/ernaehrung/rund-ums-lebensmittel/viel-eisen

Die Werte für den Eisengehalt hier sind höher. Aber es würde immer noch etwa 50 Gramm getrocknete Brennnessel brauchen, um 15 mg Eisen zuzuführen. Und das täglich über lange Zeiträume.

Auffallend an dieser Tabelle ist zudem, dass Grüne Minze und Petersilie die Brennnessel deutlich übertreffen.  So überragend, wie das oft dargestellt wird, ist die Brennnessel als Eisenquelle offensichtlich nicht.

Quellen:

https://www.bzfe.de/forum/index.php/forum/showExpMessage/id/44920/page1/20/searchstring/+/forumId/

http://www.t-online.de/gesundheit/ernaehrung/id_82267698/zehn-pflanzliche-eisenlieferanten-die-jeder-kennen-muss-.html