Für Cannabis gibt es eine ganze Reihe von sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten in der Palliativmedizin. Sandra Pittl und Daniela Elisabeth Eigenmann habe dazu einen Beitrag geschrieben in der «Zeitschrift für Phytotherapie (4/2026). Sie gehen dabei auch auf die wissenschaftliche Studienlage ein.
Medizinalcannabis: Wie stehts mit der wissenschaftlichen Evidenz in der Palliativmedizin?
Zu folgenden Anwendungsbereichen beschreiben die Autorinnen die Studienlage:
► Schmerztherapie:
«Es bestehen Hinweise auf eine moderate Schmerzlinderung beim Einsatz von medizinischen Cannabispräparaten in der Palliativmedizin, wobei die Evidenz gemäß dem Positionspapier der European Pain Federation (EFIC 2018) am stärksten für chronische neuropathische Schmerzen ist. Bei akuten Schmerzen zeigt Cannabis keine klinisch relevante Wirkung.»
► Übelkeit und Erbrechen:
«Cannabinoide (vor allem THC bzw. Dronabinol) können Übelkeit und Erbrechen lindern, besonders wenn diese durch Chemotherapien ausgelöst werden und Standardmedikamente nicht ausreichen. In den USA ist Dronabinol in Form von Kapseln (Marinol) zugelassen bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen.»
► Appetitverlust / Gewichtsverlust:
«THC-haltige Präparate wirken appetitanregend. Die Evidenz für eine signifikante Gewichtszunahme bei Krebspatienten ist allerdings gering; deutlicher ist dieser Effekt bei HIV/AIDS-Patienten belegt. So ist Marinol auch bei dieser Indikation in den USA zugelassen.»
► Lebensqualität:
«Viele Patienten berichten von einer Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens, besserem Schlaf und einer stimmungsaufhellenden Wirkung. In kontrollierten Studien lässt sich dieser „Global Impression of Change“ jedoch nicht immer statistisch gegenüber Placebo absichern.»
(Literaturangaben im Originalartikel)
Cannabinoide, also Wirkstoffe aus Cannabis) zeigen in verschiedenen In-vitro-Modellen (also im Reagenzglas) krebshemmende Effekte. Allerdings lassen sich Ergebnisse aus Laborexperimenten nicht so einfach auf die Anwendung beim Menschen übertragen.
Wegen der ungenügenden Datenlage am Menschen ist ein Einsatz von Cannabis als primäres Mittel gegen Tumorerkrankungen derzeit jedoch nicht indiziert. Zur Linderung von verschiedenen Beschwerden in den Bereichen Onkologie und Palliativmedizin hat Cannabis aber durchaus Potenzial. Bei passenden Indikationen können Cannabispräparate von Ärzten und Ärztinnen verschrieben werden.
Ausserdem:
► Einen Beitrag von mir zum Thema «Phytotherapie in Palliative Care / Palliativmedizin» in der «Zeitschrift für Phytotherapie» gibt es hier.
► Zweimal jährlich biete ich ein Tagesseminar an zum Thema:
Heilpflanzen-Anwendungen in Onkologiepflege und Palliative Care». Info hier.


