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Isländisches Moos gegen Husten (Cetraria islandica)

Phytotherapie

Avatar-FotoMartin Koradi27.10.2015

Isländisches Moos (Cetraria islandica) wird aufgrund des hohen Gehalts an Schleimstoffen als linderndes Mittel bei trockenem Reizhusten eingesetzt. Einschränkend ist bei der Anwendung als Tee allerdings der ausgesprochen bittere Geschmack. Reinhard Länger empfiehlt in der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie“ (Nr. 4 / 2015) deshalb die Zubereitung als Kaltauszug:

„Untersuchungen am Dept. für Pharmakognosie der Univ. Wien haben ergeben, dass im Gegensatz zu vielen Literaturangaben die Flechtensäuren in kaltem Wasser nur schlecht löslich sind und daher Kaltauszüge (Mazerate) nicht bitter schmecken. Sie enthalten aber denn noch ausreichend Schleimstoffe, so dass sie bei Reizhusten und entzündlichen Mund- und Rachenerkrankungen sowie Heiserkeit gut eingesetzt werden können. Aus praktischen Gründen empfiehlt es sich, am Morgen eine größere Menge Kaltauszug herzustellen und diesen im Kühlschrank zu lagern. Über den Tag verteilt können dann kleinere Mengen leicht erwärmt zum Gurgeln, Spülen oder Trinken verwendet werden. Aus Gründen der mikrobiologischen Qualität sollten am Abend eventuelle Reste des Mazerats entsorgt werden. Erfolgt die Extraktion mit Wasser, das auch nur leicht angewärmt ist, schmeckt der Teeaufguss extrem bitter.“

Quelle:

https://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0415.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Für den Geschmack ist der Kaltauszug zweifellos von Vorteil. Allerdings entfernt man mit den bitteren Flechtensäuren auch die antimikrobielle Wirkung des Isländischen Mooses. Für die Behandlung von trockenem Reizhusten sind die Flechtensäuren jedoch nicht relevant.

Der Name „Isländisches Moos“ ist im übrigen ziemlich irreführend, da es sich um eine Flechte handelt, nicht um ein Moos. Flechten bestehen aus einer Symbiose zwischen Pilz und Alge. „Isländische Flechte“ wäre eine treffendere Bezeichnung.

Und diese Flechte kommt zwar in Island vor, aber auch bei uns in den Alpen. Dort wächst sie recht häufig am Boden und kann leicht entdeckt werden, wenn man sie kennt.

Auf vielen Kräuterwanderungen in den Bergen, die ich im Sommerhalbjahr anbiete, können Sie „Isländisches Moos“ in der Natur kennenlernen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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