Knoblauch zur Vorbeugung von Erkältungen

Das Magazin „Focus“ hat einen Artikel publiziert zum Thema „Mythen im Faktencheck: Was Sie wirklich schützt vor Husten und Schnupfen.“

Dabei nimmt der Text auch den „Mythos 4“ unter die Lupe:

„Wer täglich Knoblauch isst, bekommt keine Infekte.“

Das stimme teilweise, schreibt die Autorin, und führt dazu aus:

„Knoblauch soll fast in jeder Form die Immunabwehr stärken, manche schwören sogar darauf, bei einer aufziehenden Erkältung eine geschälte Knoblauchzehe ins Ohr zu stecken. Das ist allerdings Humbug. Nachweislich wirksam ist Knoblauch zur Infektabwehr jedoch, wenn täglich zwei Knoblauchzehen verzehrt werden, das zeigt die Analyse mehrerer Studien zu diesem Thema.

Die Wirkung entfaltet sich vor allem durch rohen, zerdrückten oder gehackten Knoblauch. Erst Zerkleinern setzt das Enzym Alliinase frei, das wiederum die Bildung von Allicin anstößt, der Stoff, der die Immunabwehr auf Trab bringt. Tipp: Wer rohen Knoblauch zu scharf findet, kann ihn beispielsweise mit Honig zu sich nehmen.

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/ohne-erkaeltung-durch-den-herbst-kuessen-kaelte-und-knoblauch-mythen-zum-thema-erkaeltung-im-faktencheck_id_9858852.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Knoblauch und Erkältungen – was ist dran?

Knoblauch wurde früher vor allem gegen Infektionskrankeiten eingesetzt, gegen Pest und Cholera, bei Grippeepidemien, Maul- und Klauenseuche, Thypus und Tuberkulose.

Tatsache ist, dass Knoblauch mit seinem Hauptwirkstoff Allicin / Alliin im Labor in Bakterienkulturen Bakterien abtöten kann. Ob und wie stark diese Wirkung auch in einem erkrankten Menschen zum Tragen kommt ist aber unklar.

Heute wird Knoblauch in der Phytotherapie hauptsächlich im Bereich der Kreislauferkrankungen eingesetzt, zum Beispiel als mildes Mittel bei Bluthochdruck, zur leichten Senkung des Cholesterinspiegels und zur Verbesserung der Blutfliesseigenschaften.

Es ist aber natürlich auch sehr interesssant, wenn der alte Mythos von der Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten mit Knoblauch wissenschaftlich untersucht wird. Und es hat mich sehr gefreut, dass die renommierte Cochrane Collaboration sich mit diesem Thema befasst.

Der Artikel im Magazin „Focus“ ist aber irreführend und zum Teil auch schlicht falsch. Wenn da steht, dass die vorbeugende Wirkung von Knoblauch gegen Erkältungen „nachweislich“ durch „Analyse mehrerer Studien“ belegt ist, dann stimmt das so nicht.

Cochrane wertet in der Regel alle relevanten Studien zu einer bestimmten Fragestellung aus und zieht dann eine Schlussfolgerung. In diesem Fall beschreiben die Autoren in der von „Focus“ verlinkten Originalpublikation, dass sie 6 für das Thema potenziell relevante Studien fanden (in einem späteren Update waren es 8).

Aber: Nur eine von diesen 8 Studien hat die Qualitätsanforderungen der Forscher erfüllt und wurde deshalb ausgewertet. Es kann also nicht die Rede sein von der „Analyse mehrer Studien“, die „nachweislich“ die Wirksamkeit belegen.

Die Studie gibt zwar Hinweise auf eine vorbeugende Wirkung, doch halten die Forscher die Qualität dieser Ergebnisse offenbar für nicht für in allen Punkten hoch.

Sie halten es für möglich, dass die Verblindung der Versuchspersonen nicht genügte. Die Probanden können also gemerkt haben, ob sie der Knoblauchgruppe oder der Placebogruppe zugeteilt sind.

Ansonsten beurteilen die Wissenschaftler die Studie aber recht positiv, bleiben aber in den Schlussfolgerungen zurückhaltend:

„There is insufficient clinical trial evidence regarding the effects of garlic in preventing or treating the common cold. A single trial suggested that garlic may prevent occurrences of the common cold but more studies are needed to validate this finding. Claims of effectiveness appear to rely largely on poor-quality evidence.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/ohne-erkaeltung-durch-den-herbst-kuessen-kaelte-und-knoblauch-mythen-zum-thema-erkaeltung-im-faktencheck_id_9858852.html

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD006206.pub4/epdf/full

 

Die Studie ist trotzdem interessant. Ich habe sie in einem früheren Beitrag vorgestellt:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

Ausserdem hier:

Knoblauch gegen Schnupfen wirksam?

Dort ist auch nachzulesen, dass die verwendete Knoblauchtablette einer Tagesdosis von 14 bis 36 g frischen Knoblauch entspricht. Das ist ziemlich viel, wenn man die möglichen sozialen Nebenwirkungen berücksichtigt. Auch diesen nicht unwesentlichen Umstand lässt der Bericht im „Focus“ weg.

Ich bin nicht dagegen, wenn jemand Knoblauch vorbeugend gegen Erkältungen einnimmt. Es ist auch nicht auszuschliessen, dass dafür sogar eine Wirkung vorhanden ist, die bisher einfach nicht belegt werden konnte (wenn das auch unwahrscheinlich ist).

Der Bericht im „Focus“ stellt aber eine eher schwache Studienlage sehr überzogen dar und führt die Leserinnen und Lesern damit hinters Licht.

Falls Sie an fundiertem Wissen über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen interessiert sind, empfehle ich meine Lehrgänge, die Phytotherapie-Ausbildung und das Heilpflanzen-Seminar.