Naturheilkunde boomt. Dabei werden die verschiedenen Methoden allerdings oft sehr oberflächlich und unkritisch konsumiert. Es fehlt weit gehend an einer fundierten Auseinandersetzung.

Fernsehsendungen, Zeitschriften, Internet – wir werden überschwemmt mit Informationen, Empfehlungen, Ratschlägen, Behauptungen und Versprechungen zu naturheilkundlichen Fragen – auch im Bereich der Heilpflanzen. Es gibt drei grundverschiedene Wege, mit dieser Flut umzugehen:

1. Alles ablehnen oder ignorieren.
Damit entfällt jeder Aufwand, den eine sorgfältige Prüfung mit sich brächte, aber auch jede Chance, etwas Neues zu lernen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

2. Alles kritiklos für wahr halten und keine Fragen stellen.
Auch damit entfällt jeder Aufwand, den eine sorgfältige Prüfung mit sich brächte. Alle Behauptungen stehen gleich-gültig nebeneinander. Mit Ludwig Marcuse lässt sich dieser Zustand beschreiben als “Faulheit des kritiklosen Für-wahr-Haltens”.

3. Den Versuch wagen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das ist nicht einfach und braucht Zeit.

Ich plädiere mit Nachdruck für Weg Nr. 3: Wir müssen gerade in der Naturheilkunde lernen, sorgfältig zu prüfen und kritische Fragen zu stellen, Widersprüche zu erkennen und anzusprechen. Es fehlt in der Naturheilkunde weitestgehend an einer institutionalisierten Qualitätssicherung. Weil wissenschaftliche Kriterien in weiten Bereichen der Naturheilkunde als nicht relevant gelten, stehen alle Behauptungen grösstenteils ungeprüft nebeneinander. Darum würde es als Ersatz mindestens die kritische Diskussion auf der Basis von Argumenten brauchen. Leider fehlt eine solche Diskussionskultur in der Naturheilkunde fast vollkommen. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, diese Art der sorgfältig-kritischen Auseinandersetzung im Bereich der Phytotherapie / Pflanzenheilkunde zu führen und in meinen Kursen und Ausbildungen zu lehren. Glücklicherweise existiert innerhalb der Phytotherapie eine “Szene”, welche diese kritische Diskussionskultur unter Einbezug wissenschaftlicher Erkenntnisse pflegt. Nur so können wir meines Erachtens die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen Schritt für Schritt fundiert klären und damit unsere Verantwortung gegenüber Patientinnen und Patienten wahrnehmen. Wer nur blind alles glaubt und nachplappert macht es sich einfach und nimmt die Verpflichtung zu professionellem Handeln nicht ernst.

Ein weiterer Beitrag zu diesem Thema:
Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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