Der Frühling ist traditionell die Zeit des Heilfastens. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Manche Fastende erhoffen sich eine spirituelle Reinigung, viele wollen aber auch körperlich ein paar Fettpolster und Schlacken abbauen.

Ernährungsfachleute betonen aber immer wieder, dass man dauerhaft nur Gewicht verlieren kann, wenn man sich mehr bewegt und seinen Speiseplan längerfristig auf kalorienärmere Mahlzeiten umstellt. Und auch dem Entschlackungsmotiv erteilen ErnährungswissenschaftlerInnen eine klare Absage. “Im menschlichen Körper”, erklärt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, “gibt es keine Ansammlung von Schlacken.” Unverwertbare Stoffwechselprodukte scheide der Körper vielmehr laufend über Haut, Niere, Darm oder Lunge aus.

Nichtsdestoweniger existieren für einige Wirkungen des Fastens auch wissenschaftliche Belege. So könne es, wie Naturheilkunde-Experte Bernhard Uehleke von der Freien Universität Berlin erläutert, bei entzündlichen Erkrankungen wie Neurodermitis und Rheuma helfen, weil der Organismus physiologisch umgestimmt wird: “Er schaltet auf Bewältigungsstrategien um, die weniger zu schmerzhaften Entzündungen führen.” Zum Beispiel reduziert der Fleischverzicht den Wert an Arachidonsäure – und dieser Stoff bildet die chemische Basis für schmerzhafte Entzündungsreaktionen.

In einer Dissertation des Universitätsklinikums Jena an 36 Arthrose-Patienten führte ein 15tägiges Heilfasten zu deutlichen Besserungen der Beschwerden. Die eingeschränkten Gelenkfunktionen besserten sich und die Schmerzen nahmen ab. “Niemand kann allerdings lebenslang fasten, um die Gelenkveränderungen zu stoppen”, sagt Studienbetreuerin Professorin Christine Uhlemann. Trotzdem könne eine Fastenkur auch längerfristig wirken, wenn die Patienten danach ihr Ernährungsverhalten umstellen und vor allem die Fleischzufuhr deutlich vermindern.

Darüber hinaus bewirkt Fasten eine Stärkung des Immunsystems: Es vermehrt im Darm die für die Virusabwehr zuständigen Immunglobuline, und diese Wirkung lässt sich teilweise auch noch drei Monate nach Beendigung einer Fastenkur nachweisen. Physiologe Yurly Zverev von der Universität Malawi entdeckte zudem, dass Fasten den Geschmackssinn schärft. “Vor allem unser Geschmackssinn auf Süßes und Salziges”, so erläutert er, “reagiert danach sensibler als vorher.” Bittere Geschmacksnoten werden dagegen nach dem freiwilligen Essensentzug nicht stärker wahrgenommen.

Nichtsdestoweniger sollten die Effekte des Heilfastens nicht überschätzt werden. Wenn von “durchschlagenden Heilerfolgen” bei Schuppenflechte und Diabetes gesprochen wird, bleibt Skepsis angebracht. Und wenn der bekannte österreichische Heilpraktiker Rudolf Breuss behauptet, dass “Krebsgeschwülste absterben”, indem man 42 Tage lang ausschliesslich Gemüsesaft und Tee zu sich nimmt, wird es gefährlich. “Denn diese Behauptung ist durch nichts bewiesen”, betont die deutsche Krebsgesellschaft. Wer sich an die Ratschläge des umtriebigen Heilpraktikers halte, müsse vielmehr mit einer Mangelernährung “und damit mit einer zusätzlichen Schwächung des Immunsystems” rechnen.

Uehleke betont zudem, dass Heilfasten nicht nur für sich allein, sondern am besten in Kombination mit anderen Verfahren der Naturheilkunde zum Einsatz kommen sollte. Zum Beispiel in Kombination mit Kneippschen Güssen und Anwendungen aus der Heilpflanzenkunde. Außerdem sollten Fastenkuren nur mit fachlicher Anleitung durchgeführt werden. Immer wieder werden Menschen in Spitäler eingeliefert, die bei ihren privaten Fastenkuren kollabierten.

Quelle:
http://www.fr-online.de, Frankfurter Rundschau,
24. 2. 2009

Kommentar:

Dass Fastenkuren sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben können, zeigt der Artikel aus der “Frankfurter Rundschau” meiner Ansicht nach gut auf.
Wichtig scheint mir die Klarstellung bezüglich der Entschlackung.
Entgiften und Entschlacken ist in der Naturheilkunde ein grosses Thema. Auch in der Pflanzenheilkunde gibt es Entschlackungskuren, die vor allem abführende und harntreibende Heilpflanzen enthalten, zum Beispiel Sennesblätter, Birkenblätter, Brennessel, Löwenzahn.
Bisher konnte mir aber niemand auch nur annähernd überzeugend erklären, um welche Art von Schlacken es sich hier genau handelt und wie genau diese ausgeschieden werden. Meinem Eindruck nach ist die ganze Entschlackungstheorie ein Phantom.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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