Jeden Frühling haben sie Hochkonjunktur: Die Kuren zur Entschlackung und Entgiftung. Für die Nützlichkeit dieser Behandlungen gibt es meiner Ansicht nach nicht im Ansatz plausible Gründe. Uns wird mit grosser Penetranz eingeredet, wir seien verschlackt, vergiftet, übersäuert. Uns wird suggeriert, dass wir mit einer passenden Entschlackungskur auch Ballast abwerfen und an Gewicht abnehmen. Das ist totaler Unsinn.

Wann immer Ihnen ein Entschlackungsmittel oder eine Entgiftungskur angeboten wird, fragen Sie genau nach: Welche Giftstoffe sollen ausgeschieden werden? Und auf welchem Weg soll das geschehen? Um welche Schlacken handelt es sich genau? Und wie sollen sie ausgeschieden werden?
Mir hat noch niemand auf solche Fragen auch nur eine einigermassen plausible Antwort geben können. Bisher sind jedenfalls keine konkreten Hinweise aufgetaucht, dass im menschlichen Organismus “Schlacken” entstehen. Schlacken sind meines Wissens Rückstände bei der Eisenverhüttung.
Es deutet alles darauf hin, dass beim Entschlacken und Entgiften ein Phantom ausgetrieben wird, das so gar nicht existiert.

Handelt es sich bei den Entschlackungsmitteln um Heilpflanzen-Präparate, so enthalten diese oft Abführpflanzen wie zum Beispiel Sennesblätter. Das ist dann nicht nur unnütz, sondern auf längere Sicht möglicherweise sogar schädlich.
Der ganze Entschlackungs- und Entgiftungswahn hat meiner Ansicht nach aber auch eine körperfeindliche Tendenz. Irgendwie schwingt da die Botschaft mit, dass wir alle verdreckt sind. Offenbar muss da jeden Frühling geputzt werden, ähnlich wie wir es beim Frühjahrsputz im Haus machen. Die Vorstellung, dass im Körper nach einer solchen Entschlackungs- und Entgiftungskur alles wieder blitzblank und sauber ist, fühlt sich offenbar so gut an, dass solche obskuren Präparate sich Jahr für Jahr bestens verkaufen.

Sehr fragwürdig scheint mir, dass auch viele Apotheken und Drogerien auf der Entgiftungs- und Entschlackungswelle reiten. Obwohl es nicht den geringsten plausiblen Grund für eine Wirksamkeit dieser Produkte gibt.
Das ist erstaunlich, versuchen doch beide Berufsgruppen sich stark als kompetente Gesundheitsberater zu profilieren. Das Propagieren von solch fragwürdigen Entschlackungsmitteln widerspricht aber meines Erachtens jeder Fachkompetenz. Meine Empfehlung: Apotheken und Drogerien meiden, die mit so unseriösen Produkten Geschäfte machen.

Wir werden ja Tag für Tag überschwemmt mit Empfehlungen und guten Ratschlägen dazu, was wir alles für unsere Gesundheit tun oder lassen sollten. Niemand kann all diesen Empfehlungen auch nur im Ansatz genügen. Daraus folgt nicht selten ein latentes schlechtes Gewissen, was das eigene Gesundheitsverhalten angeht.
Entschlackungskuren und Entgiftungsmittel lindern wohl vor allem dieses schlechte Gewissen, indem sie uns vorgaukeln, dass wir damit etwas Besonderes tun für unsere Gesundheit.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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