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Zur Ernährungstherapie bei entzündlichem Rheuma

Gesundheitliches

Avatar-FotoMartin Koradi01.08.2009

Die richtige Ernährung kann die Krankheitsaktivität bei entzündlichem Rheuma deutlich vermindern.

Bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sollte die Ernährungstherapie bereits vom Anfang der Krankheit an ein selbstverständlicher Baustein der Behandlung sein, stellt Dr. Reinhard Hein aus Nienburg fest. Der niedergelassene Rheumatologe ist Mitglied des Arbeitskreises Ernährung in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Nur: Wie setzt sich eine optimale Rheumakost zusammen?

Im Zentrum der langfristigen Umstellung der Essgewohnheiten steht die Verminderung tierischer Fette. Für alle Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen empfehlenswert ist eine überwiegend laktovegetabilen, antientzündliche Kost, die reich an Omega-3-Fettsäuren und Antioxidanzien ist.

Ein wichtiger Aspekt ist für Hein zudem die Raucherentwöhnung, da der Krankheitsverlauf bei Rauchern nachweislich schlechter ist.
Gelingt die Umstellung der Ernährung, wird der Patient nach 10 bis 12 Wochen die ersten Erfolge spüren, das heißt, sobald die Arachidonsäure aus den körpereigenen Fettspeichern verschwunden ist. Nicht nur die Symptome gehen dann zurück, sondern häufig auch der Bedarf an Medikamenten wie NSAR und Kortison, es gibt weniger Rückfälle und weniger Rest-Beschwerden unter der Basistherapie.
Zum Nutzen der Einnahme von Fischöl, Vitamin D, Vitamin C oder Zink bei Rheumapatienten gebe es neue Daten, die künftig auch die DGRh in ihren Empfehlungen berücksichtigen werde. Das Votum zu gunsten von Omega-3-Fettsäuren in Form von Fischölkapseln werde positiver. Eine Substitution von Vitamin D werde zukünftig empfohlen, ebenso in Einzelfällen die Gabe von Zink, speziell bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis. Aufgrund der schwachen oder widersprüchlichen Datenlage wird die regelmäßige Substitution von Vitamin C und E oder Selen nach Angaben von Hein nur im Einzelfall oder nicht empfohlen.

Ernährungstipps bei Rheuma

Für Rheumapatienten gilt als Empfehlung: Fettreiche Lebensmittel tierischer Herkunft wie Schmalz, Leber, Eigelb oder fettreiche Fleisch- und Wurstsorten meiden! Nicht mehr als zwei Portionen Fleisch oder Wurst pro Woche verzehren. Anzuraten sind Makrele, Lachs und Hering – zweimal pro Woche. Diese Fischarten sind reich an Omega-3-Fettsäuren.
Das gilt ebenfalls für Raps-, Soja-, Walnuss- und Leinöl. Raps- und Sojaöl sind ausserdem ausgezeichnete Quellen für Vitamin E. Die in Gemüse und Obst enthaltenen antioxidativen Inhaltsstoffe sprechen für den Verzehr von fünf Portionen am Tag.

Quelle:
www.aerztezeitung.de, 28. 7. 2009

Kommentar & Ergänzung: Zur Ernährungstherapie bei entzündlichem Rheuma

In der Naturheilkunde wird schon lange bei Rheuma eine vegetarische Ernährung empfohlen. Begründet wird dies oft mit dem Basenreichtum dieser Kost, mit dem einer Übersäuerung des Organismus entgegengewirkt werden soll. Allerdings steht die Säure-Basen-Theorie auf sehr wackligen Beinen. Es ist gar nicht klar, ob wir wirklich so unter Übersäuerung leiden, wie das die Vertreter dieser Theorie darstellen.
Vielleicht ist es ja einfach folgendermassen: Die Erfahrung, dass eine vegetarische Ernährung rheumatische Beschwerden in manchen Fällen lindern kann, trifft offenbar zu. Die dazu bisher gelieferte theoretische Erklärung – die Übersäuerung und die Besserung durch Basenzufuhr – ist aber wohl eher falsch.

Die Erklärung der Besserung durch antioxidative, antientzündliche Effekte scheint (gegenwärtig) überzeugender.
Das ist offenbar ein weiteres Beispiel dafür, dass jede Erfahrung mit verschiedensten Theorien kompatibel ist, d. h. durch sie erklärt werden kann.
Dass eine Theorie zu einer Erfahrung passt, sagt also noch nichts aus über die Richtigkeit der Theorie. So hat das unter anderem der Wissenschaftsphilosoph Karl Popper (1902 – 1994) dargestellt.

Auch im Umgang mit Heilpflanzen ist es so, dass Erklärungsmodelle und Theorien immer wieder einmal wechseln. Phytotherapie ist ein lebendiges und offenes Wissensgebiet, das nicht einfach stillsteht. Es kommt laufend neues Wissen auf und altes muss als irrtümlich und überholt ausgemustert werden. Die Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde können wertvoll sein, aber ebenso gut fehlerhaft und irrtumsbehaftet. Also gibt es nur eins: Überlieferte Theorien nicht einfach blind nachbeten, sondern interessiert aufnehmen und sorgfältig auf ihre Gültigkeit hin überprüfen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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