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Metastudie: Zink lindert Erkältung

Gesundheitliches

Avatar-FotoMartin Koradi23.02.2011

Zink reduziert die Schwere und Dauer von Erkältungen. Das zeigte eine aktuelle Cochrane-Analyse (doi: 10.1002/14651858.CD001364.pub3). Sie umfasst 15 Studien mit insgesamt 1360 Personen. Danach reduzieren Zink-Sirup, Zink-Lutschtabletten oder Zink-Tabletten die Dauer und Schwere einer Erkältung, wenn sie am Tag des Auftretens der ersten Symptome eingenommen werden. Bei den Teilnehmern der Zink-Gruppe waren Fieber, Halsschmerzen und Schnupfen nach sieben Tagen verschwunden, bei denen der Placebogruppe dagegen nicht. Kinder, die über fünf Monate Zink-Sirup oder Zink-Lutschtabletten erhielten, erkrankten zudem seltener an fiebrigen Erkältungen, fehlten seltener in der Schule und brauchten weniger Antibiotika.

»Dieses Review stärkt die Belege für den Nutzen von Zink bei Erkältungen«, erklärte Professor Dr. Meenu Singh vom Post Graduate Institute of Medical Education in Chandigarh (Indien). Trotzdem sei es weiterhin schwierig, eine allgemeine Empfehlung abzugeben: »Wir wissen noch zu wenig über die optimale Dosis und Darreichungsform sowie Dauer der Behandlung.« Weitere Forschung sei zudem nötig, um die Wirkung bei bestimmten Patientengruppen wie Asthmatikern zu untersuchen.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=36975&type=0

Kommentar & Ergänzung: Metastudie: Zink lindert Erkältung

Ich bin ja grundsätzlich eher skeptisch gegenüber dem, was uns da alles an unnötiger Nahrungsergänzung angeboten und aufgeschwatzt wird.

Viele dieser Präparate nützen nur den Herstellern und Verkäufern.

Diese Cochrane-Analyse zum Thema Zink & Erkältungskrankheiten ist allerdings interessant. Cochrane wertet jeweils eine grössere Anzahl von Studien zu einer bestimmten Fragestellung aus. Dadurch bekommen die Resultate solcher Metastudien mehr Aussagekraft und mehr Gewicht.

Verfälscht werden könnte eine Cochrane-Analyse wie diejenige über Zink & Erkältungskrankheiten durch den Publikationsbias (publication bias). Damit ist gemeint, dass Studien mit positivem Ergebnis eher veröffentlicht werden als Studien mit negativem Resultat.

Dieses Phänomen verzerrt die Studienlage und ist  bedeutsam in Medizin, Komplementärmedizin und Alternativmedizin.

Wikipedia beschreibt den Publikationsbias folgender massen:

„Der Publikationsbias ist die statistisch verzerrte (engl. bias [ˈbaɪəs]) Darstellung der Datenlage in wissenschaftlichen Zeitschriften infolge einer bevorzugten Veröffentlichung von Studien mit „positiven“ bzw. signifikanten Ergebnissen. Positive Befunde sind leichter zu publizieren als solche mit „negativen“, also nicht-signifikanten Ergebnissen und sind zudem häufiger in Fachzeitschriften mit hohem Impact Factor veröffentlicht. Deshalb wird dieses Problem auch als File-Drawer-Problem (übersetzt: Aktenschubfach-Problem) bezeichnet. In der medizinischen Arzneimittelforschung ist eine weitere Ursache für den Publikationsbias die Vorselektion negativer Ergebnisse durch Pharmafirmen, von denen die meisten Studien gesponsert werden.

Aufgrund der erhöhten Häufigkeit positiver Ergebnisse kann in der Medizin etwa die Wirksamkeit von Therapien überschätzt werden, da Studien mit nachgewiesener Wirksamkeit leichter zu publizieren sind als solche, die die Wirksamkeit nicht nachweisen können. Dies ist besonders relevant, wenn aufgrund der bereits publizierten Datenlage anhand einer Metaanalyse Therapieempfehlungen generiert werden sollen. Der Verdacht auf einen Publikationsbias kann durch das Erstellen eines Funnel plots erhärtet werden.

Aus den genannten Gründen verlangen mittlerweile einige der renommierten medizinischen Fachzeitschriften, dass alle durchgeführten Studien vorher bekannt gemacht werden müssen. Nur solche im Voraus publik gemachten Studien werden zur Publikation angenommen. Dies soll neben anderen Aspekten einen Überblick über die zum Thema durchgeführten Studien ermöglichen, um den Publikationsbias zumindest abschätzen zu können.

Darüber hinaus gibt es bereits Fachzeitschriften (vorrangig im Internet), die gezielt Studien mit „negativem“, d.h. im Sinne der Fragestellung nicht signifikanten Ergebnissen publizieren. Auch die Cochrane Collaboration ist an solchen Ergebnissen sehr interessiert, um sie in ihre Analysen zu den Standards in der Medizin verwenden zu können.“

(Quelle: Wikipedia)

Da können wir also nur hoffen, dass der publication bias beim Thema Zink & Erkältung nicht allzu gross und das Resultat der Cochrane-Analyse daher korrekt ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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