Fachleute warnen vor Einnahme von konjugierten Linolsäuren wegen unklarem Diabetes-Risiko.

Konjugierte Linolsäuren, vielgepriesene Schlankheitsmittel, regen in der Bauchspeicheldrüse die Ausschüttung von Insulin an, haben Wissenschaftler der Universität Bonn in Kooperation mit Tübinger Kollegen herausgefunden. Was geschieht, wenn jemand konjugierte Linolsäuren über viele Jahre einnimmt, ist nicht voraussehbar, denn solide Langzeitstudien am Menschen fehlen bisher. Eine mögliche Folge: Diabetes. Die Studie erschien in dem Fachmagazin Journal of Biological Chemistry (doi: 10.1074/jbc.C110.200477).

„Viele Leute schlucken große Mengen dieser Substanzen, weil sie glauben, dass sie ihnen gut tun”, erklärt Evi Kostenis. „Aber wie wir jetzt gesehen haben, beeinflussen konjugierte Linolsäuren auch die Bauchspeicheldrüse. Es ist gut möglich, dass die Zellen dadurch auf Dauer Schaden nehmen.”

Konjugierte Linolsäuren, CLA abgekürzt, sind bestimmte Arten von Fettsäuren, die natürlicherweise in der Milch und dem Fleisch von Wiederkäuern vorhanden sind. Hochdosierte Kapseln dieser CLA-Verbindungen stehen als Nahrungsergänzungsmittel in den Regalen von Drogerien und Supermärkten und können auch im Internet bestellen. „Sie werden quasi als Allheilmittel angepriesen”, sagt Prof. Kostenis. „Sie sollen Fett verbrennen, Muskelmasse aufbauen, schön machen, gegen Entzündungen helfen, sogar Krebs vorbeugen.” Die Werbung verspricht viel, doch endgültig bewiesen ist bislang keine dieser Wirkungen.

Einige klinische Studien haben dagegen schon gezeigt, dass Menschen unter hohen CLA-Dosen entweder mehr oder weniger Insulin ausschütten und unter Umständen eine Insulinresistenz entwickeln. „Jetzt kennen wir auch den Mechanismus, mit dem die Substanzen auf die Bauchspeicheldrüsenzellen einwirken”, erklärt die Forscherin. Konjugierte Linolsäuren greifen an einem ganz bestimmten Rezeptor an – ist der Blutzuckerspiegel hoch, schütten die Zellen daraufhin innerhalb von Sekunden verstärkt Insulin aus. Das haben die Wissenschaftler an Mäuse- und an Menschenzellen festgestellt, und zwar mit CLA-Mengen, die auch im Blut vorliegen können, wenn der betreffende Mensch konjugierte Linolsäuren in Kapselform zu sich nimmt. Milch und Fleisch dagegen sind in dieser Hinsicht unbedenklich, weil sie keine so hohen Mengen an CLA enthalten.

„Wir wissen nicht, ob Menschen, die regelmäßig mehrere Gramm der Substanzen schlucken, dadurch irgendwann Diabetes entwickeln”, stellt Kostenis fest. Denkbar ist jedoch auch das Gegenteil: Mglicherweise tut den Bauchspeicheldrüsenzellen die wiederholte Stimulation gut. Vielleicht eignen sich CLA damit auch als Arzneimittel gegen Diabetes Typ II. Das alles müssen zukünftige Studien erst klären.

„Bisher wollen wir nur sagen: Leute, passt auf!” betont Evi Kostenis. „Diese Substanzen wirken wie ein Arzneimittel und sind damit nicht ungefährlich.” Die Forscherin fordert endlich seriöse Langzeitstudien am Menschen. Bislang gab es mit CLA keine einzige Langzeitstudie. Das Wissenschaftlerteam hat nun eine Langzeitstudie mit Mäusen initiiert. Sie soll wertvolle Hinweise liefern, welche Langzeitwirkungen von CLA beim Menschen zu erwarten sind.

Natürlich bedeutet nicht harmlos

Konjugierte Linolsäuren werden als natürliche Substanzen propagiert. Aber natürlich heißt nicht automatisch harmlos, warnt die Wissenschaftlerin: „Die Natur macht auch viele schöne Gifte – denken Sie nur an Knollenblätterpilze!” Ihre Schlussfolgerung: „Man sollte nicht alles unbesehen glauben, was die Werbung verspricht.”

Quellen:

http://derstandard.at/1297822036805/Konjugierte-Linolsaeuren-Schlankheitsmittel-koennte-Diabetes-zur-Folge-haben

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21339298

Kommentar & Ergänzung:

Es fällt jedenfalls auf, wie unklar und widersprüchlich die Daten zu Wirkungen und Nebenwirkungen der Konjugierten Linolsäuren (CLA) sind. Das spiegelt sich meinem Eindruck nach sogar im Text auf Wikipedia zur den Wirkungen der CLA:

„Studien an Menschen weisen darauf hin, dass CLA den Körperfettanteil reduziert, während gleichzeitig der Muskelanteil erhöht wird. Außerdem verbessert es die Cholesterinwerte. Die Wirksamkeit künstlich hergestellter Derivate der Linolsäure ist noch Gegenstand der Forschung und lässt sich noch nicht beurteilen.

Nach Einschätzung der Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. besteht keine ausreichender Beweis für die Wirksamkeit einer Supplementation mit CLA und das Auftreten von Nebenwirkungen kann nicht ausgeschlossen werden. Das Bundesamt für Gesundheit (CH) empfiehlt, dass generell die Aufnahme von TFA, egal welcher Herkunft, möglichst gering sein sollte. Es wird keine Empfehlung zum Konsum von CLA gegeben. In einem Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit wurden die Ergebnisse bisherigen Untersuchungen bezüglich CLA als nicht einheitlich bewertet und auf Anhaltspunkte für unerwünschte Nebenwirkungen hingewiesen.

Zu den potentiellen positiven Effekten von CLA wird eine reduzierte Anfälligkeit für ernährungsbedingte Allergien gezählt. Auf der Gegenseite besteht die Annahme, dass CLA möglicherweise Insulinresistenz hervorruft, was ein erhöhtes Risiko zur Erkrankung an Diabetes bedeuten würde. Dennoch erfreuen sich CLA-Präparate insgesamt einer zunehmenden Beliebtheit in der Bevölkerung. Bereits vor Jahren hatten diese natürlichen Substanzen, hinter denen sich genau genommen acht verschiedene Verbindungen identischer chemischer Zusammensetzung mit jeweils abweichender geometrischer Struktur – und deshalb auch unterschiedlichen biochemischen Effekten – verbergen, die Aufmerksamkeit internationaler Forschergruppen geweckt. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass einige CLA antikarzinoge Wirkungen entfalten, der Arteriosklerose entgegenwirken, die Blutfettwerte verbessern, das Immunsystem stärken und den Insulinhaushalt günstig beeinflussen. In Deutschland nehmen Frauen täglich etwa 350 Milligramm CLA mit der Nahrung zu sich, Männer 430 Milligramm. Die erwähnten vorteilhaften Wirkungen kommen in der Regel aber erst bei Dosen im Grammbereich zum Tragen.

Vermehrter Fettabbau durch CLA

Vor allem für Personen, die eine Gewichtsreduktion anstreben, kann sich eine Nahrungsergänzung mit CLA auszahlen. Umfangreiche Studien hatten belegt, dass eine langfristige Nahrungsergänzung mit CLA die Körperfettmasse reduziert. Bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse lassen vermuten, dass dafür drei Wirkmechanismen verantwortlich sind: CLA verringern die nach der Nahrungsaufnahme gespeicherte Fettmenge, beschleunigen den Fettstoffwechsel und fördern die Fettspaltung in den Fettzellen. Zudem erhöhen sie die Apoptose (programmierter Zelltod) der Adipozyten (Fettzellen) und reduzieren so deren Anzahl. Mit CLA lässt sich darüber hinaus der Leptin-Spiegel senken. Leptin ist ein Eiweißhormon, das im Fettgewebe gebildet wird und eine Schlüsselrolle bei der Zunahme des Körpergewichtes spielt.

Eine im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte Studie dokumentierte die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit der Nahrungsergänzung mit CLA. Andere Studien belegten, dass CLA weder einen Einfluss auf die Blutgerinnung hat, noch die Funktion der Blutplättchen beeinträchtigt. Ferner wurden keine negativen Auswirkungen auf den Fettstoffwechsel gesehen.“

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Wichtig scheint mir im Wikipedia-Text, dass offenbar die experimentell gefundenen positiven Wirkungen der CLA erst bei unrealistisch hohen Dosen auftreten. Das ist ein Phänomen, welches bei Nahrungsergänzungsmittel nicht selten anzutreffen ist.

Erstaunlich, dass ein bezüglich Risiken so ungeklärtes Produkt auf breiter Basis als Nahrungsergänzungsmittel vermarktet werden kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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