Die Einnahme von Selen beugt Krebserkrankungen nicht vor. Zu diesem Resultat kommt eine Übersicht im Cochrane Database of Systematic Reviews (2011, Issue 5. Art. No.: CD005195. DOI: 10.1002/14651858.CD005195.pub2). Die unkritische Einnahme des Nahrungsergänzungsmittels Selen könne sogar schaden.

Selen ist Bestandteil verschiedener Proteine (Eiweisse). Einige davon haben antioxidative Wirkungen und könnten damit eine krebspräventive Wirkung haben. Tatsächlich waren eine Reihe von prospektiven Beobachtungsstudien zu dem Resultat gekommen, dass Menschen, die zu wenig Selen mit der Nahrung aufnehmen, mit höherer Wahrscheinlichkeit an Krebs erkranken.

Gabriele Dennert vom Institut für transdisziplinäre Gesundheitsforschung in Berlin ermittelt in ihrer Meta-Analyse eine um 31 Prozent verminderte Krebsinzidenz (Odds Ratio OR 0,69; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,53-0,91) und eine um 45 Prozent reduzierte Sterblichkeit (OR 0,55; 0,36-0,83) für Personen mit der höchsten Aufnahme von Selen, wobei die Inzidenz bei Männern (OR 0,66; 0,42-1,05) stärker vermindert war als bei Frauen (OR 0,90; 0,45-1,77).

Wie auch bereits bei einer Reihe anderer Vitamine und Spurenelemente kamen die randomisierten klinischen Studien zu einem negativen Ergebnis. Dennert nennt total sechs Therapiestudien, die weder für Hautkrebs noch für das Prostatakarzinom Hinweise auf eine vorbeugende Wirkung des Selens fanden.

Leberkrebs

Die Studienresultate zum Leberkrebs seien noch unklar, fügt die Wissenschaftlerin hinzu. Gegen eine unkritische Einnahme von Selenpräparaten sprechen ihrer Ansicht nach die Resultate des Nutritional Prevention of Cancer Trial und des Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial. Beide Studien hätten auf mögliche langfristige Schäden durch die Einnahme von Selenpräparaten hingewiesen. Die britische Cancer Research UK schloss sich in einer Stellungnahme den Schlussfolgerungen der Autorin an. Die bisherigen Studien hätten gezeigt, dass die Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen das Krebsrisiko nicht reduzieren.

Die aktuelle Meta-Analyse bestätige diesen Eindruck. Gleichzeitig ist jedoch klar, dass auf Selen als Spurenelement nicht verzichtet werden kann. Der Bedarf lässt sich nach Ansicht der meisten Experten aber durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung decken.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/45822/Cochrane_Selen_nicht_krebspraeventiv.htm

http://onlinelibrary.wiley.com/o/cochrane/clsysrev/articles/CD005195/frame.html

Kommentar & Ergänzung: Selenpräparaten

Viele Hersteller und Verkäufer von Selenpräparaten machen seit Jahren Geschäfte mit der Angst der Menschen vor Krebs. In der Werbung wird – wen wundert’s – der Nutzen von Selen sehr betont und die allfälligen Risiken verschwiegen. Daher ist es wichtig, dieser Propaganda auch kritischere Informationen entgegenzusetzen.

Hier ergänzend noch ein Zitat zu Selen aus Wikipedia:

„Selen als Nahrungsergänzungsmittel

In einer kritischen Bewertung der Pharmainformation vom Juni 2005 wird festgestellt, dass die bislang verfügbaren Studien keine Hinweise für einen Nutzen einer zusätzlichen Gabe von Selen in irgendeinem Zusammenhang erbringen konnten. Zwar scheint eine positive Beeinflussung verschiedener Krebsarten möglich, andererseits die Begünstigung anderer Karzinome nicht unwahrscheinlich. Die ‚SELECT’-Studie (‚Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial’) sollte diesbezüglich Auskunft geben und 2013 abgeschlossen werden. Allerdings wurde diese im Oktober 2008 abgebrochen, da während der Studie nachgewiesen werden konnte, dass es keine verbesserte Schutzwirkung im Vergleich zum Placebo gibt und ein Nutzen ausgeschlossen werden konnte. In dieser Studie wurde zwar sogar eine erhöhte Prostatakrebshäufigkeit unter der Gabe von Vitamin E und eine erhöhte Diabetesentstehung unter der Selengabe festgestellt, beides war aber nicht statistisch signifikant.

Im Rahmen der neuerlichen Auswertung von Daten einer Studie kam Saverio Stranges von der Universität in Buffalo  zu dem Ergebnis, dass von den 600 Patienten, die Selen einnahmen (tägl. 200 µg) nach fast acht Jahren etwa zehn Prozent an Typ 2 Diabetes erkrankt waren. Bei der Placebo-Kontrollgruppe waren es lediglich sechs Prozent. Bis dato wurde noch keine potentielle Ursache für das erhöhte Diabetes-Risiko gefunden. Hohe Selenkonzentrationen im Blut korrelieren mit dem Risiko, an Diabetes zu erkranken. Somit kommt auch die Pharmainformation vom Februar 2008 zum Schluss: ‚Eine kritische Haltung gegenüber wenig belegten Konzepten, hinter denen natürlich ein großes finanzielles Interesse steht, hat sich wieder einmal bestätigt.’

Studienlage Selen

Die Studienlage ist diesbezüglich jedoch nicht eindeutig. So werden der Studie von Stranges et. al. methodische Fehler unterstellt, etwa das Fehlen einer vorherigen Familienamnese, die eine erhöhte familiäre Prävalenz von Diabetes mellitus innerhalb der Selengruppe hätte ausschließen müssen, sowie die Tatsache, dass die untersuchten Probanden Personen waren, die in hohem Maße Sonnenstrahlung und Chemikalien ausgesetzt waren, weswegen sich die Ergebnisse schlecht auf ‚durchschnittliche’ Probanden übertragen ließen. Zudem liege das Diabetes-Risiko sowohl in der Placebo- als auch in der Selengruppe unter dem amerikanischen Durchschnittswert. Andere Studien legen weiterhin einen hemmenden Effekt von Selen auf die Entwicklung von Diabetes mellitus nahe, darunter eine jüngst veröffentlichte von Tasnime Akbaraly (Universität Montpellier) durchgeführte Untersuchung an 1162 Männern und Frauen.“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben dort)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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