Angesichts des wachsenden Erfolgsdrucks in Schule, Ausbildung und Beruf sind zahlreiche Menschen bereit, zu einer leistungssteigernden Pille zu greifen. Doch ein solches „Hirndoping“ könne gefährlich werden, warnt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

Etwa 2 Millionen Beschäftige im Alter von 20-50 Jahren (5 % der Befragten) gaben in einer Umfrage der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) an, als Gesunde schon einmal leistungssteigernde und stimmungsaufhellende Medikamente konsumiert zu haben. 2 Prozent der befragten Personen erklärten gar, dass sie sich regelmäßig und sehr gezielt „dopen“. Für ein Viertel aller Befragten ist es vertretbar, derartige Arzneimittel zur Steigerung der kognitiven Leistungen im Beruf einzunehmen, ohne dass dafür eine medizinische Notwendigkeit vorliegt.

Aus Sicht der DHS ist diese Einstellung aber ein Irrweg. Antidepressiva und Präparate gegen Demenz oder gegen das sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) seien Medikamente zur Linderung oder Heilung von Krankheiten. „Es sind verschreibungspflichtige Medikamente, die missbräuchlich verwendet werden“, stellt DHS-Geschäftsführer Raphael Gassmann fest.

Zu den bekanntesten Substanzen, die im Zusammenhang mit Hirndoping missbraucht werden, zählen vor allem stimulierende Wirkstoffe wie das Methylphenidat (z.B. Ritalin®) zur medizinisch-indizierten Therapie des Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) und das Modafinil (Handelsname in D: Vigil®, in CH, A: Modasomil®) zur Behandlung der Narkolepsie. Auch Antidepressiva und Antidementiva werden missbräuchlich eingesetzt.

Die gewünschte Wirkung bleibe bei Gesunden aber zumeist aus, erklärt die DHS. Antidepressiva führten bei Gesunden sogar nicht selten zu einer Verschlechterung der Leistungsfähigkeit. So werden zum Beispiel Aufmerksamkeit und Wachheit durch die Aufnahme von Fluoxetin, Citalopram und Sertralin vermindert. Auch finden sich der DHS zufolge keine Belege für eine Steigerung der Gedächtnisleistung Gesunder durch Antidementiva (Medikamente gegen Demenz). Eher würden durch sie Kopfschmerzen, Ruhelosigkeit und Übelkeit ausgelöst. Noch riskanter sei die Einnahme von Methylphenidat  durch gesunde Personen, die bereits über eine gute Aufmerksamkeitsfokussierung verfügen. „Die Einnahme führt bei Gesunden nachweislich weder zu gewünschter Stimmungsaufhellung noch zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, eher erreichen sie die Verringerung von Leistungsfähigkeit und Aktivität“, betont  Prof. Dr. Gerd Glaeske. Neben anderen unerwünschten Nebenwirkungen weisen die stimulierenden Wirkstoffe Methylphenidat und Modafinil ausserdem ein hohes psychisches Abhängigkeitsrisiko auf.

Die DHS verlangt vor diesem Hintergrund eine ergebnisorientierte Verhältnisprävention. Arbeitsplatzregelungen und Sozialleistungen könnten nicht nur wirtschaftspolitisch diskutiert und entschieden werden. Sie müssten deutlicher als bisher auch gesundheitspolitisch ausgerichtet werden. DHS-Geschäftsführer Gassmann sagt dazu: „Wir leben nicht nur, um zu arbeiten. Wenn Schule, Ausbildung und Beruf krank oder süchtig machen, ist es Zeit, sie grundsätzlich zu entschärfen.“

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2011/06/20/dhs-warnt-vor-hirndoping.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Bereich des Hirndopings kommen auch Heilpflanzen-Präparate zur Anwendung. Im Vordergrund stehen dabei Ginkgo biloba, Rosenwurz (Rhodiola rosea) und Ginsengwurzel (Panax ginseng). Diese Heilpflanzen entfalten ihre Wirkung langsam, was unter anderem auch dazu beiträgt, dass kein Abhängigkeitsrisiko besteht.

Ob und wie stark ein gesundes Hirn von Heilpflanzen wie Ginseng, Rosenwurz und Ginkgo profitieren kann, ist allerdings trotz entsprechender Studien nicht eindeutig geklärt.

Zu Rosenwurz siehe:

Rosenwurz (Rhodiola rosea, orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/10/30/rosenwurz-rhodiola-rosea-orpin-rose-gegen-stress-mudigkeit.html

Beim Thema „Hirndoping“ stellen sich aber auch viele grundsätzliche Fragen.

Sollte tatsächlich einmal eine wirksame „Hirnpille“ ohne gravierende Nebenwirkungen entwickelt werden und sollte sich diese durchsetzten, so kämen möglicherweise „Nicht-Anwender“ zunehmend unter Druck.

Und was soll nun genau mit „Hirndoping“ verbessert werden? Die Verarbeitungsgeschwindigkeit im Gehirn? Die Merkfähigkeit? Die Müdigkeitsresistenz?

Sind das nicht ziemlich quantitative Aspekte? Und wäre es nicht sinnvoller, die Qualität von Denkprozessen weiterzuentwickeln?  Das könnte zum Beispiel heissen, wir streben nach möglichst sorgfältiger Urteilsbildung und Entscheidungsfindung, nach präzisem, differenziertem Denken…….

Und dazu braucht es meinem Eindruck nach Übung und allenfalls ein Stück Anleitung – aber wohl kaum Medikamente.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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